Du bist nicht so wichtig, das Klima schon.
dagny t., 01.01.2010
Der SPIEGEL pfeift von den Dächern was Kritiker am Klima-Dings schon länger monieren: Machtmenschen und Freunde einer autoritären Staatsform versammeln sich hinter der Forderung zur Rettung des Planeten eine globale, autoritäre Regierung einzurichten. Die Demokratie, nein – die liberale Demokratie, auf Menschenrecht, Eigentum, Individualismus und Märkte gestützt, sei nicht in der Lage eine kollektive Bedrohung abzuwehren. Individuen seien zu egoistisch, um ein solch kollektives Interesse wahrzunehmen.
Aus dieser Argumentationsfalle kommen Liberale in der Tat nur schwer heraus. Wer sollte angesichts einer globalen, kollektiven Katastrophe noch individuelle Rechte hochhalten? Wer will so egoistisch sein, sich nicht einem so wichtigen Ziel unterzuordnen?
Eine Möglichkeit ist die Grundlagen des Vorwurfs (hier: die Klimakatastrophe) zu entkräften. Climategate hat dazu einen Beitrag geleistet (siehe etwa die Zusammenfassung in der NZZ, oder den Podcast eines Kolloquiums am CERN über ein neues Experiment, welches mögliche Zusammenhänge zwischen Wolkenbildung und kosmischer Strahlung erforschen soll. ), aber die ideologische Wurzel packt das nicht an. Ideologisch betrachtet geht es um die Frage ob der Mensch, das Individuum ein guter Mensch oder ein Gutmensch ist, wie die ZEIT in einem lesenswerten Essay beschreibt.
Der gute Mensch handelt gut im Dienste eines konkreten einzelnen Menschen. Ansonsten leitet er nichts daraus ab, es fällt ihm nicht ein, anderen ein schlechtes Gewissen zu machen. Der Gutmensch aber stellt sein Gut-sein in den Dienst der Menschheit, darunter macht er es nicht. Sein Ziel besteht darin, als gut zu wirken, und er erreicht es am schnellsten, wenn er die anderen als Sünder erscheinen lässt.
Wie kommen Liberale aus dieser Falle heraus? In der Klimadebatte indem man den Mitmenschen die Angst vor der Veränderung nimmt. Klimaänderungen gab es immer, wird es immer geben und Anpassung und technischer Fortschritt werden etwaige negative Auswirkungen dieser Änderungen abmildern. – Von den Chancen und positiven Auswirkungen eines wärmeren Klimas spricht leider kaum jemand.
Persönliche, wirtschaftliche Freiheit und Unabhängigkeit sind die Rezepte in einem breiteren Rahmen. Eine positive Grundhaltung neuer Technik gegenüber, Kulturpositivismus, eine gesunde Portion Skepsis jeglichem Alarmismus und Kollektivismus, dem wir gegenüber, und nicht zuletzt Besonnenheit und Selbstvertrauen führen aus der Argumentationsfalle heraus.
In diesem Sinne, meinen Lesern ein gutes, erfolgreiches, gesundes neues Jahr 2010.
antibuerokratieteam.net





So sehr ich die Problem-Analyse teile, so wenig gefällt mir die anschließende Taktik-Empfehlung.
Es ist ein sehr gefährliches Pflaster auf das man sich begibt, wenn man eine “Klima-Diktatur” abwehren will, indem man deren klimawissenschaftliche Basis in Zweifel zieht.
Denn was macht man, wenn sich irgendwann doch einmal wissenschaftlich sauber abgesichert beweisen können sollte, dass die Klima-Alarmisten recht haben?
Früher oder später ist man dann in jener argumentativen Sackgasse wie jener Papst, der sich – um sein geozentrisches Weltbild bewahren zu können – weigerte, durch Gallilies Fernrohr zu schauen.
Nein, die richtige Strategie zur Abwehr der Klima-Diktatur ist der Nachweis, dass Demokratie und Marktwirtschaft schlicht effizientere Instrumente sind um mit Krisen fertig zu werden, als autokratische Strukturen.
Ich hoffe, dass ich in diesem Blog nicht die Argumentationskette auspacken muss um diesen Nachweis führen zu können sondern dass dies allen Forums-Kollegen ohnehin klar ist.
Falls notwendig, kann ich das aber gerne nachholen.
Ich sehe a priori drei Ansaetze:
a) den wissenschaftlichen,
b) den technischen
c) den politisch-liberalen
a) wissenschaftlich: Du hast natuerlich nicht unrecht, es kann sein, dass die ‘Alarmisten’ recht haben. Aber Climategate ist schlicht eine smoking gun in dieser Schublade.
b) technisch: Das Klima aendert sich? Nun gut, daraus ergeben sich Erfordernisse und Chancen. Anpassen und Forschung und Entwicklung sind gefragt, aber nicht ein starres Beharren auf dem Status Quo Ante.
c) politisch-liberal: Ist es eine politische Frage, ob das Klima so oder so wird oder seien soll, oder ist das nicht vielmehr eine Frage, die sich dem politischen Raum entzieht, ja entziehen muss?
Wichtig ist vor allem die Einordnung.
Selbst wenn die Annahmen richtig wären, die zur prophezeiten Klimakatastrophe führen sollen, so wäre diese nicht das einzige Problem, unter dem Menschen weltweit zu leiden haben. Da dieselbe Ressource nicht zweimal verwenden kann, bliebe demzufolge immer noch die Aufgabe, die Folgen des Klimawandels zu bewerten und den Aufwand zu ihrer Beseitigung mit dem Nutzen zu vergleichen, den derselbe Aufwand an anderer Stelle erzielen würde, z.B. bei der Bekämpfung von Malaria oder AIDS in Afrika.
In diesem Sinne wäre es vor allem eine gute Aufgabe für Liberale, allen Versuchen entgegenzutreten, ein (angenommen) wahrscheinliches Szenario zu verabsolutieren, um mit dieser Verabsolutierung alle in diesem Zusammenhang für gut befundenen Maßnahmen ebenfalls nicht mehr dem notwendigen Konflikt aussetzen zu müssen, der bei öffentlichen Gütern allein die Zuweisung von Ressourcen regeln kann. Will sagen: Klimaretter müssen mit AIDS-Bekämpfern um dieselben knappen Mittel konkurrieren und werden nicht etwa eine Stunde vor Öffnung in den Laden gelassen, um sich selbst zu bedienen.
Was brauche ich zur Abwehr eine Klima-Diktatur eine Strategie? Wir sind ja hoffentlich alle nicht ganz grundlos zu der Überzeugung gekommen, dass individuelle Freiheit ein Wert an sich ist und nicht etwa einer, der nur bei Schönwetter gilt. Ich darf vielleicht wieder einmal an Statlers “Wir Rückenmarksliberale” erinnern: Selbst wenn an anderen Maßstäben gemessen eine unfreie Welt eine bessere wäre, also z.B. mit mehr materiellem Wohlstand oder weniger Krankheiten, so wäre sie für uns Liberale immer noch eine Welt, in der wir nicht leben wollten und die wir insgesamt für die schlechtere halten.
Aber selbst diesen Zustand haben wir noch lange nicht erreicht, denn hier kommt die enorme Wackligkeit des Fundamentes ins Spiel, auf dem das neue Regime errichtet werden soll: Es kann nicht nur niemand in die Zukunft sehen, die Ursache-Wirkungs-Relationen sind zudem nicht erwiesen in dem Sinn, als die verlangten Maßnahmen tatsächlich die gewünschten Ergebnisse erbringen würden. Das Argument lautet ja eher: “Wir wissen nicht, ob es funktioniert, aber wir müssen es wenigstens versuchen!” Meist indirekt mitgedacht: “Sonst ist alles aus!”, so wie wir es aus zig Hollywood-Schinken kennen. Und der Held entscheidet sich dann für die Aktion, und er hat Erfolg. So läuft das im Drehbuch, und dieses Muster wird uns hier auch untergejubelt. Das Problem ist nur: WIr wissen und müssen da gar nichts schätzen oder annehmen, dass andere Probleme mit anderen Mitteln ganz sicher in den Griff zu kriegen sind. Sollten wir uns da nicht eher um die mal kümmern?
Da mir Proamerikanismus eine Herzenssache ist, kann ich natürlich mit einer Quelle aufwarten, die mir und meinen Glaubensbrüdern das reinste Evangelium ist: Das U.S. Global Change Research Program, die maßgebliche US-Behörde für Fragen des Klimawandels schlechthin.
Dort heißt es, der Klimawandel sei eindeutig und in erster Linie von Menschen verursacht. Siehe hier: http://www.globalchange.gov/publications/reports/scientific-assessments/us-impacts/key-findings
Diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus sage und schreibe Amerika läßt sich freilich nur mit plumpem Antiamerikanismus begegnen, der erfahrungsgemäß in diesem Blog noch immer als solcher entlarvt wurde, gell?
Vermutlich wurde die Behörde von linken Gutmenschen übernommen. :-)
Seit wann produzieren denn _Behörden_ “wissenschaftliche Erkenntnisse”? *LOL*
Netter Versuch microgod: Wenn es etwas gibt, was der Politik und Kultur der USA fremd ist, dann ist es übermässiges Vertrauen in staatliche Institutionen, die eine für alle verbindliche “Wahrheit” verkünden.
Dir und unseren Lesern ebenfalls “a gud’s Neu’s” liebe Dagny!
Eine “liberale Haltung” zum Klimawandel? Die kann ich nur im Plädoyer für einen Adaptionsprozess an die klimatischen Bedingungen sehen – gleich ob’s jetzt aktuell wärmer oder kälter wird.
Nicht weil ich mir völlig sicher wäre, dass es keinen anthropogenen Einfluss auf das Klima gibt, sondern aus der schlichten Tatsache heraus, dass ich diejenigen, die nicht einmal einen ausgeglichenen Staatshaushalt oder eine nachhaltige Rentenversicherung auf die Reihe bekommen, nicht im Ansatz für kompetent erachte, klimatische Bedingungen zu beeinflussen.
Das ist doch lächerlich: diese “Anmassung von Wissen” ist bestenfalls eine gigantische Verschleuderung von Ressourcen, um Politikern zu einer Legitimation zu verhelfen, die ihnen die “Klassenfrage” nicht mehr bietet. Und führt schlimmstenfalls, wie Du geschildert hast , zum Weg in die Öko-Knechtschaft.
Beides wäre übrigens – wenn denn die Klimaalarmisten Recht hätten – die sicherste Methode, dafür zu sorgen, dass unsere Zivilisation einen schnellen Wandel des klimatischen Umfeldes eben _nicht_ überstehen würde.
Als wenn die “Weisheit der Vielen”, die sich im Marktprozess repräsentiert, nicht allemal der Ignoranz der Macht überlegen wäre, gerade wenn es um die Anpassung an nicht vorhersehbare Umstände geht…
Das stimmt nicht. Das Vertrauen der Amerikaner in Verfassung und Surpreme Court ist auf der rechten und linken Seite des politischen Spektrums überragend.
Die meisten Amis vertrauen der Verfassung vor allem als _Schutzinstrument_ vor der Regierung – ganz im Sinne des ersten Präsidenten George Washington:
Ich wünsche allen ebenfalls ein gutes, erfolgreiches, gesundes aber auch wärmeres ;-) Jahr 2010!
Washington war ein kluger Mann. :)
@Jo@chim:
Zitat:”Seit wann produzieren denn _Behörden_ “wissenschaftliche Erkenntnisse”?
Die NASA z.B. seit 1958.
Und jetzt bin ich wirklich supergespannt, ob Du mir was von der ‘gefaketen’ Mondlandung erzählen wirst.
Im Ernst , äh, nein, vergiß es…
> Denn was macht man, wenn sich irgendwann doch einmal
> wissenschaftlich sauber abgesichert beweisen können sollte,
> dass die Klima-Alarmisten recht haben?
Nun, dann macht man sich Gedanken über die besten Anpassungsstrategien.
Im Gegensatz zu den meisten Klimahysterikern geht es mir bei diesem Thema NICHT darum, persönliche Pfründen abzusichern oder ein Vehikel zu suchen, um endlich eine politische Agenda durchzudrücken.
Wenn die Wissenschaft überzeugende Argumente bringt, habe ich persönlich kein Problem, diese dann auch zu akzeptieren und eigene Standpunkte zu revidieren.
Sieht aber derzeit nicht danach aus – die wissenschaftliche Diskussion geht ja deutlich in die Skeptiker-Richtung.