Es ist schon beängstigend, was sich so alles im Netz tummelt und mit welcher Gewalt hier öffentlich gedroht wird. Alles nur weil ich öffentlich meine Solidarität einer Anzeige von Volker Beck bekundet habe.

Der Grünen-Politiker Volker Beck hat gegen Jacques Linon alias Kaisa Strafanzeige eingereicht, da Kaisas Texte extrem Schwulen-, Juden- und Frauenfeindlich sind. Ein Unterschied zwischen Kaisas Texten und der Ideologie der Nazis ist nicht mehr zu erkennen. Auf dem Track „Endlich Klartext“ rappt Kaisa:

„Ne Kugel in Dein Face, Boy, Neun-Millimeter-Projektile für den Gayboy, und wenn der Sack hat zu viel gelutscht, er muss kotzen, immer wieder, wenn er in den Spiegel guckt“ oder „Keine Chance, so wie im KZ, die neue Weltordnung, alles klingt perfekt.“

In einem Statement auf seiner Homepage schreibt Volker Beck: „Dies ist eine Aufforderung zum Mord. Das kann man weder bei deutschen Rappern noch bei jamaikanischen Dancehall-Sängern durchgehen lassen.“

Beck fügt hinzu: „Wir gehen davon aus, dass Bundesministerin Schröder darüber hinaus einen Antrag auf Indizierung einzelner Liedtexte wegen Aufruf zum Mord und Leugnung des Holocaust stellen wird.“

Diese Anzeige habe ich lediglich öffentlich unterstützt, aber das reicht schon, mir öffentlich mit Mord und Vergewaltigung zu drohen.

via Die Mordphantasien von Kaisa und seinen Freunden | Tapfer im Nirgendwo.

Hier haben wir ein weiteres Kapitel aus dem Bestseller „Antisemitismus im Web„. Diesmal gewürzt mit einer ordentlichen Prise Schwulenfeindlichkeit.

Ich bin bekanntermaßen kein Freund von Verboten und stehe daher auch einem Indizierungsvorhaben skeptisch gegenüber. Gerade im Bereich der Rapmusik zeigt die Erfahrung, dass eine Indizierung die entsprechenden Songs nur populärer macht, praktisch also eine gegenteilige Wirkung entfaltet, als ursprünglich intendiert war.

Prinzipiell bin ich auch der Meinung, dass jeder seinen geistigen Unrat kundtun dürfen sollte. Dann wissen wir wenigstens, mit welch Geistes Kind wir es zu tun haben. Ich spreche mich keinesfalls dafür aus, dass wir derlei Äußerungen, seien sie antisemitisch, rassistisch, schwulenfeindlich etc., tolerieren sollten. Im Gegenteil wir sollten sie thematisieren und ächten, wo immer wir sie finden.

Ich denke nur, dass es nicht die Aufgabe des Staates ist, zu definieren, was ächtenswert ist und entsprechende Aussagen zu sanktionieren. Staatliche Verbote machen träge, faul und im schlimmsten Fall blind, weil sie die Menschen von ihrer individuellen Verantwortung entbinden. Das ist unsere Aufgabe, die Aufgabe der Zivilgesellschaft, die Aufgabe der Menschen, die jeden Tag online kommunizieren, solchen Menschen entgegenzutreten und sie als das zu brandmarken, was sie sind: hasserfüllte Idioten. Dieser individuellen Verantwortung können und sollten wir uns nicht entziehen. Wir sollten uns klar machen, dass wir „Facebook“ und „das Internet“ sind und wir sollten bei unserer Onlinekommunikation nichts dulden, was wir nicht auch im Bistro oder in der Kneipe dulden würden.

Nun lässt sich sicherlich darüber diskutieren, ob und wie ernst wir die Äußerungen der Kaisa-Fans nehmen müssen. Kaisa selbst scheint nicht gerade eine Leuchte zu sein und auch seine Fans (zumindest ein Teil von ihnen) kochen geistig wohl ebenfalls auf Sparflamme. Bei den von Buurmann zitierten Aussagen handelt es sich aber nicht mehr um dumme Beleidigungen und schwachsinnige Pöbeleien. Buurmann wurde mit dem Tode bedroht.

Und wie ernst derlei Morddrohungen gemeint sind, wissen wir zu oft leider erst dann, wenn wir die Umrisse der Leichen mit Kreide auf den Boden gezeichnet sehen. Meine Verantwortung und meine Möglichkeiten erschöpfen sich darin, diese ekelhafte Angelegenheit zu thematisieren, weiterzutragen und mich mit Buurmann solidarisch zu zeigen. Gerd Buurmann sollte sich damit nicht zufrieden geben, sondern Strafanzeige erstatten.

Update: Facebook hat zwischenzeitlich die Seite von Chakra ウ Prana Reiatsu und die Gruppe „Für Kaisa“ mit den antisemitischen und frauenfeindlichen Inhalten gelöscht. Sehr vorbildlich.