Genetische und andere Verirrungen des großen WIR
Sascha Tamm, 03.09.2010
Die Sarrazin-Debatte zeigt vor allem eins: Kollektivisten auf allen Seiten. So muss die Antwort auf ein unsinniges Argument zwangsläufig wieder unsinnig sein. Für eine politische Debatte ist es völlig irrelevant, ob die Juden ein Gen teilen oder nicht, es ist ebenfalls völlig irrelevant, ob Intelligenz vererbbar ist oder nicht oder ob es kulturelle Ursachen für Bildungserfolg gibt. All das mag aus wissenschaftlicher Sicht interessant sein, aus politischer Sicht, schon gar aus einer freiheitlichen Perspektive, kann es keine Bedeutung haben.
Was soll denn, aus der Sicht der Kollektivisten auf beiden Seiten der Barrikaden, die Konsequenz daraus sein, dass Intelligenz oder ihre Abwesenheit vererbbar ist? Hätten dann Menschen mit bestimmter Abstimmung weniger Rechte? Oder gar mehr, weil ihre Nachteile ausgeglichen werden müssen?
Die Frage ist nicht, warum irgendjemand gebildeter oder weniger gebildet ist als andere; sie ist auch nicht, warum jemand erfolgreicher ist als andere. Niemand kann ernsthaft bezweifeln, dass es eine Gruppe von Einwandern, Muslimen etc. gibt, die erfolgreicher, gebildeter ist als eine bestimmte Gruppe von Deutschen. Genauso wenig lässt sich bezweifeln, dass es eine Gruppe unter den Einwanderern gibt, die weit unterdurchschnittlich leistungsbereit, gebildet etc. ist. Doch nur wer überzeugter Kollektivist ist, wer also wie auch immer definierte Gruppeninteressen über die Interessen und Rechte der Einzelnen stellt, kann das zur Grundlage politischer Entscheidungen machen.
Wichtig ist eine andere Frage – die nach den Ursachen dafür, dass es in Deutschland für viele Menschen das Bequemste ist, auf Kosten anderer zu leben. Warum es für viele Eltern vollkommen uninteressant ist was aus ihren Kindern wird. Die Antwort liegt auf der Hand – der deutsche Wohlfahrtsstaat setzt die Anreize.
Die andere interessante Frage ist, warum diese Debatte über das Materielle hinaus so viele Menschen ganz offensichtlich so bewegt. Sie glauben nicht nur, dass Sie durch fehlende „Integration“ materielle Nachteile hätten (wofür der Wohlfahrtsstaat verantwortlich ist), sondern auch, dass ihre „Identität“ bedroht sei. Weil sie in der einen oder anderen Weise glauben, dass ihnen etwas weggenommen wird. Das erste Problem lässt sich auf der politischen Ebene lösen – durch einen radikalen Umbau des Wohlfahrtsstaates. Das zweite kann und darf nicht „politisch“ gelöst werden.
Kulturen und Identitäten müssen im freien Wettbewerb überleben. Freiheit und Gewaltlosigkeit dieses Wettbewerbs müssen geschützt werden – verteidigen müssen diejenigen, denen an ihrer Identität gelegen ist, diese schon selbst. Es gibt gute Argumente dafür, dass das westliche, trotz aller berechtigten Kritik aus freiheitlicher Richtung, immer noch freie Wertesystem weit überlegen ist. Doch es ist deshalb überlegen, weil es sich immer wieder im Wettbewerb behauptet hat.
antibuerokratieteam.net





Da macht jemand in der SPD Karriere und erhaelt so das ein- oder andere Spitzenamt. Parteiverdienst statt Marktverdienst. Dann stellt er sich mit mehreren Interviews und einem Buch gegen die Parteilinie. Und schwupps wird er verstossen. – Haette er mal lieber seine Schaffenskraft in echtes Unternehmertum gesteckt und sich so Unaebhaengkeit vom Politikbetrieb erworben.
Achja: Oezdemir sprach von ‘genetischen Unterschieden’ zwischen Gruenen und FDP. Der Roland Berger CEO Burkhard Schwenker davon, dass das Unternehmertum irgendwo in den Berger-Mitarbeiter-Genen stecke. (It’s in our DNA). – Was gemeint ist, ist jeweils klar: Die Firmenkultur ist eine besondere: das FC-Bayern-Sieger-Gen. Oder das Leverkusen-Verlierer-Gen? Beides Samstag 15.30 im Hoerfunk zu bewundern und absolut unaufgeregt, sofern gewissen Stichworte vermieden werden. – Als Politprofi muss man das wissen. Als Berliner Finanzsenator ist man eigentlich so einer.
Schade nur, dass die anderen Sozialdemokraten von CDU/CSU/FDP uber dieses Stoeckchen springen, anstatt das Popkorn auszupacken und Sigmar Gabriel das Spaet-Sommertheater tanzen zu lassen.
Eine noetige Debatte uber den Erfolg der bisherigen Integrationspolitik bleibt dabei leider aus. Dabei ist ‘Keine Einwanderung in die Sozialsysteme’ absolut diskutabel.
“Dabei ist ‘Keine Einwanderung in die Sozialsysteme’ absolut diskutabel.”
Man hat sich ganz auf diesen genetischen Zirkus gestürzt, weil man ja gerade nicht über die Defizite bei der Integration sprechen will.
Die Politiker erzählen seit Jahren immer dasselbe, mehr Geld, und noch mehr Geld in die Integration stecken, dann wird das schon was.
Und wenn 45% der türkisch-arabischen Haushalte in Berlin Sozialgelder beziehen, frage ich mich, wie lange das noch bezahlbar ist.
Danke für diesen Beitrag Sascha!
@Medea
Bessere Integration muss nicht mit mehr Geld korrelieren. Es kann bessere Integration auch durch weniger Geld funktionieren, wenn die wirtschaftlichen Umstaende die Einwanderer dazu bringen, sich im eigenen Interesse zu integrieren.
Korrekt, es kann nur um das Kulturelle gehen, wenn Immigranten Werte mitbringen, die diametral den Werten der Europ. Aufklärung entgegengesetzt sind, ist DAS das Problem und nicht wessen Kinder sie sind oder wo sie herkommen oder was sie gefrühstückt haben.
Dann muss man aber ran, ganz zackig, und auch mal sagen können: Du bleibscht draussen, Wettbewerb halt.
Ein Kompliment dem Autor: Schön alles herausgearbeitet!
MFG
Wb
Dagny, da bin ich ganz deiner Meinung. Ich gab nur wieder, was die Politiker fordern und die sprechen von immer mehr Geld, das man dazu brauchte, damit die Integration klappt.
Die Frage ist halt nur, wo willst du solche Leute, unter denen es nicht wenige Analphabeten gibt, in den Arbeitsmarkt integrieren?
WB, ja, das hat mit Kultur zu tun und nicht mit irgenwelchen Genen.
Nur fühle ich mich nicht beleidigt, wenn ich lese, dass der Mensch die meisten Gene mit dem Schimpansen teilt. Auch wenn ich lieber mit den Genen eines Tigers übereinstimmen würde ;-)
Von “draußen lassen” ist wohl zu spät, es geht ja um hier lebende moslemische Migranten.
Es geht um das, was kommt, niemand will deportieren (oder wie es auf deutsch so schön heißt: abschieben (in der Schweiz: ausschaffen)), es sei denn der Kollege wird delinquentisch und ist kein Träger der jeweiligen ID-Card, dann muss man natürlich ran, wenn bestimmte Grenzen (Haßprediger etc.) überschritten werden.
Das ist Wettbewerb und nicht bös gemeint. Anders gehts ja auch nicht, will man die Systeme schützen. Ganz im Sinne des Vortragenden vermutlich.
HTH
Wb
So hatte ich es auch nicht gemeint, WB. Es ging um Integration und die muss erfolgen bei den jetzt hier lebenden Moslems in erster Linie.
Was und wer noch kommt, das weiß ich nicht.
Sarrazin schürt Ängste und der Titel seines Buches “Deutschland schafft sich ab” impliziert ein Gefahrenszenario. Das Schlimme daran: Die Statistiken sollen belegen, dass die Zuwanderung von “dummen” Ausländern zu einer Verdummung der Deutschen führt. Jemand, der in Deutschland ein öffentliches Amt bekleidet, sollte derart ergebnisorientierte Untersuchungen lieber sein lassen…
P.S. Leben die Politiker auch nicht auf Kosten anderer?
Meiner Meinung nach der bislang beste Beitrag zum Thema:
http://www.mea-sponte.de/wieso-eigentlich-integration
Sarrazin hat zwei Hauptthesen, die erste ist die Anreizbildung zur Unterschicht, die andere die letztlich feindliche Einwanderung.
Libertäre oder turboliberale Kräfte werden eher Punkt 1 bearbeiten, konservative Kräfte sicherlich eher Punkt 2.
Recht haben beide, aber die grössere Gefahr besteht ganz vermutlich in der Masse derjenigen, die Werte hegen und pflegen, die in der Lage sind alles kaputt zu machen. Die cons haben hier recht.
Was natürlich auch richtig ist, ist dass die jetzige Politik mit desorientierten linken Kräften, wenn wir mal liberale Einzelkräfte außer Acht lassen, derart zur Verblödung beitragen, dass das “Unterschichtenfernsehen” metaphorisch politisch stilbildend wird.
Wenn Kräfte wie Naika Foroutan, unterirdisch in Argumentation und Intellekt, sich durchsetzen können, dann ist hier sicherlich bald Venezuela, Türkei oder Südafrika.
MFG
Wb
Das mit den Genen geht natürlich am Problem vorbei. Indes ist an der Sache Sarrazin schon lange nicht mehr bzw. war es eigentlich noch nie, seine These von der genetischen Verdummung, die zwar für sich genommen richtig ist, sich aber – wie Sascha vollkommen zu recht schrieb – überhaupt nicht politisch verwerten lässt, der Skandal liegt vielmehr im staatlichen Umgang mit Herrn Sarrazin. Eine sogenannte Bundeskanzlerin, die vor der Veröffentlichung des Buches eine Stellungnahme dazu verlautbaren lässt und ein sogenannter Bundespräsident, der nicht minder idiotisch reagiert. Abgesehen von der Fragwürdigkeit eines solchen Handelns in Bezug auf Art. 5 Abs. 3 GG, fragt man sich doch, wie diese Leute so rein gar nichts von Staatsführung verstehen und trotzdem im Amt bleiben können. Diese Vorgänge sind der treffende Beweis dafür, dass die Parteiendemokratie nicht die Besten an die Macht bringt. Selbst Paul Kagame hat neulich wesentlich souveräner reagiert und kritisiert wurde er direkt, als Präsident. Ruanda hat also mittlerweile einen fähigeren Mann an der Spitze als Deutschland. Ich kann gar nicht so viel kotzen wie ich möchte.
“Grenzen sind feige.” (R.A.)
Man könnte den Bezug von Sozialleistungen davon abhängig machen, ob die deutsche Sprache ausreichend beherrscht wird. Man könnte Anforderungen stellen hinsichtlich der eigenen Bemühungen. Man könnte Sozialleistungen auf Gutscheinbasis vergeben und die Gutscheinsysteme marktmäßig organisieren lassen. Man könnte die Kontrollen gegen Schwarzarbeit, besonders in Hinblick auf türkische oder arabische Migranten deutlich intensivieren und zu diesem Zweck Ein-Euro-Jobber einsetzen, die ihr Zusatzentgeld nur im Fall von Ermittlungserfolgen erhalten. Man könnte den Bezug von Kindergeld von guten Schulleistungen der Kinder abhängig machen. Warum auch nicht?
Jedes Mehr an Eigenverantwortung ist zugleich ein Plus für die Gesellschaft.
“Dabei ist ‘Keine Einwanderung in die Sozialsysteme’ absolut diskutabel.”
Noch besser: “Keine [staatlich zwangsfinanzierten] Sozialsysteme!”
Frank Schirrmacher befindet in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (nicht online):
“Zur Überzeugungskraft des Buches trägt nicht bei, dass sich Sarrazin großenteils auf die hoch kontroversen Arbeiten von Charles Murray und Richard Herrnstein (”The Bell Curve”) stützt. Doch er verschweigt ihre Namen im Register und in den Anmerkungen; er geht vor allem nicht auf die Einwände gegen ihre Ergebnisse ein, die bis zum Vorwurf des Betrugs und der Desinformation reichen. So hat Eric Turkheimer durch eine Überprüfung der Befunde der “Bell Curve” deren Ergebnisse geradezu widerlegt: Er konnte zeigen, dass bei Zwillingen in Unterschichtenmilieus die Entwicklung der genetischen Anlagen tatsächlich von den Umwelteinflüssen abhängig war. (…) Es ist erstaunlich, in einem Kapitel über die moderne Arbeitswelt folgende Sätze zu lesen: “Jeder Hunde- und Pferdezüchter lebt davon, dass es große Unterschiede im Temperament und Begabungsprofil der Tiere gibt und dass diese Unterschiede erblich sind. Das heißt auch, dass manche Tiere schlichtweg dümmer oder wesentlich intelligenter sind als vergleichbare Tiere ihrer Rasse. Francis Galton war der Erste, der sich mit der Entwicklung und Vererbung menschlicher Intelligenz befasst hat. Er war der Vater der frühen Intelligenzforschung.” Galton, so muss man hinzufügen, was Sarrazin hinzuzufügen vergisst, war vor allem der Vater der modernen Eugenik. Und auch das ist eine der Hintertüren, die Sarrazin sich offenlässt: ein Buch, das faktisch für eine eugenische Demographie plädiert, hätte den Begriff verhandeln und im Sachregister aufnehmen müssen, statt ihn verschämt als Adjektiv im Strom der Gedanken untergehen zu lassen. (…) (S)eine Antwort ist so radikal, dass sie vor muslimischen Milieus nicht haltmachen wird. Sie betrifft alle, das sollten seine Anhänger wissen.”
“Konrad” betätigte sich auch bei uns als urheberrechtmissachtender Zitatspammer. Der Beitrag von Schirrmacher ist in Wirklichkeit durchaus online:
http://www.faz.net/s/Rub9B4326FE2669456BAC0CF17E0C7E9105/Doc~E1E30FB65E1E44794BFFEB5A2B73DE7EA~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Read the whole thing.
Die Sache mit der genetischen Ursache der Intwlligenz steht meiner bescheidenen Meinung nach fest wie ein Fels. Der Trick ist nämlich, dass man für diese Feststellung gar keine unmittelbar für Intelligenz verantwortlichen Gene braucht. Μan braucht nur mittelbare. Und die sind reichlich vorhanden, so z.B. die Fähigkeit Nahrung zu verdauen, genetisch begründete Stoffwechselerkrankungen, Diabetes, usw.
Alles reichlich bekannte Ursachen, die sich natürlich auch auf die geistigen Fähigkeiten auswirken. Wer es nicht glaubt muss mit mir 5.000 m in unter 18 Minuten laufen und dann eine Matheaufgabe lösen. Oder Boxschach spielen. ;-)
@Off-Stimme
Beachten Sie vllt die Zwillings- und Adoptivstudien in diesem Zusammenhang.
Böse auch: http://en.wikipedia.org/wiki/IQ_and_the_Wealth_of_Nations
Superböse auch Richard Lynn.
Damit wir uns richtig verstehen, die Verständigkeit ist eine weiche Sache, aus zwei Gründen: 1.) der kulturalistischen Gebundeheit 2.) weil s per se nicht genetisch nachgewiesen werden kann.
Aber, wenn irgendwelche Gruppen kommen und meinen, sie würden ganz arg benachteiligt werden, dann ist es immer noch besser ihnen den Spiegel vorzuhalten als ein großangelegtes Unterdrückungssystem als ursächlich anzuerkennen – wegen den schrecklichen sozialen Folgen.
HTH
Wb
PS: Dringt der Wb dieses mal durch? Hmm, schaun mer mal…
Man fragt sich schon, wie der Filter hier eingestellt ist und warum das Bedienpersonal nicht reagiert.
Fällt das nur mir auf? Die fleißigsten Vertreter der Klimalüge innerhalb der politischen Klasse sind zugleich auch die fleißigsten Sarrazinkritiker.
Ist das reiner Zufall?
@Thomas Edmund von Haller
“Man könnte den Bezug von Sozialleistungen davon abhängig machen, ob die deutsche Sprache ausreichend beherrscht wird.”
Was ist denn die deutsche Sprache? Bayrisch, Schwäbisch oder Sächsisch?
“besonders in Hinblick auf türkische oder arabische Migranten deutlich intensivieren und zu diesem Zweck Ein-Euro-Jobber einsetzen, die ihr Zusatzentgeld nur im Fall von Ermittlungserfolgen erhalten.”
Man könnte auch allen Ausländern einen Stern an die Brust heften.
“Was soll denn, aus der Sicht der Kollektivisten auf beiden Seiten der Barrikaden, die Konsequenz daraus sein, dass Intelligenz oder ihre Abwesenheit vererbbar ist? Hätten dann Menschen mit bestimmter Abstimmung weniger Rechte? Oder gar mehr, weil ihre Nachteile ausgeglichen werden müssen?”
Es kann auch schlicht eine Argumentation dafür sein, den Wohlfahrtsstaat einzuschränken, der kann nämlich zu einem Problem werden, wenn Sarrazins Thesen stimmen.
Schau im Duden nach. Dem Standardwerk zur deutschen Sprache.
Mit Verlaub, dieser Vergleich ist unter aller Sau und ehrt Dich nicht gerade. Schämst Du Dich nicht? Nicht mal wenn Du an Deine Erziehung denkst? Mensch, das fällt doch auf Deine Eltern zurück. Haben die Dir nicht beigebracht wie man kultiviert diskutiert? Was hattest Du denn für ein Kinderstube, dass Du mit solchen “Argumenten” versuchst einen anderen mundtot zu machen? Ist diese Art und Weise der Diskussion für Dich gar im Rahmen des gesellschaftlich anerkannten?