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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Grevenbroich: der Fluch der salbadernden Frömmler

jo@chim, 04.02.2010

Der US-amerikanische evangelikale Eiferer Pat Robertson ist der Meinung, dass die Haitaner selbst Schuld am Erdbeben sind: 1791 hätten die dämlichen Neger einen Deal mit Satan geschlossen, um eine grundböse Tat zu begehen – nämlich sich von der wohlwollenden französischen Kolonialmacht zu befreien, die sie in die schöne Karibik geholt und ihnen Arbeit und Brot auf den Zuckerrohrplantagen gegeben hatte. Klingt etwas verwirrt, meinen Sie?

Nein, dem ist das durchaus ernst. Aber was soll man von einem Fernsehprediger schon erwarten – Geschichtskenntnisse oder gar die Einsicht, dass die versklavten und nach Haiti verschifften Afrikaner vielleicht gute Gründe hatten, ihre eigenen Kulte dem Christentum der weissen Herrenmenschen vorzuziehen? Für den einen Spinner ist es die Erderwärmung, für den anderen ist eben seine Gottesprojektion eingeschnappt und lässt es deshalb ein wenig rumpeln. Die Welt ist nicht so, wie sie scheint! Plattentektonik wäre dann ja doch zu einfach. But, who cares?

Nun bekommt Robertson allerdings Unterstützung hierzulande. Aber nicht auf kreuz.net oder von abgedrehten Bibelforschern, sondern auf ef-online (Sie erinnern sich – der Online-Ableger des Magazins aus Grevenbroich, das sich einmal selbst als libertär bezeichnete): des Predigers Ursachenermittlung sei

zweifelsohne eine Provokation für alle Kulturrelativisten, die vielleicht gerade noch die Existenz eines fernen Gottes zugeben, jedoch die Existenz seines Gegenspielers Satan leugnen müssen.

Denn

die infantile Gleichsetzung des demütigen Betens um göttliche Gnade mit obskurantistischen Beschwörungen und Zaubereien begünstigte die Machtübernahme durch Dynastien kleptokratischer Diktatoren und die damit einhergehende Vernachlässigung von Vorsorge-Investitionen gegen Hurrikane und Erdbeben

kommentiert dort ef-Kolumnist Edgar Gärtner unter dem Titel Haiti: Der Fluch der Blasphemie Robertsons Erguss. Und um nicht nur die Frömmler-Klientel zu bedienen, sondern auch die Zielgruppe derjenigen, die gerne einmal geniessen, mit einem gebildeten Rassisten zu sprechen, im Meer der seichten, langweiligen Politischen Korrektheit, erweitert Gärtner die tief schürfende Analyse noch:

Früher war nämlich alles besser in Haiti, denn da “blühte dort über hundert Jahre lang der Zuckerrohranbau, der mithilfe aus Afrika importierter Sklavenheere betrieben wurde. Haiti wurde zu Frankreichs ertragreichster Kolonie”. Nachdem sich allerdings einige Schwarze nicht ausreichend geschützt hatten und sich mit der Gleichheitsidee der französichen Revolution ansteckten, nahm das Desaster seinen Anfang.

Nicht die Zuckerrohr-Monokultur der Sklavenhalter, sondern erst die Landreform, die Privateigentum für Millionen geschaffen hatte, laugte die Böden aus. Und die (nach heutigem Kurs) Milliarden an Reparationen, die sich Frankreich von den Haitianern als “Gegenleistung” (sic!) für die diplomatische Anerkennung erbeten hatte, waren natürlich ebenfalls nicht ursächlich für Armut und Unterentwicklung, sondern die eigentliche Crux bestand darin, dass “in Haiti der Voodoo-Kult von Anfang an als dem Christentum zumindest ebenbürtig, wenn nicht überlegen angesehen wurde“. So geht das weiter – schliesslich versteigt sich der Autor sogar dazu, die “Verbreitung des Christentums seit fast zwei Jahrtausenden” unter “stille und unblutige Revolutionen” zu subsummieren… ein neuerlicher Tiefpunkt in der Geschichte des Magazins eigentümlich frei.

Ach, übrigens: finden Sie es nicht auch eigenartig, Herr Gärtner, dass Haiti und die benachbarte Dominikanische Republik (in der, ebenso wie in Haiti nebenbei, der Katholizismus Staatsreligion ist) bis Anfang der 1960′er ein ähnliches BIP* aufwiesen, wo doch das Elend schon 1791 begann? Wie erklären Sie sich, dass die Parameter erst auseinander liefen, seit die gut katholische Familiendynastie der Duvaliers das Land in ihr Defacto-Privateigentum überführte und bis in die 80′er Jahre ausplünderte? Zu Beginn aus antikommunistischer Motivation leider von den USA und dem evangelikalen Netzwerk “The Fellowship” (das aktuell gerade andernorts seine “segensreiche” Wirkung entfaltet…) unterstützt.

There’s the beef: In Haiti wurden Marktbeziehungen und Zivilgesellschaft – soweit vorhanden – durch eine korrupte Pseudo-Monarchie zerstört. Ökonomischer Fortschritt war so nicht möglich. Anzahl, Art und Vorlieben der jeweiligen Götter sind vielleicht für salbadernde Frömmler interessant, taugen aber nichts als Erklärungsmodell für die Entwicklung einer Gesellschaft (zumindest solange sich die Erweckten nicht gegenseitig an die Kehle gehen). Lassen Sie sich’s vielleicht gelegentlich einmal von einem indischen Software-Ingenieur erklären. Ganesha sei mit Ihnen!

(*vgl. die Grafik “Wohlstandsentwicklung” des IMF – Economic Freedom of the World 2009, NZZ Hintergrund-Artikel)



25 Kommentare zu “Grevenbroich: der Fluch der salbadernden Frömmler”

  1. Lemmy Caution

    Letzten Samstag morgen (gefühlt) war ein großartiges Interview in 3Sat mit einem Deutschen mit haitianischer Großmutter, der stark mit dem Land verbunden ist.
    Leider konnte ich das jetzt auf der 3Sat Webseite nicht finden.
    Das war jemand, der das Land von Innen kennt.
    Die Ideologen lechts wie rinks nehmen ihr bruchstückhaftes Wissen und benutzen es als eine Art Sekundärmaterial-Putz für die immer gleichen kahlen Mauern ihrer vorgefertigten Ideologien.
    Aus der chavistischen Ecke hört man eine Menge Sympathie für Aristide. Schließlich äußern sich ihre Anhänger so schön anti-amerikanisch. Leute, die sich im Land auskennen, beschreiben Aristide als einen zunehmend korrupten und mit einer immer gewalttätigeren Drogenmafia verbundenen Mann mit Predigten als seltsame Mischung aus salbungsvoll und agressiv. Auch er hat klare Verbindungen zum Vodoo.
    Die Duvaliers waren ziemlich Vodoo. Papa Doc war eine Art Hohepriester. Seine schwarze Kleidung mit weißem Spazierstock repräsentierte einen Todes-Gott des Vodoo.
    Vodoo ist ein selbstverständlicher Teil der haitianischen Kultur. Man kann das genauso “abschaffen” wie den Islam. Irgendwie müssen diese Religionen sich an die neue Zeit anpassen und die problematischen Elemente unter Kontrolle bekommen. Hat das Christentum schließlich auch irgendwie hinbekommen. Also ist das nicht hoffnungslos.
    Der auf 3Sat interviewte Mann sagte, dass er die Probleme Haitis immer weniger verstünde. In diesem Sinne.

  2. DDH

    Chapeau, Achim!

    Ich wollte vor ein paar Tagen, als ich das las (und erst gar nicht glauben wollte, was sich da an menschenverachtender Unrat vor meinen Augen auftut) sogar was dazu schreiben, aber hab mir dann gedacht “Ach komm, laß es gut sein, zu ef ist doch alles gesagt. Es weiß ja jeder, daß die Jungs nicht ganz frisch in der Tüte sind.”

    Verfalle jedesmal, wenn ich an ef denke und die verpaßten Chancen für eine Popularisierung der Idee der Freiheit, in die Depri.

    So long.

  3. Lina

    Vermutlich meinst Du diese (wahre) ‘Sternstunde’ des sf, ausgestrahlt von 3sat am vergangenen Sonntagmorgen:

    http://www.sf.tv/podcasts/feed.php?docid=ssp

    “Einmal mehr gehen Bilder von Not und Chaos aus Haiti um die Welt; diesmal ausgelöst durch eine Naturkatastrophe. Aber Haiti ist mehr als die Summe seiner Katastrophen. Seine Geschichte, seine Vielfalt, seine einzigartige Kultur machen das Land … ” (Videodatei zum Downloaden / 62 Min)

    P.S.: Toller Artikel, Aber warum Du dem ef_Autor den netten Ganesha an den Hals wünschst, versteh’ ich nicht ganz ;) …

  4. Rayson

    Auf deine Reflexe ist Verlass, Achim ;-) Da muss nur einer mal etwas Positives über das Christentum schreiben, und schon sitzt du voller Eifer vor dem Rechner. Damit will ich nicht sagen, dass ich dem aus meiner Sicht arg kruden Geschreibsel des von dir zitierten Artikels etwas abgewinnen kann, aber bei Überschriften wie “Lebenszeichen einer erwachenden Bürgergesellschaft: Räuber in Wien von seinem Opfer erschossen” und diesen immer wieder auftauchenden unerträglichen, moralisierenden Urteilen über sozial Schwache hätte man eigentlich schon viel früher genug Ansätze gehabt, sich über die Ausrichtung von ef zu wundern.

    Wenn da nicht noch Leute wie Dirk Friedrich oder Carlos A. Gebauer schreiben würden, gäbe es keinen Grund mehr, sich das anzutun.

  5. jo@chim

    Na Rayson, immerhin habe ich seit meinem letzten Erleuchtetenmobbing vor genau einem Vierteljahr 15 Beiträge verbraten. Das müssten schon ziemlich lahme Reflexe sein ;-)

    Im Übrigen hat Herr Gärtner, glaube ich, weniger “Positives über das Christentum”, sondern vielmehr Negatives über einen Mitbewerber am Erlösungsmarkt geschrieben.

    Wegen der Libertären, die nach wie vor bei ef schreiben, lese ich das Magazin auch noch. Ich kann aber nicht wirklich verstehen, warum die ihren guten Namen in diesen Metakontext setzen.

  6. jo@chim

    Aber warum Du dem ef_Autor den netten Ganesha an den Hals wünschst, versteh’ ich nicht ganz

    Lord Ganesha ist mein Lieblingsgott!

  7. jo@chim

    Ich denk’, die sind alle ein bisschen Voodoo, Lemmy :) Aber das ist ja der Durchschnittskathole anderswo mit seinen 285 Heiligen, der Mutter Göttin, äh Gottes, und all dem Zeug auch…

  8. Lemmy Caution

    Einigen wir uns darauf, dass Papa Doc ungefähr so katholisch war wie der Träger dieses Plakats:
    http://doc.noticias24.com/1002/carte033.jpg

    Dort steht geschrieben:
    Wenn du Chávez nicht magst, verbinde dich mit ihm. Chavez liebt dich. Er ist gesandt von Gott, um Venezuela vom Imperio Yankee zu befreien. 33 Alpha und Omega. ;-)

    Ausser vielleicht in gewissen Phasen bestimmter Renaissance-Päbstenstand stand Rom nie auf sowas wie Papa Doc. Der war sicher auch eine Fehlinterpretation des Voodoo.

    Linas Link war es. thx. 100% sehenswert. Dieser download Link: http://tinyurl.com/ybush6c

  9. Christian S.

    Bitte? Positives über das Christentum?

  10. Rayson

    Meinetwegen auch “vermeintlich Positives”.

  11. DDH

    “und diesen immer wieder auftauchenden unerträglichen, moralisierenden Urteilen über sozial Schwache hätte man eigentlich schon viel früher genug Ansätze gehabt, sich über die Ausrichtung von ef zu wundern.”

    Zu später Stund’ kassiert heute abend auch der Rayson noch ein Lob von mir! Sehr wichtiger Punkt! Danke!

  12. jo@chim

    Irgendwie kriegste den Hugo dann doch immer wieder unter..
    ^^

  13. jo@chim

    Als ob Freiheit der Meinungsäußerung, religiöse Toleranz oder die Selbstbestimmung des Individuums (um nur diese “Werte” zu nennen) Errungenschaften des Christentums wären. Als ob die Kultur der Kritik, des Fragens und Zweifelns, des Dialogs und der freien Rede, kurz die Aufklärung nicht vielmehr mit Sokrates beginnt, bei Cicero einen ersten Höhepunkt erreicht, um nach einer erzwungenen Latenz von anderthalb Jahrtausenden in der Renaissance wieder zögerlich anzuheben. Als ob es nicht Verdienst des römischen Rechts ist, die christliche Ethik soweit formalisiert zu haben, dass dem Abendland barbarische Auswüchse nach Art der Scharia erspart blieben.

    Gerade in der Welt Online gefunden. Passt gut. Aber Dir muss ich das ja nicht sagen :)

  14. Rayson

    Insbesondere der letzte Satz ist großer Quatsch. Und die Vorstellungen mancher Leute vom Mittelalter scheinen mir doch sehr von düsteren Hollywood-Schinken bestimmt zu sein…

  15. Christian S.

    Dieses “Räuber erschießen”-Dingens ist doch voll auf der Linie von Deinem ehemals geliebten, zwischenzeitlich wieder verstoßenen Ron Paul, oder irre ich mich? :)

  16. Lina

    Agnostiker Protagoras: „Was die Götter angeht, so ist es mir unmöglich, zu wissen, ob sie existieren oder nicht, noch, was ihre Gestalt sei.“

    Hmmm … und Du weisst es, magst sogar einen von ihnen (fett, rosa und erfolg_versprechend) ganz besonders? *grübel* :) …

  17. R.A.

    > Passt gut.
    Nein, überhaupt nicht.
    Das ist schlicht die übliche, vorurteilsbeladene historische Viertelbildung (Halbbildung wäre schon deutlich zu viel).

    Ich bin nun wirklich kein Fan diverser Aspekte des historischen Christentums, es gibt da viel zu kritisieren.

    Aber umgekehrt gibt es eben auch viele positive Sachen, insbesondere im Frühmittelalter mit der Etablierung einer Zivilgesellschaft und der Pflege von Bildung und Wissenschaft, im Hochmittelalter mit der Ausbildung einer “Kultur der Kritik, des Fragens und Zweifelns, der Dialogs und der freien Rede” und endet noch lange nicht mit Luther und seinem wichtigen Beitrag zur Selbstbestimmung des Individuums.

    Die heutige Wahrnehmung ist weitgehend geprägt von der letzten Phase abendländischer Geistesentwicklung, da ging es tatsächlich stark um eine Frontstellung zwischen einer bornierten und reaktionären Amtskirche und fortschrittlichen Denkern. Die Letzteren haben sich zeitweise durchgesetzt (inzwischen wieder zurückgedrängt von religionsähnlichen grünen Vorstellungen), das ist auch gut so.

    Aber ihre Propaganda über die Vergangenheit sollte man endlich in den Müll kippen. Der geistige Fortschritt vor dem 18. Jahrhundert war im wesentlichen eine Angelegenheit von Klerikern, der Disput lief zwischen verschiedenen Positionen innerhalb des Christentums.

  18. Lemmy Caution

    Aber nur weil das, was mich wirklich euphorisiert noch mehr offtopic ist.

  19. DDH

    1.) Ron Paul ist weder “geliebt” (dazu hat er zuviel dummes reaktionär-bigottes Zeug in seinem Umfeld zumindest geduldet) noch “verstoßen” (dazu sind seine Verdienste, etwa seine geldpolitischen Positionen, nun wiederum zu groß). Ich habe Respekt vor ihm, finde aber, daß er manchmal ordentlich danebenhaut, z.B. auch wenn er ganz unlibertär geschlossene Grenzen fordert.

    2.) Du hast recht: ich bin absolut für Selbstjustiz. Räuber erschießen (Rayson bezog sich auf einen Artikel von Andreas Tögel, den ich zustimmend auch auf Facebook verbreitet hatte) liegt absolut auf meiner Linie.

    Noch Fragen?

  20. Haiti, das Erdbeben und Voodoo - Asatru zum selber Denken - die Nornirs Ætt

    [...] aber nicht gerade freiheitsliebenden Kolumne aus (durchaus wirtschaftliberaler) Sicht Kontra: Grevenbroich: der Fluch der salbadernden Frömmler. schreibt als Fazit: There’s the beef: In Haiti wurden Marktbeziehungen und [...]

  21. Christian S.

    Du vermischst “Selbstjustiz” mit “Notwehr”. Kann im Eifer des Gefechts schon einmal passieren. ;)

  22. jo@chim

    Sollte aber nicht passieren.

  23. Christian S.

    Ja nun, der A-Team-Empörungsbeauftragte ist nun einmal DDH, da will ich mich nicht einmischen.

  24. Carsten

    Eine kluge Nachlese zum Scheitern von “eigentümlich fail” auf ef-online in einem Kommentar von “bart”:

    http://ef-magazin.de/2010/06/21/2252-wohlfahrtsstaat-der-geordnete-rueckzug#c38294

    Und wie sich die Geschichte doch ähnelt! Ich möchte in diesem Kontext noch einmal auf Lichtschlags Buch Libertarianism – Eine (Anti-)Politische Bewegung in den USA und ihre Bedeutung für Deutschland zurückgreifen, weil ich es einfach nicht fassen kann, wie man wahre Erkenntnisse einfach so über Bord werfen kann!
    Zitat über die Entwicklung des Cato-Instituts (u.a. Herausgeber der wissenschaftl. Zeitschrift The Cato Journal):

    (…) Es (gemeint ist das Cato-Inst.) geht 1976 unmittelbar aus der Charles Koch Foundation hervor. Wegen des von den Koch-Millionen abhängigen Leiters Crane, so Murray Rothbard, verlassen die besten Männer nach und nach das Institut: (…) (Es folgt eine Aufzählung von wichtigen Persönlichkeiten des Cato-Instituts). Crane bindet das Cato Institute direkt an die LP (=Libertarian Party) an. Schließlich überwirft sich im Frühjahr 1979 auch Rothbard mit Crane, und das Institut verlässt seine Nähe zur Österreichischen Schule der Nationalökonomie (…)
    (S.67) (Hinweis: Alles hier in Klammern stehende, wurde vom Zitierenden selbst hinzugefügt)

    Das hatten wir doch alles schon einmal! Beim Versuch den Libertarismus in den USA politisch salonfähig zu machen, wird das im gleichnamigen Buch noch deutlicher:

    Vor praktischen Fehlversuchen mittels beispielsweise einer libertären Partei könnte daher der deutsche Libertarianism (vorerst) verschont bleiben. (S.83)

    und dann Blankertz (im Lichtschlag-Buch zitiert):

    “Gegen die Falle des Etatismus hilft nur Theorie, die zunächst davon absieht von konkreter politischer Verwertung” (S.83)
    Anmerkung: Im Interview macht Blankertz die für ihn gültige Zweideutigkeit des Begriffs Politik deutlich. Neben der gewaltsamen Staatspolitik könnte man Politik auch als “die Sorge um das gute Zusammenleben freier Bürger” (S. 132) verstehen. Deshalb der Hinweis, weil man durch das Wörtchen “zunächst” irritiert sein könnte.
    Aus den Erfahrungen der libertären Bewegung in den USA und noch einem im Buch beigefügtem Interview mit Stefan Blankertz (auf den sich Lichtschlag ziemlich oft in seinem Werk beruft) hat Lichtschlag gelernt. So kritisiert er selbst aus eigener Feder den Versuch der Annäherung Hans-Hermann Hoppes zu den Konservativen, also Etatisten:

    “Hoppes Ausführungen sind nach Auffassung des Autors dieser Arbeit letztlich nicht mit der libertären Argumentation vereinbar.” (S.99)
    deutlicher geht’s nimmer!
    Was danach im ef-Verein folgt, wissen wir ja alle nur zu gut. Bündnis mit den Konservativen (Etatisten!) und das Setzen auf politisches Engagement.
    Wie konnten das die Verantwortlichen von ef nur zulassen? Das ist Selbstmord. Was anderes kann man dazu nicht sagen.
    Über diese Widersprüche ließe sich ein ganzer Artikel schreiben.
    Wäre wünschenswert, wenn alle an dieser Misere Beteiligten ihren Fehler eingestehen und zugeben und wieder auf den rechten Weg kommen.
    Ansonsten bleibt der Konflikt, weil das Probblem immer noch gegenwärtig ist und allerhöchstens nur angerissen wurde. Da besteht dringender Nachholbedarf!

  25. Thomas Edmund von Haller

    Es fehlt an Alternativen zur ef. Etwa die Sezession? Nein, geht nicht. Die paar Monatshefte aus der Schweitz, die noch okay sind? Nein, reicht nicht. Wo ist der ruhelose Verleger, wo ist der umtriebige Macher, der einen Gegenentwurf wagt? Nein, der ist nirgendwo. Die blaue Narzisse zur Zeitschrift reifen lassen? Nein, nur das nicht. Lichtschlag hat auch seine Verdienste, außerdem lässt er in der ef viele zu Wort kommen.

    Ohne Lichtschlag geht es nicht.

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