Steile These? Keineswegs. Wenn man nicht die Definition der Medienbranche und ihre ironische Adaption durch netzaffine junge Menschen zugrunde legt, ist die Union die Piratenpartei. Die Absichtsäußerung, für die Staatskasse Rechtsverstöße in anderen Staaten zu belohnen, hat mehr als nur eine entfernte Verwandschaft mit den Kaperbriefen, die man Freibeutern ausstellte, bis man Mitte des 19. Jahrhunderts aufgrund internationaler Abkommen auf dergleichen verzichtete.

Die stillschweigende Förderung illegaler Tätigkeit in fremden Jurisdiktionen ist nicht neu. Dass die Union dies gegenüber einem Nachbarland nun offen und lautstark verteidigt, gibt der Sache eine bedenkliche Qualität, die sich schon unter Peer Steinbrück abzeichnete. Wenn die Bundesrepublik hier mit schlechtem Beispiel vorangeht, werden die modernen Gegenstücke der Freibeuter wieder Bestandteile des aussenpolitischen Werkzeugkastens. Dieser Rückfall hinter das moderne internationale Recht kann die Bundesrepublik teuer zu stehen kommen. Länder mit freundlich gestalteten Steuersystemen hätten ein Interesse die Informationsversorgung oppressiver Steuerregimes über ihre Bürger aktiv zu stören, um für Steuerzahler attraktiver zu werden, die ihr Vermögen vor  fremdem Zugriff schützen möchten. Dies wurde bisher weitestgehend durch passiven Steuerwettbewerb, statt durch aktive destruktive Maßnahmen, erreicht.

Mobiles Vermögen ist unpatriotisch. Wer es besteuern will, musste ihm im Steuerwettbewerb attraktive Bedingungen bieten. Im sich abzeichnenden Steuerkrieg werden die schwächsten unter den Steuerzahlern bluten. Diejenigen die verschwenderisch mit ihrer Schaffenskraft und sparsam mit ihrem Geld umgehen können, werden sich zu entziehen wissen.