CCC: Schämt euch was, Scriptkiddies

30.12.2009 01:14 - Notizen aus dem U-Boot by jo@chim - 18 Kommentare

Wir müssen die Rechte der Andersdenkenden selbst dann beachten, wenn sie Idioten oder schädlich sind

Wau Holland, einer der Gründer des Chaos Computer Club.

Wie weit von diesem Verständnis von Meinungsfreiheit und Bürgerrechten sind eigentlich die “Hacker” auf dem 26th Chaos Communication Congress (26C3) in Berlin, die private Daten aus einer _Partnerbörse_ der “rechten Szene” online stellen, entfernt?

Schämt euch was, Scriptkiddies. Wau Holland würde euch lechts und rinks eine runterhauen.

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18 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Suffragium, 30.12.2009 07:54

Hat sich der CCC wenigstens von dieser Aktion distanziert? Wenn nicht, ist er in meiner Wertschätzung sehr stark abgefallen.

 
stefanolix, 30.12.2009 08:49

Wie es sich trifft, steht gerade folgendes Zitat aus Eurer Quote-Datenbank neben dem Artikel:

Die Aussage ‘Kein Mensch wäre so dumm, so etwas zu tun’ stimmt nicht. Irgend jemand wäre immer so dumm, etwas wirklich Dummes zu tun – nur um zu sehen, ob es möglich wäre. (…)

Ich fand Aktionen des CCC gegen politische Webseiten oft sinnvoll, weil sie zum einen auf Sicherheitslücken aufmerksam machen und zum anderen zum Nachdenken provozieren. Es ist im Rahmen der Hacker-Ethik, eine CDU-Seite mit einem STOP-Schild oder härteren Kommentaren zu versehen, auch wenn es nach dem Gesetz illegal ist.
Eine Aktion gegen private Daten mutmaßlich Andersdenkender ist einfach nur Machtmissbrauch und kann zu unkontrollierter Eskalation führen.
Unter den Kommentatoren bei »indymedia« hat sich ein Vernünftiger gefunden, der sinngemäß gesagt hat: Nicht alle privaten Einträge in einer solchen Single-Börse müssen von Nazis oder rechten Gewalttätern stammen.

Wie viele von den gelisteten in Wirklichkeit einfach dumme Kinder sind und nicht etwa faschistoid geprägte Einzeller kann ich zwar auch nicht sagen, aber ich denke dass die Quote durchaus beachtlich ist. Der Zugriff auf EMail Konten ist aber heutzutage ein nicht zu verachtenden Einbruch in die Privatsphäre …

 
Christian S., 30.12.2009 11:29

Wau Holland muss ein großer Mensch gewesen sein. Ich hatte ihn gerne kennen gelernt.

 
Hannes, 30.12.2009 11:55

Mittlerweile kursieren sogar die kompletten Mailboxen von Usern, deren Mail-Passwort identisch mit dem der “Partnerbörse” war. Grandiose Leistung, seufz.

 
Gerd, 30.12.2009 14:09

Naja.. Der CCC beherbergt aber schon länger sonen digitalen Schlägertrupp der Linken..

 
Rayson, 30.12.2009 19:35

Der Punkt ist: Entweder ist die Verbreitung privater Daten gegen den Willen der Betroffenen grundsätzlich von Übel, oder sie ist zulässig, wenn es nur um die richtige, gute Sache geht. Letzteres war ganz klar die Schäuble-Position. Mit dieser Aktion hat der CCC dem Ex-Innenminister recht gegeben. Man streitet sich jetzt nur noch, wer das mit wem machen darf.

Mich erinnert das an den Witz, wo ein Mann eine Frau an der Bar anspricht:
“Würden Sie für 1 Mio Euro mit mir schlafen?”
Frau (mustert den Mann, überlegt kurz): “Hm, gut, für 1 Mio Euro… ok.”
Mann: “Auch für 20 Euro?”
Frau (entrüstet): “Was glauben Sie eigentlich, wen Sie vor sich haben!?”
Mann: “Das haben wir schon geklärt. Jetzt geht es nur noch um den Preis.”

Disclaimer: FeministInnen dürfen hier gerne die Rollen vertauschen, auf die kommt es für die Pointe nicht an.

 
Christian S., 30.12.2009 19:51

Ich stelle übrigens fest: bei “ClimateGate” wurde hier begeistert applaudiert, als persönliche E-Mails im Internet verteilt wurden.

Splitter, Balken, Bruder, etc. :-)

jo@chim, 30.12.2009 20:31

Naja Christian, als “begeisterten Applaus” würde ich meinen Beitrag zu Climategate hier nicht bezeichnet haben wollen – eher als “klammheimliche Freude” ;-)

Und es ging ja auch keineswegs um “persönliche Emails” oder Fotos von Rahmstorf auf klimasuender-sucht-klimasuenderin.de sondern um wissenschaftliche Korrespondenz, die dem FoIA unterliegt.

Äpfel, Birnen, etc. :-)

Christian S., 30.12.2009 21:06

Nie um eine Ausrede verlegen. :-P

jo@chim, 30.12.2009 21:10

Wohl wahr, wenn auch hier nicht treffend ;)

 
 
 
Rayson, 30.12.2009 20:35

Soweit ich weiß, waren das dienstliche E-Mails, die wenig Persönliches enthüllen und deren Privatsphäre sowieso schon eingeschränkt ist, und bei denen man nicht ohne Grund auch von einer Berechtigung der Öffentlichkeit zur Einsicht ausgehen kann. Aber dass die Art der Veröffentlichung auch da illegal war, hat doch keiner bezweifelt, oder?

Ein wichtiger Unterschied liegt aber auch in der Intention der Aktion: Im einen Fall ging es darum, fragwürdige Machenschaften aufzudecken. Das hat weiland auch unser Bundesfinanzminister so gesehen, als er illegal beschaffte Daten von Bankkunden gerne verwertete. Im anderen Fall werden einfach nur sher private Daten preisgegeben, zur gefälligen Verwendung.

Alle Datenklauaktionen waren von Übel. Aber der CCC hat damit – je nach Sichtweise – entweder seinen Ruf ruiniert oder “politisch Stellung bezogen”. Als Anwälte des Datenschutzes kann man Datenräuber jedenfalls nicht mehr ernst nehmen.

Christian S., 30.12.2009 21:05

Alle Datenklauaktionen waren von Übel.

Nein. Jeder Vorgang muss neu bewertet werden. Pauschalurteile helfen nicht weiter.

Rayson, 30.12.2009 21:30

Grundrechte sollten tunlichst sehr pauschal eingehalten werden.

 
Die Stimme aus dem Off, 31.12.2009 11:28

Das stimmt. Ich persönlich habe auch nichts dagegen Sozialdemokraten zu entrechten.

:-)

 
 
WB, 30.12.2009 21:08

Ich hatte gelegentlich Kontakt mit CCC-Leuten und habe keinen guten Eindruck gewonnen.
Die skizzierten doppelten Standards finden sich bei diesen Kollegen häufig.

In der Sache – “rechte Privatpersonen werden blossgestellt” – ist hier kaum etwas anzumerken; Whistleblowing (man beachte das Fachwort) wie beim CRU, wo dann auch sofort der Chef den Hut nehmen musste, ist jedenfalls nicht gegeben.

PS: Wollte es eigentlich verlinken, aber die (gerade auch de-) Wikipedia zensiert ja bekanntlich beim Thema climategate, es gibt dort jedenfalls – vermutlich mangels Relevanz, LOL – keinen deutschsprachigen CRU-Artikel.

 
 
 
hth, 11.01.2010 15:19

War nicht „der CCC“. Und wenigstens Fefe bezieht eindeutig Stellung gegen derlei Aktionen.

jo@chim, 11.01.2010 23:14

_Der_ CCC hat immerhin mit seinem offiziellen Veranstaltungswiki die Plattform für die Aktion zur Verfügung gestellt. Es wäre ein leichtes gewesen, den “digitalen Schlägertrupp” zur Ordnung zu rufen, wenn der Wille dazu vorhanden gewesen wäre.

Die Verfassungsschutz-VT-Story von fefe ist schlicht albern. Wie der Google-Cache der inzwischen gelöschten Seite zeigt, ist auch seine Behauptung nicht wahr, dass sämtliche Userdaten anderswo platziert wurden.

Im übrigen finde ich es reichlich bigott, darauf zu verweisen, dass die verlinkten Daten “jedenfalls nicht auf einem CCC-Server” lagen: So versuchen sich Warez-Kiddies rauszureden, wenn sie erwischt wurden. *LOL*

Christian S., 11.01.2010 23:22

Fefe nehme ich eh nicht ernst.

 
 
 

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