antibuerokratieteam.net

Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Was keinen Preis hat…

Sascha Tamm, 23.09.2010

… kostet trotzdem etwas. Nur zahlen gewöhnlich die Falschen. Sie zahlen zuviel oder zuwenig, sie wissen nicht genau wofür und können nicht über die Kosten verhandeln. Darüber entscheiden andere für sie. Diese wiederum haben ein Interesse daran, das freie Verhandlungen über Preise und die Charakteristika von Waren und Leistungen nicht stattfinden, dass Marktpreise nicht entstehen können. Das klingt absurd – und ist das Grundprinzip jeder Staatswirtschaft. So funktioniert das deutsche Gesundheitswesen.

Daran ändert die neue Gesetzgebung wenig. Gesundheitsdienstleistungen haben für die Menschen im System keinen Preis und keinen Wert. Nur die Beiträge zum System fallen ins Gewicht – und über diese wird politisch entschieden. Die politische Konjunktur verlangt zurzeit Sparen und Kostensenkungen. Aus der Sicht jedes Einzelnen ist das nicht logisch – die eigene Gesundheit, das eigene Wohlbefinden stehen sicher bei vielen Menschen sehr weit oben auf der Präferenzskala. Sie würden freiwillig einen großen Teil Ihres Einkommens dafür aufwenden. Doch dann würden Sie darauf schauen, was sie für Ihr Geld bekommen, sie würden an der Preisbildung mitwirken. Es würde ganz verschiedene Angebote geben, die sich am Markt bewähren müssten.

Das liegt nicht im Interesse der zahlreichen Begünstigten: Politiker, die die Menschen glauben machen, dass sie aus Gerechtigkeits- und Sparsamkeitsgründen Zahlungen und Leistungen bestimmen müssen. Sparsamkeit und die effiziente Herstellung von Gütern sind ja bekanntermaßen besondere Stärken von Politikern. Doch auch die Beteiligten an den ausschließlich vom Staat geschaffenen Kartelle und Monopolen wollen keinen offenen Preisbildungsprozess – Ärzte, Medikamenten- und Gerätehersteller, Krankenhausbetreiber, Versicherungen. Für sie sind kollektive Verteilungsmechanismen viel bequemer – wenn auch nicht notwendig profitabler.

Gesundheit ist nichts Besonderes – oder nur insofern, dass sie für viele Menschen sehr wichtig ist. Doch das spricht dafür und nicht dagegen, dass eine freie Preisbildung möglich ist. Im Gegenteil – auf einem freien Markt wären viele bereit, mehr für mehr und für bessere Angebote zu zahlen. Auch die Unternehmen verschiedener Branchen könnten dann Preise und Leistungen frei verhandeln – z.B. Versicherungen, Ärzte und Krankenhausbetreiber.

Gesundheitspolitik ist folglich auch nichts Besonderes – sie soll sich ebenso wenig wie irgendeine andere Politik in Preisbildung und die Gestaltung von Waren und Leistungen einmischen.



65 Kommentare zu “Was keinen Preis hat…”

  1. Thomas Edmund von Haller

    Weltfremd? Wer ist hier weltfremd?

    Auf dem Weg hin zu einer freien Gesellschaft könnte man die Notfallmedizin staatlich garantieren lassen. Damit habe ich kein Problem. Die dabei entstehenden Behandlungskosten müssten dann natürlich von den Transferempfängern bzw. deren Versicherungen später zurückgezahlt werden. Problem gelöst.

    Weltfremd sind hingegen diejenigen, welche sich vor lauter Sozialismus eine wirklich freie Gesellschaft nicht mehr vorstellen können! Hierzulande wird sogar über die im weltweiten Vergleich zweifellos üppige Höhe von HartzIV gejammert. Das ist unglaublich und in meinen Augen auch dekadent. Man nehme Italien! Dort kommt man ganz ohne Sozialhilfe und eine Staatshängematte für Leistungsverweigerer aus! Man nehme Kanada oder Spanien. Die Hilfen für Arbeitslose betragen dort nur ca. die Hälfte der deutschen Sätze! In Portugal bekommt man nicht einen Cent soziale Unterstützung, bevor man 40 Jahre alt ist. Von einem Massensterben der unter 40-jährigen in Portugal hat man aber noch nichts gehört, oder? In der Schweiz müssen die Sozialhilfeempfänger alles zurück zahlen, auf Heller und Cent, was er von der Gemeinschaft der Steuerzahler erhalten hat.

    Eigenverantwortung funktioniert!

  2. Rayson

    Gar nicht mal so abwegig: In einem freien Gesundheitsmarkt gäbe es natürlich auch keine künstlichen Marktzutrittsbeschränkungen für Anbieter.

  3. Die Stimme aus dem Off

    Rayson, 27.09.2010 14:11

    Gar nicht mal so abwegig: In einem freien Gesundheitsmarkt gäbe es natürlich auch keine künstlichen Marktzutrittsbeschränkungen für Anbieter.

    Das können sich Leute die nie in der Welt herum gekommen sind, nicht vorstellen. Als Schwellenland ist Thailand ein prima Beispiel. Aber auch die Philippinen sind nicht schlecht. Man kann auf den Philippinen problemlos deutsche Preise für ärztliche Behandlung bezahlen. Ob die Behandlung dann wirklich besser ist als auf dem Land, sei dahin gestellt. Ich hatte keine Ängste davor mich von einem philippinischen Dorfarzt mit einem gebrochenen Handgelenk (radius fraktur) behandeln zu lassen. Ich hätte sie auch nicht gehabt, wenn es ein offener Bruch gewesen wäre.

    Es ist eben immer die Frage wie viel Expertenwissen man braucht oder meint zu brauchen. Es findet sich fast für jede Nachfrage ein Angebot. Außerdem können die Verfechter eines staatsgelenkten Gesundheitssystems nicht erklären, wie sie eigentlich die Todeszahlen durch Ineffizienz entschuldigen wollen. Es sterben noch immer eine Vielzahl von Menschen in Deutschland beispielsweise wegen Krankenhauskeimen. Trotz aller staatlichen Bevormundung und „Fürsorge“. Weil die hoch bezahlten Ärzte und Schwestern es nicht mehr gelernt haben, dass man sich die Hände wäscht und die Betten nicht „ausschüttelt“.

    Mein Dorfarzt auf den Philippinen, der mein gebrochenes Handgelenk für knapp 45 Euro untersucht und versorgt hat (es gab noch eine Flasche Bier dazu!), hat das übrigens gewusst.

  4. chriwi

    @Die Stimme aus dem Off
    „Das können sich Leute die nie in der Welt herum gekommen sind, nicht vorstellen“
    Das bringt es auf den Punkt, man muss

    A) die Möglichkeit haben zu diesem Punkt zu kommen
    B) die Zeit dafür haben

    Ich werde bestimmt nicht zu den Philippinen fliegen nur um mein Handgelenk untersuchen zu lassen. Denn da ist der Flug und Aufenthalt teurer als die Arztkosten hier.
    Auch denke ich nicht, dass ein phillipinischer Arzt seine Leistungen zu den gleichen Preisen anbieten könnte. Er muss schließlich auch die Kosten in Deutschland decken.

    „Es ist eben immer die Frage wie viel Expertenwissen man braucht oder meint zu brauchen.“
    Wie will man das selber einschätzen können? Wenn sie eine Blinddarmentzündung haben geht es ihnen auch mit Schmerzmitteln eine ganze Weile wieder besser. Heißt das, dass die Behandlung gut war? Subjektiv betrachtet erst einmal schon, wenn sie dann allerdings sterben haben sie nichts vom Verklagen des Arztes. Somit ist es schon wichtig eine Grundqualitätskontrolle für Ärzte zu haben. Für ausländische Ärzte ist es schwierig hier Fuß zu fassen, weil die Abschlüsse nur bedingt vergleichbar sind. Wie will man das regeln? Über try and error oder durch staatliche Kontrollen?
    Wenn man dies als „künstliche Marktzutrittsbeschränkungen“ sieht, dann bräuchte man im Prinzip gar keine Abschlüsse mehr machen. Man kauft sich einfach irgendwelche Zettel auf denen dann Ingenieur oder Arzt steht.

  5. Thomas Edmund von Haller

    Märkte bestehen ja nicht nur aus verschiedenen Produkten für die verschiedensten Bedürfnisse zu verschiedenen Preisen, sondern auch aus Informationen über die angebotenen Produkte. Zudem sprechen sich gute Informationen herum bzw. werden von der Presse veröffentlicht. Im Resultat sollte es also jedem informierten Kunden glücken, eine anständige Digitalkamera zu finden, die zu seinen Bedürfnissen passt. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob er nur 50 Euro zahlten möchte oder 1500 Euro. In jedem Fall wird er damit gute Fotos machen können.

    Ich hätte jedenfalls keine Probleme, zum Beispiel, Fäden von einer erfahrenen examinierten Krankenschwester ziehen zu lassen, die auf selbstständiger Basis arbeitet und nebenbei einen Friseursalon betreibt. Wer es aufwändiger mag, lässt derartige Eingriffe dann eben von einer Privatklinik vornehmen.

    Jede Nachfrage schafft sich ihr eigenes Angebot.

  6. Die Stimme aus dem Off

    @ Chriwi

    Du hast nicht verstanden was ich Dir sagen wollte. Ich hätte mich natürlich auch zu deutschen Preisen behandeln lassen können. Dafür aber Rundumservice bekommen. Also 2 Röntengenaufnahmen, schicke Praxis, ‘ne Schwester mit dicken Titten auf Wunsch auch ein Happy Ending. Für ca. 450 Euro ist das in Angeles City zu bekommen.

    45 Euro für einen schlichten Gipsverband reichten mir aber vollkommen aus. Und selbst das war noch zu teuer, denn weiter draußen hätte man den Bruch mit Rattan oder Bambus geschient. Gekostet hätte es dann noch weniger.

    In einem derart unregulierten Markt ist für jeden was dabei.

  7. Christian S.

    Ein Knochenbruch ist ja auch kein Problem. Da könnte man in der Tat suchen, bis man einen passenden Anbieter findet.

    Dinge wie ein drohender Blinddarm-Durchbruch hingegen dulden keinen Aufschub. Ein entzündeter Blinddarm muss umgehend behandelt werden, sonst Exitus.

  8. Thomas Edmund von Haller

    Notfallmedizin könnte man staatlich garantieren lassen. Das würde mich nicht stören. Allerdings mit der Auflage verbunden, die verauslagten Kosten zurück zu zahlen, entweder persönlich oder per Versicherung. Freie Marktwirtschaft: Ein Jeder wie er mag. Wahlfreiheit und Effizienz. Für Jeden das Richtige.

  9. Christian S.

    Wer definiert „Notfallmedizin“?

  10. Die Stimme aus dem Off

    Zu Deinem Beispiel mit dem Blinddarmdurchbruch habe ich gestern schon was geschrieben. Das ist leider im Filter.

    Dein Beispiel greift nicht, weil der Arzt auch ohne Krankenkassenwesen rechtlich zur Hilfe verpflichtet ist. Das war schon 1872 im Deutschen Reich so. Das Krankenkassenwesen regelt nur die Entlohnung der Ärzte. Die Pflicht der Ärzte wird durch das Berufswesen und das Strafrecht geregelt. Außerdem kostet eine Blinddarm-OP heute ca 1.900 Euro. Selbst wenn man dem Arzt einen Rückgriffsanspruch zubilligt (der dann bei finanzieller Knappheit vielleicht in Raten und verzinst gezahlt werde müsste), wäre das wohl nicht unbezahlbar. Außerdem ist davon auszugehen, dass in einem unregulierten Markt die Preise sinken würden. Nämlich dann, wenn man den ausländischen Ärzten hier die Tätigkeit erlauben würde. Mein phiippinischer Arzt war jedenfalls super. Seine Praxis war in Ordnung, schlicht und nicht wie hiesige Praxen mit allerlei Schnickschnack. Kein Computer und so. Aber dafür hat er sich die Hände 30 Sekunden gewaschen bevor er mich angefasst hat. Achte mal bei Deinem nächsten Arztbesuch darauf, ob und wie lange sich Dein Arzt die Hände wäscht. :-)

    Auch ein drohender Blinddarmdurchbruch ist kein Grund für das Krankenkassenwesen. Man muss eben nur sicherstellen, dass genug Druck ausgeübt wird die Berufspflichten wahrzunehmen und den Ärzten natürlich auch die Möglichkeit einräumen über beispielsweise eine Privilegierung in der Zwangsvollstreckung an ihr Geld zu kommen.

  11. Thomas Edmund von Haller

    An der Definition von Notfallmedizin wird es kaum scheitern. Wenn ein freies Gesundheitssystem scheitert bzw. gar nicht erst verwirklicht wird, dann liegt das an den Sozen in den verschiedenen Parteien!

    http://en.wikipedia.org/wiki/Emergency_medicine

    Hätten die Sozialisten und Sozen der Gesundheitspolitik im Automobilmarkt das Sagen, dann würden wir alle mit einem 80.000 Euro teuren Einheitsmobil mit der technischen Ausstattung eines Wartburgs fahren müssen, das einheitlich über ein solarbetriebenen Autoradio nach EU-Norm sowie normierten Plastikschalensitzen aus Recycletmaterial verfügt. Eine obligatorische Autoversicherung in Höhe von 500 Euro pro Monat würde jedem Staatsbürger im Abstand von genau 15 Jahren den Kauf eines technisch kaum verbesserten Neuwagens garantieren bzw. automatisiert zukommen lassen. Die Farbe des Wagens wird dann jeweils von der örtlichen Wagenbehörde festgelegt, vorzugsweise grau bzw. gemäß der gerade verfügbaren Restmengen.

  12. gast

    Konkreter Vorschlag:
    Jede Versicherung muss einen Basistarif mit staatlich festgelegten Preis + Umfang der Leistungen anbieten. Bürger, die sich diesen Tarif nicht leisten können, bekommen Zuschüsse.
    Gleichzeitig können Versicherungen andere Modelle anbieten (von hoher Selbstbeteiligung bis umfassenden Sorglos-Paketen). Der Bürger kann sich seinen Tarif frei auswählen.
    Alle möglichen Preise werden von den Akteuren in freien Verhandlungen bestimmt.

    Natürlich krank dieser Vorschlag, an den staatlich festgelegten Basistarif (Insbesondere die Frage, woher der Staat wissen kann, wie hoch der Preis sein muss, ist natürlich ein Riesenproblem). Jedoch denke ich, dieser Vorschlag ist das „liberalste“ was momentan in Deutschland machbar ist.

  13. Die Stimme aus dem Off

    Warum überhaupt eine Zwangsversicherung? Es wäre doch viel besser rein privatrechtliche Rückgriffsansprüche einzuführen.

    Man gestaltet das Strafrecht einfach so, dass ein Arzt der einen Patienten durch Unterlassung fahrlässig in die Gefahr des Todes bringt eine lebenslange echte Freiheitsstrafe bekommt. Und die Helfer müssen natürlich wegen eigener fahrlässiger Unterlassung der Organisation anderweitiger Hilfe mindestens 10 Jahre Knast bekommen. Dann klappt das auch mit der Hilfe im Notfall.

    Die Angemessenheit der Vergütungshöhe könnte man rein zivilrechtlich bestimmen lassen. Ist die Rechnung wuchermäßig überhöht gibt es dann gar nichts für den Arzt. Also schreibt er auch angemessene Rechnungen für diese Notfälle. Und wenn wir den Arzt für die „Geschäftsführung ohne Auftrag“ zivilrechtlich privilegieren bei der Zwangsvollstreckung, dann bekommt er auch sein Geld von diesen Patienten. Selbst falls er mal nicht sein Geld bekommt, kann er das im Rahmen seiner sonstigen ärztlichen Dienstleistungen in die Preiskalkulation aufnehmen.

    Wir würden so mit einem Schlag sämtliche Krankenassenverwaltungsmonster abschaffen können.

  14. gast

    @ Stimme aus dem Off:
    (Wie zitiert man hier?)
    In meinem Vorschlag wäre der Zwangsversicherungscharakter, insbesondere im Vergleich zu jetzigen System, minimal. Es geht um einem Basistarif, den wahrscheinlich nur Leute in Anspruch nehmen würden, die von staatlicher Stütze leben.
    Auch das „Krankenkassenverwaltungsmonster“ wäre kein Thema, da sowohl die GKV, als auch auch die PKV unter gleichen Bedingungen um Mitglieder buhlen müssten. Folglich käme es entweder zur Anpassung der GKV an die Privaten oder zu deren sterben.

    Dein Vorschlag beinhaltet, so wie ich es verstehe, nur Notfälle bzw. lebensbedrohliche Situation. Damit fallen eine Menge Leistungen, die momentan von der GKV übernommen werden raus.
    Das ist, so denke Ich, in Deutschland einfach nicht zu machen. Der Gedanke, dass jeder krankenversichert sein soll bzw. sich die medizinische Versorgung leisten können muss, ist Konsens in diesem Land.
    Daher müsste es darum gehen, innerhalb dieser Prämisse ein möglichst freiheitliches (und damit effizientes) System zu schaffen.

  15. Iro

    @Die Stimme aus dem Off
    ist das ernst gemeint? Das würde den Verwaltungsaufwand nicht reduzieren, sondern erhöhen. Im jetzigen Systems wissen Arzt und Patient, dass sie sicher Zahlung bzw.Leistung erhalten, was etwaige Unsicherheit reduziert. In dem System gäbe es erhebliche Graubereiche, die zu unzähligen Zivil- und Strafklagen führten. Patienten müssten Angst haben, dass sie nicht operiert werden damit sich ihr Arzt die kosten spart, Ärzte müssten Angst haben auf ihren Kosten sitzen zu bleiben. Von so einem System würden nur Rechtsschutzversicherungen für Ärzte und Anwälte profitieren.

    Übrigens, zum Schweizer System: Das kann man getrost als gescheitert bezeichnen. Seit der Einführung ist der Anteil am Pro-Kopf BIP der Gesundheitskosten gestiegen, während sie in Deutschland etwa gleich blieben. Der erhoffte Effizienzwettbewerb ist ausgeblieben, statt dessen haben die Krankenkassen nur versucht sich mit teuren Werbekampagnen die jungen und gesunden Versicherten wegzuschnappen. Mittlerweile sieht es danach aus, als ob in der Schweiz eine Einheitskasse eingeführt wird um Verwaltungskosten zu sparen.

Einen Kommentar schreiben

Copyright © 2016 by: antibuerokratieteam.net • Template by: BlogPimp • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.