Seit gut einem halbem Jahr sendet haOlam.de aus Berlin – ein deutsch-israelisches Netzmagazin, das Hintergrundinformationen aus Israel und zum jüdischen Leben liefert, für eigenständiges, freies Denken stehen will und sich aus einer vorwiegend liberal-konservativen Perspektive heraus der manipulativen Gehirnwäsche der „Political Correctness“ entgegenstellt. Grund genug für mich, mit dem verantwortlichen Herausgeber Jörg Fischer-Aharon zu sprechen

Das Online-Magazin haOlam.de ist vor etwas über 7 Monaten gestartet, können Sie uns zunächst sagen, was haOlam.de ist?

ha’Olam ist hebräisch und bedeutet „die Welt“. Wir sind ein deutsch-israelisches Online- und Nachrichtenmagazin, wobei wir sicherlich eine wesentlich größere Bandbreite an Themen und Angeboten haben, als man das vielleicht auf Anhieb erwarten würde. Das heißt: Natürlich berichten wir tagesaktuell und aus erster Hand aus Israel, dem Nahen Osten, Deutschland und Europa. Aber die Palette der Themen reicht von Politik, Wirtschaft, Kultur und Events über Technik, Gesundheit, Bücher, Jüdisches Leben und Tradition bis zu Lifestyle und Ratgeber. Ergänzt wird dieses Nachrichtenangebot durch tägliche Specials wie dem Blog aus Jerusalem, die Reihe Ask the Rabbi, der wöchentlichen deutsch-israelischen Radiosendung Kol Berlin oder dem Cartoon Moishe Hundesohn.

Aber tagesaktuelle Nachrichten sind nicht alles?

Nein, wir bieten auch detaillierte Hintergrundinformationen – durch die fundierte medienkritischen Analysen von Bernd Dahlenburg etwa, den Israeli Soldiers Blog, den Blog einer exil-iranischen Journalistin und vielem mehr. Wobei wir natürlich bestrebt sind, das Angebot stetig zu verbessern und auszubauen, so kam kürzlich das Israel-Lexikon hinzu, das nicht nur über Geschichte und Entwicklung im Nahen Osten, sondern auch über aktuelle Ereignisse und Fragen ausführliche Informationen und detailierte Fakten enthält. Wichtig ist für uns auch der Service, also auch der praktische Gebrauchswert für den User. Deshalb haben wir nicht nur aktuelle Daten etwa zu Wetter und Börse, was für ein Nachrichtenportal selbstverständlich sein sollte, sondern auch Routenplaner für Deutschland und Israel sowie Angebote zum Stellenmarkt in Deutschland und Israel sowie Verbrauchertipps im Angebot, z.B. Vergleichsmöglichkeiten in den Bereichen Stromtarife oder Versicherungsangebote, also ganz gängige Angebote für den ganz normalen Alltag. Erwähnen möchte ich hier aber noch unser Kalenderblatt mit TV- und Veranstaltungstipps sowie unsere Videokanäle.

Wie wird das Angebot angenommen und war der Start eines neuen Onlinemagazins überhaupt nötig?

Uns war von Anfang an klar, dass ein rein ehrenamtliches Projekt nicht so einfach zu starten sein wird. Aber der Zuspruch hat unsere Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Wir haben – und das nach gerade mal 7 Monaten – bis zu 6.000 Besucher am Tag, im Schnitt sind es derzeit etwas mehr als 5.000, bei anhaltend steigender Tendenz. Wir werden von Initiativen, jüdischen Gemeinden und Institutionen im In- und Ausland auf Zusammenarbeit angesprochen, sind für Personen und Organisationen erster Ansprechpartner – und das nicht nur in Deutschland, sondern auch und gerade in Israel, den USA und anderen Staaten. Verbindungen bestehen auch zur iranischen Demokratiebewegung und Exil-Iranern, die wissen, dass wir an ihrer Seite stehen.

Und ja: Die Gründung von haOlam.de war eine Notwendigkeit. Wir sind nicht nur eine Ergänzung, sondern wir sind die Alternative zu jenen, die zwar das „Monopol“ in Sachen Berichterstattung zu Israel und Judentum anstreben, tatsächlich aber nur den in Israel völlig bedeutungslosen linken Rand repräsentieren und die man eher als antisemitisch kontaminiert und in einem zweifelhaften Verhältnis zum Linksextremismus und „Antizionismus“ stehend bezeichnen kann. Damit muss man in einer Demokratie, wie wir sie in Deutschland oder Israel haben, leben. Aber genauso gehört es eben dazu, den Menschen alternative Meinungen und Analysen zum linken Medienmainstream anzubieten.

… womit Sie auch eine politische Standortbestimmung für haOlam.de vornehmen?

Ich halte nichts von Schubladen oder Klischees. Wenn Sie mich fragen, wo haOlam.de steht, dann sage ich: Bei den Fakten, bei der Realität. Die Mitarbeiter und Redakteure von haOlam.de sind auch nicht das homogene Borg-Kollektiv. Kollektive sind eh mehr die Sache der Extremisten von Rechts und Links. Wir haben bei unseren Mitarbeitern auch Leute, die z.B. der Bundesregierung oder der israelischen Regierung skeptisch und der Obama-Regierung eher positiv gegenüberstehen. Aber die Mehrheit von Redaktion und Mitarbeitern hat – wie der Herausgeber selber – eine positive und unterstützende Haltung zur israelischen Regierung unter BiBi Netanyahu und Avi Lieberman und eine distanziert-kritische Haltung zur Obama-Administration und ihrer Politik. Wir nehmen uns auch hier das Recht heraus, ohne Scheu unsere Positionen zu beziehen, auch wenn das gegen den veröffentlichten Mainstream der linken Mediendominanz steht – wie wir überhaupt, und darauf lege ich großen Wert und bin auch stolz darauf – dem eigenständigen, freien Denken den Vorzug geben vor der manipulativen Gehirnwäsche der „Political Correctness“, deren Auswüchse an Entmündigung und Manipulation mitunter fast schon faschistoide Züge annimmt.

Wie würden Sie dann den Standort von haOlam.de beschreiben?

Vorne ;). Aber ich bin jetzt auch nicht empört, wenn uns andere als liberal-konservativ, konservativ oder als Neocon bezeichnen.

Warum sollte man sich als Liberaler eigentlich gerade für Israel interessieren?

Nun, Israel ist gerade für Liberale hochinteressant. Das Land ist der Beweis, das innere Sicherheit und individuelle Freiheitsrechte kein Widerspruch sind. Wie Sie wissen, ist Israel seit seiner Gründung vor 62 Jahren faktisch in einem permanenten Belagerungszustand, umgeben von Staaten, die in der Vergangenheit mehrfach versucht haben, Israel und seine Einwohner durch Angriffskriege zu vernichten, von der Landkarte zu tilgen. Und noch heute ist das ein Ziel mancher Staaten in unmittelbarer und mittelbarer Nähe – ich erinnere nur an die wiederholten Vernichtungsankündigungen des Holocaustleugners und Diktators Achmadinejdchad aus Teheran, der bekanntlich an der atomaren Bewaffnung seines Unrechtsregimes arbeitet. Gleichzeitig ist Israel wie kein zweites Land auf der Welt vom internationalen Terrorismus betroffen – Selbstmordattentate, Terroranschläge, Raketenbeschuss durch Terroristen aus Gaza und dem Libanon als Stichworte hierzu. Dennoch: Israel ist ein demokratischer Rechtsstaat mit einer pluralistischen, offenen und emanzipierten Gesellschaft. Die Bürgerrechte stehen im Mittelpunkt, ebenso die Gleichberechtigung von Minderheiten. Jeder Israeli – unabhängig von Religion, ethnischer Herkunft, sexueller Orientierung und politischer – hat die gleichen Rechte. Der Oberste Gerichtshof hat erst vor wenigen Tagen das Grundrecht auf Anonymität im Internet nochmals bestätigt – haOlam.de war eines der ganz wenigen Medien, die darüber berichtet haben. Das zeigt nicht nur, das Israel eine einwandfrei funktionierende Demokratie ist, sondern dass die innere Sicherheit und die Freiheitsrechte eben kein Widerspruch sein müssen. Nur nebenbei, was viele leider auch nicht wissen: Gleichgeschlechtliche Paare sind in Israel heterosexuellen Ehen auch in den Bereichen Steuer-, Erb-, Versorgungs- und Adoptionsrecht gleichgestellt, genießen also wesentlich mehr Rechte als etwa in der Bundesrepublik Deutschland.

Da wir gerade sozusagen in Israel sind: Die hier oft zitierte Friedensbewegung scheint dort kaum noch eine Rolle zu spielen, oder täuscht das?

Das behaupten die Linken und ihre Hofberichterstatter, weil sie den Menschen gerne vorgaukeln, Links sei ein Synonym für Friedensbewegung. Aber dem ist nicht so, wenn man sich vor Augen hält: Frieden gibt es nur zusammen mit Freiheit, ein Frieden ohne Freiheit ist kein Frieden. Das vergessen so manche Linke ganz gerne, weswegen es höchst zweifelhaft ist, Linke mit Frieden zwangsläufig in Verbindung zu bringen; ich erlaube mir, in dem Zusammenhang an den Prager Frühling 1968, den Ungarn-Aufstand 1956, den Überfall auf Afghanistan 1980 zu erinnern.

Aber zu Ihrer konkreten Frage: Die reale Friedensbewegung ist in Israel nicht nur sehr lebendig, sie stellt sogar die Regierung. Benjamin Netanyahu hat in seiner historischen Rede an der Bar-Ilan-Universität in Tel Aviv einen sehr umfassenden und vor allem realisierbaren Weg zu einem sicheren Frieden in Freiheit und Sicherheit aufgezeigt. Und noch ein Blick in die jüngere Geschichte des Nahen Osten: Es war der israelische Ministerpräsident Menchaim Begin, der, wie auch Netanyahu, vom Likud kommt, der den Frieden mit Ägypten schloß, den ersten Friedensvertrag mit einem arabischen Staat. Das passt nicht in ultralinke Mythenbildung, dafür aber in die Faktenlage und das ist wichtiger.

Wenn jemand in Israel am Boden und moralisch bankrott ist, dann ist es die Linke. Bei den letzten Knesset-Wahlen fiel die sozialdemokratische Avoda auf Platz 4 zurück, in den aktuellen Umfragen liegt sie auf Platz 5, noch hinter der streng orthodoxen Schass. Die linke Meretz-Partei schaffte bei der letzten Wahl gerade noch so die 1,2-Prozent-Marke, an der die israelischen Grünen kläglich gescheitert sind.
Im übrigen trifft dies im wesentlichen auch auf die jüdische Diaspora zu. Linksradikale Splittergruppen wie die „Jüdischen Stimmen“ in Deutschland, J Call in Frankreich oder die Phantomgruppe J Street in den USA vertreten – sehr wohlwollend geschätzt, 3 oder 4 Prozent der jüdischen Gemeinde. Sie versuchen aber ihre personelle und organisatorische Bedeutungslosigkeit durch besonders marktschreierisches Getöse und durch ein obszönes Drängen an die Öffentlichkeit zu kompensieren – und werden natürlich von bestimmten Medien gerne als die „jüdischen Kronzeugen gegen Israel“ genutzt.

Ganz kurz, worauf ist die Popularität der Regierung in Israel zurück zu führen?

Die Regierung Netanyahu/Lieberman sichert und stärkt nicht nur den demokratischen Rechtsstaat und die liberale Gesellschaftsordnung in Israel, sondern auch die Sicherheit des Staates als solchem und seiner Bevölkerung – und legt dabei zugleich, wie oben gesagt, einen Friedensplan vor, der von der überwältigenden Mehrheit der Israelis als realistisch und verantwortungsvoll unterstützt wird. Daneben sieht auch die wirtschaftliche Bilanz der Regierung recht gut aus: Seit ihrem Regierungsantritt ist ein stabil steigendes Wirtschaftswachstum und sinkende Arbeitslosenzahlen zu verzeichnen. Israel hat sehr schnell die Auswirkungen der Finanzkrise überwunden und ist auch stabil gegenüber der Euro-Krise.

Links zum Thema:
haOlam.de
haOlam.de bei Facebook