Die Spekulanten sind schuld an der Krise in Griechenland, am Wertverlust des Euro. Das überrascht nicht – waren sie doch schon schuld am Ausstieg der Briten aus dem europäischen Wirtschaftsraum, an der aktuellen Finanzkrise und an vielen anderen schlimmen Entwicklungen. Sie müssen, so fordert eine Allianz von Politikern von der deutschen Kanzlerin bis zum griechischen Premier, daran gehindert werden, die Krise zu verschärfen. Folterinstrumente sollen ausgepackt werden.

Doch was ist wirklich passiert? Auf den Finanzmärkten spiegelt sich (endlich!) einfach das wieder, was ohnehin jeder Beobachter weiß: Dass die griechische Verschuldung, die überbordenden Staatsausgaben langfristig nicht tragbar sind. Dass die Kriterien für den Beitritt zum Euroraum nicht durchgesetzt wurden. Dass die griechischen Betrügereien beim Beitritt zum Euroraum folgenlos geblieben sind.

Die sogenannten Spekulanten verursachen keine Probleme, sie machen sie offensichtlich. Sie wollen daraus, dass sich die Wahrnehmung durch die Marktteilnehmer ändert, Gewinn ziehen. Sie können richtig liegen, sie können sich irren. Aber sie verändern nicht die Fakten, die der Einschätzung der Zukunft durch andere zugrunde liegen. Wenn diese das Vertrauen in die Worte der Politiker (oder Manager bestimmter Unternehmen) und in ihre Fähigkeit, Probleme zu lösen, verlieren, dann verkaufen sie griechische Staatsanleihen, den Euro oder irgendwelche Aktien. Sie haften für die Richtigkeit ihrer Einschätzung – jedenfalls dann, wenn Politiker das nicht durch staatliche Hilfe verhindern.

Politiker selbst dagegen haften nicht – sie können immer weiter wiederholen, dass doch im Großen und Ganzen alles in Ordnung sei. Sie können sich immer auf die Seite schlagen, die ihnen gerade politisch opportun erscheint.

Traurig ist, dass sich auch FDP-Politiker an der Spekulantenschelte beteiligen. Der Europaabgeordnete Chatzimarkakis sagte in einer Talkshow: „Die Banken, die wir gerade gerettet haben, bringen uns nun mit ihren Spekulationen wieder in die Bredouille: die Commerzbank, die Deutsche Bank.“ Dabei sollte man eines nicht vergessen: Die Deutsche Bank wollt gar nicht gerettet werden, sie wurde dazu gezwungen, sich „von uns“ retten zu lassen, und zwar aus „Solidarität“.

Die Spekulanten, so Chatzimarkakis weiter, würden darauf wetten, dass dem Nachbarn das Haus abbrennt. Doch die Realität sieht anders aus: Die Spekulanten haben überhaupt erst sichtbar gemacht, dass das Haus schon lange brennt. Nur wollte es kein politischer Entscheidungsträger wahr haben. Das gilt übrigens auch für die Spekulation gegen das britische Pfund im Jahr 1992, für die die Briten bis heute dankbar sein sollten.

Übrigens sollte man diesen Vergleich einfach mal zu Ende denken: Wann würde jemand ernsthaft darauf wetten, dass seinem Nachbarn das Haus abbrennt? Wenn das Haus in schlechten Zustand ist, es dort keine Brandschutz gibt etc. Was sollte der Eigentümer tun, wenn er davon erfährt, dass viele Wetten auf das Abbrennen seines Hauses abgeschlossen werden? Vielleicht sollte er sich darum kümmern, sein Haus sicherer gegen Feuer zu machen. Jeder würde es für unsinnig halten, dass er sich vor allem damit beschäftigt, gegen die Wetter vorzugehen. Würde er so vorgehen, würden noch mehr Wetten auf das Abbrennen seines Hauses abgeschlossen, weil die Überzeugung wüchse, dass er unfähig sei, seine Probleme zu lösen.

Aber all das ist nicht wichtig, wenn man sich auf der richtigen Seite fühlen darf: auf der Seite der armen Griechen, auf der Seite des Euros, dieses großen Integrationsprojekts und auf der Seite der Kämpfer gegen Bankenmacht und Spekulation. Wenn man jedoch an der langfristigen Stabilität und am Erfolg Europas interessiert ist, dass Spekulanten weiterhin ein wenig mehr Klarheit in so manchen politisch verursachten Nebel bringen.