Archiv: November 2009

Genosse Platzeck auf dem richtigen Weg

30.11.2009 22:59 - Notizen aus dem U-Boot by jo@chim - 48 Kommentare

Lieber Genosse Platzeck!

Ich schreibe Dir heute ein Solidaritäts-Kommuniqué, denn ich bin stolz auf Dich! Du hast Dich weiterentwickelt – vom bürgerlichen Deichgraf zum kämpferischen internationalistischen Genossen! Jetzt endlich schreiten wir wieder Seit an Seit!

Und vor allem haben wir gelernt, dass wir uns nicht alles gefallen lassen sollen: Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt.

Du, lieber Genosse Platzeck, Du wehrst Dich gegen die imperialistisch-kolonialistischen Angriffe und nimmst folgerichtig unsere Besten mit in Dein Bündnis. Die Geschichte wird es Dir danken, dass Du die Genossin Fraktionschefin IM Kathrin, die Genossen Landtagsabgeordneten IM Schwalbe und IM Hans-Jürgen und den Genossen Landesparteichef IM Mark Schindler mit in Dein Boot nimmst. Und bis heute war ja auch diese HVA-Genossin mit im Boot.

Dass unsere Genossin Vizepräsidentin des Brandenburger Landtages IM Marisa auch mit dabei sein darf, ehrt Dich besonders. Du beherzigst mein Motto: Die Biografien jener, die die DDR aufgebaut und gestärkt haben, dürfen nicht in den Schmutz gezogen werden.

Das sind schon sechs, eine Fraktion sozusagen, die ihre MfS-Erfahrung bei Dir, lieber Genosse Platzeck mit einbringen können. Wir sind auf dem richtigen Weg.

PS: Falls Du noch eine Bildungsministerin brauchst: Nimm doch Genossin Margot mit auf in Dein Kabinett, die hat Zeit und wartet doch schon sooo lange auf ihre Rückkehr in den real existierenden Sozialismus!

Mit sozialistischem Gruß
Dein Egon Krenz

Die Solidaritätsadresse hat sich Helmuth Frauendorfer von mdr FAKT ausgedacht, die Links auf Hintergrundinformationen zu dem Pack sind von mir.

Der Tag nach der Abstimmung

Die Schweiz hat die Initiative für ein Verbot von Minaretten mit einer Deutlichkeit angenommen, wie sie von niemanden erwartet worden war.

Vergessen wir mal diesen Verfassungszusatz über eine Bauvorschrift, von dem ich noch immer der Meinung bin, es sei absurd, einen solchen in der Verfassung zu verankern. Nehmen wir das, was passiert ist zum Nennwert: Hier fand und findet eine intensive Diskussion über die eigenen und die Werte von anderen statt.

Was bitte ist daran so schlecht?

Schirrmacher: Blumenvasen machen dumm

Eigentlich hätte ich noch genügend Zeit gehabt, vor dem Kauf des neuesten Schirrmachers auf die Bremse zu treten. Die Schlange vor mir war ziemlich lang.

Denn ich las, während ich wartete, unter dem grossen Titel “Payback” auch das Kleingedruckte, was ja bei jedem Versicherungsvertrag das eigentlich Wichtige ist:

Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen.

Dieser Satz ist nun wahrlich keine Offenbarung. Der läuft unter der Kategorie “Hund schifft an Laternenpfahl”. Delete “Informationszeitalter”, paste “Kapitalismus”, zum Beispiel.

Auf Nummer siCHer

26.11.2009 22:24 - ∆Foxtrot by Daniel Fallenstein - Kommentieren

Kuvert mit Sicherheitsinnendruck..

Viva Helvetia! Die Botschaft der Eidgenossen in Berlin versendet einfachste Veranstaltungseinladungen im Kuvert mit Sicherheitsinnendruck. Es riecht nach Tresorraum und unbedingter Geborgenheit.

(crosspost)

Real Existierende Bildungsrepublik Deutschland

23.11.2009 20:46 - dagny's tags by dagny t. - 10 Kommentare

Lebenslaufverschoenerungsprogramm für Streber, von wirtschaftsnahen Stiftungen und Grosskonzernen unterstützt mit der Motivation handverlesene Nachwuchskräfte heranzuziehen.

Mit diesem gewerkschaftlich – betriebsratlichen Ritterschlag wird in der ZEIT – Chancen (pdf) auf Seite 93 am 12. November die Kritik eines Lehrerkollegiums einer Berliner Schule an Teach First zusammengefasst.

A.C.A.B. – All Co…iffeurs Are Bastards

21.11.2009 18:30 - ∆Foxtrot by Daniel Fallenstein - 15 Kommentare

Mit einer Schere haben Polizisten in den Vereinigten Arabischen Emiraten die öffentliche Ordnung wieder hergestellt. Sie verpassten einigen Jugendlichen eine neue Frisur […] Die Jugendlichen waren in einem Einkaufszentrum des Emirats Ras al-Chaima wegen ihrer Frisuren und ihrer unanständigen Kleidung aufgefallen.

So werden bei der dpa (in diesem Fall via Welt) die menschenverachtenden Sprachregelungen der Diktaturen des mittleren Ostens unkritisch übernommen.

Enge Tshirts und Jungs mit langen Haaren sind genau so (un)anständig wie jede Burka, jedes Kopftuch, Adiletten, Anglerhüte, Tennissocken und Karottenjeans. Wenn die dpa statt auf journalistischer Distanz zu bleiben, mit den Gottesstaatlern kuschelt, mutiert die Unmoral dieser Unmenschen zum universellen Maßstab. Wir geben zurück in die Voraufklärung.

(crosspost)

Eat the rich

19.11.2009 16:38 - ∆Foxtrot by Daniel Fallenstein - 71 Kommentare

Und hier stellt sich eben schon die „soziale“ Frage, warum ausgerechnet jene Arbeiter, die schon frühzeitig in das Arbeitsleben und damit die Steuerpflicht einsteigen, ausgerechnet jene Bildungsdienstleistung finanzieren sollen, die weder sie selbst noch – aller Erwartung nach – ihre Kinder je in Anspruch nehmen werden?

Christian Hoffman – Aufstand der Asozialen

Sie haben das Recht, nicht mehr schweigen zu dürfen

18.11.2009 12:34 - Notizen aus dem U-Boot by jo@chim - 36 Kommentare

Handschellen klicken, der Cop drückt den Übeltäter auf die Rückbank des Polizeiwagens und liest ihm seine Rechte vor:

Sie haben das Recht zu schweigen. Alles, was Sie sagen, kann vor Gericht gegen Sie verwendet werden. Sie haben das Recht auf einen Anwalt.

Das Gute hat gesiegt. Abspann. Eine klassische Szene in US-Krimis.

Hierzulande brauchen diese Rechte nicht verlesen werden. Das Recht von Zeugen oder Festgenommenen, die Aussage gegenüber Ermittlungsbeamten zu verweigern, gilt aber aus gutem Grund auch in Deutschland, selbst wenn das nicht jedem klar ist. Polizeilichen Vorladungen kann man folgen – oder eben auch nicht. Lediglich die Personalien müssen gegenüber der Polizei angegeben werden; eine Verweigerung wird als Ordnungwidrigkeit geahndet.

Aber vielleicht sollte man bald schreiben, dass dieses Aussageweigerungsrecht galt?

Auszug aus der schwarz-gelben-Koalitionsvereinbarung – etwas versteckt zwischen Änderungen bei der Wiederaufnahme von Strafverfahren und der Reform des Transsexuellenrechts ab Zeile 5007:

Erscheinenspflicht von Zeugen vor der Polizei
Wir werden eine gesetzliche Verpflichtung schaffen, wonach Zeugen im Ermittlungsverfahren nicht nur vor dem Richter und dem Staatsanwalt, sondern auch vor der Polizei erscheinen und – unbeschadet gesetzlicher Zeugenrechte – zur Sache aussagen müssen.

Es geht also um nicht weniger als die komplette Abschaffung der obengenannten Rechte. Ich kann mir das aus liberaler Sicht nur als handwerklichen Patzer erklären: die Annahme, dass eine Justizministerin, die sich einen Ruf als Verteidigerin von Bürgerrechten erworben hat, die Rechte von Zeugen bewusst derart beschneiden lässt, erscheint doch absurd. Oder?

Global Europe

12:12 - ∆Foxtrot by Daniel Fallenstein - 3 Kommentare

Meine Droge ist zurück. Das Kosmoblog, das vor mehr als zwei Jahren eingestellt wurde, ist zurück (zwar metamorphiert, aber mit der gleichen Substanz). Wenn man jeden Morgen über die wichtigsten „Lektüren“ in der internationalen Tagespresse informiert  sein wollte, war das Kosmoblog die erste Wahl. Und es war der stellaren Qualität zu verdanken, dass das Kosmoblog von einem privaten Projekt Ulrich Specks zu einem offiziellen Blog der Zeit wurde (Leider sind in der Zeit nur noch Siebeck und Um die Ecke gedacht regelmäßig einen Blick wert.).

Das aktuelle Projekt Ulrich Specks, der Think Tank Global Europe, bietet mit seinen Morning Briefs genau das, was die begeisterten Leser seiner Lektüren in den letzten Jahren entbehren mussten. Good to have you back.