Arbeitslager! Adolf! Haider! Westerwelle! Holocaust!

05.03.2010 15:47 - Notizen aus dem U-Boot by jo@chim - 27 Kommentare

Die FDP hatte wohl nicht genug marginale Einflussnahme ausgeübt im Vorfeld?

Der Michael Leichenberg (hahahaha, na Sie wissen schon, der Lerchenberg, Intendant der Luisenburg-Festspiele in Rudolf-Hess-Stadt … hahahaha… Wunsiedel) war jedenfalls diesmal auf dem Hahaha… Hassbieranstich sooo was von lustig als Bruder Faschofass: Arbeitslager! Adolf! Haider! Westerwelle! Holocaust! Hahahaha… isch kringel’ mich.

Nein, nicht wirklich. Der Plot ist ja auch nach den Wahlkampf-Tiraden von NRW-Kraft, Stegner und Künast nicht mehr so ganz taufrisch: den politischen Gegner ohne jeden Realitätsbezug oder gar den Versuch argumentativer Auseinandersetzung mit Schmutz bewerfen und hoffen, dass möglichst viel hängen bleibt. Unterirdisch, das.

“Satire darf alles” merkte Kurt Tucholsky einmal an. Herr Lerchenberg hat jetzt gezeigt, dass sie sogar in der Form GEZ-Gebühren-finanzierten geistigen Dünnpfiffs daher kommen darf.

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27 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

FG, 05.03.2010 17:42

Das mit den GEZ-Gebühren stimmt natürlich nicht ganz. Die Veranstaltung selbst ist von der Brauerei finanziert (das Manuskript vom Lerchenberg wurde ja sogar vom Brauereichef gegen gelesen), voll kapitalistisch quasi. Allein die Massenverbreitung läuft öffentlich rechtlich.

Inhaltlich kann ich nur zustimmen. Die Form der barocken Fastenpredigt, die Lerchenberg ja wiederbeleben möchte, hat soweit etwas für sich, so lange Realitäten überzeichnet werden. Dass es da etwas derber wird gehört dazu (und das geht ja für gewöhnlich auch quer durch die Parteien). Wenn aber selbst gestrickte Trugbilder überhöht werden und dabei en passant auch noch der anwesenden ZdJ-Vorsitzenden ein Holocaust-Vergleich eingeschenkt wird muss man sich wirklich fragen: hat der noch alle Tassen im Schrank.

 
Christian S., 05.03.2010 18:01

Ich dachte, die Paulaner-Brauerei finanziert die Veranstaltung?

jo@chim, 05.03.2010 19:10

Natürlich habt Ihr beide Recht… in der Formulierung, wie das da steht, hätte ja auch der Eingangssatz keinen Sinn. Irgendwie ist das “per GEZ-Gebühren verbreitet” beim Tippseln des ersten Blogbeitrags auf dem neuen Milestone entfleucht *grml*

 
Christopher, 29.03.2010 21:26

Über die Finanzierung hatte ich mir damals auch Gedanken gemacht und eine Anfrage beim BR gestartet. Gut, die ‘zeitnahe’ Antwort kam heute. Darin ist Folgendes zu lesen:

“Der BR beteiligt sich an einem Teil der Honorare für die Mitwirkenden als Gegenleistung für die exclusiven Senderechte.”

Also doch Finanzierung durch Zwangs-Gebühren…

 
 
R.A., 05.03.2010 18:07

Ja, das war schon krass daneben.

Interessant ist natürlich die Medienreaktion: Es gab keine.

Westerwelle ist für die Journaille inzwischen vogelfrei, da darf man alles.

Man vergleiche das mal mit der großen Entrüstung, als Berlusconi im Eu-Parlament den SPD-Schulz mit einem KZ-Kapo verglichen hat.

FG, 05.03.2010 18:22

Also im Hauptrezeptionsgebiet der Veranstaltung gab es schon eine Medienreaktion und zwar eine gewaltige. Wer heute an Münchner Zeitungsständen vorbei ging wurde von der Geschichte erschlagen.

 
Medea, 08.03.2010 14:59 Subscribed to comments via email

“Westerwelle ist für die Journaille inzwischen vogelfrei, da darf man alles.”

Das durfte man ja in den letzten Wochen beobachten, wie Westerwelle zum Bösewicht schlechthin ernannt wurde. Vielleicht wird demnächst noch den Kindern gedroht, wenn sie nicht gehorchen, “dann kommt Westerwelle” ;-)

 
 
R.A., 05.03.2010 18:16

Fast so daneben fand ich auch die Bezeichnung Röslers als “Gesundheits-Chinesen”.
Daß er ihn (und andere) “normal” beleidigt, für unfähig oder unsozial erklärt – alles noch im Rahmen von deftiger Satire.

Aber so ein Stück Rassismus ist in Deutschland eigentlich tabu. Auch hier gilt: Ein “Rechter” hätte sich das nie erlauben können, es hätte sofort einen Proteststurm gegeben.

Aber immerhin hat Paulaner reagiert (wenn schon die üblichen Betroffenheitsprediger im Journalismus schweigen). Lerchenberg wird rausgeschmissen:
http://www.abendzeitung.de/muenchen/170523

Jetzt wird natürlich das Geheule wg. “Zensur” oder dem bösen Einfluß des Zentralrats anfangen.

 
Boris Eichler, 05.03.2010 18:44

…der Schelm hat auch das von Paulaner mit Bauchgrimmen abgesegnete Manuskript im freien Vortrag noch etwas, sagen wir, nachgewürzt.

 
Christian S., 05.03.2010 19:45

Wieso “Schweigen der Medien”? Die Passage wird doch überall kritisiert?

 
DDH, 05.03.2010 23:23

“Heul, heul, der hat mich einen Nazi-Bazi… quääääk.. so ge *schluchz* ge… *schnief*… foll gemein!!!!”

Mein Gott, was seid Ihr doch für Mimosen! Regt Euch nicht über Nazi-Vergleiche auf; gebraucht lieber selbst ein paar deftige! Anlässe finden sich ja nun weißgott mehr als uns allen lieb sein kann in dieser ins Bräunliche driftenden Republik, bei der der “liberaldemokratische” Lack auch schon lange ab ist!

Und hört auf zu flennen, ist ja furchtbar!

 
Spottdrossel, 06.03.2010 09:13

Für alle die keine Scheuklappen aufhaben und Satire verstehen

http://marburg.thebrights.de/2010/03/br-zensiert-nockherberg-satire/

so jetzt dürft ihr auch diesen Eintrag entfernen

jo@chim, 06.03.2010 09:32

Wir entfernen hier keine Beiträge, sofern sie nicht beleidigend sind oder eindeutig in die Kategorie Spam/Trollfürze gehören.

btw: wenn Du Deine Scheuklappen abgenommen hättest, liebe “Spottdrossel”, wäre Dir vielleicht aufgefallen, dass ich hier keinesfalls Zensur befürwortet habe, selbst wenn die Satire wie im gegebenen Fall dünnpfiffbeschichtet ist – Tipp: den Satz mit dem Tucholsky-Zitat noch einmal ganz langsam lesen und versuchen zu verstehen…

 
 
Joe Latte, 06.03.2010 11:23 Subscribed to comments via email

ich finde es klasse, dass in unserem schönen Land jeder Möchtegernpolitiker labern darf was er will, aber Satire und Kabarett wohl nur noch nach Genehmigung der hohen Herren ausgestrahlt werden darf.

Wie oft wurden schon Aussagen getroffen (natürlich auch von dem Gelbhemdchef) wo man sich dachte, oh man oh man, tritt zurück du Nasenbär!

Aber nein, wir machen Kabarettisten einen Vorwurf wenn sie die Wahrheit sagen!

Wenigstens sagen sie die Wahrheit!!!!

Schön in einer gelb/schwarzen Bananenrepublik zu leben!

tigger, 06.03.2010 15:48

Auf welche Wahrheit bezeihst Du Dich ?

 
 
promi1, 06.03.2010 12:51

Wenn Kabarettisten in dieser doch so “liberalen” Welt nicht mehr die Wahrheit aussprechen dürfen, dann sind diese scheinheiligen Politiker von heute (incl. dieser Frau Knobloch) nicht besser, als die Nazis früher.
Hart aber richtig! Wer nicht mehr denken und abstrahieren kann, sondern gleich wieder die aufgesetzte, beleidigte Moral-Keule schwingt, der ist genauso unglaubwürdig wie eine FDP, die hier eine Entschuldigung fordert, aber immer noch am liebsten überall die Leute mit Tabakqualm vergiften will. Wer empört sich darüber, wenn hier Leute krank werden und sterben??

jo@chim, 06.03.2010 13:03

Herr Lerchenberg durfte seinen Godwin öffentlich-rechtlich platzieren. Nur um dies hier festzuhalten.

btw: Dass Menschen krank werden und am Ende sterben finde ich auch ziemlich empörend – aber meinste nicht auch, dass für diesbezügliche Beschwerden hier bessere Ansprechpartner zu finden sind?

:D

Lina, 07.03.2010 07:44

Ein Godwin, meinst Du? Ich würde sagen: Ein Blödsinn. Bin auch, sorry, nicht meschugge genug, mich noch pc_mässig empören zu wollen …

Ich halte ja die Veranstaltung selbst für den Skandal. Insofern nämlich, als der öffentlich-rechtliche Fokus auf dem feixenden Politiker_gesindel im Publikum liegt und ihm die Super_gelegenheit gibt, den in die Gesichter geschriebenen Dreck einfach so weg_grinsen zu können … jeder Lacher ein Meineid.

Ritualisierte ‘Schelte’ ist ein Riesenproblem, finde ich; sie hat die fatale Wirkung eines Frei_briefs …

 
 
Daniel Fallenstein, 06.03.2010 13:25

Politiker von heute (incl. dieser Frau Knobloch) nicht besser, als die Nazis

Noch so ein Deutscher, der den Juden Auschwitz nicht vergeben kann.

anonym, 06.03.2010 17:17

Erinnern wir uns: Was war von den Vertretern aller dieser jüdischen Organisationen im In- und Ausland oder auch von Vetretern des Staates Israel zu hören, als der damalige Außenminister Joseph-Maria Fischer den verbrecherischen Nato- Angriffskrieg gegen Jogoslawien(“Kosovokrieg” damit rechtfertige, eine “neues Auschwitz” …”zu verhindern”?
Schamlos instrumentalisierte und verhöhnte damit dieser ************* *********** [bitte keine pers. Beleidigungen! Der Webmaster] die Erinnerung und das Andenken an Millionen von ermordeten jüdischen Menschen aus ganz Europa.
Und dennoch blieb jeder “Aufschrei” der etablierten “Vertreter” aus! Weshalb?

Nchdenkliche Grüße von

Bakunin

 
 
 
Scrutograph, 06.03.2010 17:36

Also so ein Armenlager mit Zaun drumrum gab es ja schon mal: In der DDR.

Wer hat es betrieben? Die Sozialisten.

Vieles, was man Westerwelle vorwirft, kommt mir irgendwie projektiv vor.

Alle Parteien machen sich Gedanken um HartzIV.

jo@chim, 06.03.2010 22:07

“Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen” (August Bebel). In der DDR haben sie “asoziale Arbeitsverweigerer” weggesperrt. Wenn schon, dann sollte man Befürwortern einer Arbeitspflicht für Sozialsubventionierte also nahelegen, vor einem “Messe Leipzig” Schild zu posieren *LOL*

 
 
Daniel Drungels, 07.03.2010 01:26

Ich bin erst 27 Jahre alt und kann diese ganze Sch… schon nicht mehr hören/lesen/sehen. Auf die kommenden 50-60 Jahre. Hoch die Tassen.

 

[...] Beim Derblecken auf dem Nockherberg hat’s Michael Lerchenberg als „Bruder Barnabas“ nach Meinung der Kritiker zu weit getrieben. Und musste gehen bzw. wurde gegangen. Was hat der gute Mann eigentlich [...]

 
mule, 12.03.2010 19:46

Rudolf Heß schreibt man übrigens mit scharfem S, Herr Pseudo-Bildungsbürger.

jo@chim, 13.03.2010 00:04

Geht mir kalt am Allerwertesten vorbei, was du meinst, dass “man” zu tun hat, Muli :D

 
 
multi_io, 16.03.2010 02:21

Hm, vor 3 Tagen lief bei 3sat “quer” zu dem Thema. Alle bei der Veranstaltung anwesenden Politiker, unter ihnen Guttenberg und v.d.Leyen, fanden Lerchenbergs Darbietung in Interviews unmittelbar danach vorbehaltlos gut und geistreich. Bis sich Frau Knobloch zu Wort meldete und das Ganze als unerhört einstufte. Ab da forderten genau dieselben Leute (also wirklich identisch dieselben Personen), die die Sache vorher witzig fanden, die Sache ebenfalls unerhört und forderten Lerchenbergs Rausschmiss (dem er dann offenbar durch Rücktritt zuvorkam).

Ich würde ja auch nicht glauben, dass es so war, aber die Faktenlage ist offenbar völlig eindeutig.

Jetzt mal völlig unabhängig davon, ob die Knobloch richtig liegt oder nicht, finde ich *dieses* Verhalten nun wirklich bemerkenswert — und irgendwie auch mindestens ebenso berichtenswert wie Lerchenbergs Darbietung selber.

 

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