Journaille aufgepasst! Freund Westerwelle, dessen Gezetere selbst in der FDP nicht jedem geheuer ist, legt nach seinem Geschwätz über Dekadenz und Sozialismus, mit dem er sich in die Isolation wütete nach:

„Weniger arbeiten“, „besser leben“, „mehr verdienen“, „schneller zu Reichtum gelangen“, über Steuern klagen, aber dem Staat höhere Leistungen abzuverlangen – das alles kennzeichnet zusammen eine geistige Verirrung und Verwirrung, die kaum noch zu überbieten ist und die, auf die Spitze getrieben, die Grundfesten unserer gesellschaftlichen Ordnung zu zerstören geeignet wäre.

Und noch deutlicher:

Solche „Wohltat“ muss das Volk immer teuer bezahlen, weil kein Staat seinen Bürgern mehr geben kann, als er ihnen vorher abgenommen hat – und das noch abzüglich der Kosten einer zwangsläufig immer mehr zum Selbstzweck ausartenden Sozialbürokratie. Nichts ist darum in der Regel unsozialer als der sogenannte Wohlfahrtsstaat, der die menschliche Verantwortung erschlaffen und die individuelle Leistung absinken lässt.

Aber Pardon…

…da ist mir gerade ein Fehler passiert: die Zitate stammen nicht von Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP), sondern vom ehemaligen Bundeskanzler Ludwig Erhard (CDU), dem „Vater der sozialen Marktwirtschaft“!

Werte Sozialisten in allen Redaktionsstuben*: in Ihren wohlfeilen Kommentaren für das Feiertags-Feuilleton loben Sie gerne mal die soziale Marktwirtschaft (um diese sogleich gegen die „neoliberale FDP“ in Stellung zu bringen). Vergessen Sie’s – es nimmt Ihnen sowieso keiner mehr ab.

Darüber hinaus vermeiden Sie so (wer weiss, vielleicht kann es einmal wichtig werden?), dass Ihnen unter Umständen ausgerechnet von Klaus Ernst, dem stellvertretenden Vorsitzenden der SED-Nachfolgepartei, offene Verfassungsfeindlichkeit attestiert wird.

*Aus einer Innenperspektive schreibt Jan Fleischhauer in seinem Buch Unter Linken zu den dortigen Präferenzen:

Vor der Bundestagswahl 1998 veranstaltete die Redaktion der „Welt“, konservatives Flaggschiff des Springer-Konzerns, eine Wahlumfrage, bei der die Redakteure neben ihrem Tipp für den Wahlausgang auch ihre eigenen Präferenzen angeben konnten: Rot-Grün lag bei beiden Auszählungen mit weitem Abstand vorn. Das Ergebnis hing kurze Zeit am Schwarzen Brett, dann war es verschwunden. So deutlich wollte man den Besuchern der Redaktion doch nicht auf die Nase binden, dass der heimliche Lebenstraum des normalen „Welt“-Redakteurs ein Platz bei der „Süddeutschen Zeitung“ ist.

Die letzte Umfrage, Parteipräferenzen von Journalisten, sieht so aus: Grüne: 35,5 Prozent, SPD: 26, CDU: 8,7, FDP: 6,8, keine Präferenz: 19,6 Prozent. Das heißt, noch nichmal ein Fünftel hält sich selbst für unabhängig.

Das erklärt manches – und dabei ist die „LINKE“ in der älteren Umfrage noch nicht einmal berücksichtigt.

Danke an Thomas H. für den Hattip :-)

Quelle Zitat 1: Erich Weede, Mensch Markt und Staat
Quelle Zitat 2: CDU-Mittelstandsvereinigung, Der Ludwig-Erhard-Zitatenschatz (PDF)