Ein Kommentator der russischen Tageszeitung Kommersant nannte das Unternehmen AvtoVAZ kürzliche „eine neue wirtschaftliche Erscheinung“. Vielleicht wäre die treffendere Übersetzung „Wirtschaftliche Erscheinung der neuen Art“. Diesem Unternehmen, das im Wesentlichen Autos produziert, die niemand haben will, geht es umso besser, desto mehr Verlust es macht und desto größer die Absatzprobleme werden.

Der stellvertretende russische Ministerpräsident Shuvalov hat gerade noch einmal betont, dass dieses Werk nicht untergehen könne. Das Erpressungspotential der Manager gegenüber dem Staat ist beträchtlich – das Werk ist der einzige bedeutende Arbeitgeber einer Stadt mit 700 000 Menschen. Der russische Staat fürchtet soziale Unruhen. So wird dieses Unternehmen (allein dieses Wort ist schon zuviel des Lobes) weiterexistieren, obwohl es praktisch bankrott ist. Schon im letzten Jahr hat es ca. 1,5 Mrd. Euro aus dem russischen Staatshaushalt erhalten, weiteres Geld wird folgen. Denn, so die Logik der immer weiteren Subventionierung, wenn man jetzt den Hahn zudreht, hätte man das ja schon früher tun können. Die bisher gezahlten Gelder dürfen nicht umsonst gewesen sein.

Das beschreibt der Kommentator sehr schön und mit viel Zynismus. Nur in einem irrt er: Es handelt sich hier keineswegs um eine „neue“ wirtschaftliche Erscheinung. Im Westen wurden und werden über Jahrzehnte marode Unternehmen am Leben gehalten. Die Beispiele kennt jeder. Die Logik ist die gleiche: Soziale Probleme werden befürchtet, das viele Geld soll nicht umsonst gewesen sein, so wird immer mehr Geld verbrannt. Man kann Russland sogar noch zugute halten, dass in den sogenannten „Monostädten“, in denen es nur einen wesentlichen Arbeitgeber gibt, die tatsächlichen Probleme größer sind als z.B. in Deutschland, wo Pendeln und Umzug sehr viel leichter zu bewerkstelligen sind als in den russischen Weiten.

So kann man den Export westlicher Werte auch verstehen – allerdings führt er zur Vernichtung von Werten.