Am Donnerstag wird im UK ein neues Unterhaus gewaehlt. Der lang erwartete, traditionell kurze Wahlkampf hatte mit den drei erstmals stattfindenden TV-Debatten ein Novum. Premierminister Brown leistete sich ebenfalls ein Novum als er das noch mitlaufende Mikrofon am Revers vergass und ins Auto stieg. Dort laesterte er ueber eine Labour-Anhaengerin, die ihn kritisch zur Zuwanderung befragt hatte. Eine Woche vor der Wahl ein Fiasko.

In den TV-Debatten konnte Nick Clegg, der Leader der Liberaldemokraten allein durch seine Praesenz punkten und sich als Alternative zu Labour positionieren. Nimmt man hingegen die Menge der am Wochenende aufgetauchten Wahlwerbung in meinem Constituency als Indikator, muessten Gruene, LibDem, Scottish Communist und SNP die Wahl unter sich ausmachen. Waehrend sich in England ein grosser Sieg der Tories andeutet, ist in Schottland voellig offen, ob die Konservativen ihren einen Sitz halten koennen, diesen verlieren oder in den elf Target Seats punkten. Ein Target Seat wird mit besonders viel Aufmerksamkeit beackert, da die Swing Majority als gering erachtet wird. Aus dem Strassenwahlkampf in Deutschland voellig unbekannt sind die Trupps der Parteien, die mit Kopien des Waehlerverzeichnis ausgeruestet, von Haus zu Haus ziehen und die Praeferenzen der Waehler erkunden. Mit einer moeglichst genauen Karte der eigenen Hochburgen sollen Anhaenger und Sympatisanten identifiziert werden und der Kandidat bei den Wahlern bekannt gemacht werden.

Der Economist fasst die Positionen der Parteien in seiner Wahlempfehlung zusammen und spricht sich dann fuer die Konservativen aus. Diese Wahlempfehlung ist allein schon deshalb absolut lesenswert, weil die FDP sehr lobend bedacht wird.

An international comparison is helpful. Germany’s Free Democrats have adopted both parts of liberalism: they believe in both civil liberties and the free market. The Liberal Democrats, a coalition between the distant heirs of a once-great governing party and more European-style social democrats, have not yet made the same jump to the radical middle.

Es bleibt spannend: Eine Niederlage Labours scheint ausgemacht, ob die Tories eine Mehrheit erreichen oder ob es ein Hung Parliament gibt, ist offen. Die LibDems scheinen eher einer Koalition mit Labour zugeneigt, die kleinen Regionalparteien aus Schottland, Wales und Nordirland koennten das Zuenglein an der Waage spielen. Normalerweise geht die Regierungsbildung im UK sehr schnell vonstatten, fuer Koalitionsverhandlungen a la Deutschland fehlt das Verstaendnis. Auch sei daran erinnert, dass der Premierminister bei Ihrer Majestaet jederzeit um Neuwahlen ersuchen kann, wenn es politisch opportun erscheint.