Gut, das mit den gestohlenen Bankdaten ist schon eine ärgerliche Sache. Dabei ist der Kern der Geschichte einfach der, dass es einem Schweizer Banker nicht egal ist, woher das Geld stammt, das der ausländische Kunde ins Bankkonto überweisen will. Deshalb muss man das auch entsprechend dokumentieren (was auch immer für andere Geschichten kursieren).

Allerdings ist es einem Schweizer Banker, wie einem Deutschen übrigens auch, ziemlich egal, ob das Geld versteuert ist oder auch nicht. Schliesslich liegt das in aller erster Linie in der  Verantwortung des Kunden. Ein Schweizer Banker ist keine Supernanny für den deutschen Fiskus.

Die Krux oder das Missverständnis liegt in der völlig unterschiedlichen Auffassung darüber, was der Bürger im Verhältnis zum Staat ist. Hier geht die Schweiz vom selbst verantwortlichen Citoyen aus, dessen Privatsphäre höchstes Gut darstellt.

Diese Sicht der Dinge führt beispielsweise dazu, dass so ein Schweizer Citoyen nicht nur sein steuerbares Einkommen selbst deklarieren, sondern seine Steuern auch selbst abführen muss – sie werden also nicht vom Arbeitgeber vom Gehalt abgezogen.

Überdies legt er an der Urne fest, wie hoch die Steuer denn sein soll. Das gilt übrigens auch für den MwSt.-Satz, der in einer Volksabstimmung festgesetzt werden muss und derzeit 7,6% beträgt. (Er wurde erst kürzlich in einer Volksabstimmung auf 8% ab 2011 festgelegt, um die staatliche Invalidenkasse zu sarnieren).

Das im sogenannten Ausland zu verklickern, ist ziemlich schwer. Denn hier prallen Welten aufeinander. Dass Deutschland die Daten nun kaufen wird – man kann es bedauern, weil es gegen alles verstösst, was einen Rechtsstaat ausmacht. Aber wenn einem das Wasser am Hals steht, dann kann man wohl nicht anders handeln.

Das ist Politik by Bildzeitung, das muss man verstehen.

Und wer jetzt sagt: Ja aber die Schweizer, das sind Steuerhehler, der sollte nochmals die Einleitung lesen und zum anderen die historische Dimension nicht ausser Acht lassen. Es gab und gibt immer wieder Zeiten, wo man als Bürger froh ist, einen sicheren Hafen für sein Geld hat. Und zwar nicht, weil man Steuern hinterziehen will, sondern weil man seiner Regierung zutiefst misstraut.

Dann werden also geschätzte hundert Mio. Euro in die Staatskasse fliessen. Und dann? Will man die gleich an Griechenland weiterreichen, weil die am Abgrund entlang taumeln? (Wenn ich Grieche wäre, würde ich mein Geld schon morgen…. aber lassen wir das.)

Die Abstimmung, die sprichwörtlich läuft, ist eindeutig: Inzwischen leben 250’000 Deutsche in der Schweiz und es werden zum Ärger der einen und unter Applaus der anderen täglich mehr.

Wenn so ein Deutscher – sind ja alles hoch qualifizierte Leute – im Schnitt 100’000 Franken im Jahr verdient, dann erarbeiten die für die schweizerische Volkswirtschaft immerhin 25 Mia. Franken im Jahr, zahlen Steuern und Sozialabgaben und belasten das Sozialsystem auch jetzt nur unbedeutend. Dazu kommen noch ein paar zehntausend Grenzgänger, von denen kassiert die Schweiz Quellensteuer.

Wir werden es also überstehen. Und die Schweizer Banken müssen sich ein geändertes Geschäftssystem ausdenken – denn Steuerhinterziehung ist nun auch in der Schweiz ein Delikt – für Ausländer.

PS: Es gibt sie noch, die Frau Merkel.

PS 2. Auf meinem Schweizer Blog gehe ich das Thema etwas anders an: Wir befinden uns in einem Wirtschaftskrieg und sollten das endlich zur Kenntnis nehmen. Die Deutschen übrigens auch.