oder bin ich der Einzige, der gerade das Gefühl hat, dass Europa ohne großes Aufsehen auf dem Weg zu einer europäischen Zentralregierung geht und dass eine Weltwirtschaftsregierung näherrückt? Und dass viele das sogar gut finden? Und dass erstaunlich wenig darüber und vor allem dagegen geredet wird, gerade unter Liberalen?

Alle reden über Guttenberg und die Hartz-Reform, dabei liegt doch jedenfalls bei Guttenberg Problem und Lösung auf der Hand – siehe unten. Doch im Hintergrund läuft das größte Zentralisierungsprojekt der neueren Geschichte.

Die EU bekommt eine Wirtschaftsregierung, und – von einigen Widerständlern abgesehen – machen alle mit. Es ist ja für eine gute Sache: In den Ländern soll für mehr Haushaltsdisziplin gesorgt werden, ihre Rentenpolitik soll koordiniert werden usw. Es ist fast egal, wie viel davon tatsächlich umgesetzt wird – all das sind Schritte in eine gefährliche Richtung. Und zwar nicht deshalb, weil ein ausgeglichener Haushalt schlecht wäre, sondern weil eine Institution geschaffen wird, die mehr Zentralisierung bedeutet.

Diese Zentralisierung wird verkauft mit allerlei einzelnen Zielen, die nicht alle schlecht sind. Doch ist der Apparat erst einmal geschaffen, kann er jeden Irrweg bestreiten – und es gibt keine Alternative mehr. Einheitliche Steuersätze und Besteuerungsverfahren sind zu erwarten. Vieles, was die EU heute beschließt und bestimmt, hätte sich vor ein oder zwei Jahrzehnten niemand vorzustellen können. Auch eine Wirtschaftsregierung wird letztlich den Gesetzen jeder Regierung folgen: Sie wird ihren Einfluss mehren, sie wird Finanzquellen erschließen, sie wird allen sagen, was gut und richtig ist.

Jetzt kann man fragen: Wieso, wenn Deutschland schon die Schulden für andere übernehmen muss, dann sollen wir wenigstens auch Einfluss darauf haben, wie dort die Wirtschafts- und Finanzpolitik läuft. Sonst ist das doch ungerecht: Wir bezahlen, und die machen, was sie wollen. Doch die Lösung dieses Problems ist viel einfacher: Jeder, der Kredite gibt, trägt selbst das Risiko. Wer eine so viel Geld ausgibt, dass er die Schulden nicht mehr bezahlen kann, geht Pleite. Wer zu vielen Pleitiers Geld geliehen hat, geht auch Pleite.

Die Visionen der Global-Etatisten gehen noch weiter: Unser ehemalige Präsident gehört einem Gremium ehemaliger hoher Beamter an, das Vorschläge gemacht hat. Das Weltfinanzsystem und die Weltwirtschaft sollen reformiert und reguliert werden. Der IMF, so der Vorschlag, entwickelt Indikatoren, mit denen die Richtigkeit der Wirtschaftspolitik einzelner Länder bewertet werden. Dazu bekommen er, oder die G20, oder die Weltbank, Sanktionsinstrumente in die Hand, um Abweichler zu bestrafen. Und wieder soll es funktionieren wie in Europa: Ein paar Dinge klingen ganz vernünftig – warum sollen sie dann nicht gleich global umgesetzt werden. Doch die Globalbürokraten werden nicht immer mehr oder weniger vernünftige Dinge, sie werden vor allem ihre Macht konsolidieren. Sie werden ihren Einfluss mehren, sie werden Finanzquellen erschließen, sie werden allen sagen, was gut und richtig ist – und dann wird es richtig ungemütlich…

Und hier noch die Auflösung zu Guttenberg: Sein Ghostwriter ist ein verkappter Taliban, der ihn durch geschickten Einbau von Plagiaten schädigen will. Auch der Ausweg für zu G. ist klar: Er holt sich in Afghanistan einen Streifschuss, und erklärt dann mit Verband und großer Entschlossenheit bei Beckmann, dass er jetzt in sich gegangen und tief berührt vom großen Interesse an seiner Person sei, sich bei allen Plagiierten entschuldigt und seine Arbeit überarbeiten wird. Die Umfragewerte steigen über 100%, die Dissertation erscheint als Taschenbuch für 8,80 Euro – anstatt der 88 Euro, die sie jetzt kostet.