Des samma Mia
Ein Bericht vom 1. Landestreffen der Libertären Plattform in Bayern, pardon Franken.
Würde der Johannes Heesters der geopolitischen Debatte und Talking Head extraordinaire, Peter Scholl-Latour, Franken beschreiben, er käme wohl um das Klischee des zänkischen Bergvolks nicht herum. Und bei denen, die keine Bayern sein wollen, quasi vor der Haustür unseres CEOs, in den Haas Sälen zu Bamberg, fand das 1. Bayrische Landestreffen der Libertären Plattform statt.
Bereits am Freitag war ich mit meiner Freundin dorthin gereist, um einem A-Team-Treffen beizuwohnen und die von Kollegin dagny t. aus dem Angelsächsischen mitgebrachte Spirituose zu probieren. Das Antibürokratieteam hat –soviel sei verraten– mittelfristig ein paar hübsche Innovationen in der Pipeline.
Am Samstag eröffnete ein Vortrag Gérard Bökenkamps das Programm. Exzellent vorbereitet und eloquent vortragend skizzierte er das libertäre Dilemma. Zwischen der Rothbard’schen Ablehnung jeglicher Politik als Mittel zum libertären Zweck und der hier und da vorhandenen Gestaltungsmöglichkeit im libertären Sinne gerät man leicht in eine Zwickmühle. Diese zwei widerstreitenden Pole versuchte Gérard Bökenkamp in einer Synthese zu versöhnen. Den absoluten ethischen Anspruch Murray N. Rothbards verband er mit der Verantwortungsethik Max Webers. In dieser Konstellation wird libertäre Politik denk- und machbar.
Im Anschluss wurde die Debatte um Strukturen und Selbstverständnis der LP fortgeführt. Dabei gelang es –ganz im Sinne des vorhergegangenen Programmpunkts– scheinbar widerstreitende Positionen in eine Synthese zu bringen. Dass es in einer per Definition so vielgestaltigen Einrichtung wie der Libertären Plattform zwangsläufig zu kleineren Friktionen kommt, ist alles andere als überraschend. Aber dass in der gemeinsamen Debatte tragfähige Vereinbarungen und erfreuliche Perspektiven erarbeitet wurden, unterscheidet die konsequenten Liberalen von den spaltsüchtigen Linken und Rechten.
Nach einer kurzen Stärkung bestritt unser Mann im Bundestag, Frank Schäffler, das Abendprogramm mit einem Vortrag über Geldpolitik.
Warum weniger Staat mehr Wohlstand bedeutet – und warum eine Privatisierung des Geldes zwar utopisch scheint, aber wünschenswert wäre
Die staatliche Gelddruckerei als wesentlicher Faktor der Finanzkrise wurde ebenso behandelt wie eine sinnvolle Transformation des jetzigen Fiat Money-Systems in einen freien Markt für Privat- wie Staatswährungen.
Der Vortrag wurde aufgezeichnet und ein Video wird in Kürze zur Verfügung stehen steht zur Verfügung. Die Kooperation der Libertären Plattform und des FDP-Kreisverbands Bamberg bei dieser Abendveranstaltung war die erste dieser Art und wird sicher weiteren Veranstaltungen als Modell dienen.
Zur „Libertäre Kneipenbegehung“ traf sogar noch ein Teilnehmer ein, der erst spät abends abkömmlich war. Und das war nicht umsonst. Beim Bierverzehr wurde wieder einmal die Vereinbarkeit von Freiheit und Verantwortung bewiesen.
Jedenfalls schmeckt schmeckt das Bier in Bayern, pardon Franken (Für einen Preußen meines Kalibers ist alles südlich des Äquators Bayern).








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Ich hadere etwas mit dem ’suedlich des Aequators’. Sollte Daniel instinktiv erkannt haben, dass es in der Mirsanmir Geographie nur einen Aequator gibt?
Das kann dann wohl aber nur der weißwürstige welche sein. Und Franken ist nördlich.
Ich sah selbigen bisher immer auf dem Main verlaufen, der Bamberg nördlich passiert.
Ich schmeckte ihn bisher immer deutlich unterhalb fränkischer Siedlungsgebiete.
Wiki:
http://de.wikipedia.org/wiki/Weißwurstäquator
Sagt der Artikel auch etwas über meine Geschmacksnerven?
Wenn nicht, ist er sinnlos. Fränkische Weißwürste sind ein Irrtum der Geschichte, in seiner ganzen Tragik höchstens mit fränkischen “Currywürsten” vergleichbar.
Nachtrag: Übrigens zählen echte Bayern Franken schon zu Preußen. Und echte Franken geben ihnen dabei auch recht.
Wen interessiert denn die Perspektive der Bergvölker? Meine zählt.
Arrogante Sau. Typisch Blogger! Typisch deutsch!
Interessant. Kann sich nur durch eine Raumzeit-Ausdehnung erklaeren. Kenne den WW-Aequator so:
Vor allem in der Nähe von München ist es gebräuchlich, den Weißwurstäquator als einen Kreis um München mit einem Radius von 100 km zu definieren, was Teile Oberbayerns ausschließt.
und hab mich gefragt, ob fuer Franggische Bradddwuersdde und Rauchbier nicht eine Ausnahme gmacht werdn darf.
Da gibt es keine Ausnahme, nur eine spezielle Region namens Franken, die von Kennern als das deutsche Piemont verehrt wird. Und diese Region liegt nördlich des Weißwurschtäquators.
Hilfe, Dagny!
Lebe in München, mag Bammberch, esse lieber Renggschburger als Weisswürschtl; spreche hochdeutsch. Wie bin ich einzuordnen?
Dieser Diskurs entwurzelt total ;-) …
Ich habe manchmal das unbestimmte Gefühl: man kann all diese Würstchen und Bierchen und Brezn deutlich überbewerten ;-)
So weiß ich auch nicht, wer auf die Idee gekommen ist, ausgerechnet nach der Weißwurst [die ja nun kulinarisch wirklich nichts hergibt] eine geographische Grenze zu benennen. Aber derjenige muss sie sehr wichtig genommen haben ;-)
Eine anständige Weißwurscht mit dem richtigen Senf und einer warmen, knusprigen Breze ist eine Offenbarung, die sicherlich sehr viel zur hohen Religiösität im Münchner Raum beiträgt.
Irgendwo muß man ja die Dank- und Stoßgebete hinschicken.
Man kann das eigentlich nur grob unterschätzen.
Der menschliche Geist ist nicht fähig, ja nicht einmal würdig, den kulinarischen Wert dieser Spezialität zu ermessen.
>>> … die sicherlich sehr viel zur hohen Religiösität im Münchner Raum beiträgt
G’rad da findest Du die nicht, die hohe Religosität; meinst wohl eher sowas wie Bier-Seligkeit, hmm?
Aber Deine Verteidigung der Weisswurscht: Göttlich ;-) !
Ich habe nirgendwo so viele Bekloppte getroffen wie in Minga.
In der Passage am Stachus konnte man an manchen Tagen abzählen: Der da redet mit Gott, der da mit Jesus, der kennt ihn persönlich, die schläft mit ihm, der isses, und die da hat entdeckt, daß sie früher mal ein Engel war, wurde dann aber von Außerirdischen vergewaltigt und engagiert sich jetzt für harmonisches Zusammensein mit Lichtwesen und informatischen Wasserenergiefeldern.
Nur Bekloppte in der Innenstadt.
Aber verdammt gutes Bier und himmlische Würste.
Na gut, dann bin ich halt in der Minderheit, was die Weißwurst betrifft. Ich finde die typische deftige Brotzeit wesentlich interessanter und schmackhafter. Das bayrische Bier ist natürlich auf einer Stufe mit den besten Bieren der Welt (z.B. aus Böhmen, Sachsen, Franken …).
Die Brotzeit kann man ja überall haben, richtig gute Weißwürschte nur rund um München. Die müssen schön saftig sein.
Der perfekte Tag beginnt mit einem Doppelbrötchen (wird hier in Franken als Doppelsemmel oder Ossibrötchen verkauft) mit dick Butter und saurem Quittengelee.
Danach kommt das Weißwurschtfrühstück.
Zum Mittag einen halben Karpfen gebacken mit fränkischem Kartoffelsalat und Selleriesalat süß-sauer.
Als Zwischenmahlzeit empfiehlt sich beim Warten auf Kaffee und Kuchen eine dicke Roggenbrotbemme mit thüringer (bzw. sächsischer) Kümmelbratwurst.
Zum Kaffee gibt es natürlich Obstkuchen mit Streuseln und Schlagsahne oder Palatschinken mit Obst und Eis.
Damit das nicht zu süß wird, schiebt man sich auf dem Weg zum Abendessen etwas heißen, dampfenden Zwiebelkuchen zu einem Glas Federweißer hinterher und widmet sich anschließend am Dönerstand der Integration unserer Mitmenschen und Mitmenschinnen mit und ohne Migationshintergrund.
(Ewige Höllenqual über die Bürokratenseele, der wir das Verbot der scharfen Sauce zu verdanken haben!)
Das Abendessen sollte man mit Rücksicht auf die schlanke Linie frugal beginnen: Eine getoastete Scheibe Roggenbrot mit etwas Knoblauch und Öl bestrichen und mit einigen Sardellen belegt.
Danach eine Auswahl thüringischer und fränkischer Rostbratwürste mit Senf und Kren. Keine weiteren Kohlehydrate dazu, wir wollen abnehmen.
Als Zwischenhäppchen eine Schinkenplatte mit Salzgurke, Kren und Knoblauch, anschließend lecker Bierfasan mit Sauerkraut und Kloß.
Wir runden das mit ein paar Zwetschkenknödeln in Puderzucker und zerlassener Butter ab und lassen den Abend mit Wal- und Haselnüssen, Rosinen, Äpfeln, frisch gerösteten Eßkastanien und Trockenfrüchten ausklingen,
Sollte man zwischendurch Hohlräume in der Magengegend verspüren, empfehle ich heißgedämpfte Halberstädter Bockwurst mit Bauzner Senf und – sofern zu kriegen – nordrheinwestfälische Schlachterplatte.
Zum Nachtmahl empfiehlt es sich, nur eine leichte Suppe zu nehmen. Soljanka hat sich da sehr bewährt.
Als Standardgetränk wählt der Genußmensch ein Faß Aischer Kellerbier und einen halbtrockenen Silvaner.
Aber wenn man da noch eine Brotzeit unterbringen will, kann man es natürlich versuchen.
Gulp. Nicht umsonst wird das mit Weizen serviert (lässt sich nur besoffen ertragen).
Versuch mal besser blaue Zipfel. Das ist Franken. Nicht bayrisches Touri-/ und/oder Alki-Futter…
Mit den Zipfeln bin ich schon böse reingefallen. Wenn die schlecht gemacht sind, dann gleich richtig schlecht. Seitdem bin ich da vorsichtig.
Aber wenn Weißwürste schlecht gemacht sind … dann wird’s ganz trostlos ;-)
Nö, dann ist man einfach in Franken gelandet und sollte sich an Roster halten. Das ist doch nun wirklich ganz einfach. Echt, Mann.
Ja, dann! Dachte weniger an Esoteriker und Ökologisten als als g’stand’ne bajuwarische Katholiken …
>>> Der da redet mit Gott, der da mit Jesus ..
Stimmt schon, und wenn Du ihn selber treffen willst: am Ostbahnhof steht er dienstags und freitags in Sack und Asche am Bahnsteig, gibt Interviews … der arme irre alte Mann! Wie eine Weisswurscht schmeckt oder was Libertäre so alles wollen (um jetzt die Kurve zu kriegen), hat der schon lang vergessen …
[...] Frank Schäffler zu Freiem Geld Kommentare stefanolix: Ich habe manchmal das unbestimmte Gefühl: man… Lina: Hilfe, Dagny! Lebe in München, mag [...]
Ihr mit euren Würsten. A Schäufferla mit Glos und Graut is immer noch unschlagbar :)
Schweinebraten ist zweifellos wichtig. Aber ein Leben ohne Wurst ist ein Irrtum.
[...] By Robert Michel In einer Rede zum bairischen Landestreffen der libertären Plattform hat Gérard Bökenkamp eine zentrale Frage der libertären Weltanschauung [...]
“Warum weniger Staat mehr Wohlstand bedeutet”
Warum eigentlich, wenn die Geschichte und die Realität das genaue Gegenteil zeigen (typisches Beipiel USA, GB). Pro Staat (Schweden, Dänemark) kontra Staat (Nordkorea, China) für mich ist da keine Kausalität zu erkennen, auch wenn es noch so oft wiederholt wird. In meinen Augen ist ein starker Staat wichtig, aber noch wichtiger ist, dass dieser massiv vom Volk kontrolliert wird. In dieser Konstellation hat er die Möglichkeit die Wirtschaft zu überwachen, so dass sie die Gesetze einhalten. Wie soll es sonst laufen. Ohne Gesetze wird es nicht gehen. Es wäre ein schöner Artikel für diesen Block, diesen immer wieder genannten Satz “weniger=mehr” mal zu analysieren und mit der Realität zu vergleichen.
Wie dies (man nennt es in seiner liberalen Ausprägung Ordoliberalismus) bewerkstelligt werden kann, wird in den »Federalist Papers« at length ausgeführt (wiki).
Ich empfehle die Lektüre (auch via Podcast) wärmstens.
“Blog” natürlich Schreibfehler
[...] einer Rede zum bayrischen Landestreffen der libertären Plattform hat Gérard Bökenkamp eine zentrale Frage der libertären Weltanschauung [...]