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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Real Existierende Bildungsrepublik Deutschland

dagny t., 23.11.2009

Lebenslaufverschoenerungsprogramm für Streber, von wirtschaftsnahen Stiftungen und Grosskonzernen unterstützt mit der Motivation handverlesene Nachwuchskräfte heranzuziehen.

Mit diesem gewerkschaftlich – betriebsratlichen Ritterschlag wird in der ZEIT – Chancen (pdf) auf Seite 93 am 12. November die Kritik eines Lehrerkollegiums einer Berliner Schule an Teach First zusammengefasst.

Teach First ist ein Projekt, welches seine Wurzeln im UK und den USA hat und darauf abzielt, junge High Potentials, Hochschulabsolventen die später zu der Elite des Landes gehören können, fuer zwei Jahre als Fellow in Brennpunktschulen mit-unterrichten zu lassen. Das Programm ist so angelegt, dass die jungen Menschen, denen viele andere Türen offen stehen, keine Konkurrenz sondern eine Ergänzung des Lehrkörpers sind.
Das Programm ist dieses Jahr erstmals in drei Bundesländern angelaufen, aus rund 800 Bewerbern wurden 60 ausgewählt um Ihre meist sehr ungewöhnlichen Lebensläufe, besondere Begabungen und Talente und nicht zuletzt Begeisterung als sogenannter Fellow an Kinder auf Hauptschulen weiterzugeben.

Die ZEIT nennt das Beispiel eines ehemaligen Strassen- und Waisenkinds aus Kenia, der nach Adoption und Studium in Deutschland, Fellow geworden ist. Dazu gesellt sich leider harte Kritik: Teach First sei ein Demotivationsprogramm fuer die echten Lehrer, deren jahrelanges Studium und Referendariat entwertet werde.

Berechtigte kritische Fragen an das Programm, etwa nach (negativen) Erfahrungen mit Teach First im UK oder Teach for Amerika werden von den Journalisten nicht gestellt. Auf diese Weise wird die vorgebrachte Kritik an Teach First zu einer Bankrotterklärung der Bildungspersonalräte. Eine Entflechtung des Lehrerbildungsweges Schule – Studium – Schule, in Lehrerfamilien über Generationen gepflegt, tut ohnehin mehr als Not.



10 Kommentare zu “Real Existierende Bildungsrepublik Deutschland”

  1. chriwi

    Der positive Aspekt dieses Programms liegt auf der Hand. In den Brennpunkten würde mancher weltfremde Student die Wirklichkeit kennenlernen und aus seinem akademischen Umfeld rauskommen. Da es allerding keine Pflicht ist, verpufft der Effekt wieder.

  2. R.A.

    > Teach First sei ein Demotivationsprogramm
    > fuer die echten Lehrer, deren jahrelanges
    > Studium und Referendariat entwertet werde.
    Ein “echter” Lehrer braucht wohl keine Angst davor zu haben, daß auch “Laien” etwas beim Unterricht mithelfen.

    Eher haben wohl die GEW-Fuzzies Angst, daß der Vergleich zeigt, daß sie aus ihrem “jahrelangem Studium und Refendariat” wenig gemacht haben und daß sie eben schlechte Lehrer sind.

  3. Alrik

    In den Brennpunkten würde mancher weltfremde Student die Wirklichkeit kennenlernen und aus seinem akademischen Umfeld rauskommen.

    Wieso ist das ein positiver Effekt ? Wenn die Wirklichkeit nicht mit dem Bild übereinstimmt, das die Hochschulen dem Akademiker vermittelt haben ist das AUS DEM BLICKWINKEL der akademischen Elite wohl eindeutig ein negativer Effekt, den man mit jeden Mittel verhindern muß. ;)

  4. califax

    Genau. Data driven theorie ist analog zu horse gone wild zu lesen.

  5. alex

    Du glaubst doch nicht, dass Managersöhnchen an diesem Programm teilnehmen. Träumen Sie weiter. Daran werden ohnehin jene teilnehmen, die sehr ehrgeizig sind, höchstens aus der Mittelschicht stammen und in dem Bereich “soziales” wollen. Meistens sogar Lehrer werden wollen.

  6. chriwi

    Leider. Gerade diejenigen die es nötig hätten mal die ärmere Bevölkerung kennenzulernen und sei es nur um sich eine eigene Meinung zu bilden, bleiben fern.

  7. BlackEye

    High potentials bräuchte man viel eher auf den Gymnasien, um den Kindern zu zeigen was man aus sich machen kann und dass das Lernen und Anstrengen nicht umsonst ist. An die Hauptschulen müste mann schon eher diejenigen schicken, die gerade ihre Polizeiausbildung absolvieren, damit sie schon mal mit schwierigen Fällen umzugehen lernen ohne auf Gewalt zurückzugreifen.

  8. lukas

    Genau. Sonst kommen die Hauptschüler womöglich noch auf die Idee, sie könnten auch etwas aus sich machen, und wo kämen wir denn da hin. Schon Plato wusste, dass manche eben zum Sklaven geboren sind, und unser Bildungssystem sollte diese Realität zum Wohle aller widerspiegeln.

  9. multi_io

    Lebenslaufverschoenerungsprogramm für Streber, von wirtschaftsnahen Stiftungen und Grosskonzernen unterstützt mit der Motivation handverlesene Nachwuchskräfte heranzuziehen.

    Mit diesem gewerkschaftlich – betriebsratlichen Ritterschlag wird in der ZEIT – Chancen (pdf) auf Seite 93 am 12. November die Kritik eines Lehrerkollegiums einer Berliner Schule an Teach First zusammengefasst.

    Hm, nee, wird sie nicht. Es handelt sich um indirekte Rede (Konjunktiv II) — ein voll abgespacetes Feature der deutschen Sprache, in diesem Fall benutzt vom Autor des Artikels, um Aussagen von Dritten wiederzugeben, ohne Anführungsstriche zu benutzen…

  10. Dagny

    wird … die Kritik eines Lehrerkollegiums einer Berliner Schule an Teach First zusammengefasst.

    Genau das hab ich doch geschrieben. Es wird die Kritik eines dritten in wunderbarer indirekter Rede wiedergegeben und zusammengefasst? Das Wort ‘betriebsraetlich’ betont dies ebenfalls, es ist ja die Kritik des Kollektivorgans Lehrerkollegium und nicht die der ZEIT.

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