Giorgos und das Zwischenzeugnis

03.03.2010 11:16 - dagny's tags by dagny t. - 26 Kommentare

Das Muster ist immer das Gleiche:

  • Sie koennen mir doch keine fuenf in Latein geben?
  • Letztes Jahr bin ich mit 4-Komma-5 auch noch versetzt worden.
  • Wollen Sie mich wirklich durchfallen lassen?
  • Der Lehrer hat das nicht erklaert.
  • Beim Kollegen XY durften wir das aber?
  • Ich hab den Spickzettel nicht benutzt, sie koennen mir doch nicht das Blatt wegnehmen?
  • (etwas dreister) Die Dame im Schreibwarenladen ist Schuld, dass ich einen Spicker geschrieben hab, sie hat mir das Papier dazu verkauft.
  • Sie sind als Kind doch auch Durchgefallen, wie koennen Sie mich dann jetzt durchfallen lassen?
  • Wollen Sie mich wirklich aus der Klassengemeinschaft herausnehmen?

Nicht viel anders die Argumente der mancher griechischen Politiker, die die Ursache Ihres Haushaltsdefizites nicht bei sich selbst sehen wollen. Schuld sind mal wieder immer die anderen. Aktuell wird, lt. SPON, diskutiert, die Gesamtschule ohne Notengebung, eine eigene Ratingagentur fuer die EU-Staaten einzufuhren.

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26 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Culatello, 03.03.2010 12:55

“Nicht viel anders die Argumente der Grichischen Politiker, die die Ursache Ihres Haushaltsdefizit nicht bei sich selber sehen wollen. Schuld sind mal wieder immer die anderen.”

???

Papandreou: “Es ist nicht die Schuld der anderen Europäer, dass wir in dieser Lage sind.” (lt. SpOn-Artikel)

lukas, 03.03.2010 13:15

Genau. Schuld sind naemlich die boesen Spekulanten.

politbuerokrat, 03.03.2010 14:55

Man sollte ein gesetz einführen, dass für den handel nur die verwendung von informationen erlaubt, die noch schlechter sind als die der regierungen.

 
 
dagny t., 03.03.2010 13:15

Du hast recht. Der Ministerpraesident haelt sich mit dieser Rhetorik zurueck, uberlaesst das seinem Vize.

http://www.focus.de/politik/ausland/eu-anti-deutsche-ressentiments-in-griechenland_aid_484765.html

Schweizer, 03.03.2010 13:47

schliesslich will er ja geld vom ausland, da kommt es schlecht an, wenn man in die hand, die einem füttern wird 8machen wir uns nichts vor, too big to fail), reinbeisst und ans bein pinkelt

 
 
 
Christian S., 03.03.2010 14:55

Schuld sind die Konservativen. Wie immer.

Der EG-Beitritt wurde von einem Konservativen asugehandelt, offensichtlich mit gefälschten Zahlen.

2004-2009 haben die Konservativen regiert.

Und jetzt dürfen die Sozialdemokraten aufräumen. Genau wie 1998 in Deutschland. Wie üblich.

Die Stimme aus dem Off, 03.03.2010 15:13

Naja. Auf Kreta hat die PASOK seit zwanzig Jahren eine solide Mehrheit. Davor hatte sie die Mehrheit nur deshalb nicht, weil die Kommunisten noch einen großen Anteil hatten. Und? Was ist anders?

Die Korruption ist noch schlimmer als auf dem Festland.

Mit den politischen Parteien hat das nichts zu tun. Es ist die Mentalität der Leute.

Medea, 03.03.2010 15:55

“Es ist die Mentalität der Leute.”

Korruption und Vetternwirtschaft. Das ändert sich nicht, welche Partei auch immer regiert.

Die Stimme aus dem Off, 03.03.2010 16:34

Ich meine das noch nicht einmal negativ. Die Gesetzlosigkeit ist ein durch sympathischer Zug dieser Menschen, der auch viele positive Eigenschaften mit sich bringt. Eine enorme Lebensfreude und Sorglosigkeit im Alltag zum Beispiel.

Und wegen der Korruption ist alles berechenbar, denn jeder weiss, dass im Grunde alles einen Preis hat. Niemand wird aus ideologischen Gründen von irgendetwas ausgeschlossen, solange er genug Geld hat.

 
 
Die Stimme aus dem Off, 04.03.2010 12:19

Ich habe nochmal nachgefragt: Die PASOK hatte auf Kreta seit 1970 immer die absolute Mehrheit. Davor im Bündnis mit den Kommunisten.

 
 
R.A., 04.03.2010 10:25

> Der EG-Beitritt wurde von einem Konservativen asugehandelt,
> offensichtlich mit gefälschten Zahlen.
Du verwechselst da was.
Die gefälschten Zahlen gab es nicht beim EG-Beitritt, sondern bei der Aushandlung der Euro-Zone. Und da waren in Griechenland die Sozis an der Macht.

> 2004-2009 haben die Konservativen regiert.
Und 1993-2003 haben die Sozis regiert – und ordentlich Schulden gemacht.

> Und jetzt dürfen die Sozialdemokraten aufräumen.
Einfach Pech gehabt, daß gerade jetzt die Sache auffliegt. Wenn beim stetigen Wechsel zwischen links und rechts gerade die ND in der Regierung wäre, hätten die halt die gemeinsam mit der PASOK angerichteten Schäden aufräumen müssen.

> Genau wie 1998 in Deutschland. Wie üblich.
1998 hat Schröder nicht aufgeräumt, sondern erst einmal alle nötigen Reformen wieder zurückgenommen. Um sie dann Jahre später wieder einführen zu müssen.

 
 
Eloman, 03.03.2010 19:39

Da sag ich doch nur: Kali nichta, Ellas

 
alex, 04.03.2010 00:22

Einiges kommt mir von der Schule her bekannt vor. Was haben da einige Streberinnen – so nenne ich sie jetzt mal – wirklich um jede Nachkommastelle gefochten und zwar schon in Klasse 8, 9 und 10, also bei Noten, die nicht in die Abiturnote miteingingen. Die haben prima das System Schule gemeistert, aber die studieren z. T. immer noch und haben ein Jahr vor mir angefangen (ich durfte ja noch dienen).

 
Lina, 04.03.2010 12:00

>> “Aktuell wird (…) diskutiert, eine eigene Ratingagentur fuer die EU-Staaten einzufuhren.”

Fein! Man fälsche ja auch nur die eigenen Statistiken, oder anders: Wenn’s unübersichtlich wird, lügt man sich immer noch am besten selbst in die Tasche …

Und übrigens: die Erinnye Alekto ist schuld; das ist diejenige, die moralische Vergehen aufdeckt und gnadenlos ahndet.

Es gnade Hellas der Chronos, sofern er nicht die EU dazu braucht ;-) …

 
chriwi, 04.03.2010 15:22

“Schuld sind mal wieder immer die anderen.”

In gewisser Weise sind sie das auch. Zumindest zum Teil. Mich würde es wundern, wenn die restlichen EU Länder nichts von die Finanzlage von Griechenland gewusst haben. Deutschland hat es gefreut. Denn durch höhere Produktivität und das konsequente Senken der Löhne haben einige Leute sehr viel Geld verdient. Nur dumm, dass das Geld nur auf Kredit bezahlt wurde und der Schuldner nun fast pleite ist.

Das dumme ist nur, dass die Optionen auch nicht so rosig aussehen. Springt die EU ein, werden im Prinzip nur Banken bezahlt die jetzt munter mit den Schulden spekulieren. Senken die Griechen die Ausgaben und die Löhne, wie in Deutschland geht es munter weiter mit dem Preiskampf am Arbeitsmarkt. Hier glaubt doch wirklich keiner, dass die deutsche Wirtschaft die Löhne nicht noch weiter senken kann. Auch eine Ausgabensenkung wird es nicht bringen, dass haben die Versuche der voherigen Regierungen gezeigt. Sie führten nach kurzen Perioden der Besserung zum Absturz, weil Investitionen ausblieben. Man könnte natürlich Griechenland aus dem Euro werfen. Aber die Abwertung der neuen Währung würde auch vielen nicht gefallen. Viel ist also nicht möglich, aber so ist er der Markt. Griechenland hat auf jeden Fall gewonnen, denn mit dem Geld was sie nicht haben, haben sie jetzt Produkte die wir produziert haben.

Dagny, 04.03.2010 15:28

In der Schule wuerde man analog argumentieren, dass die mittelmaessigen Schueler davon profitieren in einer Klasse mit den schlechteren zu sein, da der Lehrer das Notenniveau am Durchschnitt der Klasse orientiert. – Ist noch nichtmal gelogen, fuehrt zu den selben Problemen, etwa wenn das Zentralabitur mit einem anderen Bewertungsrahmen ansteht.

chriwi, 04.03.2010 17:02

“wenn das Zentralabitur mit einem anderen Bewertungsrahmen ansteht”

Tja und das steht jetzt für Griechenland an. Nur wie viel Schuld haben die Schüler, wenn die Lehrer sie durch eigentlich falsche Maßstäbe erst zum Zentralabitur zulassen? Sicher auch eine, denn sie hätten mehr lernen können. Aber ohne wirkungsvolle Kontrollen wird es wohl auch dann nicht gehen.

 
 
BlackEye, 04.03.2010 18:25

Ich denke schon dass eine Lohnsenkung den Griechen helfen würde, so könnten sie z.B. beim Tourismus stärker mit Ländern wie Spanien und Portugal konkurrieren.

 
Rayson, 04.03.2010 23:37

@Chriwi

Dass “die deutsche Wirtschaft” “die Löhne” gesenkt habe, halte ich für ein Gerücht. Und bevor der Einwand kommt: Dass im Schnitt Nettoreallöhne sinken, ist dafür eben kein Beleg. Das zeigt etwas anderes.

Griechenland hat auf jeden Fall gewonnen, denn mit dem Geld was sie nicht haben, haben sie jetzt Produkte die wir produziert haben.

Nicht zwingend. Die werden wohl bis jetzt bezahlt haben, wenn auch vielleicht immer schleppender in den letzten Jahren. Das Geld, was denen fehlt, fehlt denen eher für morgen.

Letztendlich muss es bei den Griechen so laufen wie bei den Amis. Konsum runter, Sparquote hoch.

chriwi, 05.03.2010 03:45

Sogar die Brutto Löhne sinken im Moment.

http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2010 /03/PD10__074__812,templateId=renderPrint.psml

“Letztendlich muss es bei den Griechen so laufen wie bei den Amis. Konsum runter, Sparquote hoch.”

Und wem leihen sie ihr Geld? Wenn die Griechen und alle Nettoschuldner auf einmal anfangen ihren Konsum zu senken, dann wird der Export in Deutschland leiden. Als Lösung wird man weitere Lohnsenkungen durchdrücken.

“Das Geld, was denen fehlt, fehlt denen eher für morgen.”
Die ersten Banken spekulieren schon mit den Verlusten. Ich schätze mal es wird wie in Island enden. Das Volk wird sich gegen Repressionen wehren und Griechenland fliegt aus dem Euroraum. Aber wir werden sehen. Schlussendlich ist das Marktwirtschaft. Irgendwer hat verkauft, ohne die Liquidität hinreichend zu testen oder testen zu wollen. Das bedeutet dann streng genommen Verlust für denjenigen der nicht genug geprüft hat.

Rayson, 05.03.2010 17:31

Sogar die Brutto Löhne sinken im Moment.

Das war wirklich etwas übertrieben von “der deutschen Wirtschaft”, zu diesem Zweck erst eine weltweite Finanzkrise auszulösen. Aber das Problem lässt sich lösen: Rausschmiss statt Kurzarbeit.

Wenn die Griechen und alle Nettoschuldner auf einmal anfangen ihren Konsum zu senken, dann wird der Export in Deutschland leiden.

Äh, das sagt jetzt derselbe, der den Exporteuren vorwirft, vorher nicht die Bonität der Käufer zu prüfen und der vorher festgestellt hat, dass die Exporteure praktisch für lau geliefert haben? Da kann man ja nur antworten: Wie tragisch.

Als Lösung wird man weitere Lohnsenkungen durchdrücken.

Dann lieber doch für lau liefern und von den nicht eingenommenen Geldern hohe Löhne bezahlen. Das sehe ich ein.

chriwi, 07.03.2010 15:07

Du hast die Problematik mit deiner Kritik eindeutig erkannt. So lange Deutschland sich nicht von der einseitigen Exportfixiertheit befreit bleibt diese Paradox bestehen.

Sparen die Griechen sind wir die Dummen und brechen beim Export ein (es sind ja nicht nur die Griechen die das Problem der Griechen mittelfristig in der Eurozone haben werden). Exportieren sie mehr und bauen somit ihre Schulden ab, wollen wir das auch nicht, da bei uns Arbeitsplätze verloren gehen. Somit senken wir die Löhne also wieder und nehmen einen schlechten Gläubiger in Kauf. In ein paar Jahren darf sich wieder beschwert werden. Dieser Unsinn wird dann zum Wohle unsere Unternehmen durch Staatshilfen über Steuergelder finanziert.

Rayson, 07.03.2010 17:07

Sparen die Griechen sind wir die Dummen und brechen beim Export ein (es sind ja nicht nur die Griechen die das Problem der Griechen mittelfristig in der Eurozone haben werden).

Das ist nicht dumm, das ist sinnvoll. Wer schenkt schon wildfremden Menschen die Früchte seiner ganzen Arbeit?

Exportieren sie mehr und bauen somit ihre Schulden ab, wollen wir das auch nicht, da bei uns Arbeitsplätze verloren gehen.

Doch, das wollen wir. Wozu sollen wir arbeiten, wenn es die Griechen für uns tun?

Somit senken wir die Löhne also wieder

Das ist kein Naturgesetz. Man müsste die Sozialsysteme reformieren und weniger Geld drucken, aber das will die absolute Mehrheit der Sozialdemokraten in diesem Land leider nicht.

Dieser Unsinn wird dann zum Wohle unsere Unternehmen durch Staatshilfen über Steuergelder finanziert.

Och, größer als der Unsinn, jede Menge Menschen davon abzuhalten, Werte zu schaffen, den wir uns seit Jahrzehnten leisten, kann das gar nicht sein.

 
 
 
 
neoliberaler, 05.03.2010 07:08

Ich habs grad vergessen. wie hoch ist denn so die griechische und die amerikanische Sparquote?

Rayson, 05.03.2010 17:44

Die amerikanische lag vor der Krise um die 0% und liegt jetzt um die 5%. Zur griechischen habe ich keine konkrete Zahl gefunden, aber die Aussage, dass sie sich in der EU am unteren Ende befindet.

Zum Vergleich: Deutschland liegt bei etwas über 10%.

 
 
 
 
neoliberaler, 05.03.2010 06:54

toll, ein paar Politiker erzählen Unsinn. Richtig gut erkannt.
Soll ja richtig oft vorkommen, hab ich mir sagen lassen und schon oft selber bemerkt.
Dabei wird natürlich vergessen, dass die neue griechische Regierung in kurzer Zeit große Anstrengungen unternommen hat, wird natürlich mal großzügig übersehen.
Genauso wie übersehen wird, dass die durchaus schmerzhaften Einschnitte von der Bevölkerung bisher überraschend problemlos akzeptiert werden.
Es wird übergiens innerhalb der EZB diskutiert, ob man eigene Ratings für Länder aufstellt, um nicht mehr nur auf externe Ratings angewiesen zu sein. Ach ja, die EZB wagt es tatsächlich eigene Analysen und Prognosen für die wirtschaftliche Entwicklung zu erstellen und sich bezüglich ihrer Geldpolitik darauf zu verlassen anstatt externe Analysen einfach zu übernehmen. Unverantwortlich sowas…

 

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