Gehaltsreport der Landaerzte
dagny t., 08.04.2010
Ob der Landaerztemangel (FAZ) mit den Gehaltseinbussen bei Medizinern von 50% in den letzten 20 Jahren (Manager-Magazin) zusammenhaengt? Ohne die Anforderungen des Numerus Clausus aufzuweichen, wie Roesler es ins Spiel bringt, wird sich die Zahl der Medizinstudenten und die Zahl der Landaerzte mit der Attraktivitaet der Arbeitsbedingungen erhoehen lassen. Eine erhoehte Nachfrage sollte sich im erhoehten Preis fuer die Dienstleistung niederschlagen, um angehenden Studenten zu signalisieren, dass ein bestimmter Beruf nachgefragt wird. Das Gesundheitswesen ist davon natuerlich Lichtjahre entfernt. Bezeichnend auch, dass es die Beamten sind, die im Gehaltsreport des Manager-Magazins einen grossen Sprung nach Vorne hinlegten.
Gleichwohl finde ich Roeslers Vorschlag nicht unvernuenftig: Es muss sich lohnen, in einer weniger attraktiven Region als Arzt anzufangen.
antibuerokratieteam.net





Statt zu versuchen irgendwelche künstlichen Anreize zu schaffen, sollte man eventuell einfach die natürlich Vorhandenen wieder zulassen.
Angebot und Nachfrage angleichen:
37300 Bewerbungen auf 8500 Studienplätze.
Da besteht wohl ein Nachfrageüberhang, den es auszugleichen gilt.
Fazit: Mehr Mediziner.
Dadurch muss man (so meine Vermutung) auch keine (evtl. temporär bis sichs eingependelt hat) Anreize setzen damit die Ärtze aufs Land gehen. Denn wenns in der Stadt schon 10 Praxen gibt, lohnt sichs wohl kaum noch eine aufzumachen.
Fazit: Die Mediziner gehen dahin wos noch Kunden gibt, aufm Land.
Achso, das mit dem Gehalt ist natürlich auch son Faktor.
Freiheitliche Grüße
SB
Es sollte sich lohnen aus den hinterletzten Regionen wegzuziehen. Die Quersubventionierung von Infrastruktur (Landarzt inkl.) ueber ein Flaechenland wie Deutschland ist rausgeschmissenes Geld.
Kleine Frage zu den Zahlen: Sind das 37 000 Netto-Bewerber oder sind es 37 000 Bewerbungen an allen Unis zusammengenommen, incl. Mehrfachbewerbungen?
Wobei der “nicht unvernünftige Vorschlag” ja auch irgendwie umgesetzt werden muss, an der Vollziehbarkeit, die immer ein KO-Kriterium ist, scheitert die Sache natürlich.
Möglicherweise wird man einige deutsche, nicht reiche, ehrliche dumme Leute in den Landarztbereich nötigen können, aber das Ausnutzungspotential der Maßnahme springt geradezu ins Auge.
Medizin-Studium nicht ganz bliig, Kostenexplosion soll vermieden werden. Das ist natürlich nicht nachhaltig, aber man wurschtelt halt noch bis es nicht mehr geht.
Wobei man natürlich schon zugeben muss, dass sich die Ärzte auch sehr erfolgreich arm rechnen und auch nicht alle Ärzte in gleichem Maße vom Gehaltsrückgang betroffen sind, denn viele verdienen trotz fünfzigprozentigem Rückgang noch immer erstklassig.
Man nehme nur die (zugegeben seltenen) Nephrologen. Es gibt in Deutschland Betreiber nephrologischer Praxen, die locker zwischen 1,5 und 3 Millionen Euro im Jahr machen. In der Liga darunter würde ich mal die Chefärzte sehen, die – hier staunt der Laie womöglich – teilweise sogar 3 Chefarztposten gleichzeitig belegen, also 3 x das volle Gehalt kassieren PLUS Liquidationen. In Baden-Württemberg verdienen die Zahnärzte wahnsinnig viel Geld an den Schweizern, die sich Implantate zum Billigtarif setzen lassen, tragen ihr Geld aber beinahe stündlich in die Schweiz und tun sie so, als ob sie kein Geld hätten. Es gibt dort deutsche Zahnärzte bei denen der Gerichtsvollzieher ein und aus geht und die trotzdem reichlich Geld auf schweizer Konten haben. Und jetzt behaupte niemand das stimme nicht, ich habe familiäre Verbindungen in diese Szene.
Bei den Allgemeinmedizinern herrscht natürlich überwiegend Flaute, ebenso bei vielen Zahnärzten. Ich habe aber den Eindruck, dass viele Ärzte nicht mit dem zunehmenden Wettbewerb klarkommen und sich darauf auch nicht einstellen können/wollen. Auf der einen Seite gibt es in den Städten moderne Praxen mit guter Ausstattung (häufig mehrere Ärzte in derselben Praxis), auf der anderen Seite erfolglose Einzelkämpfer, die – aus welchen Gründen auch immer – es noch nicht geschafft haben ihre Praxis zum laufen zu bringen.
Wir haben im Gesundheitssystem einen halben Sozialismus.
Auf der Seite der Einnahmen der pure Sozialismus:
Staatlich festgelegte Preise und Limitierte Bugets.
Auf der Seite der Ausgaben die freie Marktwirtschaft:
Niedergelassene Ärzte und Apotheker müssen als Unternehmer agieren und ihr eigenes Gehalt aus den Einnahmen der Praxis erwirtschaften.
Der Unterhalt der Praxis muß vorfinanziert werden, will man eine neue Praxis aufmachen oder eine bestehende übernehmen darf man erst mal Kredit aufnehmen.
Da hätte ich ehrlich gesagt auch keinen Bock als Arzt aufs Land zu ziehen und für die Bank zu schuften.
Halbe Sachen sind noch nie eine gute Idee gewesen.
Es wird Zeit das entweder im Gesundheitswesen der volle Sozalismus einzieht – mit staatlichen Praxen bei denen auch die Ärzte Gehaltsempfänger sind…
… oder auch im Gesundheitsbereich die freie Marktwirtschaft einzieht., und der Landarzt von der Versicherung höhere Entgelte verlangen kann.
Das Modell mit den staatlichen Praxen hätte den Reiz das Vater Staat einfach das Gehalt erhöhen kann, wenn er Anreize für neue Ärzte schaffen will-.
Und den Nachteil das Vater Staat einfach das Gehalt erhöhen kann, wenn es populistisch angebracht ist.
Interessant ist, dass wir so viele unterschiedliche Zahlen haben, wenn sich mal die Gehaltsreports anschaut, gerade in meinem Bereich. Ich bin Diplominformatiker und bekomme in etwa den angegebenen Durchschnittswert. Bei anderen Reports gilt das als Einstiegsgehalt.
Ich bin auch noch jung und habe das Gefühl, bei der Gehaltsverhandlung nicht das Maximum herausgeholt zu haben; ich habe 1,5 Jahre BE. Aber in dem Mittelwert von 3260 für Informatiker sind nicht nur Berufsanfänger drin, sondern auch alte Hasen, die auch mehr verdienen dürften. Genauso auch die New-Economy-Boomer, die heute noch von den überzogenen Gehältern aus dem Jahr 2000 profitieren.
Was stimmt denn nun? Und wenn die Informatiker so viel günstiger geworden sind, dann kann es ja auch keinen Mangeln an ihnen geben. Ich kann gut von dem Geld leben, kann aber nicht verstehen, warum dann das dort genannte Ärztegehalt zu wenig sein soll.
Vorgestern abend kam bei Frontal21 ein Bericht über die Techniker Krankenkasse. Link:http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/1/0,1872,1001633,00.html?dr=1
Eine gute Idee, sehr schlecht umgesetzt. Nähere Auskunft erteilen Freshfields/Bruckhaus/Deringer, die die Techniker Krankenkasse in dieser Sache für mordmäßig Geld vertreten.
Aber psst, das ist geheim. :-) :-)
“Auf der Seite der Einnahmen der pure Sozialismus:
Staatlich festgelegte Preise und Limitierte Bugets.
Auf der Seite der Ausgaben die freie Marktwirtschaft:
(…)
Da hätte ich ehrlich gesagt auch keinen Bock als Arzt aufs Land zu ziehen und für die Bank zu schuften.”
Ehrlich gesagt würde ich genau die umgekehrte Schlussfolgerung aus dieser Diagnose ziehen:
Die Einnahmen für eine kassenärztlich erbrachte Leistung sind die gleiche – ganz egal ob in München oder im bayerischen Wald erbracht.
Hingegen sind die Kosten für das Führen einer Praxis in München wesentlich höher als im Bayerischen Wald. (Miete, Lohnkosten, Handwerker für die Praxis-Einrichtung, etc. Alles kostet in München mehr).
hi, ich bin sohn eines schweizer arztes, was die situation vielleicht leicht verändert. bei uns klappt es mit den hausarzten gerade noch so, aber auf dem land gibt es auch langsam mangel. dort ist vor allem das problem, dass man weitere strecken zurücklegen muss (da man ein grösseres gebiet hat und in der schweiz noch die berge dazu kommen) und die meisten medizinstudenten aus den städten kommen und auch vorhaben, dort zu bleiben. kommt dazu, dass man im gesundheitswesen sowieso immer leute braucht (ein 2 stelliger prozentsatz in unseren spitälern sind deutsche) und man somit nicht in die lädnlichen gebiete ausweichen muss. ich würde also sagen, die attraktivität muss über den lohn erhöht werden, was gar nicht so schlimm ist für die gesamtkosten. Die hausärzte sind billiger als spitäler und so kann man auch geld sparen
Das ist ne interessante Frage, die kann ich dir nur leider nicht wirklich beantworten, hab die Zahl aus der Zeitung gezogen …
Man sollte viel mehr fertig ausgebildete Ärzte aus anderen Ländern ins Land lassen. Zum einen spart man die Ausbildungskosten, zum anderen geben die sich mit geringeren Gehältern zufrieden. Die Ärzte in Thailand sind – in den Privatkliniken – auch sehr gut und würden sich darüber freuen für das Geld zu arbeiten, über das sich deutsche Ärzte beklagen.
Wäre mir neu, dass sie jemand daran hindert, ins Land zu kommen.
Iss ja alles nicht so einfach.
BTW, vielleicht kommt eine amerikanische Lösung in Frage mit Quotierungen für Minderheiten (die dann auch so zu sagen durchs Studium geschleust werden)? Das wäre doch sicherlich auch was für D, das wäre die Lösung schlechthin, oder?
>:-)
Die Masse der Bevölkerung wird so oder so nie Zugang zur Spitzenmedizin bekommen. Das wäre nie bezahlbar. Dann tut es auch der Dritte-Welt-Arzt. Die sind auch viel besser als man gemeinhin glaubt.
Von daher könnte man dieZugangsbeschränkungen auch ganz aufheben. Ich vermute mal, dass das sogar mit einer qualitativ höheren Versorgung einherginge. Warum soll meine Krankenkasse nicht Verträge mit Ärzten abschließen, die in Thailand studiert haben? Wozu diese Approbationsordnung? Wenn alles transparent ist, hätte ich damit kein Problem. Wenn die Krankenversicherung einen Spezialtarif anbietet, der eben “nur” die Behandlung durch günstigere Ärzte umfasst, dann ist das meines Erachtens in Ordnung. Es stärkt den Wettbewerb. Man könnte darüber nachdenken die Ärzte zu verpflichten den Ort ihrer Approbation schon auf dem Schild angeben zu müssen. Mit Kinshasa hätte ich ein Problem, mit Bangkok nicht.
“Dann tut es auch der Dritte-Welt-Arzt”.
Vielleicht gibt es ja demnächst in Deutschland den “Bachelor”-Arzt für gesetzlich Versicherte und den Vollmediziner für Privatversicherte ;-)
Wundern würde mich das bei unserem Gesundheitswesen jedenfalls nicht.
“Die Einnahmen für eine kassenärztlich erbrachte Leistung sind die gleiche – ganz egal ob in München oder im bayerischen Wald erbracht.”
Ich denke mal, die Ärzte(Familien) gehen auch deswegen weniger auf’s “Land”, weil sie da in ihrer Freizeit nicht versauern wollen und in der Stadt am kulturellen Leben teilhaben können. Die Kinder haben in der Stadt sicher kürzere Wege z. B. zu einem Gymnasium als auf dem platten Land etc.
Das ist sicher auch ein Grund, nicht nur das Geld.
“Die Ärzte in Thailand sind – in den Privatkliniken – auch sehr gut und würden sich darüber freuen für das Geld zu arbeiten, über das sich deutsche Ärzte beklagen.”
Da wäre ich mir nicht so sicher. Die verdienen (zumindest in den Privatkliniken in BKK) vermutlich sogar mehr als deutsche Ärzte, wenn man das allg. Preisniveau anpasst.
Was bringt ein 3x so hohes Gehalt, wenn alles 5x so viel kostet?
Übrigens stelle ich nach Lesen des Artikels fest, dass ich unterbezahlt bin (hatte es schon immer vermutet :)).
Frechheit sowas. Mindestlohn muss her.
Zufriedenheit entsteht bekanntlich im Vergleich. – Übrigens das einzige ernstzu nehmende Argument für den Mindestlohn. ;-)
“Mindestlohn muss her.”
von 2,50 Euro pro Stunde. Mehr ist einfach nicht drin ;-)