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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Otto Graf Lambsdorff †

jo@chim, 06.12.2009

Die unmittelbare Bedrohung ist leicht zu erkennen, wenn eine totalitäre Diktatur im Nahen Osten zynisch das Gewaltprinzip anwendet. Einer so erkannten Gefahr können wir entschieden und mit Geschlossenheit erfolgreich begegnen. Bedrohlicher sind aber die nicht spektakulären Gefährdungen von Freiheit und Frieden, die weitgehend unbemerkt wirken. Davor sind wir kaum geschützt, wenn wir nicht mehr auf die Freiheit, Initiative und Leistungsfähigkeit des einzelnen setzen, sondern eine politische Strategie verfolgen, die den Bürger der vollständigen staatlichen Fürsorge anvertraut, ihm die Eigenentscheidung und Verantwortung abnimmt und ihn letztlich entmündigt. Wenn sich so die Gesellschaft schließlich in ihr Schicksal fügt, dann ist dies der “Weg zur Knechtschaft”

Otto Friedrich Wilhelm Freiherr von der Wenge Graf Lambsdorff 1990 in seiner Einführung zur Neuauflage von Hayeks Weg zur Knechtschaft. Worte wie ins Stammbuch der Weinbauverordnungsgestalter, Apothekenwettbewerbsverhinderer und Appeaseniks in der Partei geschrieben, deren Ehrenvorsitzender er war. Kein Beliebigkeits- und/oder Klientel-Liberaler, aber Pragmatiker der Macht – und trotzdem, vielleicht gerade deshalb, immer einer mit einer klaren Vision: mehr Freiheit wagen.

Nicht zuletzt als Vorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit von 1995 bis 2006 hat der überzeugte Marktwirtschafter viel zur Öffnung der Stiftung auch für radikal liberale und libertäre Politikansätze beigetragen. Das wird, wie so vieles was er erreichte, lange wirken.

Gestern ist er mit 82 Jahren in Bonn gestorben.



39 Kommentare zu “Otto Graf Lambsdorff †”

  1. dagny t.

    Mein Beileid zum Tode dieses grossen Liberalen.
    Mein Mitgefuehl gilt allen Angehoerigen Otto Graf Lambsdorffs.

  2. Webbaer

    Traurig, guter Mann.

  3. Alfons

    Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den verstorbenen FDP-Ehrenvorsitzenden Otto Graf Lambsdorff als menschlich wie politisch herausragenden Liberalen gewürdigt. (Quelle: http://www.zeit.de/newsticker/2009/12/6/iptc-hfk-20091206-70-23212168xml)
    Ich glaube es einfach nicht: Unsere Kanzlerin bezeichnet einen vorbestraften Straftäter als “menschlich [...] herausragenden Liberalen”! Dass die FDP nicht mehr tiefer sinken kann (mit so einem Ehrenvorsitzenden) ist eh Vielen klar. De mortuis nil nisi bene? Klar doch, aber diesen Mann als Vorbild hinzustellen ist der Gipfel der Geschmacklosigkeit, Frau Merkel!
    Alfons

  4. Bodo Wünsch

    Ein Liberaler ist weggegangen – ich habe ihn gern gelesen, gern gehört, gern gesehen.

  5. alex

    Was ist schlimm daran, vorbestraft zu sein? Lambsdorff hat doch niemanden umgebracht, im Vergleich zum “geliebten Führer”, zum “großen Führer”, zu Mao, zu Ché und das ganze Gelumpe.

  6. Gernot

    Steuerhinterziehung ist gewaltloser Widerstand gegen ein latent-gewaltätiges System. RIP, Marktgraf!

  7. Boris Eichler

    Lieber Alfons, es dürfte Ihnen wohl mehr als klar sein, dass Otto Graf Lambsdorff in diesem Umfeld viele Anhänger hat, die seinen Tod betrauern, weil Sie in ihm wesentlich mehr sehen als Sie. Sich ausgerechnet hier und nur wenige Stunden nach der Nachricht von seinem Tod über ihn und seine Partei auszukotzen ist so ziemlich das letzte (oder wie Sie es nennen: geschmacklos). Ich kenne viele, die hier regelmäßig posten und erhebliches gegen z.B. Hans Modrow oder Oskar Lafontaine zu sagen hätten. Ich verbürge mich dafür: Keiner meine liberalen Kollegen käme auf die Idee, an deren Todestag in linken Blogs über diese Politiker herzuziehen.

  8. jo@chim

    Ein lesenswerter Nachruf auf den “Marktgrafen” in der FAZ.

  9. Bodo Wünsch

    Mit einer Ausnahme: Bei Kim Jong Il mache ich noch binnen einer Stunde ‘ne Flasche Rotkäppchen auf (vorausgesetzt, ich krieg an der Tanke noch eine), fotografiere mich damit und stell’ das auf facebook.

  10. Christian S.

    Da stoße ich dann an. (Bin ebenfalls Rotkäppchen-Fanboy.)

  11. Daniel Drungels

    Dito. Dafür würde ich mich auch mit Sekt quälen.

  12. jo@chim

    Cuba Libre wär auch ganze lecker, wenn Du verstehst, was ich meine ;-)

  13. Christian S.

    Eine Sozialdemokratische Partei hat sich in Suba vor ein oder zwei Jahren schon gegründet, das läuft! :-)

  14. jo@chim

    Mach ran! Schreib mal was drüber… täte dem rot gut stehen, wenn da nicht nur Parteiprosa zu lesen wäre ;-)

  15. Christian S.

    Nuja, man hört leider nix Neues mehr…

    http://afp.google.com/article/ALeqM5gih9iatROUs_xO0xq38wtmvQcj2g

  16. jo@chim

    Naja, die schmoren wohl inzwischen in Einzelhaft oder sind gezwungen, ihre Werte in Miami hochzuhalten…
    ;|

  17. chriwi

    Ihr seit stolz auf jemanden der solcher Stiftung vorsitzt?

    http://www.heise.de/tp/blogs/8/141261in
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31665/1.html

    Ihr seit stolz auf jemanden der Millionen Euro Steuern hinterzieht und von Rechtsstaat palavert?

    Schwer nachzuvollziehen.

    http://wareluege.wordpress.com/2009/12/07/nachruf/

  18. califax

    Telepolis als Quelle…
    Es gibt durchaus unterschiedliche Meinungen zu Honduras. Nicht Deiner Meinung zu sein, ist kein Verbrechen.
    Im Übrigen gehört es zum guten Benehmen, frisch Verstorbenen Respekt zu erweisen. Dazu freilich benötigt man eine Erziehung und Menschlichkeit.

  19. jo@chim

    Schlecht geschlafen chriwi? Die Stiftung für die Freiheit wird von den Linksextremisten bei Telepolis mit besonderem Hass verfolgt, das ist nichts Neues. Mit dem Agitprop des Chavez-Groupie Neuber, der auch Autor der nationalbolschwistischen “Jungen Welt” ist, haben wir uns auch hier schon öfter einmal auseinandergesetzt.

    Den Link auf das Pöbelblog (“neofaschistische Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft”) mit dem ollen Marx im Titel hätteste Dir ebenfalls sparen können…

  20. chriwi

    “frisch Verstorbenen Respekt zu erweisen” das ja, aber Lobshymnen nur denen die es auch verdienen. Lambsdorff gehört sicher nicht dazu.

    http://www.hagalil.com/archiv/99/08/lambsdorff.htm

  21. Daniel Drungels

    Ich möchte wetten, dass auch Simbabwe den ein oder anderen lieblichen Nektar zu bieten hat. Möglicherweise schon zum Schnäppchenpreis von 1.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000 Simbabwe-Dollar zu bekommen.

  22. Die Stimme aus dem Off

    Alfons, 06.12.2009 17:43

    Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den verstorbenen FDP-Ehrenvorsitzenden Otto Graf Lambsdorff als menschlich wie politisch herausragenden Liberalen gewürdigt. (Quelle: http://www.zeit.de/newsticker/2009/12/6/iptc-hfk-20091206-70-23212168xml)
    Ich glaube es einfach nicht: Unsere Kanzlerin bezeichnet einen vorbestraften Straftäter als “menschlich [...] herausragenden Liberalen”! Dass die FDP nicht mehr tiefer sinken kann (mit so einem Ehrenvorsitzenden) ist eh Vielen klar. De mortuis nil nisi bene? Klar doch, aber diesen Mann als Vorbild hinzustellen ist der Gipfel der Geschmacklosigkeit, Frau Merkel!
    Alfons

    Si tacuisses, philosophus mansisses.

  23. alex

    Kim Jong Il kann man doch nicht mit Oskar Lafontaine vergleichen. Natürlich finden wir alle Oskar Lafontaine unmöglich und wünschen uns, dass er politisch wenig Erfolg hat. Ich hoffe aber trotzdem, dass er seine Krebskrankheit übersteht. Und wahrscheinliche jeder Antibürokratieteam-Autor wird so denken. Ja sogar eingeschnappten SPD-Mitgliedern, die Lafontaine den Wechsel zur Linken immer noch übel nehmen, traue ich den Anstand zu.

    Kim Jong Il muss ich leider den Tod wünschen. Dass er von sich aus zurücktritt, ist nahezu ausgeschlossen. Mich würde auch interessieren, warum die nordkoreanische Diktatur so gut funktioniert, aus soziologischer Sicht. Liegt es vielleicht daran, dass der Staat bei einer religionslosen/buddhistischen Kultur keinen Gott über sich dulden muss? Die DDR ging ja gerade auch am Widerstand der Kirche zugrunde.

  24. califax

    Die DDR hat de Rückhalt der SU verloren, wodurch man sich nicht mehr traute,den geplanten Terror gegen die Opposition auch durchzusetzen. Die DDR war Vasall und am Ende auf Entspannungspolitik gegenüber dem Westen angewiesen, weil man die Kredite brauchte. Nordkorea ist dagegen vollkommen rücksichtslos, wenn es um Terror geht.

  25. Christian S.

    Kein Ereignis ist durch eine monokausales Problem zu erläutern.

  26. R.A.

    Bei Lambsdorffs “Steuerhinterziehung” sollte man nicht vergessen: Das dem Urteil zugrundeliegende Spendenverbuchungssystem war bundesweit bei ALLEN Parteien üblich. Man hätte eigentlich alle Bundes- und Landesschatzmeister von Union, FDP und SPD incl. aller Vorgänger bis in die 50er Jahre gleichermaßen anklagen können.

    Die den Weisungen des SPD-geführten NRW-Ministeriums unterstellte Bonner Staatsanwaltschaft hat aber gezielt nur gegen die Bundes-FDP ermittelt – kurz vorher war die SPD-FDP-Koalition im Bund zerbrochen.

  27. alex

    Absolut richtig. Ich wurde zwar erst 1982 geboren und habe das damals alles nicht bekommen, frage mich aber schon, warum heute nur die FDP und Graf Lambsdorff mit der Flickaffäre in Verbindung gebracht werden, obwohl wirklich alle großen Parteien darin verwickelt waren.

  28. jo@chim

    Danke für die Info R.A. – das war mir in dieser Form neu.

  29. dagny t.

    Wodurch ist denn die ‘Steuerhinterziehung’ zustande gekommen, bzw. wie hat das Spendenverbuchungssystem funktioniert?

  30. R.A.

    Man hat die Spenden über eine “gemeinnützige” Stiftung geschleust, die hat das dann an die Parteien weitergeleitet.
    Damit waren die Spenden einerseits steuerlich abzugsfähig (für Parteispenden wurde das wohl erst danach eingeführt, eben um solche Umgehungen nicht nötig zu machen) und nebenbei wurden noch die Spender verschleiert.

    Es war auf jedem Fall ein Vorgehen im Graubereich, wie bei vielen Steuerschlupflöchern wurde halt erst gerichtlich geklärt, ob es gerade noch so geht oder schon verboten ist. Erfunden hat das Ganze wohl Adenauer.

    Ich kann gut nachvollziehen, daß man damals dann gesagt hat, das wäre nicht in Ordnung und müsse dringend geändert werden.
    Aber es war eine absurde Ungerechtigkeit, einen konkreten Schatzmeister zu bestrafen, der das System nur übernommen und weitergeführt hat, wie alle seine Kollegen auch.

  31. dagny t.

    Und das wird 25 Jahre spaeter noch als Anlass genommen um den Marktgrafen als ‘Vorbestraften Steuersuender’ zu brandmarken?

    Laecherlich.

  32. alex

    Ich sollte nicht in die Politik gehen. Ich habe früher (als Fünfjähriger) im Nachbarsgarten Kirschen geklaut.

  33. califax

    Das ist eine unerhörte Verniedlichung von Eigentumsdelikten!

  34. Die Stimme aus dem Off

    R.A. beeindruckt mal wieder durch Detailkenntnisse. Nur so richtig daran glauben, dass das alles nur Hobby ist, mag ich irgendwie nicht.

  35. R.A.

    > Nur so richtig daran glauben, dass das alles nur
    > Hobby ist, mag ich irgendwie nicht.
    ???
    Ich habe das damals direkt miterlebt – wo soll das Problem sein, das in ein paar Sätzen hinzuschreiben?

  36. Lina

    Ich bin zwar nicht gefragt, aber mein Problem mit dem Hingeschriebenen liegt z. B. darin, Verscheierungspraktiken verbal als gebräuchlich zu bagatellisieren …

    Ist das Land ein Erbhof für Parteien oder ein Rechtsstaat?

  37. Robert Michel

    Nach all den Jahren, die du schon dabei bist, fragst du noch?

  38. Die Stimme aus dem Off

    Ne, war nur Spaß.

  39. R.A.

    > Verscheierungspraktiken verbal als gebräuchlich
    > zu bagatellisieren …
    Ich habe erst einmal die Sachlage dargestellt, darin sehe ich keine Bagatellisierung.

    M. E. hätte man ALLE damals noch lebenden Schatzmeister anklagen müssen – und dann wäre in der Regel eine Bewährungsstrafe angemessen gewesen, eben weil es ein rechtlicher Graubereich war.

    Daß nun alle Profiteure des damaligen Systems mit offiziell weißer Weste herumlaufen und Lambsdorff als der einzige Sündenbock gilt, das ist politisch absurd.

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