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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Deutsche in der Schweiz – (k)eine Polemik

M.M., 05.11.2010

Was mich als Kommunikationsprofi immer wieder fasziniert, ist, dass derselbe Text in einem anderen Kontext einen neuen Sinn bekommt. Ich meine, das ist doch das Internet! Und trotzdem gibt es immer noch diese Grenzen. Im Denken. Hier also ein paar provokante Gedanken, geschrieben für Schweizer in meinem Blog ennet der Grenze inklusive Originaltitel, nun auch auf einem deutschen Blog. Bin gespannt auf die Reaktionen.

Es ist bereits drei Jahre her, seit der Blick die Frage stellte: “Wie viele Deutsche verträgt die Schweiz?” Was für eine Frage, dachten wir damals.

Doch wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis umhöre, dann wird die Frage drei Jahre später so beantwortet: Es reicht.

Nun möchte ich gleich beifügen, dass es sich hier nicht um einen deutschfeindlichen Beitrag handelt. Also nix da SVP-Trittbrettfahrer.

Es geht um die Alltagswirklichkeit im Ingenieur- und Architekturbüro, im Spital, in der Werbe- und Marketinszene, in der Verwaltung von grösseren und kleineren Unternehmen, in Restaurants und Hotels, in öffentlichen Verkehrsunternehmen – kurz: am Alltagsarbeitsplatz.

Der nächste Roger Federer – ein Deutscher

Gestern interviewte Radio DRS den begeisterten Ballbubennachfolger von Roger Federer – der Balljunge sprach reinstes Hochdeutsch. Vor zwei Wochen ein Beitrag mit einer Beamtin des Bundes zu irgendeinem Schulproblem: eine Deutsche. Der Lehrer, der ebenfalls befragt wurde: ein Deutscher.

Eben am Telefon mit einem Geschäftspartner, der an einer Branchentagung der Basler Wirtschaftsförderung teilgenommen hat. Die anwesenden Verantwortlichen der Wirtschaftsförderung: Deutsche, die meisten Unternehmensleiter der Basler Firmen: Deutsche.

Nein, das ist kein deutschfeindlicher Beitrag, sondern eine Feststellung: In meinem  Berufsalltag sind die Deutschen eine derartige Selbstverständlichkeit geworden, dass Hochdeutsch nicht mehr nur im Kindergarten gesprochen wird, sondern eben auch in Sitzungen.

Die Dreischichtenschweiz

Unsere Gesellschaft besteht, holzschnittartig skizziert, neu aus drei übereinander gelagerten Schichten.

Oben, in der Führungsebene und den kreativen Elitejobs im Mittelbau sind es inzwischen vor allem Nichtschweizer, die das Sagen haben. Sie schätzen die beruflichen Möglichkeiten des Landes, die Gestaltungsfreiheit, die noch immer liberalen Grundwerte, die Sicherheit, die guten Verdienstmöglichkeiten, die Ordnung, den sozialen Frieden.

Im Mittelbau finden wir die Schweizer. Sie sorgen neben ihrem täglichen Job mit persönlichem Engagement in Politik, im Militär, in der Gemeinde, im Kanton, an der Urne dafür, dass es so bleibt und ist, weswegen die Schweiz im Ausland eine derart grosse Anziehungskraft geniesst.

Klar, es ist eine Minderheit, die sich in unserem Milizsystem engagiert, die eine Gemeindeversammlung besucht, die einer Partei angehört und es sind etwas mehr, die regelmässig an die Urne gehen. Aber genau wegen des Engagements von hunderten, von tausenden von politisch und gesellschaftlich engagierten Freiwilligen zahlen wir halt in einer Gemeinde wie Arlesheim weniger Steuern als in einer vergleichbaren Gemeinde, sagen wir in Deutschland.

Den Unterbau bilden Ausländer (und Schweizer), die Mühe haben, gesellschaftlich und beruflich mitzuhalten und andere, die dank den Transferzahlungen von allen, plus Milizleistungen der Schweizer, ein akzeptables Sozialeinkommen beziehen – verglichen, sagen wir mit Deutschland, gar ein gut bemessenes Sozialeinkommen.

Sprachliche Unterlegenheit?

Was ich seit ein paar Monaten beobachte, ist, dass sich bei berufstätigen Schweizern, gerade bei gut ausgebildeten und denen, die Verantwortung tragen (möchten), ein grosser Unmut aufbaut. Nicht gegen die Jugos, die haben ihren Platz unten. Sondern gegen die Deutschen und anderen Ausländer, welche in den Chefetagen und im Führungsmittelbau an manchen Orten einen starke Minderheit, an anderen inzwischen die Mehrheit bilden.

Auch gut ausgebildete Schweizer stellen fest, dass sie in einer Gruppe, auch wenn sie die Mehrzahl bilden, sprachlich den deutschen Kollegen unterlegen sind. Nicht weil die besser sind, sondern weil die schweizerische Art des Umgangs miteinander, auch des Abwägens und Hinterfragens, als Schwäche interpretiert wird.

Und ob es nun so ist oder nicht: Ein deutscher Chef stellt weitere Landsleute ein. Weil diese in Elternhaus und Schule ähnlich sozialisiert wurden, kapieren die auch leichter, was er meint und will als diese manchmal etwas eigensinnigen Schweizer.

Ich habe das selbst schon oft erlebt: Die reden perfekt drauflos, wollen aber einfach nicht kapieren, dass gerade gedankliche Umwege oftmals zu besseren Ergebnissen führen. Manchmal endet ein Erklärungsversuch im totalen, unüberbrückbaren Missverständnis. Weil ich der Chef war, habe ich ein paar Mal zum deutschen Führungsmittel gegriffen: Es wird jetzt einfach so gemacht, wie ich es sage. Ende der Ansage.

Politische Feuerwehrsteuer für Eliten

Ich habe kürzlich bei einem launigen Nachtessen den Vorschlag in die Runde geworfen, die Ausländer, die Eliteausländer zumal, sollten doch zu einer Sondersteuer verknurrt werden. Diese Sondersteuer würde beispielsweise für die Parteienfinanzierung verwendet und für Schweizer, die sich im Milizsystem engagieren. Eine Art politische Feuerwehrsteuer.

Klar ist das eine Grappaidee (der Grappa war exzellent!). Aber im Kern geht es doch um den simplen Sachverhalt, dass die Schweiz so angenehmen ist, wie sie von der ausländischen Elite geschätzt wird, weil sie auf allen Ebenen von engagierten Citoyens mitgestaltet wird.

Ohne engagierten Citoyen keine Schweiz

In der Schweiz lässt es sich so angenehm arbeiten und leben, weil verantwortungsbewusste Bürger für einen Gotteslohn Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen. Und nicht wie im Ausland teuer bezahlte Berufspolitiker und Beamte.

Was mich zur Ausgangsfrage zurückbringt: Wie viel Deutsche verträgt die Schweiz? Vielleicht müsste die Frage etwas anders gestellt werden: Wie viele Deutsche erträgt die Schweiz?

Disclaimer: Ich bin eingebürgerter Deutscher und verstehe gerade deshalb die Unterschiede.



28 Kommentare zu “Deutsche in der Schweiz – (k)eine Polemik”

  1. D.R.

    Polemiken können spannend und unterhaltsam sein – wenn sie es nicht sind, halten sie wenigstens ihrem Urheber den Spiegel vor. Insbesondere, wenn sich dieser nicht sicher zu sein scheint, ob er nun intelligent polemisieren will oder sein Stammtischglafer auch nach Abklingen der Wirkungen von Grappa (oder Kirsch oder Korn) noch ernst nimmt.
    Ein deutscher Balljunge am Swiss Indoors in Basel? Da scheint der Untergang der Eidgenossenschaft wirklich nahe, der kommt doch aus einem völlig fremden Kulturkreis, z.B. aus Weil am Rhein. Aber woher er genau stammt, vom Hochrhein oder der Ostseeküste, ist ja völlig egal – er hat halt “die deutsche Mentalität”. Sagen zumindest häufig diejenigen (hoffentlich nicht die so gut ausgebildeten Schweizer mit schweren Minderwertigkeitskomplexen in des Autors Bekanntenkreis), die danach gerne über die tiefgreifenden kulturellen Unterschiede zwischen dem Seewener und dem Liestaler philosophieren können. Die übrigens ja auch leicht an ihren völlig unterschiedlichen Muttersprachen zu erkennen sind, im Gegensatz zu den Deutschen, die ja alle gleich sprechen.
    Die Idee jedoch, den Zugewanderten (die ja in der Regel zumindest bis zum Erhalt der Niederlassungsbweilligung nach frühestens 5 Jahren tatsächlich einer Sondersteuer unterworfen sind) eine weitere Sondersteuer aufzuerlegen, gerade weil ihnen die demokratische Partizipation für mindestens anderthalb Jahrzehnte verweigert wird, hat etwas für sich – so viel bösartige Kreativität beim Ausquetschen der Untertanen kennt man eigentlich nur aus dem nördlichen Nachbarland.
    Ach so, der Autor ist (oder war) Deutscher.

  2. Thomas Edmund von Haller

    Die Wahrung der kulturellen Eigenart ist auch in Deutschland zuletzt ein großes Thema, man denke an die linksgrüne Medienkampagne gegen Sarrazin, der mit seinen Problemanalysen auch in liberalen Kreisen auf weite Zustimmung stößt, oder die verbreiteten Vorbehalte gegen kriminelle Ausländer. Kulturelle Eigenart ist ein Wert, der gerne verteidigt wird, gerade dann, wenn dieser Wert angegriffen wird. Ich tue mich allerdings schwer, trotz gefühlsmäßiger Zustimmung, die Fragen rund um die kulturelle Eigenart in ein liberales Denksystem zu integrieren.

  3. M.M.

    @DR: Ihre Argumentation ist bekannt. Ich möchte der Sichtweise auch nicht widersprechen. Denn die gut qualifizierten Einwanderer tragen und trugen mit dazu bei, dass die Schweiz die Wirtschaftskrise äusserst glimpflich überstanden hat (2009 und 2010 Milliardenüberschuss in der Staatsrechnung).

    Doch Faktum ist, das in den letzten zehn Jahren 300’000 Ausländer in die Schweiz gezogen sind (das ist fast Zürich). Die Bevölkerung ist von 7.3 Mio. auf aktuell 7.8 gewachsen. Ausländeranteil an der Wohnbevölkerung: 22 %.

    Die Zahl der Deutschen, die inzwischen die nach den Italienern die zweitstärkste Ausländergruppe bilden, hat sich in diesem Zeitraum von 118’000 auf aktuell rund 280’000 mehr als verdoppelt.

    Diese hoch qualifizierten Deutschen braucht die Schweizer Wirtschaft, da gibt es keine Zweifel.

    Aber ich kann den Spiess jetzt einmal umdrehen. Nehmen wir das Gesundheitswesen. Ohne die vielen tausend Ärzte, die in den letzten zehn Jahren in die Schweiz eingewandert sind, würde das schweizerische Gesundheitswesen schlicht zusammenbrechen. Wenn Sie sich umsehen, wer jetzt die privaten Landarztpraxen übernimmt – eben.

    Was die Schweiz betreibt, ist nichts als Raubbau an den intellektuellen Ressourcen Deutschlands. Denn der schweizerische Ärztemangel ist hausgemacht. Das Land bildet selbst viel zu wenig Ärzte aus, was Jahr für Jahr immer wieder festgestellt wird. Die Schweiz spart auf dem Buckel Deutschlands jede Menge Steuergelder für die teure Ärzteausbildung.

    Und nun die Kehrseite der Medaille: In manchen Abteilungen der Spitäler sind die deutschen Ärzte inzwischen in der Überzahl. Da knallen dann die unterschiedlichen Auffassungen von Hierarchien voll aufeinander (beispielsweise hat das Pflegepersonal in der Schweiz eine weitaus gewichtigere Stellung als in Deutschland). Es findet ein Verdrängungswettbewerb statt, der hausgemacht ist.

    Nun bin ich ja kein Arzt, das Problem kann mir also ziemlich schnuppe sein.

  4. Thomas Edmund von Haller

    Sie könnten aber Patient sein.

  5. D.R.

    @MM: Ehrlich gesagt habe ich nicht argumentiert, sondern (zurück)polemisiert – und dabei versucht darauf hinzuweisen, dass die von Ihnen geltend gemachten Überfremdungsängste im Hinblick auf Deutsche (oder auch Italiener, Franzosen, Liechtensteiner und Österreicher) sich jedenfalls kaum stichhaltig mit angeblich unterschiedlichen und inkompatiblen Mentalitäten begründen lassen, wenn man die Vielfältigkeit sowohl der Schweiz als auch Deutschlands zur Kenntnis nimmt. Solche Differenzierungen zu verhindern ist aber naturgemäss das Ziel politischer Akteure, die gerade zur Zeit wieder Fremdenfeindlichkeit schüren, um von dieser dann bei Wahlen und Abstimmungen zu partizipieren. Erschreckend ist dabei insbesondere, dass diese simple Gegenüberstellung von “Ich Schweizer, Du Fremder” anscheinend sogar bei Ihnen auf fruchtbaren Boden zu fallen scheint – wohl ein Iveta Gavlasovà/Yvette Estermann-Effekt*.
    Wenn man gestützt auf den vermeintlich schwer zu überwindenden und grundlegenden kulturellen Unterschied gerade zwischen Schweizern und Deutschen letzteren als Zugewanderten politische Partizipation für Jahrzehnte verwehrt* und dann diese für die Nichtausübung der – nichtgewährten – demokratischen Teilhabe nach ihrem Vorschlag bestrafen soll, ist dies jedenfalls schwer zu ertragen.
    Als Liberaler halte ich es eher mit dem alten Freisinn, der dem zunehmenden Ausländeranteil in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts mit einer vereinfachten, schnelleren Möglichkeit (oder gar Verpflichtung) zum Erwerb von Bürgerrechten und -pflichten (gerade wegen dieser) begegnen wollte.

    Anmerkungen für nichtschweizerische Mitleser:
    * Frau Estermann stammt aus der Slowakei und hat sich (unter rechtlich ungeklärter Helvetisierung ihres Vornahmens) die schweizerische Staatsbürgerschaft erheiratet – unmittelbar darauf gerierte sie sich als Überschweizerin (auch wenn es mit der Sprache noch etwas hapert) und wurde für die SVP gerade auf dem Gebiet der Ausländerpolitik aktiv.
    * Eine ordentliche Einbürgerung (also nicht im Wege der Heirat) setzt einen Mindestaufenthalt von 12 Jahren in der Schweiz voraus. Hinzu kommen kantonale und kommunale Wohnsitzfristen – wer seinen Wohnsitz innerhalb der Schweiz also verlegt, muss u.U. noch deutlich länger warten. Nach dieser Frist kann überhaupt erst der Antrag gestellt werden, woraufhin es einige Jahre dauern kann, bis dieser beschieden wird.

  6. M.M.

    Ich leide nicht an Überfremdungsängsten, warum auch. Die Fremdenfeindlichkeitskeule zu schwingen, ist albern.

    Es gibt sie, die Mentalitätsunterschiede. Ich kenne die sehr wohl. Ich gebe ein Beispiel: Ein Schweizer sagt nie ja oder nein. Oder ein “Da bin ich nun aber völlig anderer Meinung”, kommt einem Schweizer nie über die Lippen. Wenn er nicht einverstanden ist, dann sagt er: “Das ist eine interessante Idee, könnte man aber nicht auch….”

    Seinem Gegenüber zu sagen: “Das ist doch vollkommener Quatsch, den Sie da erzählen”, ruft höchste Empörung hervor. Besonders wenn so etwas ein Politiker einem anderen Politiker vor laufender Kamera sagt.

    Ich stelle einfach nur fest.

    Z.B. dass die meisten Schweizer, wenn sie im Alltag mit einem Deutschen reden, reflexartig ins Hochdeutsche wechseln. Und dabei so unverständliche Sätze wie “Ich muss noch schnell ein Telefon machen”, von sich geben. Sie meinen: “Ich muss noch schnell telefonieren.

    Das sind dann oftmals erheiternde Momente: Beispielsweise heute, wenn meine Frau im Hotel Ochsen in Arlesheim das Sitzungszimmer für die örtliche FDP für die nächste Woche reserviert und am Telefon nach drei Sätzen ins Hochdeutsche wechselt, weil die Dame an der Rezeption eine Deutsche ist und nicht Baseldeutsch versteht.

    Die Schweizer sind anpassungsfähig, keine Frage.

  7. Zettel

    Lieber M. M.,

    meine Anmerkungen zu Ihrem in der Tat nicht polemischen, aber doch (Nachdenken) provozierenden Artikel finden Sie in “Zettels Raum”

    Herzlich, Zettel

  8. M.M.

    Ich bedanke mich herzlich, dass Sie sich Zeit genommen haben, sich mit meinen Überlegungen auseinanderzusetzen.

    Übrigens: ich muss das mit dem Bildungsschmarotzertum der Schweiz noch etwas relativieren. Neue Zahlen, die in der Sonntagspresse publiziert wurden, besagen, dass in einzelnen Studienfächern (z.B. an der ETH Zürich) bis zu 45 Prozent (Chemie, andere Studienrichtungen so um die 40 Prozent (Architektur, Theologie) ) der Studierenden Ausländer sind. Sie bezahlen genau so wenig Studiengebühren wie die Schweizer.

    Was heisst, dass diese ausländischen Studenten jährlich mit bis zu 20’000 Franken gefördert werden. Die Bologna-Reform zeigt zumindest in der Schweiz Wirkung.

    Zitat: “Die Schweizer Universitäten müssen auch diejenigen aufnehmen, die in ihren Heimatländern keinen Studienplatz bekommen haben.”

    Das wird das nächste Thema werden. Jedoch: Von Fremdenfeindlichkeit keine Spur.

    PS: Unter “auseinandersetzen” (wird sehr oft verwendet) verstehen Schweizer “sich eingehend damit beschäftigen”. :-)

  9. Chat Atkins

    Anzumerken bliebe höchstens noch, dass durch die beschriebene Migration von deutschstämmigen Bürgern auf Schweizer Führungspositionen dann ja keineswegs ‘die Deutschen’ bei euch das resultierende Bild prägen, sondern eine – zugegebenermaßen ziemlich unangenehme – soziologische Gruppe von Deutschen. Sie besteht vorwiegend aus neoliberal-elitären ‘Leistungsträgern’, geistesfern, empathiefrei und getrimmt auf ‘Effizienz’, ‘Orjanisiern’ und Durchsetzen, Leute also, die hierzulande vor allem FDP wählen. Diese Figuren wiederum sind keineswegs mit ‘den Deutschen’ gleichzusetzen. Sie sind auch in Deutschland nur eine zunehmend dahinschwindende Minderheit, die in ihrem ‘Integrationsunwillen’ allerdings in beiden Gesellschaften ähnlich große Probleme zu machen scheint.

  10. Thomas Edmund von Haller

    Kurzum, Herr Atkins mag keine Leistungsträger. Um das zum Ausdruck zu bringen, hätte er sich mit einem kurzen Satz begnügen können.

  11. M.S.

    @D.R.:

    Die Idee jedoch, den Zugewanderten (die ja in der Regel zumindest bis zum Erhalt der Niederlassungsbweilligung nach frühestens 5 Jahren tatsächlich einer Sondersteuer unterworfen sind)

    Auf welche Sondersteuer beziehen Sie sich? Allenfalls die Quellensteuer? Diese ist steuerlich vorteilhaft – viele Schweizer würden gerne das Privileg der Quellensteuer geniessen (und gleichzeitig damit auch darauf verzichten, Militärdienst leisten oder für das Nichtleisten desselben bezahlen zu müssen). Ausserdem «vergessen» viele Ausländer vor lauter Quellensteuer, ihre übrigen Einkommen sowie ihr Vermögen zu deklarieren, bei gleichzeitiger äusserst zurückhaltender Verfolgung von Steuerdelikten in der Schweiz (ähnlich lasch wie in Deutschland übrigens, insofern eine Gemeinsamkeit).

    Frau Estermann stammt aus der Slowakei und hat sich (unter rechtlich ungeklärter Helvetisierung ihres Vornahmens)

    In der Schweiz darf grundsätzlich jeder unter frei wählbarem Namen auftreten – was im Pass steht, ist sekundär. So gibt es mindestens eine Bundesrätin, deren verwendeter Name rechtlich viele Fragen aufwirft:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Lukas_Hartmann#Nachname.3F

    @M.M.:

    @DR: Ihre Argumentation ist bekannt. Ich möchte der Sichtweise auch nicht widersprechen. Denn die gut qualifizierten Einwanderer tragen und trugen mit dazu bei, dass die Schweiz die Wirtschaftskrise äusserst glimpflich überstanden hat (2009 und 2010 Milliardenüberschuss in der Staatsrechnung).

    Gibt es dafür Belege?

    Z.B. dass die meisten Schweizer, wenn sie im Alltag mit einem Deutschen reden, reflexartig ins Hochdeutsche wechseln. Und dabei so unverständliche Sätze wie “Ich muss noch schnell ein Telefon machen”, von sich geben. Sie meinen: “Ich muss noch schnell telefonieren.

    Ein Fehler! Man muss den Einwanderern die lokale Sprache beispringen – ansonsten lernen sie nie dazu … zahlreiche Arbeitskollegen zeigen, dass Schweizerdeutsch problemlos zu lernen ist, wie eigentlich jede Sprache, mit der man alltäglich lebt.

    Übrigens: ich muss das mit dem Bildungsschmarotzertum der Schweiz noch etwas relativieren. Neue Zahlen, die in der Sonntagspresse publiziert wurden, besagen, dass in einzelnen Studienfächern (z.B. an der ETH Zürich) bis zu 45 Prozent (Chemie, andere Studienrichtungen so um die 40 Prozent (Architektur, Theologie) ) der Studierenden Ausländer sind. Sie bezahlen genau so wenig Studiengebühren wie die Schweizer.

    Leider – das sollte man dringend anpassen, ausser für jene Studenten, die man gezielt rekrutieren möchte. Vergessen haben Sie übrigens, dass Schweizer Kantone ihre eigenen Studenten subventionieren – und diese unfreiwillig ihre ausländischen Mitstudenten. Bislang hat es wohl nur die Universität St.Gallen geschafft, einen Numerus Clausus sowie leicht höhere Studiengebühren für Ausländer einzuführen.

  12. D.R.

    Sie leiden vielleicht nicht an Überfremdungsängsten, unterstellen sie aber allen “auch gut ausgebildeten Schweizern”, die angeblich sprachlich “den Deutschen” (welchen?) unterlegen sein sollen. Die grosse Mehrheit der Schweizer in meinem Bekanntenkreis würde sich wären über diese Zuschreibung jedenfalls empört. “Ich stelle einfach nur fest”, dass sehr viele Schweizer aller Sprachgruppen sich auch sehr direkt ausdrücken können – darunter auch solche aus der von mir erwähnten Partei (die ich einzig im Zusammenhang mit dem Schüren von Fremdenfeindlichkeit erwähnt habe). Und obwohl diese sich als besonders schweizerisch sehen, haben sie jedenfalls keine Hemmungen, wie von Ihnen angesprochen gegenüber anderen Politikern auszuteilen – siehe letzten Freitag, der Aufschrei hielt sich in Grenzen.
    Nun gut, für Sie gibt es offenbar halt nur eine gesamtschweizerische und eine gesamtdeutsche Mentalität (aber z.B. keine gemeinalemannische); das Verhalten eines Menschen messen Sie offenbar nur an dessen Staatsbürgerschaft.
    Dann erscheint auch verständlich, dass Sie über Ihre Kernthese – angebliche Rosinenpickerei der integrationsverweigernden Deutschen und Gegenmassnahmen hierzu – ohnehin nicht diskutieren wollen.

  13. Rayson

    @ 9.

    neoliberal-elitären ‘Leistungsträgern’, geistesfern, empathiefrei und getrimmt auf ‘Effizienz’, ‘Orjanisiern’ und Durchsetzen, Leute also, die hierzulande vor allem FDP wählen.

    Das sagt eine Menge aus. Allerdings nicht über die angesprochenen Deutschen und auch nicht über die FDP. Nur über dich.

  14. M.M.

    @D.R: Das ist Nonsense, was Sie hier schreiben. Aber um Sie zu beruhigen: Mir ist der gehätschelte Unterschied zwischen Baslern und Zürchern sehr wohl bekannt und dass die Aargauer nicht Autofahren können, wissen auch alle. Die Oberbaselbieter pflegen seit der Schlacht an der Hülftenschanz ihre Vorbehalte gegenüber den Baslern. Und alle mögen den Bündnerdialekt und finden denjenigen der Thurgauer schrecklich (bewegt sich in etwa auf der Flughöhe des Sächsischen). Und so weiter und so fort.

    Aber es geht hier nicht um die Pflege von Vorurteilen (ich kenne die: als Deutscher in Schweizer Schulen habe ich noch in den sechziger Jahren den 2. Weltkrieg persönlich verloren und wenn die Deutschen gegen wen auch immer Fussball spielen, sind die Schweizer reflexartig noch immer für wen auch immer – Sie auch?)

    Sei’s drum.

  15. Rayson

    Ich als jemand, der zukünftig auch mehr in der Schweiz aktiv sein möchte, kann nur hoffen, dass man das “drüben” differenziert zu sehen vermag. Es soll ja auch Deutsche mit internationaler Kompetenz geben, die das eigene Verhaltensmodell nicht als global normal ansehen – eher im Gegenteil…

    Aber obwohl es meinen eigenen Ambitionen entgegensteht, kann ich die Schweizer Vorbehalte gut verstehen. Insbesondere wenn Deutsche in der Schweiz Deutsche bevorzugen, kann das auf Dauer nicht gut gehen. Wer mit seinem Verhalten aus der Schweiz Deutschland machen will, scheint zu vergessen, warum er gekommen ist. Aus meiner Sicht angemessener wären folgende Reaktionen:

    1. dankbar sein, mitmachen zu dürfen
    2. Augen auf und lernen

    Bescheidenheit und Humor (wenn er nicht gerade krachledern daherkommt, sondern eher einen hohen Anteil an Selbstironie mitbringt) haben auch noch niemandem in der Fremde geschadet, selbst wenn sie auch noch so vertraut erscheint.

  16. D.R.

    @M.S.: Ja, die Quellensteuer, die aber zwar im Einzelfall (wohnhaft in einer Gemeinde mit überdurchschnittlichem Steuerfuss und wenige relevante Abzüge, die bei ordentlicher Veranlagung geltend gemacht werden könnten) vorteilhaft sein kann, in der Mehrzahl der Fälle jedoch zu einer Steuermehrbelastung führt (siehe die BGer-Entscheide dieses Jahr hierzu) und jedenfalls ein eigentliches Sondersteuersystem für Ausländer darstellt. Der Militärpflichtersatz hat nichts mit dem Besteuerungsverfahren zu tun, sondern eben damit, ob man mangels Bürgerrecht keinen Militärdienst leisten kann oder muss (anders der Feuerwehrersatz, der in der QuSt enthalten ist).
    Zu Fr. Estermann – die (zugegebenermassen alte) Diskussion um den Vornamen rührt daher, dass sie auch als Verwaltungsrätin der “Freien Universität Teufen” als Yvette im Zefix eingetragen war.

    @Rayson: nach meiner Erfahrung gibt es viele, eben gerade unter den von M.M der gegenteiligen Ansicht bezichtigten gut ausgebildeten Schweizern, die das in der Tat deutlich differenzierter sehen. Die angebliche Bevorzugung von Deutschen durch Deutschen bei Einstellungen ist auch eher eine mediale (und politische) Zuschreibung, tatsächlich ist es halt häufig so, dass wenn man schon eine Kaderposition mit Deutschen besetzen muss, man meistens für die unterstellten Personen auch “nur” Ausländer findet – in vielen Bereichen der schweizerischen Wirtschaft herrscht trotz Krise immenser Fachkräftemangel.

  17. Die Stimme aus dem Off

    Schweizer fühlen sich also überfremdet, wenn gut ausgebildete Deutsche mit hohen Einkommen einwandern. Wegen der unterschiedlichen Kultur und leichten Integrationsproblemen. Was würden die erst sagen, wenn die Schweiz ähnlich viele schlecht ausgebildete Türken und Araber aufnehmen würde, die keinerlei Tätigkeit nachgehen (können) und stattdessen die Knäste bis zum bersten füllen und die Sozialkassen leeren? Achja, ich vergaß: Die Ausschaffungsinitiative. Da sieht man mal wie belastbar die Deutschen im internationalen Vergleich sind.

  18. Christian S.

    “Achja, ich vergaß: Die Ausschaffungsinitiative. Da sieht man mal wie belastbar die Deutschen im internationalen Vergleich sind.”

    Das ist ein spannender Gedanke. Müsste man sich mal genauer anschauen.

    Aber ich mag diese Schweizer. An deutschen Unis sind die Schweizer Dozenten ja auch schon eine bedeutende Minderheit. Sehr schöne Sache, das! Allein die Sprache. :-)

  19. tigger

    Leute also, die hierzulande vor allem FDP wählen. Diese Figuren wiederum sind keineswegs mit ‘den Deutschen’ gleichzusetzen.

    @9:Rrrrrrichtig, ain ächtrerr Doitscher wählt nöcht die FDP !!

  20. Thomas Edmund von Haller

    Es ist unfassbar, wie ein bekannter linksgrüner Blogpöbler eine geistferne Entgleisung der intelligenzbefreitesten Art hervorbringt, welcher aus seinem rückenmarksbedingten Hass auf alle Liberale gespeist wird, und in seinem dümmsten Satz dann auch noch auf die angebliche Geistesferne von Spitzenleistern verweist.

    Eigentlich sollte so man so einem Kandidaten Blogverbot erteilen, aber als Clown ist Chat Atkins unschätzbar lustig.

    Ich plädiere darum dafür, seine geistige Jauche hier frei zu schalten. Einfach zu lustig.

  21. R.A.

    Interessanter Beitrag – einige Punkte verstehe ich aber nicht ganz.

    Daß die Deutschen in einigen Spezialisten-Nischen erfolgreich sind, kann ich verstehen. Und da Qualifikation bei Beförderungen selten wirklich nachteilig ist, wird das wohl auch ab und zu zu Führungspositionen führen.
    Aber kann es wirklich sein, daß die Neulinge wirklich in den Führungeetagen das Sagen haben? Da habe ich doch ein leichtes Glaubensproblem.

    Dann stimmt es natürlich, daß die Schweizer Konflikte meist nicht so offensiv formulieren wie die Deutschen. Aber nach meiner Erfahrung, heißt das selten, daß sie in solchen Konflikten den Kürzeren ziehen – in punkto Durchsetzungsfähigkeit sind die Deutschen eher unterlegen.

    Und was nun das zivile Engagement anbetrifft (die Miliz ist ein Sonderproblem): Natürlich ist das für die Gesellschaft sehr wichtig. Aber wollen die Schweizer wirklich, daß die Deutschen jetzt auch noch im Heimatverein und in der Kommunalpolitik mitmischen?
    Das Engagement dort hat für die Schweizer ja einen ganz wesentlichen Vorteil (und deswegen braucht es wohl keinen Ausgleich per Sondersteuer): Sie können damit sicherstellen, daß ihre Wünsche im Land realisiert werden die und die Schweiz weiterhin so aussieht, wie die Schweizer es wollen.

  22. Siegmar

    @ tigger: LOL haben wir hier etwa einen CDU-Anhänger??

  23. M.M.

    Okay Leute, die Sache ist die, der Meister in Sachen Einwanderung,Thilo Sarrazin, hat auch in der Schweiz Klartext geredet:

    «Deutsche Einwanderer sind doch kein Problem»

    Damit wäre das Thema doch abgehakt.

  24. Rainer S.

    “Disclaimer: Ich bin eingebürgerter Deutscher und verstehe gerade deshalb die Unterschiede.”

    Es ist eigenartig, dass gerade eingebürgerte Schweizer häufig zu “Überschweizern” mutieren.

    Als jemand, der im allemannischen Raum aufgewachsen ist und die Schweiz aufgrund der Grenznähe immer als “Zweitheimat” begriffen hat, wundert man sich schon sehr über diese Besitzstandswahrungs-Reflexe und diese Art von Diskriminierung.

    Aus meiner Familie und meinem Bekanntenkreis arbeiten immer mehr Personen in der Schweiz. In den benannten Berufsgruppen. Ingenieur, Arzt, Lehrer.

    Und aus meiner eigenen Zeit als Führungskraft in Zürich kann ich bestätigen, dass man in vielen Berufszweigen in der Schweiz keine brauchbaren Bewerbungen von Schweizern oder “Pass”-Schweizern (um hier noch einen weiteren diskriminierenden Terminus der Eidgenossen unterzubringen) bekommt.

    Man kommt gar nicht umhin auf deutsche (in den Anfangsjahren der starken deutschen Migration bedeutete das vor allem “ostdeutsche”) Mitarbeiter zurückzugreifen.

    Was den Hinweis auf das Erlernen des Schweizerdeutschen anbelangt: die Schweizer aus den italienischsprachigen und französischsprachigen Teilen der Eidgenossenschaft, denen ich in der Arbeit begegnet bin, waren immer dankbar für mein Hochdeutsch. Die “Sprache” ihrer Landesbrüder im “Grand Ville” erschloss sich ihnen nie. Sie verstanden sie schlicht und einfach nicht.

    Bevor ich einen “deutschen Einwanderer” zu Swisslink schicke, um einen sprachlich höchst eingeschränkten Dialekt (oder soll ich hier wirklich von einer “Hochsprache” reden?) zu erlernen, empfehle ich ihm drei Mal das Aneigenen der anderen Landessprachen.

    Dieser Reflex, dem großen Kanton den schwarzen Peter zuzuschieben….einfach peinlich. Bleibt noch zu erwähnen, dass die meisten meiner aus dem Allemannischen stammenden Freunde irgendwann wieder in Deutschland leben wollen, und wenn es in Grenznähe als Pendler ist. Sie vermissen die “Offenheit” sagen sie. Und das will etwas heißen bei einer so katholisch-piefigen Region wie Südbaden.

  25. M.M.

    Bin in Freiburg i.Br. geboren – eine schöne Stadt. Schweizer bin ich meistens nur im Ausland. Ich bin kein Pass-Schweizer sondern ein Papierli-Schwyzer. Wenn schon. Aber sonst gefällt mir ihr Kommentar. Sie bringen meine Feststellungen in jedem einzelnen Abschnitt sehr schön auf den Punkt.

  26. Christian S.

    “Und das will etwas heißen bei einer so katholisch-piefigen Region wie Südbaden.”

    Stimmt, Nordbaden ist bedeutend schöner. :-P

  27. Daniel Drungels

    Als die Gastarbeiter in Deutschland arbeiteten, interessierte sich niemand für ihre Mentalität. Nur ein paar geistig Andersbefähigte glaubten, die Ausländer würden ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen. Die Gastarbeiter waren ihnen gewissermaßen zu fleißig.

    Nun, da es für Gastarbeiter weniger zu arbeiten gibt, sie also vielfach den Zusatz “-arbeiter” verlieren, werden sie zu Gästen, deren Integration in die Transfergemeinschaft aus Gründen der Mentalität problematisch zu sein scheint.

    Folgt man M.M. scheint die Mentalität der Gäste auch in der Schweiz erst dann zum Problem zu werden, wenn für die Autochthonen die Luft nach oben dünn wird.

    Mir scheint, als ginge es weniger um Mentalität, als um Brieftaschen. Aber vielleicht irre ich mich auch.

  28. pit

    Jetzt will ich doch auch noch meinen Senf loswerden. Ich habe mehrfach in der Schweiz gearbeitet und hatte mit den Schweizern keinerlei Probleme. Im Gegenteil – ich bewundere die schweizer direkte Demokratie. Dafür akzeptiere ich gerne die Mundart und die Ausschaffung. Wen ich dort erdulden musste – deutsche Männer, die sich in die Schweiz absetzen um weder Alimente noch Ex-Unterhalt zahlen zu müssen. Und die liefen mir zu oft über den Weg. Ansonsten akzeptiere ich als Ausländer, die eine odere andere Spitze.
    Wer das nicht abkann soll in seinem deutschen Dorf bleiben.
    Und wieviele Deutsche verträgt die Schweiz? Welche Schweiz eigentlich? Die Welsche oder die Deutche Schweiz? Bald wird die Schweiz EU – Land sein. Dann lautet die Frage wieviele Schweizer die Deutschen in der Schweiz vertragen werden

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