Neues Futter für die Sozialisten in allen Redaktionsstuben
jo@chim, 14.02.2010
Journaille aufgepasst! Freund Westerwelle, dessen Gezetere selbst in der FDP nicht jedem geheuer ist, legt nach seinem Geschwätz über Dekadenz und Sozialismus, mit dem er sich in die Isolation wütete nach:
“Weniger arbeiten”, “besser leben”, “mehr verdienen”, “schneller zu Reichtum gelangen”, über Steuern klagen, aber dem Staat höhere Leistungen abzuverlangen – das alles kennzeichnet zusammen eine geistige Verirrung und Verwirrung, die kaum noch zu überbieten ist und die, auf die Spitze getrieben, die Grundfesten unserer gesellschaftlichen Ordnung zu zerstören geeignet wäre.
Und noch deutlicher:
Solche “Wohltat” muss das Volk immer teuer bezahlen, weil kein Staat seinen Bürgern mehr geben kann, als er ihnen vorher abgenommen hat – und das noch abzüglich der Kosten einer zwangsläufig immer mehr zum Selbstzweck ausartenden Sozialbürokratie. Nichts ist darum in der Regel unsozialer als der sogenannte Wohlfahrtsstaat, der die menschliche Verantwortung erschlaffen und die individuelle Leistung absinken lässt.
Aber Pardon…
…da ist mir gerade ein Fehler passiert: die Zitate stammen nicht von Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP), sondern vom ehemaligen Bundeskanzler Ludwig Erhard (CDU), dem “Vater der sozialen Marktwirtschaft”!
Werte Sozialisten in allen Redaktionsstuben*: in Ihren wohlfeilen Kommentaren für das Feiertags-Feuilleton loben Sie gerne mal die soziale Marktwirtschaft (um diese sogleich gegen die “neoliberale FDP” in Stellung zu bringen). Vergessen Sie’s – es nimmt Ihnen sowieso keiner mehr ab.
Darüber hinaus vermeiden Sie so (wer weiss, vielleicht kann es einmal wichtig werden?), dass Ihnen unter Umständen ausgerechnet von Klaus Ernst, dem stellvertretenden Vorsitzenden der SED-Nachfolgepartei, offene Verfassungsfeindlichkeit attestiert wird.
*Aus einer Innenperspektive schreibt Jan Fleischhauer in seinem Buch Unter Linken zu den dortigen Präferenzen:
Vor der Bundestagswahl 1998 veranstaltete die Redaktion der “Welt”, konservatives Flaggschiff des Springer-Konzerns, eine Wahlumfrage, bei der die Redakteure neben ihrem Tipp für den Wahlausgang auch ihre eigenen Präferenzen angeben konnten: Rot-Grün lag bei beiden Auszählungen mit weitem Abstand vorn. Das Ergebnis hing kurze Zeit am Schwarzen Brett, dann war es verschwunden. So deutlich wollte man den Besuchern der Redaktion doch nicht auf die Nase binden, dass der heimliche Lebenstraum des normalen “Welt”-Redakteurs ein Platz bei der “Süddeutschen Zeitung” ist.
Die letzte Umfrage, Parteipräferenzen von Journalisten, sieht so aus: Grüne: 35,5 Prozent, SPD: 26, CDU: 8,7, FDP: 6,8, keine Präferenz: 19,6 Prozent. Das heißt, noch nichmal ein Fünftel hält sich selbst für unabhängig.
Das erklärt manches – und dabei ist die “LINKE” in der älteren Umfrage noch nicht einmal berücksichtigt.
Danke an Thomas H. für den Hattip :-)
Quelle Zitat 1: Erich Weede, Mensch Markt und Staat
Quelle Zitat 2: CDU-Mittelstandsvereinigung, Der Ludwig-Erhard-Zitatenschatz (PDF)
antibuerokratieteam.net





“Das mir vorschwebende Ideal beruht auf der Stärke, daß der Einzelne
sagen kann: ‚Ich will mich aus eigener Kraft bewähren, ich will das Risiko
des Lebens selbst tragen, will für mein Schicksal selbstverantwortlich
sein. Sorge du, Staat, dafür, dass ich dazu in der Lage bin.’”
Auch das hat Erhardt gesagt. Nur genau, dass funktioniert nicht mehr. Wenn alleine schon Bildungs- und Erziehungsbereich Kinder aus armen Bevölkerungsschichten stark benachteiligt werden
http://www.focus.de/schule/lehrerzimmer/schulpraxis/bildungspolitik/oecd-bericht_aid_115397.html
Das der heutige Sozialstaat die Umverteilung massiv fördert ist auch Unsinn.
“Arm und Reich driften in Deutschland nach einer Studie der OECD besonders stark auseinander.”
http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE49K0CG20081021
lieber achwig hechthard,
das ‘futter für sozialisten’ lass ich mal stehen. es schmeckt mir nicht, ihnen die ganze malaise des überfrachteten sozialstaats einzubrocken …
nein, ich mach mir deinen originalton (erster absatz) passend, schmeisse das “mehr verdienen” und das ‘“schneller zu reichtum gelangen” raus und nenne diejenigen ‘geistig verirrt und verwirrt’ die mir ihr ranzig werdendes credo vom permanenten wachstum weiterhin verkaufen wollen. würden sie das mal lassen, kämen wir vielleicht in eine gangart, in der wir als gute kapitalisten schritt halten könnten mit der automatik des wegfalls von erwerbsarbeit, die, obwohl sie voll im gang ist, scheinbar keiner der diversen partei_gänger als gegeben wahrhaben möchte. wären sie aber willens und fähig, ihren opportunismus und ihre machtgeilheit mal gegen die ehrliche erfüllung ihres auftrags zu tauschen, dann könnte man mit ihnen über eine dringend notwendige reorganisation des sozialen in einer neuen ‘sozialen marktwirtschaft’ reden; die ist nämlich nicht mehr die deine …
Frage: Was macht der Linke, dem es nicht gefällt, dass die böse Schere zwischen Arm und Reich nicht mehr auseinanderklaffen will, sondern sich (ganz im Gegenteil) in den letzten Jahren geschlossen hat?
Antwort: Er zitiert einen Artikel vom 21. Oktober 2008, in dem von Statistiken bis Ende 2005 die Rede ist.
chriwi: Herzlich willkommen im Jahr 2010, inzwischen gab’s ne Finanzkrise +Börsencrash.
Das bedeutet zwar nicht, dass es den Armen besser geht als vorher, sondern nur, dass die Reichen Geld verloren haben, aber darum geht’s doch letztendlich bei der Kalkulation der relativen Armut.
Ich kapier wirklich nicht so recht, was diese neue Sensibilität gegenüber der aktuell schlechten Presse von Westerwelle soll…
Soll das nun heißen, dass die unschuldigen Bürger von den linken Journalisten im Schaafspelz der “konservativen” Presse verhetzt werden?
Vielleicht gibt die aktuell sehr schlechte Presse eine echte Besorgnis der Bevölkerung wieder,
Die FDP besitzt keine demokratische Mehrheit. Sie wurde von 16% gewählt. Mit dieser geringen Unterstützung möchte sie offenbar das Sozialsystem der Bundesrepublik Deutschland massiv unkrempeln. Dafür pfeift ihr nun der Gegenwind um die Ohren. Ich halte das für einen in pluralistischen Gesellschaften sehr normalen Prozeß.
Und dann erfahren wir täglich, dass eine sehr der schottischen Moralphilosophie des 18. Jhdt. verbundene Institution (Wall Street) mit der Freiheit nichts besseres anfangen weiß, als etwa der griechischen Regierung zu helfen, die wahre Haushaltslage zu vernebeln.
Naja. Ist ja auch diese linke Journallie. Vielleicht benötigen wir eine Zensurbehörde, die die Bürger vor den Lügen dieser Agitatoren “schützt”?
Die Journalisten sind ja durch einen Wettbewerbsprozeß an ihre Posten gekommen.
Nun ja Lemmy – wenn der alte Sack Heiner Geissler den Vizekanzler als “Esel” beschimpft und die NRW-SPD Vorsitzende Frau Kraft gar die Nazi-Keule aus der Wahlkampfschatulle holt, ist das schon eine neue Qualität der Hetze gegen Kritiker, die den überbordenden Versorgungsstaat für nicht mehr weiter finanzierbar halten, meinst Du nicht auch?
45 Prozent des Bundeshaushalts gibt der Staat mittlerweile für Sozialtransfers aus – zusammen mit den Zinsen für die Schulden sind es sogar 60 Prozent. Unter denen, die diese Wohltaten erarbeiten müssen, kenne ich nicht so viele, die das gut finden.
Gut möglich. Aber wir haben in Deutschland einen Sozialstaat, keinen Wohlfahrtsstaat. Das ist etwas grundlegend anderes.
Und weiterhin macht der Ton die Musik. Hätte Westerwelle nur gesagt: der, der arbeitet, soll mehr haben als der, der nicht arbeitet, hätte ihm jeder zugestimmt. Weil das eine Binsenweisheit ist. (Dass die FDP-Politik dieses Ziel nicht verfolgt, geschenkt.)
Nur wollte Westerwelle eben provozieren und einen auf dicke Hose machen, und nun bekommt er eben das Echo.
Ich vermute, Westerwelle hat noch nicht ganz kapiert, dass er als Vizekanzler und Außenminister nicht mehr so wüten kann wie in der Opposition.
Doppelter Unsinn ist vielmehr, einen Ist-Zustand des einen Beobachtungsobjekts (gegebene hohe Umverteilung) mit einem Fünfjahrestrend eines anderen Objekts (Veränderung der Einkommensunterschiede) zu vergleichen.
Der Satz “der heutige Sozialstaat fördert die Umverteilung massiv” ist mit dem Satz ““Arm und Reich driften in Deutschland nach einer Studie der OECD [zwischen den Jahren 2000 und 2005] besonders stark auseinander” also völlig kompatibel.
Im Übrigen empfehle ich die weitere Lektüre des verlinkten Textes:
“Dafür pfeift ihr nun der Gegenwind um die Ohren.”
Ja, schon für die Forderung nach minimalsten Schrittchen, für selbstverständlichste Ansagen.
Das sagt schon etwas aus über die politische Reformierbarkeit in Sachen Staatsabbau. Mission impossible. Der Staat bläht sich seit Jahrzehnten auf. Das ist seine natürliche, innere Entwicklungsrichtung.
Immer schwerer. Fetter. Träger. Unbeweglicher. Konservativer.
Der Impuls zum Abbau kann nur von außerhalb der Politik kommen.
Das wäre ja schön.
Aber du redest von der Partei, die eben noch die Erhöhung von Schonvermögen und Kindergeld mitbeschlossen hat. Als Andy Grove gesagt hat “only the paranoid survive” hat er bestimmt nicht gemeint, dass in einer Republik mit ständig steigendem Sozialbudget ebenso ständig die Angst vor “Sozialabbau” umgeht.
Liebe Lina Kommentarova :-) Wo geht denn aus meiner Kritik des journaillistischen Süppleins hervor, dass ich Koch und Kellner verwechselt hätte? Und, mit Verlaub, das “Credo vom permanenten Wachstum” erscheint meist vor allem denen ranzig, die am wenigsten dazu beitragen – während die (Leistungs-)Träger dieses Wachstums oft durchaus ein feines Näslein für den strengen Geruch des Credos vom permanenten Staatswachstum entwickeln…
;-)
Es wäre ein Sozialstaat, wenn er sozial wäre, im Sinne von Leistungsgerechtigkeit. Aber erklär doch mal, worin Du die Differenz siehst.
btw., manchmal denke ich, unsere Quote-DB hat ‘ne starke KI entwickelt. Nachfolgendes Sloterdijk-Zitat erfreute mich gerade:
Sehr treffend… :D
Tja, der Ton macht die Musik. Westerwelle hat inhaltlich recht. Wie eigentlich immer. Aber er trifft den passenden Ton nicht so recht. Wie eigentlich auch immer.
Wenn alleine schon Bildungs- und Erziehungsbereich Kinder aus armen Bevölkerungsschichten stark benachteiligt werden…
Wie so oft wird keine Aussage uber die Kausalitaet gemacht: Warum sollte eine Mutter ein Interesse daran haben, den schulischen Erfolg Ihres Kindes zu fordern und foerdern, wenn es sich ohne Schulabschluss von Hartz-4 ganz bequem auskommen laesst? Schwarzarbeit inklusive?
Es ist doch ein wenig sozialromantisch-absurd zu glauben, wenn erstmal alle auf die gleiche Schule gingen, alle aufs Gymnasium, dass dann auch alle studieren und einen tollen Job kriegen. Die intrinsische Motivation ‘meine Kinder sollen es besser haben als ich’ fehlt, wenn das Lohnabstandsgebot nicht eingehalten wird und es die Teilhabe an Brot&Spiele fuer lau gibt.
Westerwelle hat weder gefordert, den Sozialstaat abzuschaffen, noch den Arbeitsdienst für Sozialhilfeempfänger zu verlangen. Er hat lediglich darauf hingewiesen, dass es Leute gibt, die das erstmal erarbeiten müssen, was der Staat verteilt. Lediglich auf “römische Dekadenz” hätte er verzichten können.
Es nervt inzwischen, wenn von allen Seiten “Haut den Guido” geschrien wird. Auch in der SPD weiß man entgegen geäußerter Empörung, dass Westerwelle recht hat.
Es ist aber völlig gleich, was Westerwelle sagt, ob es “Ene, mene, muh” oder “Guido liebt euch alle”, ein Aufschrei in den Medien und von der Opposition wäre ihm sicher.
An welchen Stellen des Interviews hat sich Guido Westerwelle denn Deiner Ansicht nach im Ton vergriffen, Dagny?
Ich bin gestern mit ein paar befreundeten Familine zusammen gesessen und natürlich haben wir auch über Westerwelle diskutiert. Obwohl kein einziger dabei war, der sich für die FDP engagieren würde, sondern eher im konservativen oder SPD-Arbeiter-Milieu zu Hause ist war die Meinung eindeutig.
Westerwelle hat recht!!!
Und wenn ich nun lese, dass inhaltlich nichts an seinen Aussagen falsch sei, aber der Ton eben der “nicht-richtige” war, dann muss man sich über soviel Dummheit doch wirklich keine Gedanken machen. Achja – und wer sich bei unserer gleichgeschalteten Presse und Journaille so etwas wie “Objektivität” erwartet der ist nicht in Deutschland sondern im Traumland zu Hause.
Stimmt: es ist ein Skandal, dass es noch immer keinen allgemeinen Mindestlohn gibt.
Wenn Westerwelle darauf hinaus wollte, hat er meine Zustimmung.
Es fördert das Wachstum jedenfalls nicht unbedingt, wenn ich schon im Sommer meinen Steuerberater fragen muss, ob ich im Herbst noch was verdienen darf.
Ein Mindestlohn hat nichts mit Leistungsgerechtigkeit zu tun, sondern dient dazu, die Armen aller Aufstiegschancen zu berauben, damit sie als Grund für Enteignungsmaßnahmen der Sozialisten dieser Welt herhalten können.
Du verdienst doch erst ab Sommer Dein eigenes Geld…
Seit langer Zeit das erste Mal was Vernünftiges aus dem FDP Lager. Warum nicht gleich so? Warum erst dieses Hickhack um einen “schlechten “Koalitionsvertrag”. Warum dieser Unfug mit dem MwSt Kram? Warum das Hickhack um Steinbach? Wir landen alle vor den Hunden wenn die Umverteiler so weitermachen dürfen wie bisher….. Und irgendwann bekommen es vielleicht auch diese mit. ‘Wo nichts ist, kann man auch nichts “holen”‘. Aber vorher werden Sie uns mit Sicherheit noch mit den feinsten bürokratischen Folterinstrumenten zu Leibe rücken. Wäre ja gelacht, wenn man nicht noch mehr aus den “Willigen” ausquetschen könnte.
Und ob man dabei rechtstaatlich handelt oder nicht, ist wohl auch schon beantwortet. Eher nicht und so breiten sich Nepotismus und Pöstchengeschacher aus wie Krebs.
Ist es also besser gemeinsam arm zu sein? So wie sich das Gejaule präsentiert, muß die Antwort wohl sein: “Aber sicher”….
… aber bedenke doch, lieber, unter der traglast des sozialen ächzender achwig, dass weniger wachstum (‘das gute leben’ halt, statt immer mehr stress und leistungsdruck) am ende auch weniger STAAT bedeuten könnte !!! ist das nicht ein des progressiven (statt fdp-konservativen) liberalen würdiger + verlockender gedanke ;-) … ?
…
Und genau deshalb fragt man ja als Freiberufler den Steuerberater, ob sich das Arbeiten überhaupt noch lohnt …
Vielleicht ist es ein irrationaler Einwand, den ich da vorbringe. Jetzt verfolge ich Westerwelle etwa seit 1996. So recht er inhaltlich hat, er wird oft als unhoeflich, unsympatisch, eitel und dozierend empfunden. Nicht unbedingt bei mir, aber ich erlebe das so.
Oder @Hans, aendert sich das gerade?
Nachtrag: Ich denke auch, ein Parteivorsitzender sollte die Kleinarbeit mit solchen Angriffen dem Generalsekretaer und anderen in der Partei uberlassen. Die FDP sollte sich diesbezueglich besser aufstellen. Wenn- wie in dieser Diskussion und bei den Bissigen angedeutet, sich das Blatt in dieser Diskussion zugunsten von Westerwelle wendet (‘Er hat Recht’ und ‘Gesellschaftliche Debatte uber das Wesen der Grundsicherung’), dann bin ich mal gespannt, ob die Kanzlerin nicht zu frueh uber das Stoeckchen gesprungen ist, welches der Vizekanzler da ausgeworfen hat.
“Und weiterhin macht der Ton die Musik.”
vielleicht solltest du das mal deinen parteifreunden sagen, insb. dem “gesundes volksempfinden”-stegner und “brauner sumpf”-kraft? vwie wär’s also mal mit dem kehren vor der eigenen tür? gibt’s in der spd denn etwa keine zivilisierten menschen mehr?
Ach, lern doch erstmal richtig deutsch.
Hast ja Recht, liebe Dagny, dass Guido ein Talent hat, manchmal… nicht schrill, nein, nur unerwartet zu klingen – wenn er populär sein will, gelingt ihm das nicht immer. Aber im gegebenen Fall kann ich das nicht entdecken, wirklich nicht. Wo denn? Was war falsch? (inhaltlich, in der Formulierung).
Das erste Mal, dass sich (seit langem) ein führender FDP-Politiker traut, die WAHRHEIT auszusprechen… und schon bricht eine Hetzkampagne ohne Gleichen los: Was für mich eher ein Zeichen ist, dass er goldrichtig liegt.
Wir sollten das unterstützen, anstatt es zu kritisieren (er übt ja noch *g*)
Stegner (the man who killed Heide) und “zivilisiert” passen ja nun wirklich nicht zusammen… fordere dem Mann doch nicht etwas ab, was er einfach nicht leisten kann ;-)
Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es wieder hinaus.
Ludwig Erhard, den Vater des Wirtschaftswunders, mit dem bislang doch recht meriten-armen Westerwelle (wenn man einmal von seiner Lautstärke absieht) gleichsetzen zu wollen, ist nur mit den derzeit herrschenden tollen Tage zu erklären.
Kürzer: Duo cum faciunt idem, non est idem.
Du hast eine ganz schön selektive Wahrnehmung Christian: Wo hat Westerwelle denn Sozen angegriffen? Er hat den Versorgungsstaat scharf kritisiert, mit einer Wortwahl in der schon einer der “Gründerväter” der Republik vor Sozialbürokratie und Verantwortunglosigkeit – prophetisch q.e.d. – gewarnt hat … dafür setzt ein allgemeines Pöbeln ein, dass einem die Ohren klingen.
Das wirklich widerwärtige Gekläffe sagt etwas über den jämmerlichen Zustand (das Wort Diskussionskultur mag ich in dem Zusammenhang gar nicht mehr in den Mund nehmen) der Partei, für die Du Dich hier so in die Bresche legst, aus. In irgendeiner Art und Weise sachbezogen ist es nicht.
Mann, schalt doch mal das Hirn ein. Wir sind hier nicht auf einer Ortsvereinsversammlung.
“Das wirklich widerwärtige Gekläffe sagt etwas über den jämmerlichen Zustand..”
genau “jämmerlicher Zustand”. Hab doch daher ein bißchen Verständnis für die SPD ;-)
Die SPD hat dem sachlich doch nichts entgegen zu setzen, daher schreit sie bei jedem Wort der FDP auf, um sich bemerkbar zu machen. In Bayern liegt die SPD bei Umfragen bei 17%. Und in NRW sind Wahlen im Mai, daher muss auch Frau Kraft mal so auf “kraftmeierisch” machen. Vielfach sieht die SPD doch ihr Heil nur noch in der Zusammenarbeit mit der Linken.
Und wenn es heißt, Westerwelle sei “laut”, dem steht der Lautsprecher Gabriel doch in nichts nach.
Lina, ich muss immer ein bisschen schmunzeln, wenn ich sowas lese; es drängt sich sofort das Bild eines dicken Kapitalisten mit Zylinder, Monokel und Zigarre auf, der Wachstum generiert, indem er seine Arbeiter mit Peitschenhieben zu Höchstleistungen antreibt.
Im Gegenteil: Faulheit ist (neben Geiz) der beste Antriebsmotor für Wachstum:
Einige der großartigsten Erfindungen der Menschheit sind aufgrund der Faulheit ihrer Erfinder entstanden, wie z.B. das Rad.
…oder, etwas moderner: irgendein Selbständiger, der sich eine Software programmiert (oder jemanden damit beauftragt), um nervige Arbeit schneller durchführen zu können und damit mehr Freizeit zu haben.
Das ‘gute Leben’ ist jenes der Selbstversorger, die 12 Stunden pro Tag auf der Jagd oder auf dem Acker tätig waren, um im nächsten Winter nicht verhungern zu müssen.
Sehr richtig! (Sagt ein kaugummikauender dicker Nerd mit Schiebermütze und Hornbrille) *g*
“Wo hat Westerwelle denn Sozen angegriffen?”
Wo habe ich denn geschrieben, dass er das getan hat? Westerwelle hat sich am schwächsten Teil der Gesellschaft abgearbeitet, an dem Teil, der keine eigene Stimme hat. Und da ist es richtig, dass SPD-Spitzenpolitiker diese perfide Stimmungsmache beim Namen nennen.
Von einem Außenminister erwartet man zudem ein anderes Verhalten.
Ach, die BayernSPD… ich weiß nicht, was die treiben. Unterstützen seltsame Anti-Rauch-Kampagnen, die sich gegen die eigenen Wähler richten, und sind ansonsten quasi unsichtbar.
Gabriel macht seine Sache vorzüglich. :)
@chriwi:
Du hast hiermit nur bewiesen das mit ansteigender Umverteilung die Verwahrlosung steigt. Mehr nicht. Hatten wir bereits in der DDR
So, jener “schwächste Teil der Gesellschaft”, an den inzwischen 48% des Haushaltsvolumens gehen (ohne Zinsen und Zinseszinsen für immer neue Schulden) hat angeblich “keine eigene Stimme”? Dafür war das hysterische Kreischen nicht nur der Journaille, sondern auch der Interessensvertretungsindustrie von DGB bis zu den Sozialverbänden und berufsbetroffenen Kirchenvertretern aber umso deutlicher zu hören. Nun gut, da geht es auch um eigene Subventionspfründen ;)
Man kann zu Westerwelles Wortwahl in seinem Interview (Du hast es schon gelesen?) durchaus unterschiedlicher Auffassung sein. Ich finde sie angemessen und die klaren Worte überfällig. Aber wo bitteschön steckt denn die “perfide Stimmungsmache”, die Du fortlaufend unterstellst – in einer Bigotterie, die mir wirklich inzwischen auf den Keks geht. Bitte konkret, aus dem Interview zitiert. Und komm mir nicht mit dem allseits kolportierten Schnipsel zur altrömischen Dekadenz. Über die hat sich schon Marcus Tullius Cicero beschwert, Guido hat also bloss abgekupfert:
Aber das Zitat kennst Du ja aus meinem Facebook-Profil :)
“Westerwelle hat sich am schwächsten Teil der Gesellschaft abgearbeitet, an dem Teil, der keine eigene Stimme hat.”
Wenn dieser Teil der Gesellschaft keine Stimme hätte, würde Westerwelle ja wohl nicht von allen kritisiert, oder?
Mal abgesehen davon, dass es laufend Sendungen gibt, in denen über “Verhungern” mit Hartz IV gejammert wird und diese Leute eingeladen werden, wundert es dann doch, dass sich ein Hartz IV-Empfänger für 11.000 Euro einen Neuwagen kaufen kann. Offensichtlich kein Einzelfall.
Ich selbst könnte mir gar kein Auto kaufen, geschweige denn dafür laufende Kosten zu haben, mein Nettogehalt reicht mal grade für ständig höhere Mieten und ständig höhere Energiekosten.
Was für ein Populismus. Unglaublich. Als ginge der Sozialetat nur für Arbeitslose drauf. Die weitaus größten Posten sind Rente und Krankheit.
http://www1.bpb.de/wissen/I4WOAW,0,0,Sozialbudget.html
“Offensichtlich kein Einzelfall.”
Aha, interessant. Woher weißt Du das?
In dem Artikel steht doch, dass verschiedene Gerichte geurteilt haben. So darf in NRW die Prämie abgezogen werden. Daher schrieb ich “offensichtlich” kein Einzelfall.
Aber woher willst du denn wissen, dass derartiges ein Einzelfall ist? Das meinst du doch, oder? ;-)
Es ist kaum ein Massenphänomen, dass ALG-II-Empfänger Neuwagen kaufen. Das meinte ich.
Das Versagen von linker Sozial- und Wirtschaftsplanung sind immer Einzelfaelle, das Versagen von Individuen in freien (gar kapitalistischen) Gesellschaften sind immer Systemfehler.
:)
Ja, Achim. Die Wahrheit sagen ist das eine, aber wie Roesler schon sagte, niemand hoert gerne von seinem Arzt er sei zu fett. Das kann man durchaus besser verpacken. Als Parteivorsitzender muss man es fast. Das Heraufbeschwoeren des Medienfocus war sicherlich Ziel der Attacke, dafuer gibts aber andere Posten.
Achso. Und wenn wir nun Hartz 4 ordentlich kürzen, dann kommt dies den Kellnern zu gute? Wohl eher nicht. Der Opportunitätsnutzen einer Beschäftigung in einem Niedriglohnjob würde zunehmen und es gäb mehr Anbieter der Arbeitsleistung “Kellner”.
Das Genervtsein über Westerwelle hängt mit seinen Aussagen zusammen und beschränkt sich sicherlich nicht nur auf die SPD.
45% Bundeshaushalt für Soziales halte ich auch für kein Problem. In einer Gesellschaft, in der die Abstände zwischen arm und reich zwar zum Glück geringer als anderswo ist aber zunimmt.
“45% Bundeshaushalt für Soziales halte ich auch für kein Problem.”
Es ist viel, aber notwendig, wenn man sich das Sozialbudget näher anschaut:
http://rotstehtunsgut.de/2010/02/16/fakten-fakten-fakten-das-sozialbudget-des-bundes-2007/
Äh ja – Hartz IV kürzen… Hat jetzt nochmal wer vorgeschlagen? Zwischen den vielen Forderungen nach einer Erhöhung droht man sowas ja leicht zu überhören, deswegen die Frage.
“Hat jetzt nochmal wer vorgeschlagen?”
Ein paar CDUler und indirekt auch einige FDPler. Nicht der Rede wert.
“aber darum geht’s doch letztendlich bei der Kalkulation der relativen Armut.”
Du glaubst doch auch daran, dass wenn du 2 Stücken Kuchen ist und ein hungernder keines, dass ihr beide satt seit. Wen trifft denn die Finanzkrise am gravierensten?
“Das bedeutet zwar nicht, dass es den Armen besser geht als vorher, sondern nur, dass die Reichen Geld verloren haben”
Selbst beantwortet.
“Warum sollte eine Mutter ein Interesse daran haben, den schulischen Erfolg Ihres Kindes zu fordern und foerdern, wenn es sich ohne Schulabschluss von Hartz-4 ganz bequem auskommen laesst? Schwarzarbeit inklusive?”
Was spricht dagegen? Ich widerspreche nicht dagegen, dass es Familien gibt welche lieber in Hartz 4 leben. Allerdings bezweifle ich, dass es die Mehrheit ist.
“wenn erstmal alle auf die gleiche Schule gingen, alle aufs Gymnasium, dass dann auch alle studieren und einen tollen Job kriegen.”
Das ist richtig. Dennoch sollten alle die Chance dazu haben und nicht schon durch das Einkommen der Eltern selektiert werden. Ist Chancengleichheit nicht die Basis der Freiheit. Wird das nicht immer propagiert?
Ein aktueller Artikel aus dem Stern.
http://www.stern.de/politik/deutschland/2-hartz-iv-wie-viel-wahrheit-steckt-in-westerwelle-1543926.html
Worauf begründet sich Deine Auffassung, dass es das Einkommen wäre, das “selektiert”, und nicht das bildungsfreundliche bzw. -ferne Klima in den jeweiligen sozialen Milieus?
Wohlgemerkt: Dr. Plünnecke spricht von Bildungserfolg, nicht Einkommen der Eltern. Das Problem ist “Bildungsarmut” in Form fehlender sozialer Aufstiegsorientierung, nicht mangelnde Subjektsubvention.
wenn die schere auseinander geht kann das auch bedeuten, daß die reichen proportional reicher werden wie die armen reicher werden.
bildlich: die reichen haben statt 2 stück kuchen 4einhalb, die armen statt einem halben ein ganzes.
Welche CDUler? Mir ist nur einer bekannt, und der wurde unvollständig zitiert.
Welche FDPler? Und was meinst du mit “Indirekt”? Durch fantasievolle Dichtung ermittelt?