Ein armes Würstchen

22.02.2010 18:12 - Audiovideo, Money and Fame by Daniel Drungels - 78 Kommentare

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat in einer neuen Studie herausgefunden, dass in Deutschland über 11 Mio. Menschen von Armut bedroht sind. Ich bin einer davon. Ein Hausbesuch bei einem armen Würstchen. (Crosspost Gehirnschluckauf)

Post to Twitter Post to Delicious Post to Digg Post to Ping.fm

RSS Kommentar-Feed Trackback-URI Druckansicht Tags: , ,

78 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Christian S., 22.02.2010 18:31

Forderung: Spendensammlung für D.D. starten!

jo@chim, 22.02.2010 18:56

Aber Christian! Du wirst ihn doch nicht der gnadenlosen Kälte und der karitativen Beliebigkeit der Marktteilnehmer aussetzen wollen, Du neoliberales Uboot in der SPD!? Drungelseinkommen und Mindest-Playstation sofort!

Daniel Drungels, 22.02.2010 18:58

Das will ich doch meinen…

 
 
 
googlehupf, 22.02.2010 19:16

Zur Info. Die Schwelle liegt bei 925€ monatlich (hab mal gerad den DIW-Bericht reingeguckt) für einen 1-Personen-Haushalt.

Daniel Drungels, 22.02.2010 20:45

…und die hab ich nicht mal annähernd.

tigger, 22.02.2010 22:32

Du bist ja ganz unten. Musst aufpassen, dass Du nicht die sozialen Kontakte verlierst.

jo@chim, 22.02.2010 22:49

Wir versuchen ihm hier eine Perspektive zu bieten. Ehrenamtlich!

Christian S., 23.02.2010 23:45

Ich bin ja auch noch da!

 
 
 
lukas, 23.02.2010 21:07

Auch inklusive ÖPNV-Studiticket, subventioniertem Mensaessen und evtl. Wohnung (Wohngeld/StuWe)? Ganz zu schweigen von dem Studium selbst, dessen Kosten zum allergrößten Teil ebenfalls der Staat trägt.

Daniel Drungels, 23.02.2010 22:26

Auch dann habe ich weit weniger als 925 Euronen ZUR VERFÜGUNG, ja.

 
jo@chim, 24.02.2010 00:36

der Staat

Nein es ist nicht “der Staat” – es sind all diejenigen unter uns Gering-, Mittel- und Gutverdienern, die nicht genug Kapital akkumulieren konnten, um es in der Schweiz oder auf den Cayman Inseln in Sicherheit zu bringen. Dies nur als erläuternde Anmerkung, ohne Daniel seine Studienförderung auch nur im Geringsten zu missgönnen zu wollen (er lernt ja auch was G’scheits, offensichtlich *g*).

 
 
 
 
Milfweed, 22.02.2010 23:11

Lol, dein Zimmer sieht ähnlich, aber besser aus als meine mickrig kleine 90 € Bruchbude.
Ich habe es immerhin noch geschafft mein 37 HDTV reinzuquetschen.

Aber abgesehen von den Quatsch jetzt bringt mich das auf eine andere Überlegung. Du scheinst ja Student zu sein. Lebst unter der Armutsgrenze, wie ich auch.
Ständig wird rumgejammert in den Medien wie schlimm das ist, dass immer mehr Menschen unter dieser Grenze (rein materielle Kriterien) fallen.
Diese Besorgnis richtet sich ja meist auf ältere Personen (“erwachsenere” wäre bei einigen das falsche Wort) und auf Personen, die Kinder haben und natürlich auf die Kinder selbst. Aber warum eigentlich?
Ein Studentenleben ist ein Leben mit knappen Ressourcen, aber zumindest mit Aussicht auf ein Leben mit hohem Einkommen. Aber in der Gegenwart bekommen das viele Studenten hin (auch ohne Kredit, vergessen wir auch mal staatl. finanzierte Unis, das ist für mich KEIN Argument, dies ist für mich als Liberaler lediglich ein unerwünschter Zustand, aber ich habe das Recht dies zu nutzen, da ich mich ja sonst selbst schädige, dennoch bin ich für die Auflösung … anderes Thema)
Feststellung: Ein Leben mit sehr knappen Ressourcen ist möglich und ich bezeichne mich nicht als arm. Wissen, Glück und Streben sind auch Werte, die ich zu schätzen weiß. Niemand würde mit mir Mitleid haben, dass ich in so einem Zustand lebe (glaubt mir, die Bude ist ziemlich erbärmlich ^^) aber wohlmöglich dann, wenn diese Person 40 ist.
Ich bin der Meinung, dass niemand ein Recht auf irgendetwas haben sollte, außer auf das Recht zu leben, was einschließt, dass man andere nicht darin beeinträchtigen darf. Keine Ansprüche, nix, nada. Ist extrem, aber bleiben wir mal auf theoretischen Geplaudere.

Wenn man nun mit 30, 40, 50 + oder auch 20 und kein Student immernoch nicht mehr Ressourcen hat, als ich dies jetzt in der Gegenwart habe, warum sollen diese dann aber später ein Anrecht auf mehr haben? Sie haben vielleicht ein gefühlten Anspruch, aber das interessiert mich NICHT! Weil sie es nicht geschafft haben und die Meinung ist, dass sie es auch nie mehr schaffen werden? Sozusagen eine Belohnung dafür, dass sie es wenigstens versucht haben? Nun ist der Zug abgelaufen (oder haben sich immerhin schön angestrengt und fleißig/ hart gearbeitet) und nun sollen sie mehr verdienen, wenn sie es schon selber nicht verdienen konnten? Sind das die Kriterien der sogenannten Armutsgrenze? Niemand würde mich als arm bezeichnen, also sollte man diese Leute auch nicht als solche bezeichnen.

jo@chim, 22.02.2010 23:46

Das Kernproblem, das den amtlich als arm definierten Otto Normalhartzer von dem armen Studenten oder dem armen Künstler unterscheidet, ist die mangelnde Perspektive: wenn Menschen keine haben, wenn ihnen dies eingeredet wird, wenn sie es sich selbst einreden oder wenn es ihnen zu einfach gemacht wird, selbstmitleidig auf Kosten anderer zu leben (bzw. wenn ihnen das gar von den Ideologen des parasitären Sozialismus als Idealzustand verkauft wird), … dann verkommen sie…

 
Daniel Drungels, 23.02.2010 10:04

Was schreibt, ist richtig. Älteren Menschen bieten sich weniger Perspektiven, als Menschen in meinem Alter.

Ein anderer Grund, warum sich die mediale Aufmerksamkeit hauptsächlich auf ältere Menschen richtet (die DIW Studie ist hier eine Ausnahme), ist aber imho auch, weil sich diese Themen gut emotionalisieren lassen. Das ist auch kein Phänomen, das erst durch die Hartz Reformen entstanden ist.

Jeder versteht die prinzipielle Funktionsweise der Arbeitslosensicherung und auch des umlagefinanzierten Rentensystem. Und die überwältigende Mehrheit (ausgenommen vllt. Hardcore Libertäre) heißt dieses Funktionsweise auch gut. Es leuchtet umgehend ein, dass die Risiken des Einzelnen nur von mehreren, d.h. der Gemeinschaft aufgefangen werden können und jedem ist auch klar, dass er nie das rausbekommt, was er eingezahlt hat.

Aber: Wenn dieselben Menschen aber arbeitslos werden oder in Rente gehen, fühlen sie sich ungerecht behandelt, WEIL sie nicht rausbekommen, was sie eingezahlt haben. Diese Klagen hört man doch immer wieder und nicht selten und nicht nur von kognitiv Andersbefähigten. Gerade wenn sie lange Jahre gearbeitet hat, dann “empfinden” es viele einfach ungerecht, was sie nun als Arbeitslosengeld bekommen, selbst wenn sie “verstehen”, wie ihr Arbeitslosengeld errechnet wird.

Kurzum, ich denke, man kann die Funktionsweise dieser Systeme verstehen, kognitiv nachvollziehen. Aber für dem Einzelnen ist es (fast) unmöglich, sie emotional anzunehmen.

Es ist halt paradox, dass Gerechtigkeit “empfunden” wird, obwohl sie ihrem Wesen nach (fast) immer als rationales Konzept “gedacht” wird.

Das ist imho auch ein großes Problem bei der Vermittlung liberaler/libertärer Ideen. Der Liberalismus ist ein durch und durch rationales Konzept. In der Theorie erscheint er jedem, der sich damit beschäftigt, durchaus vernünftig, kognitiv nachvollziehbar. In der Praxis sieht das dann aber ganz anders aus. Wenn es erst soweit ist, dann möchten sich die meisten verständlicherweise lieber doch nicht darauf verlassen, dass ihre Notlage durch freiwillige Kooperation beseitigt wird. Aber das führt jetzt vom Thema weg…

jo@chim, 23.02.2010 10:30

Das “umlagefinanzierte Rentensystem” ist ein klassisches Schneeballsystem – was leider viel zu wenige verstehen.

Es leuchtet umgehend ein, dass die Risiken des Einzelnen nur von mehreren, d.h. der Gemeinschaft aufgefangen werden können

Ich glaube, da verrennst Du Dich Daniel: gemeinschaftliche Risiken können Versicherungen besser behandeln als staatliche Bürokratien, da ausschliesslich eine Risikokalkulation stattfindet, keine “sozialen Aspekte” aka Umverteilung. Wenn schon Umverteilung, dann bitte offen und für alle transparent. Im Gesundheitswesen würde das zum Beispiel sinnvollerweise eine vollständige Privatisierung des Krankenversicherungssystems bedeuten und Subvention aus Steuermitteln für Gering(er)verdiener im öffentlich erwünschten und verhandelten Ausmass.

jedem ist auch klar, dass er nie das rausbekommt, was er eingezahlt hat

Negative Rendite (in Deiner Altersklasse wohl 100%…) gibt es nur bei der Staatsrente. Jeder private Anbieter könnte bei solchen Aussichten seinen Laden dicht machen.

Daniel Drungels, 23.02.2010 10:54

Es leuchtet umgehend ein, dass die Risiken des Einzelnen nur von mehreren, d.h. der Gemeinschaft aufgefangen werden können

Damit meinte ich nur das Prinzip. Ersetze “der Gemeinschaft” durch “eine Gemeinschaft”. Das ist bei Versicherungen doch auch nicht anders, oder?

jedem ist auch klar, dass er nie das rausbekommt, was er eingezahlt hat.

Okay, auch missverständlich formuliert. Ich wollte sagen, dass jedem klar ist, dass er die eingezahlten Beiträge möglicherweise nicht “verbrauchen” kann.

BTW: Diese Cache-Sache geht mir richtig auf den Sack, CEO. ;-)

 
Daniel Drungels, 23.02.2010 11:07

Oder noch besser:

Jeder weiß, dass seine Rentenbeiträge nicht in seine persönliche Sparbüchse fließen, aus der später dann ausgezahlt wird. So nach dem Motto: Wenn ich jeden Monat 300 Euronen spare…bei 12 Monaten im Jahr…über 45 Jahre…dann habe ich am Ende…10 Trillionen Euros.

CfG, 23.02.2010 13:35

“Der Deutsche” weiß das nicht, und erwartet vollständige Rückzahlung aller Einzahlungen. Bei jeder Versicherung, sei es nun Arbeitslosen- oder Krankenversicherung…

P.S.: Ja, das neuladen nervt…

dagny t., 23.02.2010 13:56

Warum es auf ‘den Deutschen’ begrenzen? Jeder vernuenftige Mensch erwartet, wenn er (derartige Summen) in eine ‘Versicherung’ einzahlt, dass am Ende ein Kapitalstock dasteht, auf den er Ansprueche erworben hat.

Das Rentensystem ist der Betrug. Nicht die Gutglaubigkeit der Anleger. pardon, Umlagezahler.

Alrik, 24.02.2010 23:20

dann bin ich nicht vernünftig.

ich erwarte gar nicht das ich die Summen die ich in meine Versicherungen eingezahlt habe – egal ob privat oder gesetzlich – jemals wieder zurückerhalte.

Ich bin froh wenn ich sie nicht erhalte, und ich bin froh wenn ich mehr erhalte.
Warum ?

Wenn ich sie nicht erhalte weil ich von Arbeitslosigkeit, Alter, Krankheit oder Unfall verschont wurde bin ich froh.

Wenn ich dagegen von Arbeitslosigkeit, Alter, Krankheit oder Unfall betroffen bin, bin ich froh wenn ich mehr erhalte als ich eingezahlt habe.

 
 
Rayson, 23.02.2010 16:45

BTW: Diese Cache-Sache geht mir richtig auf den Sack, CEO. ;-)
P.S.: Ja, das neuladen nervt…

Wo kann ich unterschreiben?

Marco, 23.02.2010 18:04

Schließe mich an. Achim, schalt doch mal bitte den Server-Cache aus.

jo@chim, 23.02.2010 18:24

Das hat _nichts_ mit dem Cache zu tun. Bin dran.

Rayson, 23.02.2010 18:40

Egal, was es ist, es nervt seit über eine Woche…

DDH, 23.02.2010 19:19

*unterschreib*

Bring das in Ordnung! Eigentum verpflichtet!

jo@chim, 24.02.2010 00:53

Eigentum verpflichtet!

Jetzt isses raus, Du, Du… SOZIALLIBERALES UBOOT, Du…!

Marco, 24.02.2010 01:35

Stimmt, Eigentum verpflichtet – aber nicht im Sinne eines Anspruchs Dritter, sondern aus dem Wesen des Eigentums selbst heraus. Oder einfacher: Wer Eigentum hat, pflegt es in der Regel auch, weil es sonst Wert und/oder Funktionfähigkeit (also wiederum Wert) verliert.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
Culatello, 24.02.2010 09:15

@

“…….Wenn schon Umverteilung, dann bitte offen und für alle transparent. Im Gesundheitswesen würde das zum Beispiel sinnvollerweise eine vollständige Privatisierung des Krankenversicherungssystems bedeuten und Subvention aus Steuermitteln für Gering(er)verdiener im öffentlich erwünschten und verhandelten Ausmass.”

Inwiefern wäre dieses Prozedere transparenter als das bisherige?
Außerdem würde es den Verwaltungsapparat gewaltig aufblähen, denn für Geringverdiener müsste ja ein individuelles Einkommesprüfverfahren und ein ebenso individuelles Rückerstattungsverfahren erfolgen.
Oder siehst du/seht ihr einen einfacheren Weg? Das Gießkannenprinzip kann hier wohl kaum angewendet werden und alles andere verursacht höhere (Personal)kosten als der Jetztzustand und _zusätzlichen_ Einsatz von Steuermitteln.

Culatello, 24.02.2010 12:56

.
Krankenversicherungsbeitragssubventionsbehörde ;)

jo@chim, 24.02.2010 13:07

Was sind denn die heutigen Parteifunktionärsentsorgungskrankenkassen anderes als bürokratische Monster? Im Grunde haben wir doch eine staatliche Einheitskrankenfürsorge für diejenigen, die nicht das Glück haben, über der Beitragsbemessungsgrenze zu verdienen. Echte Versicherungen führen eine Risikokalkulation durch, keine Kalkulation über willkürlich festgelegte aus dem Einkommen berechnete Prämien oder “Kopfpauschalen”.

 
 
 
chriwi, 24.02.2010 14:03

“Das “umlagefinanzierte Rentensystem” ist ein klassisches Schneeballsystem – was leider viel zu wenige verstehen.”

Was viele nicht verstehen ist, dass es keinen Unterschied macht welches System du annimmst. Denn auch die komplett kapitalgedeckte Rente müsste von der aktuellen Arbeitsgeneration erwirtschaftet werden. Es sei denn du isst das Geld welches du unter dem Kissen liegen hast, bzw. zauberst die Zinsen aus dem nichts. Somit sind bloß die Kosten relevant. Da ist das umlagefinanzierte System aber billiger. Heißt also, wenn nach deiner Aussage das umlagefinanzierte Rentensystem ein Schneenballsystem ist, ist es die kapitalgedeckte Vorsorge ebenso nur eben anders strukturiert.

Gernot, 24.02.2010 20:52

Dafür, dass Du offensichtlich total ahnungslos bist, lehnst Du Dich ziemlich weit aus dem Fenster. Informiere Dich bitte erst mal, was ein Tauschgeschäft ist. Dann geh einen Schritt weiter und informiere Dich darüber, was Zinsen sind und woher sie kommen. Wenn Du das verstanden hast, wirst Du auch verstehen, warum es einen Unterschied macht, ob eine Rente “erwirtschaftet” wurde oder aus einer Umlage wie in der deutschen Rentenversicherung bezahlt wird.

califax, 24.02.2010 22:23

Da es trivial zu sein scheint, könntest Du es ja kurz erklären.
Er zielt darauf, daß es für den Finanzier der Rente keinen Unterschied macht, ob er sein Geld für Abgaben oder Schuldendienst loswird. Und worauf willst Du hinaus?

 
chriwi, 25.02.2010 10:24

“woher sie kommen” Schlussendlich kommen sie aus der Realwirtschaft und müssen von der arbeitenden Bevölkerung generiert werden. Wenn also ein Rentner von seinen Zinsen lebt, dann wird wohl oder übel die arbeitende Bevölkerung dafür aufkommen müssen. Wo ist der Unterschied zum Umlageverfahren, wenn einmal das Ganze über Banken/Versicherungen läuft und einmal über den Staat?

Die gekauften Produkte müssen so oder so von den aktuell arbeitenden Menschen produziert werden. Sind sie zu unproduktiv scheitern beide Systeme.

Erwirtschaftet wird bei einer kapitalgedeckten Rente erst mal nichts. Geld arbeitet nicht.

jo@chim, 25.02.2010 10:46

Wenn also ein Rentner von seinen Zinsen lebt, dann wird wohl oder übel die arbeitende Bevölkerung dafür aufkommen müssen.

Herrjeh, der alte linke Trugschluss, Wirtschaft wäre etwas Statisches und würde darauf basieren, dass irgend jemand etwas weggenommen wird. Ich kann’s nimmer hören.
Wirtschaft ist ein Prozess, in dem neue Werte generiert werden. Wenn also ein Rentner (oder jeder beliebige andere Investor) von seinen Zinsen lebt, dann ist das sein Anteil an diesem Mehrwert, den er dafür erhielt, dass er Mittel als Kapitalbasis zur Verfügung gestellt hat. Ist das denn so schwer zu begreifen?

chriwi, 25.02.2010 12:56

“Ist das denn so schwer zu begreifen?”
Wo ist der Widerspruch? Die Zinsen müssen von der arbeitenden Bevölkerung aufgebracht werden. Ich sehe den Unterschied nicht, ob ich diese Betrag über eine höhere Diffenrenz zwischen Arbeitsleistung und dem was ich ausgezahlt bekomme begleiche, oder aber indem ich diesen Betrag direkt über eine Rentenkasse bezahle. So oder so muss derjenige der arbeitet zahlen.

“er Mittel als Kapitalbasis zur Verfügung gestellt hat.”
Das ist richtig. Und er hat sich zusätzlich die vertragliche Verpflichtung auf die Rückzahlung, bzw. Beteiligung mittels Zinsen gesichert. Dies kann er aber nur dort machen wo Werte generiert werden. Sicher geht er nicht zu jedem Arbeiter/Angestellten/Unternehmer und sagt ihm das er zahlen soll, aber am Ende läuft es darauf hinaus. Wo soll denn sonst der Mehrwert generiert werden? So lange die Produktivität wächst funktionieren beide Systeme und zwar auf einer ähnlichen Ebene. Die Frage bleibt dann nur welches System stabiler ist und preisgünstiger. Da bin ich ehrlich gesagt bei den kapitalgedeckten Renten etwas skeptischer. Vor allem, weil noch geklärt werden muss wo die Menge an Geld investiert werden soll, welche für die Rente der aktuellen Arbeitsgenration sichern soll. Außerdem zeigte die letzte Finanzmarktkrise und der Zusammenbruch von nicht nur einem Rentenfond, dass die Rente dort alles andere als sicher ist.

califax, 25.02.2010 13:06

Beim Auszahlen der Rente wird nur ein Teil des Kuchens verteilt. Und dabei ist es im prinzip wurscht, ob die Verteilung von staatlichen oder privaten Sachbearbeitern erledigt wird.
Das ist richtig. Der entscheidende Punkt ist ja hier auch nicht Staat vs. Privatwirtschaft sondern Investition vs. reine Abgabe.
Es geht darum, was lang vor der Auszahlung der rente passiert. Bei der Umlage passiert da gar nichts. Die Zahlungen laufen direkt in die Auszahlung
Bei der Investition dagegen werden die Rentenzahlungen in mehrheitlich profitable Unternehmen gesteckt. Sie erlauben den Kauf von besseren Maschinen, sie erlauben die Zahlung von höheren Löhnen, sie erlauben die Preissenkung bei Produkten und Dienstleistungen, sie erlauben die Entwicklung neuer Medikamente, neuer Lebensmittel und neuer Autos, sie verbessern das Verhältnis von Durchschnittseinkommen und durchschnittlichem Lebensstandard, kurz: sie schaffen Wirtschaftswachstum. Sie vergrößern den Kuchen, der später verteilt werden kann.
Das ist der entscheidene Unterschied. Nicht, ob es dem Zahler wehtut, wenn er zahlen muß, sondern wie sehr es ihm wehtut, und welchen Lebensstandard sich wie viele Menschen von seinen Zahlungen leisten können.
Das ist alles eine Frage der Größe des Kuchens, den man aufteilt.

chriwi, 25.02.2010 14:25

“Bei der Umlage passiert da gar nichts.”

Das stimmt ja so nicht. Gibt es keine Rentner, dann wird auch nichts umverteilt und es gibt mehr Lohn. Folglich wird mehr ausgegeben. Das Geld kann dann ebenso investiert werden.

Du setzt außerdem vorraus, dass die Nachfrage an diesem gesparten und sonst ausgegebenen Geld existiert. Man muss dabei im Hinterkopf haben das 20 Millionen Rentner bei einer Rente von 1000 Euro monatlich und 3% Zinsen 804 Milliarden Euro ansparen müssten. Dabei wäre man gerade mal knapp über der Grundsicherung und setzt vorraus, dass die Zinsen nicht sinken durch die Menge an Geld. Die Kosten für den Einzelnen sind dabei noch nicht einmal enthalten. Will man eine Sicherung gegen Arbeitslosigkeit muss man zum Beispiel Riestern, wo die Kosten nicht gerade gering sind. Tut man dies nicht baut man Vermögen auf, dass bei Arbeitslosigkeit auszubrauchen ist. Somit haben gerade die geringen Einkommen kaum eine Chance sich für das Alter zu rüsten. Wie gut es in Chile funktioniert hat muss man sich einfach nur ansehen.

 
 
 
 
Gernot, 25.02.2010 12:37

Ich muss mich entschuldigen für meinen rüpelhaften Kommentar. Aber Deine Antwort offenbart ganz deutlich, dass Du ein sehr schräges Bild von den elementaren Grundlagen einer Marktwirtschaft hast.

Ich will mich kurz fassen:

1) Deutsche Rentenversicherung: Ein Angestellter muss einen Teil seines Einkommens an die Rentner abgeben. Dafür erhält er das Versprechen, dass seine Kinder und die seiner Mitmenschen später für seine Rente zahlen müssen. (BTW: Der “Generationenvertrag” ist somit ein Vertrag zu Lasten dritter). Das hat mit “Sparen” nichts zu tun, weil sein Geld sofort konsumiert wird.

2) Privates System: Ein Angestellter legt Geld beiseite, dass nicht für den Konsum bestimmt ist. Wenn es angelegt wird (z.B. bei einer Bank oder einem Rentenfonds), tauscht er sein Geld heute gegen Geld in der Zukunft + Zinsen. Derjenige, der das Geld erhält, benötigt es gerade dringender und bezahlt daher mit Zinsen. Hierbei handelt es sich um Tauschgeschäft, von dem beide Seiten profitieren (müssen, weil sie es ja sonst nicht getan hätten)

Du sagst: 1) + 2) seien äquivalent. Du kommst zu diesem Schluss zum einen, weil Du der Ansicht bist, dass ein Tauschgeschäft eine Nullsumme ist (was nicht stimmt). Im besten Falle ist 1) eine Nullsumme, aber 2) generiert einen volkswirtschaftlichen Mehrwert (sprich: “Wachstum”).

Aber ein 1) ist schlimmer als eine Nullsumme: Nimm mal einen Bäcker, dessen Schaufenster eingeschlagen wurde. Er muss jetzt einen Glaser bestellen, um die Scheibe zu reparieren. Du sagst: Für die Volkswirtschaft ist das eine Nullsumme, weil der Verlust des Bäckers, einen Gewinn für den Glaser darstellt. Aber das ist ein Irrtum. Für das Geld hätte der Bäcker sich vielleicht einen neuen Anzug gekauft, der jetzt nicht mehr drin ist. Also verliert die Volkswirtschaft einen Anzug — nicht mehr und nicht weniger.

Im Szenario 1) verliert unsere Volkswirtschaft mit jedem Rentenbeitrag, den wir gezwungen sind zu zahlen, die alternativen, produktiven Verwendungsmöglichkeiten.

Culatello, 25.02.2010 14:11

“Du sagst: Für die Volkswirtschaft ist das eine Nullsumme, weil der Verlust des Bäckers, einen Gewinn für den Glaser darstellt. Aber das ist ein Irrtum. Für das Geld hätte der Bäcker sich vielleicht einen neuen Anzug gekauft, der jetzt nicht mehr drin ist. Also verliert die Volkswirtschaft einen Anzug — nicht mehr und nicht weniger.”

Dafür kann sich jetzt der Glaser einen Anzug kaufen.

Lina, 25.02.2010 15:53

… falls er zur beerdigung des bäckers unbedingt einen schwarzen braucht, den er noch nicht im schrank hat. kennt er solche konventionen aber nicht, zieht er eben den grauen an, den er hat ;) …

wer spart, wer gewinnt, wer verliert? na, hauptsache, ww & vw behalten den durchblick …

 
Gernot, 25.02.2010 16:09

;-)

Der Anzug steht hier nur symbolisch für den Wert des Schaufensters — und die ist zerstört.

Also:

Die Volkswirtschaft verliert ein Schaufenster. Was immer der Glaser mit dem Geld des Bäckers macht.

dagny t., 25.02.2010 16:27

Das Beispiel wird wohl klarer, wenn man die Fensterscheibe jeden Tag einwirft. Oder zum Einwerfen Atombomben nimmt. :)

Der Wohlstand steigt dabei einfach nicht.

Culatello, 25.02.2010 17:05

Die Volkswirtschaft verliert also ein Schaufenster – schnief :( und heul –
und vor allem, wenn man jeden Tag eins kaputtmacht.
Wenn Millionen Leute jeden Tag ihr benutztes Klopapier die Toilette hinabspülen, verliert die Volkswirtschaft Tag für Tag Hundertausende Klopapierrollen, so kann der Wohlstand natürlich nicht wachsen ;)

califax, 25.02.2010 17:08

Das Klopapier hat einen sehr realen Nutzen. Klopapier zu haben, ist Wohlstand.
Wenn Du Dir den Allerwertesten mal mit der blanken Hand sauermachst, wirst Du das auch sofort begreifen.

Culatello, 25.02.2010 17:20

Echt?
Muss ich mal probieren.
Bisher habe ich immer Anzüge, äh, ich meine Schaufensterscheiben benutzt.

 
califax, 25.02.2010 17:27

Anzüge verstehe ich ja. Auf dem Höhepunkt der New Economy gab es solche wunderbaren sommerlich-dynamischen Anzüge und Jackets in Pink und Gelb und Chlorgasgrün, die man so einem sinnvollen Recycling zuführen könnte.
Aber den Trickmit den Fensterscheiben mußt Du mir näher erklären.
Ganz entscheidend ist dabei, nicht zuletzt aus juristischen Gründen, die Frage, wie Du die anfängliche konventionelle räumliche Distanz zwischen Hintern, Abort und Scheibe beseitigst.

 
Culatello, 25.02.2010 17:37

Ganz einfach. Schaufensteraufbereitung: zermahlen zu hauchfeinen Körnchen und aufgetragen auf 10×15 cm große Läppchen aus alten Anzügen.
Das reinigt vorzüglich und prickelt noch stundenlang (woher glaubst du stammt die Redewendung von den “Hummeln im Hintern”?

 
califax, 25.02.2010 17:39

Nunja, also ich dachte da in meinem naiven Sadismus an Hummeln im Hintern.

 
 
 
califax, 25.02.2010 17:05

Das ist wichtig aber beim Vergleich einer Umlagerente mit einer kapitalgedeckten Rente irrelevant.
Denn der bremsende Effkt tritt natürlich bei Zinslastung ebenso auf wie bei Abgabenlast.

Da hat Chriwi schlicht recht.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Zeit vor der Rentenauszahlung.
In einem Fall ist da nur passiert, daß der heutige Rentner früher auch durch Abgaben ausgebremst wurde. Im anderen Fall wurde er selbst zwar durch Investitionszahlungen gebremst, aber die Empfänger dieser Zahlungen haben das allgemeine Wohlstandsniveau der Gesellschaft damit angehoben, was sich in besserer medizinischer Versorgung, längerer Lebenserwartung, größerer Kaufkraft des späteren Renters und des späteren Zinszahlers, etc. niederschlägt.

Der Unterschied liegt nicht in der Bremswirkung der monatlichen Auszahlung – in beiden Fällen wird nämlich jemand fürs Nichtstun bezahlt.
Der Unterschied liegt also darin, daß bei der Kapitaldeckung das Geld vorher durch den Wirtschaftsmotor gepumpt wurde.

Prof. Sinn würde vermutlich schon unruhig auf dem Stuhl herumrutschen und ständig etwas von Angebotsbetrachtung brabbeln:

Der Standardfehler vieler Argumente ist nämlich die Beschränkung auf Nachfrage und Geldmenge. Nun nehme man aber einen Lafontaine, packe ihm das Gesamtvermögen der Schweiz addiert zu dem von B.Gates in handlichen Schecks (oder Diamanten) ins Gepäck und schieße ihn in einer kleinen Raumkapsel auf den Mars.
Dann ist er nach Forbes der reichste Mann der Welt. Außerdem hat er spätestens bei seiner Ankunft eine wahnsinnige Nachfrage nach allem möglichen, Sauerstoff und Klopapier zum Beispiel.
Nur nutzt ihm das da oben alles nichts.Sein Wohlstand geht rapide gegen null. Es gibt nämlich keinen Edeka auf dem Mars. Und Bier schon gar nicht. Nach seiner eigenen Auffassung von Gerechtigkeit ist er dann der reichste Rentner der Welt. Praktisch ist er ganz fix ein Armutstoter.

Unsere Kaufkraft hängt also entscheidend davon ab, wieviele Dinge wir uns mit diesen lächerlichen Papierfetzen real kaufen können.

Das umlagefinanzierte Rentensystem achtet nur auf die Nummern auf dem Papier.
Wenn überall die gleiche Ziffernfolge steht, ist das dann angeblich gerecht.
In der verbesserten Variante nimmt man noch die Nachfrage hinzu. Wenn also alle denselben Geldschein und den gleichen Hunger haben, soll das Gerecht sein.
Bei der Investitionsrente ist die Gerechtigkeit wurscht. Hauptsache, man kriegt für’s Geld im Rentenalter mehr auf den Teller als man im Zahlungszeitraum bekäme.

CfG, 25.02.2010 17:45

Ein schönes brachiales Bild :)

 
Rayson, 25.02.2010 20:08

Recht hat er, der cailfax.

Aber ein Punkt wurde bisher noch vergessen: Statt dass man sich zur Absicherung der Rentenzahlungen Menschen aus aller Herren Länder ins kalte Deutschland holen muss, die hier wahrscheinlich eh nicht hinwollen, kann man Kapital auch im Ausland anlegen und von der Leistung der Menschen dort profitieren.

califax, 25.02.2010 21:15

Da fehlt noch einiges mehr.
Zum Beispiel eine schlaue Antwort auf die Frage, wie man denn nun von einer Umlage auf eine Investition umbauen könnte.
Diese Antwort macht den Unterschied zwischen Eigenheim und Wolkenkuckucksheim. :)

 
Rayson, 25.02.2010 21:23

Scharping-Taktik. Laaaangsaaaaam, gaaaanz laaaangsaaaam.

 
califax, 26.02.2010 23:13

Das ist keine ausreichende Antwort.
Wer es sich leisten kann, hat längst schon sowohl die Umlage als auch die Anlage.
Ein sehr großer Teil der Bevölkerung kann sich aber nur (bzw. oft nicht einmal) eines von beiden leisten.
Das ist keine Frage des Timings. Die Hürde ist ja nicht nur zeitweilig da.

 
 
 
 
 
 
chriwi, 26.02.2010 08:18

Auch im privaten System gehst du letztenendes einen Generationenvertrag ein. Nur eben auf einer anderen Ebene. Wenn sich eine Bank entschließt dir keine Zinsen mehr zu zahlen, zum Beispiel weil sie pleite gegangen ist dann hast du herrzlich wenig vom Wachstum. Die Zinsen zahlen dir auch die Leute, welche gar nichts mit deiner Rente zu tun haben. Über höhere Preise zum Beispiel. Somit sind Kaufkraft und Gewinn reduziert.

Das Beispiel mit dem Anzug ist Unsinn. Denn der Bäcker kann sich keinen Anzug leisten, aber der Glaser dann schon.

“der Verlust des Bäckers, einen Gewinn für den Glaser darstellt”

Wo ist der Unterschied zum Anzug? Der Verlust (Geld des Bäckers) ist Gewinn des Anzugverkäufers. Ob dabei der Wohlstand steigt ist dabei ausgeklammert. Es ist auch beim Export so. Die Summe aller Exportbilanzen der Welt müssen Null sein. Aus diesem Grund darf sich Deutschland über Schuldner auch nicht aufregen.

Das Geld wird so oder so aus dem System genommen. Entweder direkt (über Rentenkasse), oder indirekt (über Preise). Die Werte die diesem Geld entsprechen muss dann in jedem Fall die aktuell arbeitende Bevölkerung erbringen. Weigern sie sich (fiktiv gesprochen) dann kann der Rentner noch so reich sein.

“Im Szenario 1) verliert unsere Volkswirtschaft”
Weil das Geld natürlich verbrannt wird. Es wird konsumiert. Somit verliert die Volkswirtschaft gar nichts.

Ein Vergleich der Stabilität beider Systeme macht den Unterschied sehr deutlich. Hohe Geldmengen führen zwangsläufig zu einem Investitionszwang. Dieser kann sehr leicht (wie gerade zu sehen war) zu Blasen führen und Rentenfonds sehr leicht zerstören. Wie willst du das stabilisieren, bzw. die Rente garantieren? Das geht nicht. Beim Umlageverfahren kann diese Garantie ausgesprochen werden, da beliebig hohe Steuern oder Abgaben verlangt werden können (Sinn oder Unsinn mal dahingestellt). So lange die Löhne mit der Produktivität wachsen funktioniert das System auch. Wie sollen mehr Rentner ernährt werden ist eines der Schlagworte. Auch heute ernährt/finanziert jeder Mensch der arbeitet Arbeitslose/Rentner/Kinder. Diese Quote kann man einfach verbessern, wenn man zu vernünftiger Bezahlung der ersten Teil reduziert.

Ein letzter Punkt ist die Inflation. Wie stabil sind wohl beide Systeme diesem Problem gegenüber?
Wenn die Löhne mitinflationieren hat das erste kein Problem. Beim zweiten sieht das anders aus. Nur wenn die Zinsen höher sind als die Inflation funktioniert das Ganze. In Wirtschaftskrisen etwas zu optimistisch angenommen.

Culatello, 26.02.2010 08:43

Schlüssig zusammengefasst chriwi, klasse!

 
califax, 26.02.2010 23:38

Auch im privaten System gehst du letztenendes einen Generationenvertrag ein. Nur eben auf einer anderen Ebene.

Nein, eben nicht. Man geht einen Vertrag mit Wirtschaftsunternehmen ein,die dann später einen Teil ihrer Gewinne abtreten müssen.
Dafür konnten sie aber mit der Investition vorher wachsen, so daß sie eben wesentlich mehr Gewinne zu verteilen haben als ohne die Investition.
Deswegen ist eine Investition erheblich profitabler als eine Schutzgelderpressung.
(Und Steuern bzw. Abgaben sind abseits radikaler Moralvorstellungen und rein wirtschaftlich betrachtet nur eine legale Variante der Schutzgelderpressung.)
Umes einfach zu sagen: Bei der Umlage nimmt man dem Bauern wie im Mittelalter jedes Jahr soviel Getreide weg, wie man zu brauchen meint, ganz egal, ob der dann noch die Aussaat zusammenbekommt.
Bei der Kapitalrente finanziert man ihm Pflug, Egge, Traktor, Bodenverbesserung und bekommt dafür später einen Anteil an den deutlich gesteigerten Ernten.
Das ist ein gewaltiger Unterschied. Und beantwortet für die vergangenheit die Frage, wie man in Mitteleuropa rapide wachsende Städte mit einer konstant bleibenden Ackerfläche ernähren kann.
Mit den Naturalienumlagen des mittelalterlichen Abgabensystems (Pfründe) hat das nicht funktioniert. Als man anfing, in die Landwirtschaft zu investieren und die Abgabenlast der Bauern reduzierte, wurde die Frage gelöst.
Durch Investitionen ins Wirtschaftswachstum.

Wenn sich eine Bank entschließt dir keine Zinsen mehr zu zahlen, zum Beispiel weil sie pleite gegangen ist dann hast du herrzlich wenig vom Wachstum.

Betrug und Pleiten sind eines der tatsächlichen Probleme jeder Altersvorsorge. In einem Sozialstaat muß es deshalb zusätzlich zur Altersvorsorge noch eine Armutssicherung und natürlich effektive Gesetze gegen Anlagebetrug geben.

Die Zinsen zahlen dir auch die Leute, welche gar nichts mit deiner Rente zu tun haben. Über höhere Preise zum Beispiel. Somit sind Kaufkraft und Gewinn reduziert.

Das ist Unsinn. Das ganz Ausmaß des Unsinns wird Dir klar, wenn Du mal ausrechnest, wieviele Eier, Brote oder Dauerwürste Du beispielsweise von einem Durchschnittsgehalt kaufen kannst und diesen Riesenberg mit dem ständigen Hunger Deiner Groß- und Urgroßeltern vergleichst.
Selbst im Vergleich zur Zeit Deiner Eltern (als diese Dein Alter hatten), war die Kaufkraft sowohl der Reichen als auch der Sozialhilfeempfänger ein erbärmlicher Hohn gegen die heutige Kaufkraft.
Natürlich sind die Preise seitdem gestiegen.

Wenn Du deshalb Deinen Urgroßeltern erzählen wolltest, Du wärst mit McDonalds-Besuchen, DVD-Player, Büchern und ‘nem halben Brot im Mülleimer genauso arm oder gar ärmer als sie, weil nunmal die Preise von Brot heute nicht mehr in wenigen Pfennigen angegeben werden – die würden Dir eine scheuern, daß es klingelt. :)

Und genau dieser Unterschied zwischen dem damaligen Lebensstandard und dem heutigen ist das Wirtschaftswachstum. Es gedeiht auf Investitionen. Es stirbt an Abgaben.

chriwi, 04.03.2010 17:39

“Nein, eben nicht. Man geht einen Vertrag mit Wirtschaftsunternehmen ein,die dann später einen Teil ihrer Gewinne abtreten müssen.”

Wem gehören diese Unternehmen und wer arbeitet dort? Du gehst davon aus, dass das jetzige System ewig stabil weiter läuft. Die Geschichte der letzten hundert Jahre zeichnet da aber ein anderes Bild.

“Investition vorher wachsen”
Geh mal ein paar Blogeinträge nach oben. Siehst du die Diskussion über Griechenland. Eine sehr gewinnbringende Investition für Deutschland wie ich sehe. Wie willst du denn bitte schön das Wachstum und die Investition in die Realwirtschaft garantieren?

“Deswegen ist eine Investition erheblich profitabler als eine Schutzgelderpressung.”

Weil der liebe Staat auch leider keinerlei Investitionen tätigt und dem Bauern auch keine Sicherheit, Transportmittel, oder Bildung bietet.

Du gehst halt von dem Irrtum aus, dass alle Investitionen zwangsläufig Wachstum generieren. Wo aber die Billionen von Euro investiert werden sollen und wovon die Dinge gekauft werden sollen das sagst du nicht. Auch sagst du nicht, warum ein System welches immerhin seit über 100 Jahren und 2 Weltkriegen und mehreren Wirtschaftkrisen funktioniert hat so viel schlechter sein soll. Deine Argumente wirken vielleicht, wenn das Ganze Geld an Rentner vergeben wird. Immerhin wurde in der Zeit ein beachtliches Wachstum generiert. Wieso sollte das auf einmal nicht mehr ausreichen. Ist denn die Krise nicht durch zu viel Geld und Spekulation ausgelöst wurden. Außerdem ist das System der Kapitalrente deutlich teuerer. Denn nicht nur die Zinsen auch die Kosten der Versicherungsunternehmen, Werbung, Gewinne,
Kosten fürs verspekulieren müssen irgendwie mitgetragen werden. Den Vorteil sehe ich persönlich nicht.

“Das ist Unsinn.”
So, so, weil Zinsen natürlich aus dem Nichts kommen.

califax, 05.03.2010 20:14

“Nein, eben nicht. Man geht einen Vertrag mit Wirtschaftsunternehmen ein,die dann später einen Teil ihrer Gewinne abtreten müssen.”
Wem gehören diese Unternehmen und wer arbeitet dort? Du gehst davon aus, dass das jetzige System ewig stabil weiter läuft.

Bei Zusammenbrüchen funktioniert die Umlage auch nicht. Es zahlt dann ja keiner. Haste zu Beginn der Diskussion ja auch selbst noch gewußt.

“Investition vorher wachsen”
Geh mal ein paar Blogeinträge nach oben. Siehst du die Diskussion über Griechenland. Eine sehr gewinnbringende Investition für Deutschland wie ich sehe. Wie willst du denn bitte schön das Wachstum und die Investition in die Realwirtschaft garantieren?

Genauso wie man die Zahlungsfähigkeit der Umlagezahler “garantiert”. Wieder ein Null-Argument.

“Deswegen ist eine Investition erheblich profitabler als eine Schutzgelderpressung.”
Weil der liebe Staat auch leider keinerlei Investitionen tätigt und dem Bauern auch keine Sicherheit, Transportmittel, oder Bildung bietet.

Irrelevant, denn diese werden nicht aus den Rentenbeiträgen finanziert.

Du gehst halt von dem Irrtum aus, dass alle Investitionen zwangsläufig Wachstum generieren.

Nein, tu ich nicht. Aber die durchschnittliche Investition gneriert Wachstum. Und das allein macht Kapitalrenten bereits insgesamt günstiger als reine Umlagerenten, bei denen im Durchschnitt volkswirtschaftlicher Schaden entsteht.

Wo aber die Billionen von Euro investiert werden sollen und wovon die Dinge gekauft werden sollen das sagst du nicht.

Also, das ist so: Geld investiert man, indem man Dinge kauft, Maschinen beispielsweise. Das wäre die erste Frage.
Und man kauft diese Dinge von dem Geld, welches man investiert. Das wäre die zweite Frage. Wahnsinnig kompliziert.

Auch sagst du nicht, warum ein System welches immerhin seit über 100 Jahren und 2 Weltkriegen und mehreren Wirtschaftkrisen funktioniert hat so viel schlechter sein soll.

Doch, das habe ich. Wenn Du die Antworten auf Deine Fragen nicht lesen möchtest, sag das doch einfach.
Dann spar ich mir dieses seltsame Gespräch. Übrigens hat die Umlage nun gerade in den Weltkriegen und Wirtschaftskrisen eben nicht funktioniert. Da mußte man jedesmal geliehenes Geld auszahlen. Nach dem WKI auch mit Umweg durch die Gelddruckmaschine, was de facto eine zeitweise Abschaffung der Rentenauszahlung darstellte.
Du könntest bei Gelegenheit auch mal kurz das Rentenauszahlungsvolumen und die eingegangenen Rentenzahlungen von 1945 raussuchen, wenn Du solche Behauptungen aufstellst.
Wenn die Wirtschaft nicht läuft, gibt es weder Umlage noch Kapitalrente. Keine Einkommen, keine Zahler.

Außerdem ist das System der Kapitalrente deutlich teuerer.

Warum es das nicht ist, hatten wir auch schon.
Die Kapitalrente hat durchaus ihre Nachteile. Aber die siehst Du gar nicht. Dafür hast Du Dich viel zu sehr hinter Wahlkampflügen verschanzt.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
Christian S., 23.02.2010 23:42

Sozialdemokrat! Sozialist! Kommunist!

Daniel Drungels, 24.02.2010 10:40
 
 
 
 
orange, 23.02.2010 06:49

,
genau, die Perspektive fehlt oft. Nicht nur, dass es Ihnen einfach gemacht wird, es wird Ihnen oft (fast) unmoeglich gemacht noch einen Job anzunehmen wenn Sie in einer “MASSNAHME” der Arge eingeplant sind. Hier ist die Massnahme scheinbar wichtiger als der Mensch! Es wundert mich denn auch nicht, dass viele resignieren und nur noch versuchen bei der Arge nicht negativ auf zu fallen. Ich denke, so erzieht man Dauerarbeitslose.
In Berlin funktioniert das jetzt schon so lange, dass man eine Menge Arbeitsloser hat, die inzwischen zu alt sind um noch eine echte Chance zu bekommen.

jo@chim, 23.02.2010 08:32

Sehe ich ähnlich. Die die tatsächlich raus aus der Alimentierung wollen, haben oft die grössten Probleme mit der “Jobcenter”-Bürokratie – während das System den “Schlaumeiern” hervorragende Möglichkeiten gibt, zu einem anstrengungslosen Einkommen zu gelangen.

 
 
Marco, 23.02.2010 16:25

Daniel, sehr geiles Video.

Nach dem Maßstab von DIW/OECD müsste ich übrigens schon unter der Brücke liegen. Aber so sehr sich der Staat mittels seiner Steuern etc. auch anstrengt, dies sozial gerecht wahr zu machen, ich wehre mich hartnäckig.

Daniel Drungels, 23.02.2010 19:55

Vielen Dank für die Blumen.

Marco, 24.02.2010 00:49

Bitte, bitte. :)

 
 
 

[...] auf YouTube, via antibuerokratieteam.net und Gehirnschluckauf) Beitrag kommentieren • Keine Reaktionen • [...]

 
multi_io, 23.02.2010 21:49

Für mehr als nur den linken Audiokanal hat’s offenbar auch nicht gereicht :-P

Daniel Drungels, 23.02.2010 22:22

Nee, ich brauchte ja noch Geld für nen Döner und ne Büchse Adelskrone.

Marco, 24.02.2010 00:49
 
Marco, 24.02.2010 01:16
 
 
 
chriwi, 04.03.2010 17:41

@rayson

“Aber ein Punkt wurde bisher noch vergessen: Statt dass man sich zur Absicherung der Rentenzahlungen Menschen aus aller Herren Länder ins”

Könnte man machen, aber wie lange würde das gut gehen, wenn alle ihre Rente auf das scheinbar bessere System umlagern?

Rayson, 04.03.2010 23:26

Nicht weniger lang als sich die Arbeitskräfte ins Land zu holen.

chriwi, 05.03.2010 04:06

Wie wäre es erst mal allen Arbeitslosen Arbeit zu geben? 5 Millionen potentielle Arbeitskräfte liegen brach und zahlen nichts in die Sozialkassen ein.

jo@chim, 05.03.2010 07:37

Wieviel übernimmst Du? 1 Million? 2 Millionen? Und komm mir nicht damit, dass Du das nicht finanzieren kannst…das ist schmutziges faschistisches – ökonomisches!! – Denken, das den Menschen zum Objekt degradiert.

califax, 05.03.2010 09:45

Ich würde vorschlagen, wir schicken ihn mal auf eine Versammlung von Langzeitarbeitslosen. Und da erzählt er den Leuten, daß sie ab jetzt als Programmierer und Informatiker, Maschinenbauingenieure, Chemiker, Versicherungsmathematiker, etc.arbeiten und auch gleich die ersten richtigen Aufgaben in dem Bereich zuweisen,
Mal schauen, ob sie ihn nach dem Durchwalken und Schleifen noch ein bißchen am Leben lassen.

 
 
 
 
 

[...] mein Video ein “Ein armes Würstchen” veröffentlicht. Die Resonanz (hier, hier und hier) war durchaus [...]

 

Beitrag kommentieren

Name (erforderlich)
E-Mail (notwendig - wird nicht angezeigt)
URI