Spekulant an die Wand

10.03.2010 10:43 - Tamm's Comments by Sascha Tamm - 45 Kommentare

Die Spekulanten sind schuld an der Krise in Griechenland, am Wertverlust des Euro. Das überrascht nicht – waren sie doch schon schuld am Ausstieg der Briten aus dem europäischen Wirtschaftsraum, an der aktuellen Finanzkrise und an vielen anderen schlimmen Entwicklungen. Sie müssen, so fordert eine Allianz von Politikern von der deutschen Kanzlerin bis zum griechischen Premier, daran gehindert werden, die Krise zu verschärfen. Folterinstrumente sollen ausgepackt werden.

Doch was ist wirklich passiert? Auf den Finanzmärkten spiegelt sich (endlich!) einfach das wieder, was ohnehin jeder Beobachter weiß: Dass die griechische Verschuldung, die überbordenden Staatsausgaben langfristig nicht tragbar sind. Dass die Kriterien für den Beitritt zum Euroraum nicht durchgesetzt wurden. Dass die griechischen Betrügereien beim Beitritt zum Euroraum folgenlos geblieben sind.

Die sogenannten Spekulanten verursachen keine Probleme, sie machen sie offensichtlich. Sie wollen daraus, dass sich die Wahrnehmung durch die Marktteilnehmer ändert, Gewinn ziehen. Sie können richtig liegen, sie können sich irren. Aber sie verändern nicht die Fakten, die der Einschätzung der Zukunft durch andere zugrunde liegen. Wenn diese das Vertrauen in die Worte der Politiker (oder Manager bestimmter Unternehmen) und in ihre Fähigkeit, Probleme zu lösen, verlieren, dann verkaufen sie griechische Staatsanleihen, den Euro oder irgendwelche Aktien. Sie haften für die Richtigkeit ihrer Einschätzung – jedenfalls dann, wenn Politiker das nicht durch staatliche Hilfe verhindern.

Politiker selbst dagegen haften nicht – sie können immer weiter wiederholen, dass doch im Großen und Ganzen alles in Ordnung sei. Sie können sich immer auf die Seite schlagen, die ihnen gerade politisch opportun erscheint.

Traurig ist, dass sich auch FDP-Politiker an der Spekulantenschelte beteiligen. Der Europaabgeordnete Chatzimarkakis sagte in einer Talkshow: „Die Banken, die wir gerade gerettet haben, bringen uns nun mit ihren Spekulationen wieder in die Bredouille: die Commerzbank, die Deutsche Bank.“ Dabei sollte man eines nicht vergessen: Die Deutsche Bank wollt gar nicht gerettet werden, sie wurde dazu gezwungen, sich „von uns“ retten zu lassen, und zwar aus „Solidarität“.

Die Spekulanten, so Chatzimarkakis weiter, würden darauf wetten, dass dem Nachbarn das Haus abbrennt. Doch die Realität sieht anders aus: Die Spekulanten haben überhaupt erst sichtbar gemacht, dass das Haus schon lange brennt. Nur wollte es kein politischer Entscheidungsträger wahr haben. Das gilt übrigens auch für die Spekulation gegen das britische Pfund im Jahr 1992, für die die Briten bis heute dankbar sein sollten.

Übrigens sollte man diesen Vergleich einfach mal zu Ende denken: Wann würde jemand ernsthaft darauf wetten, dass seinem Nachbarn das Haus abbrennt? Wenn das Haus in schlechten Zustand ist, es dort keine Brandschutz gibt etc. Was sollte der Eigentümer tun, wenn er davon erfährt, dass viele Wetten auf das Abbrennen seines Hauses abgeschlossen werden? Vielleicht sollte er sich darum kümmern, sein Haus sicherer gegen Feuer zu machen. Jeder würde es für unsinnig halten, dass er sich vor allem damit beschäftigt, gegen die Wetter vorzugehen. Würde er so vorgehen, würden noch mehr Wetten auf das Abbrennen seines Hauses abgeschlossen, weil die Überzeugung wüchse, dass er unfähig sei, seine Probleme zu lösen.

Aber all das ist nicht wichtig, wenn man sich auf der richtigen Seite fühlen darf: auf der Seite der armen Griechen, auf der Seite des Euros, dieses großen Integrationsprojekts und auf der Seite der Kämpfer gegen Bankenmacht und Spekulation. Wenn man jedoch an der langfristigen Stabilität und am Erfolg Europas interessiert ist, dass Spekulanten weiterhin ein wenig mehr Klarheit in so manchen politisch verursachten Nebel bringen.

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45 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Dagny, 10.03.2010 11:27

Ein guter und notwendiger Artikel. Spekulation ist der Versuch aus Hoffnungen, Erwartungen, aus dem vermuteten Unterschied Verpackung-Inhalt Gewinn zu ziehen. Praktisch sowas wie Verbraucherschutz in der Marktwirtschaft: Man testet, ob der Inhalt haelt, was die Verpackung verspricht. – Ubrigens, wenn ‘Spekulanten’ auf den Oeko-Zug aufspringen, Solaranlagen foerdern, Biogemuese vermarkten, dann ist das natuerlich keine ‘Spekulation’ auf das Umdenken der Verbraucher zu mehr Nachhaltigkeit, sondern eine gute Tat.
Doppelmoral 2.0 in der Gruenen Verpackung.

 
CarlMenger, 10.03.2010 11:48

Gelungener Artikel! Leider weiß aber kaum jemand, wo es lang geht. Abends in den MSM zur Primetime hört man immer den selben Scheiß. (Ja ich weiß, wer sich diesen Unsinn noch ansieht ist selbst schuld.) In den Büros und an den Stammtischen wird dann artig nachgeplappert – auf einmal wissen alle über Hedge Fonds, Moral Hazard, CDSs und Spekulanten bescheid. Da kann man sich mit ein paar Halbsätzen zum richtig Zeitpunkt sofort viele Freunde machen, herrlich! :-))

 
F.Alfonzo, 10.03.2010 12:46

Super Artikel. Kann man nix mehr hinzufügen.

 
Webbaer, 10.03.2010 13:17

Traurig ist, dass sich auch FDP-Politiker an der Spekulantenschelte beteiligen.

Man darf eben nicht vergessen, dass die FDP – so zu sagen jederzeit – auch anders kann. Unvergessen die Performance dieser Partei in den Siebzigern, unvergessen deren damalige Jugendorganisation, unvergessen die sozialistischen (oder “sozialistischen”) Massnahmen seinerzeit, an deren Zustandekommen FDP-Kräfte massgeblich beteiligt waren.

Zur “Griechen-Krise” (sic) noch: Also, da sind jetzt Kreditausfallversicherer und Händler bzw. Käufer und Verkäufer dieser wirtschaftlich sinnvollen Versicherungsart dabei zu, äh, handeln, d.h. einer verkauft und einer kauft. Wer ist da genau Spekulant und was soll aus Sicht einiger FDP-Kräfte nun genau unterbunden werden?

Die Bevölkerung wird jedenfalls mit Hinweis auf (böse und dunkle) “Spekulantengeschäfte” dumm gehalten, eine ausführliche Analyse zum Thema wäre nicht schlecht.

Diese Krise des EURO kommt zur rechten Zeit, eine spannende Zeit zurzeit, äh, also. Die Voraussagen der Skeptiker (“EURO skaliert unzureichend, das Ende der Gemeinschaftswährung ist vorprogrammiert, ein Stabilitätspakt kann nicht wirksam sein” etc.) bestätigen sich gerade.

Nicht überraschend und nicht ohne Komik, dass gerade die Griechen den Zusammenbruch einleiten.

MFG
WB

 
Die Stimme aus dem Off, 10.03.2010 13:27

Super, wirklich. Ich warte gespannt auf die sozialdemokratische Erklärung der Zusammenhänge von Christian S. Ich bin nämlich gespannt, ob man dies alles auch aus vernünftigen Gründen anders sehen kann, glaube das aber nicht.

Webbaer, 10.03.2010 13:37

Christian S. darf bitte bei dieser Gelegenheit vielleicht auch diese Frage beantworten, die den Webbaeren umtreibt: “Wenn sich die Spekulation gegen G lohnt und geeignete Wetten bereit stehen, warum findet sich dann noch ein (später die Wettprämie auszahlender) Anbieter derselben?” [1]

[1] Es mag durchaus sein, dass hier ein Konstruktionsfehler beim Wettanbieter ausgebeutet wird, welcher aber?

Christian S., 10.03.2010 13:41

Nuja, keine Wette ohne Risiko…

Webbaer, 10.03.2010 14:12

Ist denn das Konzept der bösen Spekulation überhaupt sinnvoll nutzbar, wenn es immer Anbieter und Wetter gibt, wobei die Anbieter den Wettern im Falle des Wettverlustes eine Prämie zahlen, oder ist der böse Spekulant nur eine Chimäre und ein bewährtes (braun/bloschewistisches ;-) politisches Kampfmittel?

Würde die EU selbst direkt oder indirekt einen Angriffspunkt bieten (vielleicht sogar strukturbedingt), durch das Angebot für sie ungünstiger Wetten, dann wäre der Spekulantenvorhalt möglicherweise gerechtfertigt.

Durchschaut das jemand hier?

 
 
 
Christian S., 10.03.2010 13:40

Keine Ahnung, ob es eine sozialdemokratische Erklärung gibt.

In der Talkshow fand ich jedenfalls Chatzimarkakis ziemlich überzeugend.

 
 
Christian S., 10.03.2010 13:47

PS: Ich freue mich, dass meine Kommentare hier derart ersehnt werden! :-)

Medea, 11.03.2010 09:29 Subscribed to comments via email

Christian, aber sicher. Hast du was anderes erwartet? ;-)

 
 
Adrian, 10.03.2010 15:06

Merkwürdigerweise ist nie die Politik an irgendetwas Schuld. Die in Griechenland haben zwar mehr Geld aus dem Fenster geschmissen, als sie hatten, aber hey: wie wir alle wissen, ist Geld aus dem Fenster schmeißen ja notwendig, um die Wirtschaft zu beleben…

Christian S., 10.03.2010 15:25

Na klar ist die Politik in Griechenland schuld. Wer sagt denn das Gegenteil?

Adrian, 10.03.2010 15:30

Wenn die Politik Schuld wäre, warum redet man denn jetzt über Spekulanten? Warum redet man nicht über Politiker? Warum diskutiert man dann nicht über Gesetze um Volkswirtschaften vor Politikern zu schützen?

 
 
 
Adrian, 10.03.2010 15:10

Die sozialdemokratische Erklärung hinsichtlich der Griechenland-Krise lautet übrigens, dass der Markt versagt hat, wir neue Regeln brauchen und das Primat der Politik über die Wirtschaft wieder hergestellt werden muss.

Webbaer, 10.03.2010 15:36

Sozialdemokratische Standard-Erklärungen dieser Art haben den praktischen Vorteil, dass sie in der Folge neue Misserfolge schaffen und dann wieder auch mehr Sozialdemokraten.

Bis es irgendwann nicht mehr geht.

In G ist es nun so weit, andere Länder werden folgen, man kann realistischerweise bei einer Prokopfverschuldung von 30k+ von einem Land wie G bzw. von dessen Bevölkerung nicht mehr erwarten, dass dort jetzt ein Sparkurs gefahren wird und die Schulden, wenn nicht abbezahlt, so doch angenommen werden.

Selbst das kühle Island ist nun kreativ geworden. Und dort haben viele sehr viel Geld und das Land eine solide wirtschaftliche Perspektive.
Die EURO- bzw. EU-Krise ist sehr tiefgehend.

Medea, 11.03.2010 09:43 Subscribed to comments via email

Portugal und Spanien geht es ja auch schon schlecht. Vielleicht wird ja von den Politikern gerade deswegen über Spekulanten geredet, damit wir letztlich damit einverstanden sind, dass vor allem der deutsche Steuerzahler für Griechenland bezahlen wird. Oder zweifelt irgend jemand daran, dass wir zahlen?

Webbaer, 11.03.2010 11:23

Das behauptete Spekulantentum ist jedenfalls sauber zu beschreiben, erst dann kann gewertet werden. Ist die Reihenfolge eine andere, dann liegt sozialistisches Triebwesen vor.

Ob G bezahlt wird, ist nicht so klar, da mit den “GIPS-Ländern”, LOL, eine Einheitsfront der Nichtsparwilligen bereitsteht und der Beginn einer (deutschen oder französischen) Zahlung mit einem zeitgleichen und offensichtlichen Abrauchen des EUROs und des europäischen Systems einhergehen könnte.

Die machtbewusste Fr. Merkel sieht sicherlich hier Probleme für die eigene Perspektive, sonst würde sie ganz vermutlich bereitwillig zahlen.

Medea, 11.03.2010 12:29 Subscribed to comments via email

“Die machtbewusste Fr. Merkel sieht sicherlich hier Probleme für die eigene Perspektive, sonst würde sie ganz vermutlich bereitwillig zahlen.”

Da stimme ich dir zu. Daher wird sie schon überlegen, wie sie es dem deutschen Steuerzahler beibringt, dass er zahlen muss. Vielleicht Solidaritätszuschlag 2 ;-)

Falls allerdings noch Spanien dazu kommt, dürfte die Eurozone an ihr Ende kommen. Das Wort “GIPS-Staaten” ist herrlich!

Aber spart nicht Irland gerade ganz gewaltig? Dafür gibt es in Griechenland erstmal Generalstreik. Keine Ahnung, wieviel das Griechenland kostet.

Webbaer, 11.03.2010 13:03

30k pro Nase, macht bei 11M Griechen in etwa 300G Euro, das kann man dem Wahlvolk natürlich nur sehr schonend beibringen, man wird die Sparethik des genannten Volks betonen und so, nur droht halt das gemeinschaftliche Abrauchen.

I war Italien, nicht Irland, der südeuropäische Raum ist – aus welchen Gründen auch immer, es mag am gemeinschaftlichen Planungshorizont liegen – hier besonders gefährdet.

Aber G ist gar nicht das Problem, nur das Symptom, es knallt bald gewaltig. Obwohl der Webbaer die Prognostik nicht besonders schätzt, aber es liegt eben auf der Hand und der Effekt ist aus dem Istzustand ableitbar.

Keine Ahnung, wie Fr.Merkel hier zu navigieren gedenkt, einfaches Zahlen wird ihre nächste Wahl jedenfalls nicht absichern.

MFG
WB

Medea, 11.03.2010 13:27 Subscribed to comments via email

“I war Italien, nicht Irland”

danke! Ja richtig, der italienischen Wirtschaft geht es auch nicht gut, dazu noch Spanien, das ein wesentlich größeres Problem werden wird als Griechenland. Es fehlte nur noch, dass Bulgarien und Rumänien auch den Euro hätten.

“Aber G ist gar nicht das Problem, nur das Symptom, es knallt bald gewaltig.”

Das fürchte ich auch.

Angela wartet jetzt erstmal ab und dann schließt sie sich wieder dem an, was die Mehrheit will.
An ihre erneute Wiederwahl glaube ich eigentlich nicht, aber eine Alternative zu schwarz-gelb sehe ich auch nicht.

Webbaer, 11.03.2010 13:54

Der geschätzte Roger Köppel hat eine, wie der WB findet, ganz bemerkenswerte Prognose in den Raum gestellt, die in etwa besagt, dass bei einer staatlichen Alimentierungsquote ab einer gewissen Grösse Bürgerlichkeit und letztlich auch das Wertesystem hopp gehen werden.

Der WB baut gerne aus: Entgegengesetzt werden kann hier nur das Web mit Beitragenden mit einer gewissen verständigen Sicht auf die Dinge.
Der Erfolg der Sache scheint unklar.

Man muss auch wissen, dass es bspw. in D vor 40 Jahren keine Sozialstaatlichkeit auch nur ansatzweiser vergleichbarer Grössenordung [1] gegeben hat, insofern sind Sicht und Aussicht des Köppelschen Vortrags ausserordentlich wertvoll. Meint der WB.

MFG
WB

[1] Willy kam etwa in 1971 mit “Die Belastbarkeit der Reichen testen”, “Schuldenkanzler” Schmidt mit den Schulden und der Sozialverstaatlichung (was gerne heute vergessen wird, von Schmidt-Anhängern und nein, der war nicht in der falschen Partei :), und unter Kohl gings dann nur scheinbar ans Eingemachte (wir erinnern uns, 1995, “Gürtel enger schnallen”) und das wars dann wohl: Zurücklehnen und den webbaerschen/köppelschen Prognosen lauschen, bei einer Alimentierungsquote von 50%+ ist ganz sicher Schluss.

Medea, 11.03.2010 14:13 Subscribed to comments via email

Das Video kann ich leider nicht sehen.

“dass bei einer staatlichen Alimentierungsquote ab einer gewissen Grösse Bürgerlichkeit und letztlich auch das Wertesystem hopp gehen werden.”

Den Satz halte ich für richtig. Das wird aber sicher schon passieren, wenn die Alimentierungsquote noch nicht 50% erreicht hat.

Webbaer, 11.03.2010 14:18

Vid ist über Weltwoche erreichbar, gern mal kilckend tätig werden, falls Webverweis nicht funzt – hoffe mal, auch in D.
Die Alimentierungsquote wurde ein wenig relativiert, indem die Einnahmen durch staatliche Massnahmen auf “grösser 50%” gesetzt worden sind.
Macht den Braten aber nicht fett.

 
 
 
 
 
 
 
 
Webbaer, 11.03.2010 16:17

ergänzend, LOL

Und wenn ich an 1976 zurückdenke, dann war damals schon die Schuldenproblematik ein Riesenthema.

jo@chim, 11.03.2010 22:04

Perry Rhodan Heftchen verliehen? ^^

Webbaer, 12.03.2010 08:59

Mit 6 angefangen den SPIEGEL durchzulesen.

 
 
 
 
 
Marc, 10.03.2010 15:21

Passend dazu, die gestrige Phoenix-Runde zum Thema “Krise in Griechenland – Ist Euroland abgebrannt?” u.a. mit den Prof. Starbatty und Sinn http://www.phoenix.de/291843.htm

 
Patrick, 10.03.2010 15:30

super artikel :-) sehr lesenswert…

 
chriwi, 10.03.2010 15:55

“Die sogenannten Spekulanten verursachen keine Probleme, sie machen sie offensichtlich.”
Das stimmt, aber sie können sie auch verstärken.

“Aber sie verändern nicht die Fakten, die der Einschätzung der Zukunft durch andere zugrunde liegen.”
Da würde ich so nicht mitgehen. Denn eine gelungene Medienkampagne kann die Marktteilnehmer schon beeinflussen.

“Sie haften für die Richtigkeit ihrer Einschätzung”

Auch nicht immer, wenn sie “to big to fail” sind.

Dennoch gebe ich dem Artikel recht. Die Hauptverursacher der Krise sind Spekulanten sicher nicht. Sie verstärken sie eventuell. Dennoch ist in meinen Augen der Vorteil den sie bringen vernachlässigbar.

 
R.A., 10.03.2010 16:45

Chatzimakis ist ganz offensichtlich der Spiegelberichterstattung aufgesessen:
http://www.bissige-liberale.net/2010/02/25/deutsches-leitmedium/

Ansonsten finde ich an der ganzen Diskussion erstaunlich, daß wg. der Griechenprobleme der Euro in Gefahr gesehen wird.

Der Knackpunkt beim Euro ist doch, daß die teilnehmenden Länder nicht mehr die Gelddruckerpresse anschmeißen können. Wenn nun ein Staat pleite geht, mag das heftige Folgen haben – ähnlich wie die Pleite eines Großkonzerns.
Aber für die Währung ist das nur indirekt relevant (vielleicht wird die Wirtschaftsleistung im Euroraum krisenbedingt reduziert).

Im Prinzip könnte auch jederzeit ein völlig maroder Staat der Eurozone beitreten, d.h. die einheimische Währung ersetzen. Das verpflichtet weder die EZV noch die übrigen Eurostaaten, ihm einen Cent Kredit zu gewähren oder für solche Kredite zu haften.

Webbaer, 11.03.2010 11:25

Ansonsten finde ich an der ganzen Diskussion erstaunlich, daß wg. der Griechenprobleme der Euro in Gefahr gesehen wird.

Der Grieche ist hier nur ein Synonym für “GIPS” und letztlich für uns alle.

 
 
Anne_Gilles, 10.03.2010 21:31

Das ist ja total gruselig hier bei Euch – Wer sponsert Euch eigentlich?
Mit ‘mini Wetteinsatz’ die Existenz anderer Menschen vernichten, das ist alles was in den geschädigten Staaten geschieht. Schaut mal lieber nach Island. Bankrotte Volkswirtschaften können ganz schön hartneckig sein. Ihr fühlt Euch so unbesiegbar, überlegen und schlau. Da ist es tröstlich, dass es etwas gibt was absolut gerecht verteilt ist; der Verstand. Jeder glaubt genug davon zu haben.

Lina, 11.03.2010 08:06

‘total gruselig’ hier? ach was, man gewöhnt sich daran, schwester :) …

das mit dem ‘gerecht verteilten’ verstand, na ja, das ist auch so eine sache: isses gerecht, dass du keinen mitbringst, wo doch hier mangel herrschen soll ;) ? denn hättest du welchen dabei, dann solltest du die richtigkeit des kern_satzes, der da lautet: die sogenannten spekulanten verursachen keine probleme, sie machen sie offensichtlich. bestätigen können. deren handwerk muss einem zwar nicht gefallen, aber mehr als das, was er schlüssig begründen kann, schreibt der autor auch nicht hin.

also solltest du hier ein plus oder ein ‘add_on’ an moralischen wertungen erwarten: fehlanzeige! verstand ist da, aber verständnis im sinne einer ein- und/oder mitfühlenden betrachtung (zum elend der griechen) musst du dir woanders dazu_suchen :) …

 
nana, 11.03.2010 12:29

Ich find’s eher im Spon-Forum u.ä. extrem gruselig, wo ungeniert Menschen mit “Heuschrecke”, “Schabe” und anderen niedlichen Bezeichnungen aus dem Schadtierbereich belegt werden.

 
 
Sascha Tamm, 11.03.2010 08:07

Es wäre interessant, wenn die Autorin, statt Vermutungen über Sponsoren (die es nicht gibt) und den Verstand der hier Schreibenden anzustellen, einmal erläutern könnte, wer mit Mini-Einsatz wessen Existenz vernichtet hat, und wie er das getan hat.

Was Island betrifft, so finde ich es übrigens ganz richtig, dass die isländischen Steuerzahler nicht für verfehlte Geschäftspolitik ihrer Banken aufkommen wollen. Allerdings hätte die EU-Regierungen, die die Kunden der isländischen Banken entschädigt haben, auch die Finger davon lassen sollen.

In diesem Zusammenhang sollte man aber nicht vergessen, dass die Steuerzahlungen der Banken, deren absurdes Wachstum übrigens von der isländischen Regierung unterstützt wurde, auch viel zum “Wohlstand” der Isländer beigetragen haben – durch ihre Steuerzahlungen.

Webbaer, 11.03.2010 12:21

Was Island betrifft, so finde ich es übrigens ganz richtig, dass die isländischen Steuerzahler nicht für verfehlte Geschäftspolitik ihrer Banken aufkommen wollen.

Ein interessanter Punkt, kann einerseits an den Gewinnen partizipiert und die Verluste dagegen an Investoren (hauptsächlich in N und UK) weitergegeben werden.
A: Ja, das geht. Einhergehend ist dann ein Vertrauensverlust und ganz vermutlich auch die Nichtaufnahme in den schützenden (oder “schützenden”) Verbund der EU.
Interessant ist auch die Frage, warum die isländischen Banken so stark am blasenartigen amerikanischen Immobiliengeschäft (Stichworte: Community Reeinvestment Act”, Jimmy Carter, Bill Clinton, George konnte/wollte es nicht stoppen) partizipiert haben.
Wie sind “Wegwerfgeschäfte” der isländischen Art ggf. in den europäischen, äh, Werteraum zu integrieren, wie griechische oder “GIPS”-artige? Gar nicht, gell. Vermutlich stimmt irgendetwas nicht bei der Konstruktionsethik. Es würde sich vielleicht lohnen einen Blick in die Staaten zu werfen.

 
Die Stimme aus dem Off, 11.03.2010 14:04

Zu Island habe ich noch eine Frage:

Die gegen Island gestellten Ansprüche Großbritanniens u.a., woher sollen die sich eigentlich ableiten?

Es mag sein, dass ich mich irre. Aber soweit ich die Sachlage überblicke, liegt der Sachverhalt in ungefähr so:

Anleger aus einigen europäischen – aber nicht nur europäischen – Staaten haben Geld bei isländischen Banken angelegt. Dabei waren die durch diese Banken versprochenen Zinsen höher als auf den heimischen Märkten.

Dann gingen die isländischen Banken pleite. Anschließend wurden die Sparer gemäß des isländischen Einlagensicherungswesens bzw. -fonds entschädigt. Dabei gab es eine Höchstentschädigungssumme (deren Höhe mir entfallen ist) pro Anleger.

Jetzt hat die isländische Regierung zunächst vorgehabt ausschließlich Isländer zu entschädigen. Dies hätte einen klaren Rechtsbruch bedeutet, weil den internationalen Anlegern die Kapitalanlage durch die jeweiligen Banken ja gerade mit der isländischen Eigenlagensicherung schmackhaft gemacht wurde. Direkte Versprechungen der isländischen Regierung selbst gab es insoweit wohl nicht. Denkbar wäre daher allerhöchstens ein Direktanspruch gegen den isländischen Staat aus Amtshaftungsgesichtspunkten.

(Anzumerken ist dabei allerdings, dass beispielsweise die deutsche BAFIN nicht erfolgreich aus Amtspflichtverletzung haftbar gemacht werden kann, weil sie ihre Pflichten ausschließlich im öffentlichen Interesse wahrnimmt, § 4 Abs. 4 FinDAG. Selbiges gilt für die Deutsche Börse, § 15 Abs. 6 BörsG. Da die Bundesrepublik Deutschland sich durch die Gesetzgebung klugerweise vor Staats- und Amtshaftungsansprüchen geschützt hat, ist davon auszugehen, dass alle anderen auch nicht dümmer gewesen sind, also auch Island entsprechende Regelungen getroffen hat, die jegliche Direktansprüche gegen den isländischen Staat ausschließen.)

Und jetzt noch einmal zurück zu meiner Frage:

Die gegen Island gestellten Ansprüche Großbritanniens u.a., woher oder woraus sollen die sich eigentlich ableiten?

Wie kommen die europäischen Regierungen darauf, dass irgendwer aus irgendwelchen Gründen Ansprüche gegen den isländischen Staat hätte? Vielleicht weiss die starke Finanzriege der FDP hier ja mehr dazu.

Ich rätsele nämlich schon seit Wochen darüber.

Webbaer, 11.03.2010 14:10

Der isländische Staat hat wohl die Banken übernommen und als “systemrelevant” abgesichert, der Rest ist dann reine Folgerichtigkeit.

BTW, nettes Land, WB war da, teuere Burger, was auf Wohlstand hindeutet und Wein im Supermarkt für ca. 6,-EUR (vor ca. 15 Jahren). Sehr reiche Leute und gönnerhafter Habitus konnten regelmässig festgestellt werden. Schwester von Bjork kennengelernt, sehr nett, sehr gute Leute dort (WB aber zu diesem Zeitpunkt schon lange gebunden, klaro, also nix mit so und so).

Sehr reiches Land.

Die Stimme aus dem Off, 11.03.2010 14:29

Gut, das ist natürlich eine Möglichkeit.

Nur ist dann den Ansprüchen natürlich mit dem Argument zu begegnen, dass die Übernahme nicht im Eigeninteresse des Staates geschah, sondern zur Verhinderung bzw. zur Vermeidung der weiteren Auswüchse der Weltfinanzkrise.

Außerdem hätten die Anleger auch ohne den Kauf (?) durch den isländischen Staat alles verloren. So war jedenfalls die Argumentation bei der Hypo Real Estate. Man wird gegenüber Island kaum anders argumentieren können.

Es kommt noch ein anderer Gedanke hinzu: Warum sollte der isländische Staat an die Stelle des Schuldners treten? Damit hätten die Gläubiger plötzlich einen viel solventeren Schuldner, als sie sich bei der Kapitalanlage ausgewählt hatten. Dieser Gedanke wird natürlich schon durch den angebotenen Entschädigungsnachlass berücksichtigt, aber vollends überzeugt von der Richtigkeit der Entschädigung der Kapitalanleger durch den isländischen Staat bin ich noch immer nicht.

Warum sollte man die Dummheit der Anleger belohnen?

Webbaer, 11.03.2010 14:34

Die Massnahme an sich muss in Frage gestellt werden, aber es war zu dieser Zeit so, dass ein Wegbrechen der Banken mit sehr unangnehmen Folgen drohte, was dann eben politisch auf die typische Art und Weise bearbeitet worden ist, nämlich durch Verantwortungsübernahme.

Die “Dummheit der Anleger” referenziert übrigens ganz erfolgreich die “Dummheit” des Staates, was wiederum ein gutes Geschäft sein kann.

Nah, all das sind Symptome des Zusammenbruchs, man kann da auch nicht so einfach sagen, dieses oder jenes wäre unschlau gewesen.

I wird jetzt links regiert. :)

Die Stimme aus dem Off, 11.03.2010 14:42

Mit “Dummheit” meinte ich natürlich überwiegend die “professionellen” Investoren, dazu zähle ich auch die englischen Gemeinden.

Wer Gelder in Millionenhöhe investiert, sollte sich auch Gedanken über die Sicherung machen. Dass aber ein Volk von 500.000 Menschen kaum in der Lage sein wird, alle möglichen Ansprüche bei einem Crash zu befriedigen, dieser Gedanke sollte sich den Verantwortlichen doch schon aufgedrängt haben.

Ich behaupte sogar, dass man das auch als Privatanleger wissen kann. Aber nun ja, die Ansprüche an die Mitmenschen sind in dieser Frage vielleicht unterschiedlich hoch.

 
 
 
Christian S., 11.03.2010 15:12

Logisch ist Island reich. Kein Militär, als Insel schwer erreichbar, unabhängig von Öl oder Kohle, energiepolitisch also autark – besser geht’s eigentlich nicht.

 
 
 
 
R.A., 11.03.2010 12:33

> Allerdings hätte die EU-Regierungen, die die Kunden der
> isländischen Banken entschädigt haben, auch die Finger
> davon lassen sollen.
Richtig.

Das ist eigentlich ein ganz unglaublicher Vorgang: Da haben also irgendwelche gierigen Privatleute spekuliert, wegen einiger Prozent mehr Gewinnchance ihr Geld riskiert und dann verloren.

Und diese private Dummheit nehmen nun manche Regierungen zum Anlaß, Entschädigung zu zahlen.

Und dieses Geld dann von der isländischen Regierung zurückzufordern, und dabei mit brutaler Erpressung auszunutzen, daß dieses kleine Land sich nicht gut wehren kann.

Letztendlich führen hier gewisse Politiker Wahlkampf auf Kosten der isländischen Steuerzahler. Eine juristische oder gar moralische Basis für ihr Vorgehen gibt es nicht.

Webbaer, 11.03.2010 15:13

Eine juristische oder gar moralische Basis für ihr Vorgehen gibt es nicht.

Schaun mer mal hier:
http://www.google.de/#hl=de&source=hp&q=island+%C3%BCbernimmt+banken&meta=&rlz=1W1GGLL_de&fp=b6c18550b5ff43cb

Wie das jetzt juristisch, ex ante, ex post, ethisch und weiss der Teufel wie genau aussieht, darf gerne aufgedeckt werden, aber am allerbesten mit Hilfe der Schriftsätze und Verträge.

 
 

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