Einkommensteuer und Schnueffelstaat
Die Einkommensteuer beruht auf der moralischen Annahme, dass der zu Besteuernde die Fruechte seiner Arbeit abgeben muss. Er darf nicht behalten, was er geschaffen oder geerntet hat, sondern muss es mit anderen zwangsweise teilen, die dies nicht erwirtschaftet haben. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass ein solches Steuersystem zu Neid und zu einem mehr oder minder ausgepraegten Schnueffelwesen fuehrt. Die Diskussion um die – angebliche – Steuer-CD ist Ausdruck dieser Tatsache.
Ein Steuersystem zur Finanzierung gemeinsam wahrgenommener Gueter welches diese moralische Sackgasse vermeiden will, muss entweder die direkte Nutzung des Gutes nach den tatsaechlichen Kosten besteuern, eine Kopfsteuer darstellen oder sich indirekter Besteuerung (Zoelle) bedienen.
Indirekte Steuern oder Zoelle machen Produkte teuerer und stellen einen Markteingriff dar, da die Grenzkosten notwendigerweise erhoeht werden. In massvollem Rahmen wird dies aber fuer Liberale vertretbar sein. Die Diskussion um die Mehrwertsteuer fuer Hotels entstammt der Frage, wie gross der Markteingriff in Deutschland verglichen mit den Nachbarlaendern ist. Eine Kopfsteuer wuerde den Uberwachungsapparat unnoetig machen, den eine progressive, am Besitz und Verdienst ausgerichtete Steuer notwendigerweise nach sich zieht.
Eine Besteuerung der Nutzung hingegen kommt einer marktwirtschaftlichen Ordnung am Naechsten. Nur wer etwas benutzt, zahlt die dafuer faellige Gebuehr. Strassenbenutzung und Schulbesuch unterscheiden sich diesbezueglich nicht vom Baecker- oder Friseurbesuch.







Gibt es so etwas wie “gemeinsam wahrgenommene Gueter” überhaupt? Und wieso impliziert das eine Steuerfinanzierung? Das ist keine Fangfrage :-)
Aus einer AnKap Sicht muss man Deine Frage wohl mit ‘nein’ beantworten. Aus einer ordoliberalen Sicht waere Aussere Sicherheit, Justiz, Polizei und diese beruehmt-beruechtigten Leuchttuerme wohl zu nennen.
(Nachtrag: Oder was eine Gemeinde halt als als gemeinsam zu finanzierendes Gut definiert. Kann auch Oper, Theater, Springbrunnen etc. pp. sein)
Nun, damit kann ich mich durchaus anfreunden. Wichtig erscheint mir aber, dass diese Güter (staatlich) dezentral finanziert und angeboten werden.
Hm, Das ist aber, lieber Adrian, eine andere Frage, die mit der Problematik (progressive) Einkommensteuer fuehrt zu Schnueffelstaat erstmal nichts zu tun hat.
Das Problem ist nicht die Progression sondern die Höhe des Spitzensteuersatzes, der bereits bei 150% Durchschnittseinkommen erreicht ist.
Es wird wahrscheinlich schwierig, zu bewerten, wieviel und in welcher Höhe diese gemeinsam genutzten Gueter bei der Erwirtschaftung des jeweiligen Einkommens beigetragen haben.
Ja, und?
Die Kostenrechnung bietet verschiedene Modelle an, um die Kosten eines Produktes und die darin enthaltenen, nicht direkt zurechenbaren Kosten zu ermitteln. Das ist ein rein buchhalterisches Problem, falls es Dir darum geht, diese Kosten zu ermitteln und dem Nutzer in Rechnung zu stellen.
[...] Einkommensteuer und Schnueffelstaat [...]
Hm, wer sich den Friseurbesuch nicht leisten kann geht halt nicht zum Frisör.
Wer sich den Schulbesuch nicht leisten kann… oder die Straßenbenutzung…
Auch mit der Kopfsteuer ist es nicht so einfach.
Was ist mit Menschen die nicht in der Lage sind diese Aufzubringen ?
Historisch gesehen wurde früher von den Bürgern einer Stadt eine Kopfsteuer erhoben. Wer diese Kopfsteuer nicht aufbringen konnten, galt nicht als Bürger.
Auf der anderen Seite:
Wer viel hat hat auch viel zu verlieren.
Wenn morgen die Russen kommen ;-) die BRD überrennen und den Sozialismus einführen verlieren die Menschen mit hohen Einkommen mehr als die Menschen mit geringen Einkommen.
Über Höhe und Verwendung von Steuern läßt sich natürlich streiten. Insbesondere in Deutschland ist die Last an Steuern und Abgaben besonders für die Mittelschicht sicher gute 20 Prozentpunkte zu hoch und auch die Oberschicht zahlt sicher zuviel (wenngleich auch im Rahmen einer Quasi-FlatTax, da man ja wegen der kalten Progression schon bei 150% Durchschnittseinkommen beim Spitzensteuersatz ist).
Letztere sind aber im Unterschied zu den anderen dazu in der Lage, legal über diverse Abschreibungsmodelle oder aber auf illegalem Weg einen Teil ihres Bruttoeinkommens bzw. ihrer ausgeschütteten oder verdeckt entzogenen Geschäftsgewinne der Besteuerung vorzuenthalten. Dieses Geld landet dann auch gerne mal auf einem Schweizer Konto. In Verbindung mit der Befreiung von der Sozialversicherungspflicht resultiert daraus der berühmte Mittelstandsbauch im Sinne einer relativen Mehrbelastung der Mittelschicht.
Der Staat muss seine Ausgaben massiv einschränken – darin sind sich Liberale und Libertäre einig. Der Behauptung dass Steuern per se schlecht und Steuerhinterziehung ein Kavaliersdelikt sei, muss ich als Liberaler aber ganz entschieden entgegen treten.
Wir brauchen ein gerechteres und niedrigeres Steuersystem. Die Verfolgung von Steuerstraftaten sollte aber gleichzeitig intensiviert werden.
Frage: Wie würde man denn die Strassenbenutzung bezahlen? Wie prüft man nach, ob jemand diese Strassen nutzt oder nicht? Flächendeckendes Mautsystem? Eingebautes staatliches (oder der beauftragten Firma gehörendes) GPS? Richt nach Überwachungsstaat… und bietet sicher viele Schlupflöcher. Bei den Schulbesuchen ist es natürlich einfacher, aber entsteht hier nicht das Problem, dass Leute mit schlechtem/keinem Einkommen dann ihre Kinder nicht in die Schule schicken und man das potentielle Humanmkapital nicht ausschöpft (politisch unkorrekt: auch auf einem Misthaufen kann ne Rose blühen) und sich nur die kriminellen von morgen schafft (was aber nicht mit fehlenden aufstiegschancen verwechselt werden darf, was die deutsche verbrecherbande oben in berlin zeigt).
Die Prozentuale besteuerung mag aufwändig sein, und sie mag missgunst- und kontrollsucht erzeugen, aber sie ist halt doch irgendwie nötig, ausser man sitzt auf einem Ölfass oder auf einem Berg von Doppelmoral (GBR, Cayman Islands und konsorte). Ich denke, so lange die Steuern möglichst tief (Fiskalquote unter 25% schwebt mir vor) sind und der staat möglichst schlank, kommen auch Liberale damit zurecht :)
Ich bevorzuge das Easy Flate Tax modell, sprich bruttoeinkommen minus pauschalabzug pro person im haushalt und davon dann ein einheitlicher steuersatz. so profitieren die ärmeren weiterhin von tiefen bis keinen steuern, und alle andern haben nicht mehr seitenweise formulare zum ausfüllen und sammeln (ja, steuererklärung wieder ins haus geflattert, da reg ich mich immer wieder darüber auf). Hier ein Link dazu http://www.flattax.ch/index.php?th=2
Frage: Wie würde man denn die Strassenbenutzung bezahlen?
Na z.B. mit der Mineralölsteuer, die’s bereits gibt und sogar den Vorteil hätte, dass Vielfahrer, die stärker zum Verschleiß beitragen auch proportional mehr zahlen müssten. Ebenso wie Ausländer, die deutsche Straßen für den Transit nutzen.
Liebe Dagny, mit Verlaub, aber da verrennst du dich schon gewaltig:
“Die Einkommensteuer beruht auf der moralischen Annahme, dass der zu Besteuernde die Fruechte seiner Arbeit abgeben muss. Er darf nicht behalten, was er geschaffen oder geerntet hat, sondern muss es mit anderen zwangsweise teilen, die dies nicht erwirtschaftet haben.”
Nein, schon das stimmt so nicht. Das mit den Steuern finanzierte kommt ja nicht einfach den “Armen” zugute, sondern allen. Man kann auch argumentieren, dass der Besserverdienende von einer guten Infrastruktur auch mehr profitiert als der weniger gut Verdienende.
Und die Sache “die dies nicht erwirtschaftet haben” zeugt von einem sehr fragwürdigen Verständnis vom Wert einer Arbeit. Man könnte jetzt – horribile dictu – sogar Brecht zitieren und fragen, ob der Pharao die Pyramiden erbaut hat oder seine Arbeiter und Handwerker. Wer “erwirtschaftet” mehr: Der Bördenspekulant oder die Krankenschwester, die ihm das Leben rettet? Was erwirtschaftet ein Polizist? Eine Altenpflegerin? Der “Wert” eines Menschen für die Gesellschaft lässt sich nicht am monetären Gewinn ermessen, den er macht.
“Es ist nicht weiter verwunderlich, dass ein solches Steuersystem zu Neid und zu einem mehr oder minder ausgepraegten Schnueffelwesen fuehrt. Die Diskussion um die – angebliche – Steuer-CD ist Ausdruck dieser Tatsache.”
Wenn “Reiche” und “Arme” genau pro Kopf die gleiche Steuersumme bezahlten, würde das nicht zu “Neid” führen?
“Ein Steuersystem zur Finanzierung gemeinsam wahrgenommener Gueter welches diese moralische Sackgasse vermeiden will, muss entweder die direkte Nutzung des Gutes nach den tatsaechlichen Kosten besteuern…”
In vielen Fällen wäre das weder praktikabel noch wünschenswert. Sollen wir die Benutzung von Gehsteigen nach gelaufenen Kilometern bemessen? Wie rechnen wir das ab? Und wer sich die Schule nicht leisten kann, geht eben nicht? Hat nicht die Gesellschaft ein ureigenes Interesse daran, dass ihre Mitglieder soviel Bildung bekommen wie möglich? Gründet der Wohlstand Deutschlands nicht gerade darauf?
“eine Kopfsteuer darstellen”
Eine Kopfsteuer wäre völlig unsinnig. Um nur einen minimalen Staat zu finanzieren, müsste sie so hoch sein, dass viele Menschen sie gar nicht zahlen könnten. Wenn wir mal davon ausgehen, dass das absolute Existenzminimum nicht besteuert werden kann, jeder aber die gleiche Kopfsteuer bezahlen müsste, betrüge diese maximal 1 Euro pro Kopf. Da kommen wir nicht weit.
“oder sich indirekter Besteuerung (Zoelle) bedienen.
Indirekte Steuern oder Zoelle machen Produkte teuerer und stellen einen Markteingriff dar, da die Grenzkosten notwendigerweise erhoeht werden. In massvollem Rahmen wird dies aber fuer Liberale vertretbar sein.”
Eine ausschließliche indirekte Besteuerung trifft wiederum Menschen am Existenzminimum am härtesten. Wir haben jetzt schon 19%, und Menschen, die keine Einkommensteuer bezahlen, weil sie dafür nicht genug verdienen, würden bestimmt 30% nicht leisten können. Außerdem käme es dann zu einer umfänglichen Schatten- und Schmuggelwirtschaft, und wir stünden wieder am Anfang.
“Die Diskussion um die Mehrwertsteuer fuer Hotels entstammt der Frage, wie gross der Markteingriff in Deutschland verglichen mit den Nachbarlaendern ist.”
Die ganze Diskussion um die Hotels finde ich schwachsinnig. Die ermäßigte Mwst sollte eigentlich Güter des Grundbedarfs umfassen und nicht irgendwelche Marktsituationen abbilden. Selbst wenn man das sollte und wollte, dürfte das nur für grenznahe Hotels gelten. Wer in München zu tun hat, steigt nicht in Salzburg ab, um die Mwst zu sparen.
“Eine Kopfsteuer wuerde den Uberwachungsapparat unnoetig machen, den eine progressive, am Besitz und Verdienst ausgerichtete Steuer notwendigerweise nach sich zieht.”
Er würde dafür einen heftigen Polizeiapparat erfordern, der die dann folgenden Aufstände niederschlägt.
“Eine Besteuerung der Nutzung hingegen kommt einer marktwirtschaftlichen Ordnung am Naechsten. Nur wer etwas benutzt, zahlt die dafuer faellige Gebuehr. Strassenbenutzung und Schulbesuch unterscheiden sich diesbezueglich nicht vom Baecker- oder Friseurbesuch.”
Siehe oben. Nicht praktikabel und für die Gesellschaft nachteilig.
Solche Gedankenspiele sind ja ganz amüsant, aber wenig zielführend.
Was wir brauchen ist ein transparentes, möglichst einfaches und faires Steuersystem, das allen eine vernünftige Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht. Das ist im Interesse aller, auch in dem der “Reichen”, die sich vielleicht auch nicht gern in schwer bewachte Gated Communities zurückziehen wollen.
“Was wir brauchen ist ein transparentes, möglichst einfaches und faires Steuersystem, das allen eine vernünftige Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht.”
Klingt ja ganz nett, dummerweise haben Menschen aber verschiedene Ansichten darüber, was “vernünftige Teilhabe” und “gesellschaftliches Leben” bedeutet. Versuch das mal zu definieren und in Geld auszudrücken.
Mwst für Lebens- und Arzneimittel 5 %, ansonsten 20%
Mindesteinkommen frei (etwa Kirchhofsche Schätzung), danach maximal 25% (für sehr hohe Einkommen meinetwegen etwas höher aber maximal 33%). Gleichbehandlung aller Einkommen (Ausnahme Beträge, die per Quellensteuer erhoben werden). Konsequente Abschaffung von “Steuermodellen”, “Abschreibemodellen” etc. Abhängig Beschäftigte können überhaupt nichts mehr absetzen. Alles, was der Staat fördern will, soll er direkt tun, nicht über Steuerermäßigungen.
Kapitalerträge an der Quelle besteuern und Steuern anonym an das Wohnsitzland überweisen. Keine Freibeträge (schafft nur Bürokratie), europaweit und stets 20% (unabhängig von sonstigem Einkommen, keine Absetzbarkeit von Ausgaben dazu: spart Bürokratie und da das automatisch jeder zahlt, nimmt man vermutlich mehr ein als jetzt)
Alle Steuern abschaffen, bei einen der Aufwand der Erhebung in keiner vernünfigen Relation zum Ertrag steht. Kaffee- oder Sektsteuer sind Unsinn.
Das ist noch nicht alles und natürlich noch verhandelbar. Gleichzeitig rigorose Kontrolle der Staatsausgaben. Der Staat muss dem Bürger gegenüber ebenso Rechenschaft ablegen wie umgekehrt.
Wie gesagt, das ist klingt alles ganz nett, aber wer hat ein Interesse an diesen Reformen? Bürokratieabbau ist in diesem Lande doch kaum noch möglich, weil mittlerweile viel zu viele Interessen dem entgegenstehen. Welches Interesse hat der Staat und seine Beamten am Abbau der Bürokratie?
Und solange eine sozialdemokratische Grundhaltung in der Bevölkerung vorherrscht, ist eine solche Reform eh nicht durchsetzbar.
Das hat man doch an Kirchhoff gesehen, dessen Vorschläge damals noch nicht mal diskutiert wurden. Schröder brauchte bloß “sozial ungerecht” zu schreien, und schon ging es mit Kirchhoff bergab.
“sozialdemokratische Grundhaltung”
Die Bevölkerung ist also Schuld. Überleg dir mal wer vom aktuellen Steuersystem am meisten profitiert. Sicher nicht der Normalbürger. Der hat kaum Möglichkeiten irgendetwas abzusetzen. Kirchhoffs Model war damals interessant, aber in meinen Augen nicht ausgereift. Je nachdem wer es durchgerechnet hat kam mehr oder weniger Geld am Ende raus. Wenn es aber ein so einfaches System wäre dürfte das wohl nicht passieren.
“Die Bevölkerung ist also Schuld.”
Was heißt “schuld”? “Die Bevölkerung” folgt eben ihren Interessen.
“Überleg dir mal wer vom aktuellen Steuersystem am meisten profitiert”
Weiß ich bereits: Der Staat und seine “Diener” natürlich.
“Die Einkommensteuer beruht auf der moralischen Annahme, dass der zu Besteuernde die Fruechte seiner Arbeit abgeben muss.”
Nein. Die Einkommensteuer beruht auf dem gesellschaftlichen Konsens, dass ein Staat Steuern erheben darf/muss, um seine Aufgaben wahrnehmen zu können.
Höhe, Umfang und Art der Steuern und Aufgaben des Staates werden durch demokratisch gewählte Parlamente und Regierungen bestimmt. Damit einher gehen Meinungsstreit, Wahlkampf und Debatten, so dass das Volk entscheidet, wie der Staat aussehen soll, in dem es lebt.
Übrigens wird niemand gezwungen, in Deutschland zu leben. Die Grenzen sind offen. Wer jedoch hier lebt, hat sich an die geltenden Gesetze zu halten.
Kommen Sie in die Schweiz, Ihr Geld ist schon dort. :)
Wäre jedenfalls konsequent.
“Nein. Die Einkommensteuer beruht auf dem gesellschaftlichen Konsens, dass ein Staat Steuern erheben darf/muss, um seine Aufgaben wahrnehmen zu können.”
Das Verhältnis von Konsens zu gesellschaftlichem Konsens ist wie das von Gerechtigkeit zu sozialer Gerechtigkeit.
“Übrigens wird niemand gezwungen, in Deutschland zu leben. Die Grenzen sind offen. Wer jedoch hier lebt, hat sich an die geltenden Gesetze zu halten.”
Wenn ich sowas von einem Linken lesen muss (und es kam und kommt immer nur von Linken), dann wird mir immer ganz übel.
“Wenn ich sowas von einem Linken lesen muss (und es kam und kommt immer nur von Linken), dann wird mir immer ganz übel.”
Achso? Und warum? Ist es denn falsch? Besteht denn nicht die Möglichkeit, frei und ungehindert zu reisen und dort zu wohnen, wo man will, sofern die notwendigen Mittel vorhanden sind?
Sprich dich da mal mit deiner Wunschkoalitionspartnerin Kuenast ab. Republikflucht nennt die das. – Schiessbefehl reloaded?
Ja. was die Künast sich geleistet hat, spricht Bände über ihre Einstellung.
Aber das ist kein Grund, einen Popanz aufzubauen. Sie hat nur von Geld gesprochen, das “republikflüchtig” sei. Versuch mal, das zu erschießen.
Und trotzdem wird damit von der Linken der ohnehin schon endemische Hass auf die Leistungsträger weiter verschärft. Ist nur eine Frage der Zeit, bis der erste Verwirrte oder der wütende Mob Selbstjustiz an einem “Steuerhinterzieher” üben wird. Insofern liegt Dagny da gar nicht mal falsch.
Die Unterscheidung ob nun das Geld oder der Besitzer Republikflüchtling ist, die machen die Künast-Zuhörer schließlich auch nicht.
Ich bin nicht für den Künast’schen Verbalmüll verantwortlich. Ist mal wieder Sippenhaft-Dagny unterwegs?
Vielleicht ist das der richtige Zeitpunkt, um diesen Link hier einzuwerfen:
http://www.coordinationproblem.org/2010/02/is-taxation-really-theft.html
Wenn dir also die Unmöglichkeit den Steuerhaien zu entkommen bekannt ist, wie kannst du dann gleichzeitig Steuerverweigerung kritisieren?
Erstens heißt “hohe Kosten” nicht “unmöglich” und zweitens würden auch die Steuer”verweigerer” dumm gucken, wenn andere ihren Beitrag verweigerten.
Und komm mir jetzt keiner mit den Märchen von privaten Sicherheitsdiensten und Rechtsprechern, die bestehen grundlegende Tests nicht.
1. Und welche “grundlegenden Tests” wären das?
2. Wenn alle ihren Betrag verweigerten würde das Zwangsabgabensystem kollabieren und darum geht es hier ja.
Wenn das “Zwangsabgabensystem” (also der Staat) kollabiert, gäbe es keine Gesetze, denn wer wäre schon in einem nichtexistenten Staat berechtigt und in der Lage, für Alle gültige Vorschriften aufzustellen.
Raub und Mord wären also “legal”, es gälte ausschließlich das Recht des Stärkeren.
Ist es das, was du willst ? Das hatten wir schon mal, in der Steinzeit nämlich. Was du willst, ist, die letzten paar tausend Jahre Zivilisationsgeschichte einfach über Bord zu werfen.
(Kommentar nicht freigeschaltet, also zweiter Versuch)
Wenn das “Zwangsabgabensystem” (gemeint ist wohl der Staat) kollabiert, gibt es auch keine allgemeingültigen Gesetze mehr – denn wer sollte diese, rechtsverbindlich für Alle, schon aufstellen dürfen ?
Folglich gäbe es auch keine Straftaten mehr. Raub, Mord, Vergewaltigung – alles vollkommen legal.
Schöne neue Neandertalerwelt.
Ohne mich! Da kaufe ich mir per Steuern lieber weiterhin “selbstverständlichen” Schutz, Sicherheit und Komfort. Kurz: Zivilisation.
Wieder Popanz.
Unzählige Male schon diskutiert:
Der Knackpunkt ist Freiwilligkeit vs initiierte Gewalt(Zwang).
Und Zivilisation ist das glatte Gegenteil von “Und bist du nicht willig, so holen wir’s mit Gewalt” (aka Steuer). Das ist die Neandertaler-Keule.
Du glaubst doch wohl selbst nicht, dass auf Freiwilligkeit basierend auch nur ein Hundertstel des notwendigen Bedarfes zustande käme.
Der Mensch ist nunmal zunächst ichbezogen, es bedarf da eines kleinen aufmunternden Klapses um seine Geberlaune anzuregen.
Außerdem will “Freiherr Markt” den Staat ja gänzlich abschaffen.
“es bedarf da eines kleinen aufmunternden Klapses um seine Geberlaune anzuregen.”
Und wenn das noch nicht hilft, werden die Klapse eben immer größer. Willkommen in der Diktatur!
Erzähl das mal einem, der wirklich in einer Diktatur leben muss, du staatlich-verwöhntes Hätschelkind.
Nun, wer meint, seine Mitmenschen durch eine Regierung zu bestimmten Verhaltensweisen zwingen zu müssen, hat den Geist der Diktatur bereits verinnerlicht.
Bis auf sehr wenige Ausnahmen (Trapper in Alaska, Robinson auf einsamer Insel etc) leben Menschen in sozialen Verbänden. Man muss das gar nicht am Begriff “Staat” festmachen.
Und da ist eben nicht alles “freiwillig” zu leisten. Schon in einer Hauseigentümergemeinschaft muss ich mich oft dem Votum einer Mehrheit beugen.
Es ist nun mal so: Wenn ich in einer Gemeinschaft, einem Staat lebe, profitiere ich automatisch von gewissen Vorteilen, die diese Gemeinschaft bietet, gemeinsam leistet, erwirtschaftet etc.
Wer in einen Staat hineingeboren wird, hat die Leistungen vieler schon Jahre in Anspruch genommen, bevor er selber etwas leisten kann, und einen nicht geringen Teil seiner Befähiung, überhaupt etwas zu leisten, verdankt er dieser Gemeinschaft.
So funktiioniert das in Deutschland, aber auch bei den Amazonasvölkern und sicher war das bei den Neanderthalern schon nicht anders.
Wer das Mammut erlegte, bekam wohl das leckerste Stück, aber teilen musste er, sonst Keule.
Dass 80 Mio Menschen allein durch “freiwillige Beiträge” für ein funktionierendes Gemeinwesen sorgen ist nicht minder utopisch als kommunistische Phantastereien.
—Wer das Mammut erlegte, bekam wohl das leckerste Stück, aber teilen musste er, sonst Keule.—
Wer etwas geleistet hat, musste den überwiegenden Teil an die Nichtleister abgeben, sonst wurde er körperlich attackiert. Ein Steinzeitargument um den Steuerstaat zu legitimieren. Chapeau.
Mammut – Keule: Naja, das hinkt: Natuerlich hat er etwas abgegeben, aber die anderen haben entweder mitgejagt oder in der Sippe eben andere Aufgaben erfuellt. Werkzeug gemacht, Feuerholz gesammelt, etc. pp. – Es ist nicht Mammut oder Keule, es ist Mammut gegen etwas anderes getauscht.
Äh Entschuldigung, du bist die einzige, die was “leistet” in unserer Gesellschaft?
@Epameroi:
Staat, Gemeinschaft, Gesellschaft, Gemeinwesen — Du benutzt diese Begriffe synonym. Äpfel und Bananen sind Obst, aber dennoch unterschiedlich.
Es geht ja darum, dass man für das bezahlt, was man selbst in Anspruch nimmt. Will ich sichere Straßen, dann schließe ich mich mit anderen zusammen, die das selbe Interesse haben und wir bezahlen für eine private Sicherheitsfirma die _unsere_ Straßen sichert. Entscheidet jemand, dass er auch ohne so etwas auskommt, dann gibt er sein Geld halt anderweitig aus.
Wichtig ist: Die “ichbezogenheit” ist die große Stärke des Systems: Jeder finanziert nur das, was er selbst wirklich braucht und haben will. So funktioniert ein gerechtes System.
Und zu deinen Straftaten: Natürlich gibt es die weiterhin. Wenn der Staat kein Recht hat sich am Privatbesitz anderer zu bedienen, dann haben andere das auch nicht.
“Will ich sichere Straßen, dann schließe ich mich mit anderen zusammen, die das selbe Interesse haben und wir bezahlen für eine private Sicherheitsfirma die _unsere_ Straßen sichert. ”
Und wenn einer in _eurer_ Straße wohnt, der nur einfach dort wohnen aber nicht zahlen will, gleichwohl aber von der Arbeit der Sicherheitsfirma profitiert, was macht ihr dann ? Prügelt ihr ihn aus _eurer_ Straße raus ?
Warum, der profitiert dann halt nicht davon, was seine eigene Wahl ist. Wenn in sein Haus eingebrochen wird, kann er hinterher natürlich keine Ansprüche gegen die Sicherheitsfirma gültig machen.
Und wer garantiert dir die innere Sicherheit wenn du _deine_ Straße verlässt, um z.B. zur Arbeit zu gehen oder einfach nur spazierenzugehen ?
Du denkst vollkommen unrealistisch, der Aufwand (hier: für die flächendeckende Sicherheit) wäre -wie schon im Beispiel mit der Straßennutzung im anderen Thread – enorm. Viel enormer, als es bei den jetzigen tatsächlichen Gegebenheiten der Fall ist.
Polizei, Verteidigung und Justiz sind ja unter Minimalstaatlern unumstritten. Der dicke Batzen im Bundeshaushalt geht dafuer aber nicht drauf.
Über minimalstaatliche Positionen kann man diskutieren, der Freiherr ist aber kein Minimalstaatler, sondern ancap.
“Und wer garantiert dir die innere Sicherheit wenn du _deine_ Straße verlässt, um z.B. zur Arbeit zu gehen oder einfach nur spazierenzugehen ?”
Dann erwerbe ich Schutzrecht von der für diese Straße zuständige Sicherheitsfirma. Oder ich gehe nicht da lang (bzw. auf eigenes Risiko.) Durch die Beteiligung an den Kosten durch Außenstehende wie mich, kommt es die Anwohner sogar noch preiswerter, einen Sicherheitsdienst anzuheuern. Was ihr Interesse daran weckt, ihre Straßen für Fußgänger möglichst attraktiv zu machen.
Ich bin heute etwa über 15 Straßen gegangen.
Das stelle ich mir schon mühsam vor mit dem “Schutzrecht”.
Komisch, aber auch bezeichnend, dass sich die Leute gerade bei diesen Beispielen immer so saudumm anstellen:
Deine Strasse hat Schutztyp A.
Die Nachbarstrasse Schutztyp B.
Wie viele Nachbarn werden in der ersten Woche Deine Strasse benutzen wollen? Wohl genuegend als dass man sich da einigen kann. – Innerhalb der eigenen Strasse, dem eigenen Viertel ist das doch nicht so aus der Welt? Und jenseits der grossen Schnellstrasse? Wo man nur selten hingeht? Da zahlste halt mit der Busfahrkarte auch einen Anteil an Schutzrechten, die der Busfahrer schon eingepriesen hat.
Und der Querulant, der SEINEN Strassenabschnitt mit Klauen und Zaehnen verteidigt, der darf dann zusehen, wie alle anderen um ihn herum zu Wohlstand kommen und er nicht. Aber dafuer hat er seinen Strassenabschnitt von Trittbrettfahrern freigehalten. So what.
(Ich tendiere allerdings zu der Auffassung, dass ein weitgehend geographisch homogener Minimalstaat geringere Transaktionskosten als AnKap mitsichbringt und deshalb AnKap nicht dauerhaft von Vorteil ist. Funktionieren wird es aber, falls noetig.)
Tut mir leid, ich bin Liberaler aber hier definitiv im falschen Film
Auf youtube unter einem Walter-Block-Vortrag zur Privatisierung von Straßen schreibt jemand:
“The lack of imagination concerning the privatization of just about any government controlled entity is truly amazing, especially from those who profess a love and respect for freedom. Walter Block’s ideas are apt and succinct. He cannot predict how a private road structure would work precisely, because? no one can. ”
Das nimmt mir so ziemlich genau die Worte aus dem Mund. Und ehrlich gesagt sind mir manchmal die Wagenknechts und Gysis lieber als so mancher Liberaler. Bei ersteren weiß man wenigstens halbwegs, woran man ist :).
He cannot predict how a private road structure would work precisely, because? no one can. ”
Oh doch. Empfehle dazu einen Besuch der South Bronx oder L.A. South Central
Sind dort keine steuerfinanzierten, staatlich geplante Straßen? Also absurd da losgelöst von staatlichen Eingriffen analysieren zu wollen.
Ich erwarte ja nun nicht von einem Liberalen, dass er irgendwelche Vollblutanarchopositionen übernimmt, aber so ein klitzekleines Fitzelchen Skepsis gegenüber staatlichen Monopollösungen? Das muss doch drin sein. Nur muss man wohl dieses Fitzelchen mit einer immer größeren Lupe bei den meisten Politliberalen suchen.
“Ich erwarte ja nun nicht von einem Liberalen, dass er irgendwelche Vollblutanarchopositionen übernimmt”
Puhhhh :-)
“Und ehrlich gesagt sind mir manchmal die Wagenknechts und Gysis lieber als so mancher Liberaler. Bei ersteren weiß man wenigstens halbwegs, woran man ist :).”
Geht mir schon lange so! Auf Paxx.tv schrieb uns mal ein erfrischender Kommentator (den ich leider nicht mehr finde in den Weiten des WWW), deutsche Liberale/Libertäre klängen oft nur wie “Westerwelle auf Koks: ‘Our poor Bosses’” Da ist was dran. Hier fehlt ein Kevin Carson oder irgenwer, der radikal linke mit radikal freimarktwirtschaftlichen Positionen verknüpft.
ad 1. Vor allem die in der Realität.
ad 2. Dir vielleicht. Mir nicht. Denn eins weiß ich genau: Damit, dass man nichts anderes außer solchen absurden Radikallösungen gelten lassen will, ist man vielleicht der King am Stammtisch oder an der afghanisch-pakistanischen Grenze, trägt aber rein gar nichts dazu bei, dass diese Welt vielleicht doch ein klein wenig besser wird.
Aber Du? Laß hören! Erzähl mir von Deinen Erfolgen beim Deutschland-a-weng-liberaler-machen! ;-)
Nein, man kann nicht frei und ungehindert reisen.
http://ef-magazin.de/2009/06/24/1295-auswanderung-das-gesetz-des-finanziellen-aderlasses
Die Frage war rhethorisch gemeint.
Ich habe den verlinkten Artikel quergelesen. Einiges war neu für mich, ist auch nicht mein Fachgebiet. Meiner Aussage widerspricht der Artikel allerdings nicht. Ich habe nicht behauptet, dass Ausreise einfach ist.
Aber so schwer kann Ausreise nicht sein, wenn man die vielen Auswanderer-Sendungen mal als Beispiel nimmt…
Entweder hast Du ein eigentümliches Verständnis von “ungehindert” oder von “widersprechen”.
Wenn jemand feststellt, man könne Straßen ungehindert nutzen, und ein anderer erklärt, dabei müsse man aber aufpassen, da auch noch andere Leute diese Straßen benutzten, so hat das ähnlich viel Wert wie Deine Einlassung.