Elena ist eine geschwätzige Schlampe!

19.02.2010 22:38 - Notizen aus dem U-Boot by jo@chim - 10 Kommentare

Sie fragen sich jetzt, wer Elena ist, was meine Privatangelegenheiten überhaupt hier zu suchen haben und ob es nicht besser wäre, angesichts eines möglichen Tatbestandes der Beleidigung zurückhaltender zu formulieren?

Nun gut, bei öffentlichen Personen gelten andere Massstäbe. Auch Guido Westerwelle musste das gerade erleben, als er von Heiner Geissler über Hannelore Kraft bis hin zu Claudia Roth für seine Sozialstaatskritik teils unflätig geschmäht wurde. Und Elena ist eine öffentliche Person! 2008 erhielt sie sogar den Big Brother Award.

Aber entscheiden Sie selbst, ich stelle Ihnen dieses von schwarzroten Bürokraten gezeugte kleine Monster – das aufgrund seiner Gefrässigkeit mit Sicherheit in kürzester Zeit fett, teuer und aufgebläht sein wird – vor. Oder besser, ich lasse dies, ganz ohne Satire, von den Piraten erledigen, die auf ihrer Seite Stoppt Elena! dankenswerterweise ein umfassendes Persönlichkeitsprofil erstellt haben:

Seit Januar 2010 müssen alle Arbeitgeber verpflichtend einen umfassenden Datensatz über alle bei ihnen Beschäftigten an eine Zentrale SpeicherStelle (ZSS) übertragen. Die ZSS wird von der Deutschen Rentenversicherung betrieben.

Bei den ohne Widerspruchsmöglichkeit seitens Arbeitgeber oder Arbeitnehmer zu übertragenden Daten handelt es sich neben Name, Geburtsdatum und Anschrift um ausführliche Angaben zu den Einkommensverhältnissen sowie zur familiären und beruflichen Situation. Übermittelt werden unter anderem Gehaltsumfang, Angaben zur Ausbildung, Gewerkschaftsmitgliedschaft, eventuelle Kündigungen, Fehlzeiten (entschuldigte und unentschuldigte) sowie deren Gründe.

Die Datenerhebung und Übermittlung geschieht unabhängig davon, ob die Betroffenen tatsächlich jemals Sozialleistungen gleich welcher Art in Anspruch nehmen oder nicht.

ELENA – mit vollem Namen “ELektronischer EntgeltNAchweis” verspricht also tatsächlich, ein geschwätziges und aufgeblähtes bürokratisches Monster zu werden.

Der Antrag des baden-württembergischen Justizministers Ulrich Goll (FDP) im Bundesrat, “Elena” zu stoppen oder wenigstens das Verfahren zu entschärfen wurde offensichtlich verwässert – worauf auch die windelweiche aktuelle Pressemitteilung der FDP-Bundestagsfraktion hindeutet. Es dürfte also noch einiges an Druck und liberaler Überzeugungsarbeit (bzw. Überzeugungsarbeit an Liberalen…) nötig sein, um Elena ein ähnliches Schicksal wie ihrer Schwester Swift zu bescheren.

Falls Sie ebenso wie ich und aktuell 18.115 weitere Personen die E-Petition zur Aufhebung des elektronischen Entgeltnachweises mitzeichnen wollen, können Sie dies auf der Petitionsseite des Deutschen Bundestages tun (Direktlink zur Petition).

Post to Twitter Post to Delicious Post to Digg Post to Ping.fm

RSS Kommentar-Feed Trackback-URI Druckansicht Tags: , ,

10 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

philipp, 20.02.2010 02:05

Kosteneinsparung durch Technik klingt zuerst mal super. Nur leider ist das einzige, das den Cybermodernisten einfällt, die Zentralisierung.
Seis nun ELENA oder die Gesundheitskarte.

Nur ja dem Bürger seine Infos nicht in die Hand geben. Der könnte ja was weiß ich mit anstellen! Statt ein bischen über den Tellerrand zu denken, ist das einzige was unserern Volksverwaltern einfällt die zentrale Erfassung von Daten in immer noch größeren und detaillierteren Datenbanken.

Gerade bei der Gesundheitskarte besetht so viel Potential für Inovation und einen selbstbestimmteren Patienten. Ein Trauerspiel was daraus gemacht wird!

 
philipp, 20.02.2010 08:17

Irgrenwas ist mit meinem Kommentar schief gelaufen. im Filter hängen geblieben?

jo@chim, 20.02.2010 08:47

Das war Lumpi, unser Moderationsfilter. Manchmal kläfft er einfach nur so aus Spass :-)

 
 
Adrian, 20.02.2010 09:30

Die Libertären haben eben doch Recht. Langfristig gibt es für den Staat keine Angelegenheiten, die ihn nichts angehen. Und in einem Sozialstaat gilt das sowieso.

 
alex, 20.02.2010 12:35

Wer hat eigentlich Elena zu verantworten? Ich empfinde es als eine regelrechte Sauerei, dass da auch Sachen drin gespeichert werden, wo gar keine Kosteneinsparung erkennbar ist, z. B. wer wann und warum abgemahnt wurde. Wo war der Aufschrei der Gewerkschaften.

Florian, 20.02.2010 16:48

und wo war der Aufschrei der Arbeitgeber-Verbände?

Mal im Ernst:
In meinem mittelständischen Unternehmen (gut 100 Mitarbeiter) führen wir die Personalakten im wesentlichen in Papierform.
Speziell Dinge wie Abmahnungen oder Fehlzeiten werden nicht digital erfasst, sondern einfach in der relevanten Mappe physisch abgelegt.
Dies nun noch einmal zusätzlich elektronisch zu erfassen ist ein echter zusätzlicher Verwaltungsaufwand.

Und für was?
Was ändert sich durch eine Abmahnung an den Zahlungsverpflichtungen von z.B. der Rentenversicherung?

So halbwegs einleuchten will mir die Relevanz dieser Informationen eigentlich überhaupt nicht, außer bei der nackten Information “Gehalt” (die natürlich für viele Sozialversicherungsfragen wichtig ist) und meinetwegen noch Anzahl Kinder und Religionszugehörigkeit (letzteres ist kirchensteuerlich relevant).

 
 
Haeretiker, 20.02.2010 12:57

der staat tut das doch nur zu unserem besten . vielleicht verletzen wir uns ja bös, und dann muss unser vater wissen in welcher gewerkschaft wir sind.

sprach kind bürger und merkte seine entmündigung nicht..

Medea, 22.02.2010 15:06 Subscribed to comments via email

“sprach kind bürger und merkte seine entmündigung nicht..”

Der Staat schafft sich seine Mündel selbst und stößt dabei nicht auf Widerstand beim “kind bürger”. Die meisten Deutschen wollen einen starken Staat. Untertanen halt.

 
 
Hermann, 20.02.2010 20:22

Das insbesondere die Gewerkschaften so ruhig bleiben enttäuscht mich doch sehr, als Elena noch ein SPD-Projekt war, wollte man den Genossen nicht in die Suppe spucken und nun zeigt man sich staatstragend statt kämpferisch.

 

[...] Starostik erneut beauftragt, mich in einer einer Verfassungsbeschwerde – diesmal gegen ELENA – zu vertreten, um zu erreichen, dass diese zentrale Datenbank mit sensiblen [...]

 

Beitrag kommentieren

Name (erforderlich)
E-Mail (notwendig - wird nicht angezeigt)
URI