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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Schampus, Schweineblut und deutsche Eichen

Benjamin Rösch, 17.01.2010

Voltaire in der Praxis – Warum ich als Soldat eine Bestrafung der BamM-Aktivisten ablehne.

“Feste feiern, wie sie fallen” betiteln das Büro für antimilitaristische Maßnahmen (BamM) und die “Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Berlin-Brandenburg” ihre neueste Kampagne und hinterlegen das mit dem inszenierten Foto eines scheinbar verwundeten Soldaten der Bundeswehr, der eine Schweinsmaske trägt und mit einem Glas Schampus oder Blut anstößt. Der informierte Betrachter erkennt, dass diese Szene tatsächlich am Ehrenmal der Bundeswehr neben dem Verteidigungsministerium entstand, worauf die Urheber auf ihrer Webseite auch stolz hinweisen. Die Aussage ist klar: Deutsche Soldaten sind mordlüsterne, blutsaufende Schweine und wir freuen uns über jeden, der im Sarg nach Hause zurückkehrt.

Das geht deutlich über das Tucholsky-Zitat hinaus, dessen legale Verwendung 1932 von einem Berliner Schöffengericht und 1995 vom Bundesverfassungsgericht mit ähnlichen Begründungen festgestellt wurde. Kein Wunder also, dass eine Strafanzeige gegen die Urheber der Kampagne, wie bereits bei der letzten Aktion dieser Gruppe, nicht lange auf sich warten ließ – allerdings nicht wegen Beleidigung (das hätte aufgrund des genannten Verfassungsgerichtsurteils auch keine Aussicht auf Erfolg), sondern wegen des in jüngster Vergangenheit häufiger bemühten §130 StGB (Volksverhetzung).

Und tatsächlich könnte man wohl Anhaltspunkte dafür sehen, dass diese Kampagne zum Hass gegen Teile der Bevölkerung aufstachelt oder die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass sie Teile der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet. Auch dass die Teleologie der Kampagnenmacher weniger pazifistisch als vielmehr antiwestlich ist, kann man hervorragend zwischen den Zeilen lesen und bestätigt auch die Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke (Linke) implizit in ihren Antworten auf die Fragen zur deutschen Verteidigungspolitik bei abgeordnetenwatch.de. Zwar hat sich diese Dame in der Vergangenheit schon einmal halbherzig von BamM distanziert, Zweifel daran, dass sie eine Schwester im Geiste ist, gibt es aber für mich nicht.

Ich diene derzeit als Soldat in Berlin und natürlich wurde diese Kampagne auch in meiner Abteilung im persönlichen Gespräch thematisiert. Rote Köpfe, hervortretende Halsvenen und Kraftausdrücke gab es bei dieser Thematisierung allerdings nicht, auch wenn es die lieben “Friedensaktivisten” wohl gerne so hätten. Diese Gespräche verliehen eher dem Zitat von der ungestörten deutschen Eiche Bedeutung.

Dass viele Koalitionspolitiker, der Wehrbeauftragte und der Bundeswehrverband sich schützend und teilweise wortgewaltig vor die Soldaten stellen, liegt in der Natur der Sache, ebenso, dass manche Soldaten, die Tod und Verwundung im Kameradenkreis oder sogar unmittelbar in Afghanistan erlebt haben (sowie obligatorisch viele Mitglieder der Reservistenkameradschaften) emotional reagieren. Allerdings verleiht das der Kampagne meiner Ansicht nach nur unnötig Aufmerksamkeit und damit in den Augen der Urheber Legitimität.

Eine Bestrafung der BamM-Aktivisten lehne ich auch aus diesem Grund ab. Noch schwerwiegender ist für mich aber, dass die Verfolgung tatsächlicher oder scheinbarer volksverhetzender Äußerungen und Veröffentlichungen einen tiefen staatlichen Einschnitt in das Grundrecht der freien Meinungsäußerung darstellt. Natürlich haben wir aus der Vergangenheit gelernt, dass die Demokratie wehrhaft sein muss, allerdings wandeln wir zunehmend gerade bei der Meinungsfreiheit auf einem schmalen Grat. Es stimmt: Kaum ein anderes Land dieser Erde, ließe es zu, dass seine Soldaten in einer solchen Art und Weise verunglimpft werden. Dass wir es möglicherweise dennoch tun, ist aber kein Mangel, sondern etwas auf das wir stolz sein können. Das gilt auch und besonders für die Soldaten der Bundeswehr, die diese Freiheit verteidigen. Denn ob es die BamM-Aktivisten wollen oder nicht: Der Kampf, das Sterben und das Töten deutscher Soldaten in Afghanistan dient der Sicherung der Grundlage, auf der ihr Treiben überhaupt erst möglich ist.

In diesem Sinne hoffe ich tatsächlich, dass das Verfahren wegen Volksverhetzung gegen die Urheber der Kampagne eingestellt wird oder zumindest mit einem Freispruch endet. Unsere Grundrechtsvorstellungen, die wir nicht zur Disposition stellen dürfen, verlangen von uns, dass wir Meinungsfreiheit auch dann ertragen, wenn sie unangenehm wird. Und genauso wie ich als Soldat der Bundeswehr dieses Foto aushalten muss, haben unsere muslimischen Mitbürger die Karikaturen dänischer Zeitungen auszuhalten und die zum Glück weniger werdenden Multi-Kulti-Träumer die Thesen Thilo Sarrazins.

Facebook-Gruppe: Flagge zeigen gegen BamM (www.bamm.de)



8 Kommentare zu “Schampus, Schweineblut und deutsche Eichen”

  1. Dagny

    Aha, um was gehts da?
    (* klick auf den Link zu dem besagten Bild *)

    *lol* Laecherlich. – Fuer ne anstaendige, provokante Fotomontage hats offenbar nicht gereicht, sondern nur fuer nen Schweinekopf aus Pappe? Macht jedenfalls so den Eindruck.

    Stimme dem Autor aber zu: Nur nicht uberthematisieren, gibt dem Quatsch nur unnoetig Aufmerksamkeit.

  2. Lina

    >>> “Und genauso wie ich als Soldat der Bundeswehr dieses Foto aushalten muss, haben unsere muslimischen Mitbürger die Karikaturen dänischer Zeitungen auszuhalten und die zum Glück weniger werdenden Multi-Kulti-Träumer die Thesen Thilo Sarrazins.”

    Beim Sarrazin-Effekt bin ich dabei, aber ich wundere mich ein wenig über den Rest des Vergleichs: Macht es denn keinen Unterschied, lebendige (Soldaten-)Menschen oder den Glauben an einen vorgeblichen Gott (karikierend) anzugreifen? Ich finde ersteres schlimmer (wenn auch nicht straf_würdig!) und wünsche Ihnen und ihren ‘Kameraden’ (sagt man ja wohl so?) coole Erholung vom Schock :) !

  3. jo@chim

    Ich find ja das Bild mit dem gefallenen Soldaten und der Anmerkung “wir begrüssen diese konkrete Massnahme…” noch widerwärtiger als die beschriebene Aktion. Nicht zu glauben wieviel Hass in so ein Spatzenhirn passt. Das soll “Pazifismus” sein? Bertha von Suttner würde denen links und rechts eine scheuern…

  4. Rainer Lang

    bedenke, dass die dich ohne die geringsten Bedenken verklagen und noch ganz andere Sachen mit dir anstellen würden, wenn sie könnten. Und das Aufmerksamkeitsargument zählt auch nicht, denn hinter dem Verein steht “Die Partei” mit ihrem Apparat.

  5. Martin Toden

    Kinderkram.
    Wer solchen Leuten mal begegnet ist (habe ich als OTL d.R. schon mehr als oft genug hinter mir), weiß, daß das spätpubertierende Versager sind, für die ohnehin nichts heilig ist. Hauptsache man ist irgendwie revolutionär, am liebsten mit Che-Shirt und Dreadlocks.
    Wer nimmt das ernst?
    Soldaten bestimmt nicht.
    Im Übrigen: Ausspreche Lob und Anerkennung für Kamerad Rösch.

  6. jo@chim

    Ich würde die nicht unter “linke Chaostruppe” einordnen, das würde sie verharmlosen – die DFG-VK ist eigentlich eine traditionsreiche pazifistische Organisation, geriet aber in den 1970′er Jahren unter den Einfluss des organisierten Linksextremismus (v.a. DKP). Aus meiner eigenen Tätigkeit in der Friedensbewegung Anfang der 80′er weiss ich, dass in der DFG-VK – nicht zuletzt auch wegen finanzieller Abhängigkeiten und personeller Verflechtungen – nichts Grundsätzliches gegen den Willen der Kommunisten ging:

    Die 1892 gegründete Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) ist die älteste Organisation der deutschen Friedensbewegung. 1974 schloss sie sich mit dem “Verband der Kriegsdienstverweigerer” (VK) zur DFG-VK zusammen. Bedeutung hat die Vereinigung in der Beratung von Kriegsdienstverweigerern nach Artikel 4 Absatz 3 Grundgesetz und als Teil der Friedensbewegung. Vor allem in den 1970er und 1980er Jahren geriet die DFG-VK unter den Einfluss der DKP und ihrer Nebenorganisationen, vor allem der Deutschen Friedens-Union (DFU). Daraus entstanden materielle und inhaltliche Abhängigkeiten, die sich in der Politik der DFG-VK widerspiegelten.
    Das Büro für antimilitaristische Maßnahmen (BamM) wurde in den 1990er Jahren gegründet. Mit seiner antimilitaristischen Tätigkeit will das BamM nach eigener Aussage das “Ansehen der BRD und ihrer Armee herabsetzen”, um so die “Wehrkraftzersetzung” zu fördern, die “Heimatfront” zu schwächen und zum “Vaterlandsverrat” beizutragen.
    DFG-VK und BamM richten sich mit ihren Aktionen vor allem gegen die deutschen Außen- und Sicherheitspolitik sowie das westliche Verteidigungsbündnis, die NATO. Im Vordergrund stehen aktuell Aktivitäten gegen die Auslandseinsätze der Bundeswehr, in die sowohl der Bundesverband als auch die Landesverbände eingebunden sind.
    Der Bereich Antimilitarismus ist ein wichtiger Anknüpfungspunkt linksextremistischer Agitation und Aktion.

    So die Antwort des niedersächsischen Innenministers Uwe Schünemann auf eine Anfrage im Landtag. Verbindungen mit der “LINKEN” und zur (Rest-)DKP bestehen nach wie vor auf allen Ebenen, afaik. Neu scheint mir der Hass und der Zynismus, der sich in Aktionen wie der beschriebenen manifestiert, zu sein – was auf eine verstärkte Zusammenarbeit und/oder Arbeitsteilung mit militanten Autonomen schliessen lässt.

  7. Leichtgewicht Margot Käßmann …

    [...] Kompass nur kann ich nicht wirklich abschätzen wie allen (den Soldaten – die Meisten sind keine blutrünstigen Killer sondern Liebende Söhne, Ehemänner, Väter, etc. die aus Überzeugung oder aus finanziellen [...]

  8. antibuerokratieteam.net » Knatsch in der Kastanienallee

    [...] Rösch schrieb hier vor fast genau einem Jahr mit einem Beitrag zum Recht der Andersdenkenden auf freie Rede und ist mir zum ersten Mal bem Hannoveraner Bundesparteitag als ein FDP-Mitglied begegnet, das sich [...]

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