2 Grad im Mittelalter: Climategate

06.12.2009 23:18 - dagny's tags by dagny t. - 11 Kommentare

Wuerde die Durchschnittstemperatur in Mitteleuropa um 4 Grad sinken, dann gaebe es eine neue Eiszeit. Diese Faustregel aus dem Erdkundeunterricht dient zum Verdeutlichen der Groessenordnung wenn es um Klimazonen, Durchschnittstemperaturen oder neuerdings global warming geht.

2 Grad Erwaermung hingegen wuerde die Durschnittstemperatur auf das Niveau der Mittelalterlichen Warmzeit heben. Zwischen 900 und 1300, im Hochmittelalter wurde in Schottland und Ostpreussen Wein angebaut, Weizen in Mittel- und Nordnorwegen, die Baumgrenze in den Alpen lag bei rund 2000 Metern, in Regensburg konnte dank Niedrigwasser das Fundament der Steinernen Bruecke gelegt werden.

Die Mittelalterliche Warmzeit war, wie neuere Forschungen nahelegen, ein globales Phaenomen. Es gibt Untersuchungen in Nordamerika, Asien und Neuseeland, welche dies nahelegen. Wie bei Arlesheim Reloaded bereits vor einigen Tagen zu lesen war, geht es bei Climategate wohl um genau diese Frage: War die Mittelalterliche Warmzeit ein lokaler Ausrutscher, den zu vernachlaessigen erlaubt ist? Oder war diese Warmzeit mit Wachstum und Aufschwung im Hochmittelalter verbunden, eine Erwaermung, die ganz ohne industrielles Kohlendioxid vonstatten ging? Und am Ende sich noch positiv auf den Lebensstandard der Menschen auswirkte?

(Siehe auch die Diagramme bei Marc Sheppard im American Thinker. Wissenschaftliches zur Mittelalterlichen Warmzeit: Evidence for a ‘Medieval Warm Period’ in a 1,100 year tree-ring reconstruction of past austral summer temperatures in New Zealand, in: Geophysical Research Letters 29, 2002, S. 1667.
Wallace S. Broecker, Was the Medieval Warm Period Global?, in: Science, Vol. 291. Nr. 5508, S. 1497 – 1499, 23. Februar 2001)

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11 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Max, 07.12.2009 00:35

Eine weitere Sache, die mich immer interessiert hat, ist die Tatsache, dass rein physikalisch CO2 bei der heutigen delta_ppm eigentlich 0.6 °C Erwärmung verursachen sollte und erst sekundäre Effekte für mehr als 2°C Erwärmung verantwortlich sind. Da jedoch der Zusammenhang Temp-CO2-Gehalt logarithmisch ist, heißt das das die Effekte am Anfang der Erhöhung stärker sind als später. Wenn wir jedoch die letzten 100 Jahre zurück extrapolieren, dann kommen wir immer nur auf 0.6 °C und nicht etwa auch 6 °C in die Vergangenheit.

So etwas stört mich doch gewaltig, besonders weil der Zusammenhang hier zwar bestehen könnte, aber eine mögliche Beziehung bedeutet nicht eine bewiesene Beziehung und selbst die IPCC deutet hier auf große Unsicherheiten (und der Bericht wurde bekanntlich von den CRU’s entschieden mitgestaltet).

Vielleicht bin ich ja hier als Ingenieur einfach vorsichtiger als der durchschnittliche Klimaforscher, aber wenn Beziehungen nciht geklärt sind, dann erkläre ich meine Computersimulation nicht zu einem definitiven Ergebniss =)

Gerade dann, wenn ich auch noch alle 5 Jahre neue Simulationen brauche, weil die alten Ergebnisse divergieren (siehe Hansen ’88).

Es mag ja sein, dass es eine Erderwärmung gibt, die sich auch als konstanter Trend manifestiert, aber leider überzeugen mich die bisherigen Beweise nicht. Genausowenig wie ich auf Finanzmarktmodelle vertraue alle Entscheidungen für mich zu fällen ;)

 
Christian S., 07.12.2009 00:57

“Nach uns die Sintflut!”

tigger, 07.12.2009 02:23

Die wurde ja auch überlebt :-)

 
califax, 07.12.2009 03:47

Wenn’s denn eine Sintflut wäre. Tatsächlich ist der prognostizierte Weltuntergang etwas schärfer betrachtet eher ein Wetterumschwüngchen.
Das ernsthafteste Problem besteht bei Bangladesh. Da muß man aber eh endlich schauen, daß die Gegend dort mal geräumt wird. Und das wird einfacher, wenn man vorher nicht die halbe Welt deindustrialisiert.
Irgendjemand muß halt den ganzen Spaß auch erwirtschaften, und da helfen Banknoten nicht weiter. Da muß jemand für arbeiten.

 
 
Lina, 07.12.2009 09:58

Ach, ich wünsch’ mir das Mittelalter zurück … und mich mitten hinein in deutsche Orangenhaine, forever ;-) …

Der eigentliche Gipfel ist doch, dass jetzt (gleich hebt sich der Vorhang!) in Kopenhagen ein Ensemble aus Politikern, Wissenschaftlern, Alarmisten und Abwiegler sowie die staatlichen und privaten Ablasshändler der Interessenswirtschaft bereit steht, um mit dieser in sich korrupten Besetzung die ‘letzte Ressource der Politik’ (Ulrich Beck) auf die Weltbühne zu bringen …

‘Theres no business like showbusiness’ … und übermorgen übernimmt Google die Welt …

(Sie lasen einen Beitrag aus der Abteilung Kulturpessimismus ;-))))

 
Lemmy Caution, 07.12.2009 13:10

Ich denke, dass eine heutige Verschiebung der Temperaturen zu ungleich höheren sozialen Kosten als in der Zeit um 1100 führt.
Damals war das System robuster, einfach weils wenig Menschen gab. Wenn ein paar Reisbauern im heutigen Bangladesh überschwemmt wurden, hatten sie eine höhere Chance im Hinterland eine neue selbstständige Existenz zu finden.

califax, 07.12.2009 14:48

Nunja, die Reisbauern in Bangladesh sind sowieso gekniffen, ganz egal wie sich das Klima verhält. Das sind also Kosten, die eh irgendwann anfallen.
Die größten mit dem Klima verbundenen Schadenszuwächse sind bei Überschwemmungen im Westen und an den Rändern schnell wachsender Großstädte in den Schwellenländern zu erwarten, weil da voller Freude in Flußauen, Sümpfen und Wadis gesiedelt wird.

dagny t., 07.12.2009 14:53

Wenn es im Mittelalter 400 Jahre lang waermer als heute war, wieso hat dann die Donau in dieser Zeit Niedrigwasser gefuehrt, wenn uns allenthalben erzaehlt wird, es wuerde zu Uberschwemmungen fuehren?

califax, 07.12.2009 15:12

Wo das Wasser runterkommt, hat auch was mit den Luftströmungen zu tun. Die Gletscher der Alpen schrumpfen ja auch schon eine ganze Weile mangels Nachschub von oben.
Ich würde mich aber nicht so weit drauf verlassen, daß ich mein Haus in die Aue setzen würde.

 
Medea, 08.12.2009 13:46 Subscribed to comments via email

Vor allen Dingen frage ich mich, wie sie es gerade um 2 Grad schaffen wollen. Und das in 50 bis 100 Jahren.

Und was ist, wenn wieder mal ein paar Vulkane ausbrechen oder wir mit einer Atombombe bearbeitet werden? Man kann nicht einmal 10 Jahre voraussagen, geschweige denn was in 50 bis 100 Jahren sein wird. Oder hat jemand vor 10 Jahren die Finanzkrise voraus gesagt?

Das Ganze kommt mir doch weniger wissenschaftlich, dafür wesentlich mehr politisch vor. Immerhin kann man dafür neue Steuern erheben. Darauf wird es hinaus laufen.

califax, 08.12.2009 13:58

Die zwei Grad sind auch ganz zufällig der Wert zur mittelalterlichen Wärmeperiode… :)

 
 
 
 
 

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