…zieht aus und rettet die Welt. Denn diese ist bedroht – und zwar dadurch, dass es kein funktionierendes Weltwährungssystem gibt, dass der Euro von Spekulanten attackiert wird und dass die hohen Rohstoffpreise die Inflation anheizen. Den Euro wird er gemeinsam mit seiner Kollegin aus Deutschland bis zum letzten verteidigen. „Denen, die gegen den Euro wetten wollen, sage ich ‚Vorsicht, wir sind entschlossen, den Euro zu verteidigen.'“Da sollen sich die Spekulanten gar nichts anderes einbilden. Nie, nie werden sie ihn fallenlassen. Das ist für ihn eine Frage des Friedens, überhaupt der Weiterexistenz von Europa. Dafür, so muss man das verstehen, sind sie bereit, das letzte Hemd ihrer Bürger zu opfern.

Ein neues Weltwährungssystem will er schaffen. Da ist er noch nicht sehr konkret, aber es soll den Interessen aller dienen, nicht etwa denen einzelner Länder. Das kündigt er vor den sogenannten globalen Eliten in einem Schweizer Kurort an. Als Vorsitzender von G8 und G20 fühlt er sich dazu berufen.

Doch wen rettet der selbsternannte Anführer der Welt wirklich? Wie lassen sich seine Ankündigungen so übersetzen, dass sie auch diejenigen verstehen, die sie bezahlen müssen?

Der kleine Mann aus Frankreich will ein System retten, in dem sich Staaten beliebig verschulden können und die Zinsen dafür niedrig bleiben, da die Spekulanten wissen, dass immer die Steuerzahler irgendeines Landes einspringen. Er will ein System retten, in dem große Banken und Unternehmen so mit den Staaten verquickt sind, dass sie immer von deren Steuerzahlern gerettet werden, wenn sie durch Missmanagement in Schwierigkeiten geraten. Deren Vertreter bilden dann die globalen Eliten, die sich für staatliche Garantien gern in Davos ein wenig moralinsaure Kritik anhören.

Der kleine Mann aus Frankreich will, dass zur Rettung des Euros so viel Geld gedruckt geschöpft, wie die Politiker wollen. Er will also gemeinsam mit seiner Kollegin aus Deutschland den Euro retten, indem er ihn ruiniert. Das stilisiert er auch noch zu einer Frage von Krieg und Frieden. Das entbehrt jeder Logik, aber nicht einer gewissen Komik – man stelle sich nur die Regimenter griechischer Frührentner vor, die nach Norden marschieren, weil von dort kein Euros mehr kommen. Oder man stelle sich die Frage, warum eine Währung deshalb verschwinden solle, wenn irgendjemand Schulden in dieser Währung hat und sie nicht mehr bezahlen kann.

Und schließlich beklagt er sich über große Preisschwankungen bei Rohstoffen, die die Inflation anheizen würden. Auch diese Preisschwankungen will er bekämpfen, natürlich auf globaler Ebene. Dass die Blasen auf den Rohstoffmärkten – genauso wie auf vielen anderen Feldern – ein Ergebnis der globalen Politik des ungehinderten Gelddruckens sind, kommt ihm nicht in den Sinn. Schon gar nicht kommt ihm in den Sinn, dass die Spekulanten die einzigen waren, die noch stärkere Auswüchse verhindert haben, weil sie die Blasen zum Platzen gebracht haben. Eigenartigerweise hat ja noch kein Politiker diejenigen Spekulanten kritisiert, die einem offensichtlich zahlungsunfähigen Land Geld leihen, weil sie darauf spekulieren, dass die Politik ihre Bürger schon zwingen wird, dafür aufzukommen.

Mit dem, was er fordert, rettet er also nicht die Welt, sondern die Staaten und Wirtschaftsunternehmen, die von einer Politik des billigen Geldes, von Preis- und Wechselkurskontrollen, von Subventionen und abgeschotteten Märkten und all den anderen Dingen, die ihm und seinen Kollegen noch so einfallen, profitieren. Und dazu ist es notwendig, möglichst viele Menschen weiterhin glauben zu lassen, dass sie von Spekulanten und nicht etwa von Politikern, die sich die Zustimmung ihrer Bevölkerungen mit deren Geld kaufen, bedroht sind. Dazu ist es notwendig, Angst zu verbreiten vor einem Zerfall Europas und gleich die Schuldigen zu präsentieren. Ich hoffe, dass Spiegel Online, so staatsgläubig und –tragend wie immer, mit seiner Prognose auch diesmal falsch liegt: Diese Rede könnte historisch gewesen sein.