WikiLeads – Totengräberin des freien Internets?
M.M., 01.12.2010
Wir haben ja, je nach politischem Standort, unsere diebische Freude an dieser Wikileaks-Sache. Und ein paar Medien machen das grosse Geld.
Doch im Grunde genommen ist das alles gar nicht lustig.
Ich meine nicht deswegen, weil da ein paar amerikanische Botschafter am nächsten Cocktailempfang in Unterhosen rumstehen werden.
Nein, hier werden jetzt Kräfte mobilisiert, die das bis anhin mehr oder weniger frei zugängliche Internet in Schranken weisen möchten.
Denn den Herrschenden – sei es nun der kleine FDP-Landrat in Liestal oder der mächtige Mann in der Schaltzentrale eines multinationalen Konzerns – ist es schon längst ein Dorn im Auge, dass da jeder ins Netz stellen kann, was er oder sie gerade denkt.
Erste Tendenzen zeichnen sich ab.
Beispielsweise Apple: Das Unternehmen baut tatkräftig ein geschlossenes System, ein Paralleluniversum zum frei zugänglichen Internet auf. Aus diesem geschlossenen Webkreislauf ist derzeit nur noch Safari das Fenster zur Aussenwelt. Fällt der Webbrowser weg, ist auch die Türe zu.
Und derweil basteln marktmächtige Kabel- und Netzanbieter unterschiedliche Zugangsangebote. In England bekommt man für umgerechnet 20 Franken im Monat nur noch den Zugang zu ein paar Unterhaltungswebsites. Wer auf Wikipedia zugreifen will, mit anderen Worten: frei surfen will, muss tiefer in die Tasche greifen.
Die Swisscom bastelt am Mobile-Web der unterschiedlichen Geschwindigkeiten.
In Deutschland wurde eben eine neues Jugendstrafgesetz verabschiedet. Das hat zur Folge, dass ich diesem Text, diesem Blog, eine Altersdeklaration beifügen müsste. Mache ich das nicht, drohen mir exorbitant hohe Geldstrafen. Die ARD schaltet den Tatort und andere Sendungen deshalb erst ab 20.00 Uhr auf. Tausende von Beiträgen haben die grossen Fernsehstationen in den letzten Monaten bereits vom Netz genommen.
Die Staaten, die restriktiver werden möchten, haben jedoch nicht nur willige Verbündete in den Telecom- und Kabelgesellschaften. Mächtige Verbündete im Kampf gegen den freien Informationszugang sind die Medienunternehmen. Diese möchten die Oberhoheit über den Nachrichtenstammtisch zurückerobern, indem sie Bezahlschranken runter lassen.
Herr Murdoch ist ein Vorreiter.
Noch im Dezember will er eine “Zeitung” exklusiv fürs iPad herausbringen. Bei Springer plant man Ähnliches. Die deutschen Verleger lobbyieren seit Monaten für ein Gesetz, das beispielsweise diesem Blog verbietet, weder aus einem Artikel zu zitieren, noch den Inhalt kurz zusammenzufassen und schon gar nicht auf den Beitrag zu verlinken. Auch wenn der gratis im Netz steht.
Man redet über Google, meint aber die Kontrolle übers Netz.
Und versucht inzwischen mit Apps den Zugang zur Information regeln. Solche Inhalte können dann weder kopiert noch verlinkt werden. Man ist wieder zurück im alten System und könnte genau so gut beim Papier bleiben.
Wie die Entwicklung verlaufen kann, zeigt eindrücklich die Musikindustrie. Dort ist der Mist geführt, das heisst, die illegalen Gratistauschportale sind tot. Nicht dass ich das bedaure. Doch das Ergebnis ist nun, dass das Musikbusiness trotzdem nicht mehr von den grossen Labels und ein paar Ladenketten beherrscht wird, die CDs verkaufen, sondern von nur noch zwei Playern, von Apple mit iTunes und von Amazon.
Gut, auch die Preise sind derart im Keller, dass sich selbst Gratistauschen nicht mehr rechnet.
Die Wikileaks-Sache kann also ganz üble Auswirkungen haben. Denn man soll sich bloss nicht täuschen: Die Feinde und die Verbündeten der USA ziehen hier am selben Strick. Sie werden sich vereinen im Willen, mit vielen kleinen neuen Gesetzen das Netz ihrer Kontrolle zu unterwerfen.
So könnte Herr Assange, der offenbar einen privaten Feldzug gegen die USA führt, zum Totengräber des freien Internets werden. Weil nun jede Menge Leute sich zusammenfinden werden, um gemeinsam Tabularasa zu machen.
Das ist keine schöne Vorstellung.
Der Beitrag erscheint auch hier: arlesheimreloaded
antibuerokratieteam.net





Als ob die Demokratie-Faschisten für den bevorstehenden Angriff aufs freie Internet dieses WikiLeaks-Desaster gebraucht hätten (und wer weiß ob die Geheimdienste des “freien Westens” das Ding aus eben jenen Gründen nicht selbst inszeniert haben).
Kann man jemanden der die Zensur herausfordert, für diese verantwortlich machen? Ist eine Institution, die gestohlene Daten kauft um damit Gewinne zu machen, kriminell, und ein Rechtsstaat ist es nicht, wenn er das gleiche tut?
Jeder ist erst mal für sich selbst verantwortlich denke ich, und danach für andere. Locker bleiben.
Dieser Blog hat Klasse wegen derjenigen, die für ihn schreiben. Und die Freiheit des Internets ist zu jung und zu dynamisch, um es zu beerdigen zu können.
Und wieso soll Wikileaks Schuld sein, wenn Regierungen und mit den Regierungen rumhurende Konzerne, das Internet zensieren wollen?
Klare Ansage von Roger Köppel:
http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2010-4800000/artikel-2010-48-editorial-wikileaks.html
@Adrian
Das finde ich auch nicht nachvollziehbar. Als Begründung werden sie dennoch herhalten wie so oft. Danach wird aber wieder munter auf die Zensurpraxis in China mit dem Finger gezeigt.
Genau mein Gedanke. Richtig sensationelle Neuigkeiten tauchen dort doch gar nicht auf. Und was liegt näher, als so ein armes Schwein in Russland oder China zum Geheimnisverrat für eine angeblich ach so sichere Plattform anzuregen und es dann in einem Arbeitslager verrecken zu lassen? Wer wirklich glaubt Wikileaks sein für die Verräter ungefährlich, ist nicht mehr bei Verstand. Schon an den veröffentlichten Texten kann man nämlich erkennen, wer das Dokument zuletzt hatte. Denn häufig werden solche Texte vor der internen Weitergabe leicht verändert. Jede Veränderung im Satzbau lässt aber auf denjenigen schließen, der es veröffentlicht hat.
[...] bewerten sollte. Das Spektrum an Meinungen reicht von Unterstützung für die Ziele, über Angst vor den möglichen Auswirkungen auf das frei Internet bis hin zu radikalem Zynismus, der Untertan an sich dürfe ja nicht zu viel wissen. Und die [...]
Die Katze ist schon aus dem Sack. Wenn jetzt das Internet dichtgemacht wird, ist dies eine Bestätigung, daß Zensur ausgeübt wird.
Dann werden sich eben Gruppen sammeln, die gemeinsam im Internet surfen werden. das heißt, daß weniger Internetanschlüsse bestehen werden. Das wird die Werbung auf die Palme bringen.
Es verdienen schon zuviele im Internet.
Ich empfehle eine Vernetzung. Tauschen wir Nachrichten untereinander aus. So haben wir eine automatische Auswahl von Nachrichten, die wir haben wollen.
Wenn nur wenige bei diesen Portalen beteiligt sind, wird die Unterhaltung eines Portals zu teuer. In den letzten Jahren wurde schon öfters versucht, das Internet kostenpflichtig zu machen. Und was ist?
Wir sollten immer selbst initiativ sein. Denn die Portale brauchen uns. Wir können ohne sie leben.
Es ist wie die Grünen immer wieder posaunten: Der Mensch braucht die Natur, die Natur kann ohne den Menschen auskommen.
Die Portale brauchen uns Surfer, wir können ohne surfen leben.
Leider haben sie zu 100 % recht. Eigentlich ist das internet genauso revolutionär wie Gutenbergs Erfindung. Und so wird es auch von den jeweiligen Machthabern bekämpft werden. Mit allen Mittel die auch totalitäre Demokratien schaffen. WikiLeaks spielt dabei die Rolle des Senders Gleiwitz bei den Nazis. Man muss irgendeine öberflächliche Begründung haben die Menschen vom inoffiziellen Austausch von Gedanken und Meinungen weg zu halten. Die Gedanken sind frei? Weg damit , erst gibt es getü…kte Vergewaltigungsvorwürfe und wenn das für die Knechte aus Justiz und Politik zu viel Arbeit erfordert erledigt man das mit der russischen Gerichtsbarkeit. Wir werden einen Elite-Faschismus bekommen , dagegen waren Hitler und Stalin echte Bewahrer der Informationsfreiheit.