Hat Sie die Überschrift – die den immer neuen Horrormeldungen der Boulevardpresse von BILD über SPIEGEL bis TAZ zur Krise im japanischen Reaktor in Fukushima nach dem Mega-Beben doch so diametral entgegensteht – verwundert?

Dr. Josef Oehmen, Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston begründete diese Aussage im Blog Morgsatlarge in einer detaillierten und faktenreichen Einschätzung der Problematik aus seiner Sicht, die der Hysterisierung durch die Medien vehement widerspricht: Why I am not worried about Japan’s nuclear reactors.

Nachfolgend hier mit freundlicher Genehmigung die Übersetzung dieses Artikels, wie sie von unseren Freunden von Chaverim Israel* auf Facebook veröffentlicht wurde. Machen Sie sich auf einen langen Text statt kurzer Parolen gefasst.

Mich persönlich als Laien in Sachen Nukleartechnologie würden in der zu diesem Beitrag sicher entstehenden Diskussion weniger die Statements der einschlägigen Wahlkampfbeauftragten und Berufsbetroffenen interessieren, sondern fachkompetente Kommentare zum Inhalt des Textes von Dr. Oehmen. Die werten Leser mit Priorität auf Ersterem wenden sich bitte vertrauensvoll an den A’Team CIO (Combat Infantry Officer…) Deltafoxtrot, der ihnen sicher gerne die angebrachte Antwort gibt.

(*„Chaverim Israel – We are a community of friends of Israel. With a strong emphasize to classical liberalism (libertarianism) and an equally strong abhorrence for any kind of antisemitism, be it open or cloaked in anti-zionism“)

Update am16.03.2011

Hier der Text:

Warum ich über die Kernkraftwerke in Japan nicht beunruhigt bin.
Dr. Josef Oehmen

Ich schreibe diesen Text (12. März) um Ihnen ein wenig Beruhigung hinsichtlich der Ereignisse in Japan, das heißt der Sicherheit der japanischen Kernkraftwerke zu verschaffen. Vorab, die Situation ist ernst, aber unter Kontrolle. Und dieser Text ist lang! Aber Sie werden mehr über Kernkraftwerke nach der Lektüre wissen als alle Journalisten auf diesem Planeten zusammen genommen.

Es gab keine signifikante Freisetzung von Radioaktivität und es wird zu keiner kommen.

Unter „signifikant“ verstehe ich eine Strahlendosis die höher ist als Sie bei einem -sagen wir – Langstreckenflug ausgesetzt wären, oder beim Genuss eines Glases Bier aus bestimmten Regionen mit hoher Hintergrundstrahlung (natürliche Strahlung)Ich habe jede Zeitungsberichte über den Vorfall gelesen, seit das Erdbeben geschah. Es gab nicht einen einzigen(!) Bericht, der akkurat und frei von Fehlern war (und Teil des Problems ist auch die Schwäche in der japanischen Krisenkommunikation. Mit“ frei von Fehlern“ beziehe ich mich nicht auf tendenziösen Anti-Atomkraft-Journalismus – der ist heutzutage ziemlich normal. Mit “ nicht frei von Fehlern“ meine ich eklatante Fehler hinsichtlich der physikalischer und von Naturgesetzen, als auch eine grobe Falschinterpretation von Fakten, aufgrund des Fehlens von grundlegendem Verständnis wie Kernkraftwerke gebaut und betrieben werden. Ich habe einen dreiseitigen CNN Bericht gelesen in dem jeder(!) einzelne Absatz einen Fehler enthielt.

Wir müssen einige Grundlagen untersuchen, bevor wir uns dem zuwenden können was vorgeht

Konstruktion der Fukushima Kernkraftwerke

Die Kraftwerke in Fukushima sind sogenannte Siedewasserreaktoren, kurz BWR (Boiling Water Reactor) Heißwasserreaktoren funktionieren ähnlich wie ein Dampfkochtopf. Der nukleare Brennstoff erhitzt Wasser, das Wasser kocht und erzeugt Dampf, der Dampf treibt die Turbinen an die Elektrizität erzeugen, und dann wird der Dampf abgekühlt und kondensiert wieder zu Wasser, dass danach zurück zum nuklearen Brennstoff gefördert wird. Der Dampfkochtopf arbeitet bei einer Temperatur von 250° C.

Der nukleare Brennstoff ist Uranoxid. Uranoxid ist eine Keramik mit einem sehr hohen Schmelzpunkt um 3000°C. Der Brennstoff wird in Form von Pellets hergestellt (Stellen Sie sich kleine Zylinder in der Größe von Legosteinen vor) .Diese Teile werden dann in eine lange Röhre aus Zirkalloy (90% Zirkonium) mit einem Schmelzpunkt von 2200°C gefüllt und hermetisch versiegelt. Dieses zusammengebaute Teil heißt Brennelement. Diese Brennelemente werden dann in größere Pakete zusammengefasst und eine Anzahl in den Reaktor gebracht Alle diese Pakete zusammen werden als „Kern“ bezeichnet.

Die Zirkalloyhülle ist die erste Hülle. Sie trennt den radioaktiven Brennstoff vom Rest der Welt.

Der Kern wird dann in den „Druckbehälter“ eingesetzt. Dies ist der Dampfkochtopf über den wir gesprochen haben. Dies ist ein aus einem Stück hergestellter solider Topf der den Kern sicher über Temperaturen von mehreren hundert Grad Celsius einschließen kann. Dies deckt die Szenarien ab bei denen ein Abkühlen bis zu einem gewissen Punkt wieder möglich ist.

Die gesamte Hardware eines Nuklearreaktors – die Druckbehälter und alle Leitungen, Pumpen, Kühlmittel-Reserven (Wasser), sind in einem dritten Sicherheitsbehälter eingeschlossen. Dieser dritte Sicherheitsbehälter ist eine hermetisch (luftdicht) abgeschlossene und versiegelte Blase aus stärkstem Stahl. Der Dritte Sicherheitsbehälter ist für einen einzigen Zweck konstruiert und getestet: Um eine eventuelle Kernschmelze unbefristet und vollständig einzuschließen. Zu diesem Zweck wird eine dickes, mit Grafit gefülltes Betonbecken unter den Druckbehälter (den zweiten Sicherheitsbehälter) erstellt. Dies ist der sogenannte „Kernfänger“ (core catcher). Wenn der Kern schmilzt und der Druckbehälter zerplatzt( und eventuell schmilzt) fängt er den geschmolzenen Brennstoff und alles andere auf. Er ist so konstruiert, dass sich der nukleare Brennstoff ausbreiten kann um sich dadurch abzukühlen.

Der dritte Sicherheitsbehälter ist vom Reaktorgebäude umgeben. Das Reaktorgebäude ist die äußere Schale und dient dazu die Witterung draußen aber nichts herein zu lassen. (Dies ist der Teil der bei der Explosion beschädigt wurde, aber dazu später mehr).

Grundlagen nuklearer Reaktionen

Der Uranbrennstoff erzeugt Wärme durch Kernspaltung. Große Uranatome werden in kleiner Atome aufsplittet. Dies erzeugt Wärmeenergie und Neutronen (Eines der Partikel die ein Atom formen). Trifft ein Neutron auf ein weiteres Uranatom, geschieht das Gleiche wieder und mehr Neutronen werden erzeugt. Dies nennt man die nukleare Kettenreaktion.

Nun einfach eine Menge Brennstäbe miteinander zu verbinden würde rasch zum Überhitzen führen. Und nach etwa 45 Minuten zum Schmelzen der Brennstäbe führen. Es ist wert zu diesem Zeitpunkt zu sagen, dass der nukleare Brennstoff in einem Reaktor *niemals* eine nukleare Explosion von der Art einer Atombombe verursachen kann. Eine Atombombe zu bauen ist in der Tat ziemlich schwierig (Fragen Sie den Iran). In Tschernobyl wurde die Explosion durch einen zu starken Druckaufbau, mit der Folge einer Wasserstoffdetonation und dem Zerreißen aller Sicherheitsbehälter, wobei geschmolzenes Kernmaterial in die Umgebung geschleudert wurde (eine „dreckige Bombe“) verursacht. Warum dies in Japan nicht geschah und nicht geschehen wird, folgt weiter unten.

Um die nukleare Kettenreaktion zu kontrollieren verwendet das Personal sogenannte Kühlstäbe. Dies Stäbe absorbieren die Neutronen und brechen die Kettenreaktion sofort ab. Ein Kernreaktor ist so gebaut, dass er unter normalen Betriebsbedingungen alle Kühlstäbe herausgezogen sind.. Das Kühlwasser führt dann die Hitze ab (und wandelt sie in Dampf und Strom um ) mit der selben Rate wie der Kern sie erzeugt. Und es gibt eine Menge Spielraum um den Standardbetriebspunkt von 250°C herum.

Die Herausforderung ist, dass nach dem Einfahren der Kühlstäbe und dem Stoppen der Kettenreaktion der Kern noch weiter Hitze produziert. Das Uran hat die Kettenreaktion gestoppt. Aber eine Anzahl von radioaktiven Zwischenelementen werden während der Kernspaltung des Urans erzeugt, die wichtigsten sind Cäsium und Jod-Isotope, d.h. radioaktive Versionen dieser Elemente die sich letztlich in kleinere Atome aufspalten die nicht mehr radioaktiv sind. Diese Elemente zerfallen weiter und produzieren Wärme. Da sie nicht länger vom Uran regeneriert werden (Das Uran hat den Zerfall beendet als die Kühlstäbe eingefahren wurden) werden sie immer weniger und weniger und so kühlt der Kern in einigen Tagen ab bis diese Zwischenprodukte aufgebraucht sind.

Diese Restwärme bereitet zur Zeit die Kopfschmerzen

Also, die erste „Art“ radioaktiven Materials ist Uran in den Brennstäben plus die Zwischenprodukte in die das Uran während der Kettenreaktion zerfällt (Cäsium und Jod-Isotope) ebenfalls in den Brennstäben.

Es gibt da eine zweite Art von radioaktivem Material außerhalb der Brennstäbe. Der große Unterschied vorweg: Dies radioaktiven Produkte besitzen eine sehr kurze Halbwertzeit, was bedeutet, dass sie sich sehr rasch zersetzen und in nicht-radioaktive Elemente aufspalten. Mit sehr kurz meine ich Sekunden. Wenn also diese radioaktiven Produkte in die Umwelt gelangen, ja, Radioaktivität wurde freigesetzt, ist dies überhaupt nicht gefährlich. Warum? In der Zeit die Sie brauchen um R-A-D-I-O-N-U-K-L-I-D zu buchstabieren sind sie bereits gefahrlos geworden, weil sie sich zu nicht-radioaktiven Elementen umgewandelt haben. Diese radioaktiven Elemente sind N-16, das radioaktive Isotop (oder die Version) von Stickstoff (N= Nitrogenium der Hauptbestandteil der Luft 79%). Die anderen sind Edelgase wie etwa Xenon. Aber wo kommen sie her? Wenn das Uran gespalten wird entsteht ein Neutron (siehe oben). Die meisten Neurone treffen auf andere Uranatome und halten die Kettenreaktion am Laufen. Einige verlassen aber das Brennelement und treffen auf Wassermoleküle oder auf Luftbestandteile im Wasser (Stickstoff, CO2, Edelgase). Dann kann ein nicht radioaktives Element ein Neutron einfangen. Es wird dadurch radioaktiv. Wie oben beschrieben, wird es rasch (innerhalb von Sekunden) das Neutron wieder los werden und zu seiner wundervollen Urform zurückkehren.

Diese zweite Art von Strahlung ist sehr wichtig wenn wir später über die Radioaktivität sprechen, die in die Umwelt freigesetzt wird.

Was geschah in Fukushima?

Ich will versuchen die Hauptfakten zusammen zu fassen. Das Erdbeben das Japan traf war 7 mal stärker als das schlimmste Erdbeben für das das Kraftwerk gebaut wurde ( Die Richterskala ist logarithmisch; der Unterschied zwischen 8,2 wofür die Kraftwerke ausgelegt sind und den tatsächlichen 8,9 ist daher Siebenfach und nicht 0,7). Also zunächst einmal ein Hurra für das japanische Ingenieurswesen, alles hat gehalten.

Als das Erdbeben mit 8,9 zuschlug, gingen alle Kernkraftwerke in die automatische Abschaltung. Innerhalb von Sekunden nachdem das Erdbeben begann, waren die Kühlstäbe in den Kern eingesetzt und die nukleare Kettenreaktion des Urans gestoppt. Nun muss das Kühlsystem die Restwärme abführen. Die Restwärmemenge beträgt rund 3% der Wärmemenge unter normalen Betriebsbedingungen.

Das Erdbeben zerstörte die externen Energiezuführungen des nuklearen Reaktors. Dies ist einer der ernstesten Unfälle für ein Kernkraftwerk und daher erhält ein „Kraftwerksausfall“ (plant-black-out) eine Menge Aufmerksamkeit bei der Planung der Sicherheitssysteme. Die Energie wird benötigt um die Kühlflüssigkeit pumpen zu können. Da das Kraftwerk heruntergefahren ist, kann es selbst keine Elektrizität mehr produzieren.

Eine Stunde lang lief alles gut. Ein Satz der Notfalldieselgeneratoren sprang an und stellte die notwendige Elektrizität zur Verfügung. Dann kam der Tsunami, wesentlich größer als man beim Bau des Werkes prognostiziert hatte (siehe oben der Faktor 7). Der Tsunami ließ alle Sätze (vielfache) Notfalldiesel ausfallen.

Bei der Planung eines Kraftwerkes folgen die Ingenieure einer Philosophie die man „Verteidigung in der Tiefe“ nennt. Dies bedeutet, man baut zunächst alles so sicher um die schlimmste denkbare Katastrophe zu überstehen, uns dann wird das Werk so geplant, dass es immer noch einen Systemausfall nach dem anderen überstehen kann (von dem man glaubt, dass er niemals geschehen kann).Ein Tsunami der alle Notfallenergiesysteme zerstört ist solch ein Fall. Die letzte Verteidigungslinie ist alles in die dritte Hülle zu schaffen, die alles sicher einschließt, gleich welches Durcheinander, Kühlstäbe eingefahren oder offen, Kern geschmolzen oder nicht, im inneren des Reaktors herrscht.

Als die Notstromdiesel ausgefallen waren schaltete das Personal auf Notfall-Batteriebetrieb. Die Batterien waren dazu gebaut um als Notfall für die Notfallgeneratoren zu dienen, und damit die Kühlung für den Kern über eine Zeit von 8 Stunden zu sichern. Und das taten sie.

Innerhalb dieser 8 Stunden musste nun eine neue Energiequelle gefunden werden. Das Stromnetz war aufgrund des Bebens zusammengebrochen. Die Notfalldiesel durch den Tsunami zerstört. Also wurden fahrbare Dieselgeneratoren herbeigeschafft.

Dies ist der Punkt an dem die Dinge begannen ernsthaft falsch zu laufen. Die externen Dieselgeneratoren konnten nicht an das Kraftwerk angeschlossen werden (die Stecker passten nicht). Nachdem dann die Batterien leer waren konnte die Restwärme nicht mehr abgeführt werden.

Zu diesem Zeitpunkt beginnt das Personal mit den Prozeduren die für eine „Kühlungsverlust-Ereignis“ vorgesehen sind.Es ist wieder ein Schritt auf der “ Verteidigung in der Tiefe“-Linie. Die Energie für die Kühlsysteme sollte niemals vollständig ausfallen, aber sie tat es, also zog sich das Personal auf die nächst Verteidigungslinie zurück. All dies, wie schockierend es sich für uns auch darstellt, ist Teil des täglichen Trainings für das Personal bis hinunter zum managen einer Kernschmelze.

Es war in dieser Phase, als Menschen begannen über eine Kernschmelze zu reden. Denn am Ende des Tages, wenn die Kühlung nicht wieder zum Laufen gebracht werden kann wird der Kern letztlich (nach Stunden oder Tagen) schmelzen, und die letzte Verteidigungslinie der Kernfänger und die dritte Sicherheitshülle kommt ins Spiel.

Doch das Ziel in dieser Phase war den Kern, während er sich erhitzte zu managen und sicher zu stellen, dass die erste Umhüllung (Die Zirkalloy-Röhren, welche den nuklearen Brennstoff enthalten) sowie die zweite Umhüllung (unser Dampfkochtopf) so lange wie möglich intakt und betriebsfähig zu halten um den Ingenieuren Zeit zu verschaffen das Problem zu lösen.

Da die Kühlung des Kerns eine solch große Sache ist, hat der Reaktor eine ganze Anzahl von Kühlsystemen in verschiedenen Versionen (Das Wasserreinigungssystem, die Restwärmeabführung, die Reaktorkernisolierungs-Kühlung, das Stand-by Flüssigkeitskühlsystem und das Notfall Kern-Kühlsystem. Welche ausfielen und welche nicht ist derzeit nicht klar.

Stellen Sie sich den Dampfkochtopf auf dem Herd vor, die Hitze auf niedrig, aber eingeschaltet. Das Personal verwendet welches Kühlsystem auch immer zur Verfügung steht und soviel Wärme wie möglich abzuführen, doch der Druck steigt an. Die Priorität ist es jetzt, die Integrität der ersten Umhüllung zu sichern (halte die Temperatur der Brennstäbe unter 2200°C) wie auch die der zweiten Umschließung, des Dampfkochtopfes. Um die Standfestigkeit des Dampfkochtopfs zu sichern, muss der Druck von Zeit zu Zeit entlastet werden.Da die Wichtigkeit dies in einem Notfall tun zu können so groß ist, hat der Reaktor 11 Druckentlastungsventile. Das personal begann damit von Zeit zu Zeit Dampf abzulassen um den Druck zu kontrollieren. Die Temperatur in dieser Phase war um 550°C.

Dies war als die Berichte über ein radioaktives Leck begannen einzulaufen. Ich habe glaube ich erklärt warum Dampf ablassen theoretisch das Gleiche ist als Strahlung in die Umgebung abzugeben, aber weshalb es weder gefährlich war noch ist. Der radioaktive Stickstoff und die radioaktiven Edelgase stellen für die menschliche Gesundheit keine Bedrohung dar.

Zu einem Zeitpunkt während dieses Ablassseen von Dampf ereignete sich die Explosion. Sie ereignete sich außerhalb der dritten Umhüllung (unsere „letzten Verteidigungslinie“) und dem Reaktorgebäude. Erinnern Sie sich, das Reaktorgebäude hat keinerlei Funktion um Radioaktivität am Austreten zu hindern. Es ist,zur Zeit, nicht völlig klar was geschah aber, dies ist das wahrscheinliche Szenario: Das Personal entschied den Dampf aus dem Druckbehälter nicht direkt in die Umgebung abzugeben sondern in den Raum zwischen der dritten Hülle und dem Reaktorgebäude( Um der Radioaktivität im Dampf Zeit zum Abbau zu geben). Das Problem ist, dass bei den hohen Temperaturen die der Kern zu dieser Zeit erreicht hat Wassermoleküle zu dissoziieren (sich aufspalten) beginnen sich also in Wasserstoff und Sauerstoff aufspalten ein explosives Gemisch. Und es explodierte, außerhalb der dritten Umhüllung, mir Beschädigung des Reaktorgebäudes. Es war diese Art von Explosion allerdings innerhalb des Druckbehälters ( Weil er schlecht konstruiert war und das Personal falsch handelte), dass zur Explosion in Tschernobyl führte. Die war in Fukushima zu keiner Zeit ein Risiko. Das Problem der Bildung von Wasserstoff/Sauerstoff-Gemischen ist eine der größten Herausforderungen bei der Konstruktion von Kraftwerken (Sofern Sie nicht sowjetisch sind, heißt das), daher wird der Reaktor auf eine Art und Weise gebaut und betrieben, das dies nicht innerhalb der Umhüllung geschehen kann. . Es geschah außerhalb, was nicht beabsichtigt war aber ein mögliches Szenario und In Ordnung, da es kein Risiko für die Umhüllung bedeutete.

Also der Druck war unter Kontrolle als der Dampf abgelassen war Nun wenn sie den Topf weiter kochen lassen, beginnt der Wasserstand weiter und weiter abzufallen. Der Kern ist mit mehreren Metern Wasser überdeckt damit eine gewisse Zeit vergeht (Stunden, Tage) bevor er beginnt freizuliegen. Wenn die Stäbe an der Spitze beginnen frei zu liegen, erreichen die freiliegenden Teile die kritische Temperatur von 2200 °C nach etwa 45 Minuten. Das ist der Zeitpunkt an dem die erste Hülle, die Zirkalloy- Röhren ausfallen.

Und dies geschah. Die Kühlung konnte nicht wieder hergestellt werden bevor etwas (sehr beschränkt aber dennoch) Schaden an der Umhüllung von einigen Brennstäben entstand. Das nukleare Material selbst war noch immer intakt, aber die umgebende Zirkalloy-Hülle hatte zu schmelzen begonnen. Was nun geschah war das einige der Nebenprodukte des Uranzerfalles radioaktives Cäsium und Jod-Isotope- sich mit dem Dampf mischten. Das große Problem Uran, war noch immer unter Kontrolle, da die Uranoxidstäbe bis 3000°C halten. Es wurde bestätigt, das sehr geringe Mengen von Cäsium und Jod im austretenden Dampf in die Atmosphäre gelangte.

Es scheint, dies war die Go-Signal für das Einleiten des Hauptplanes B. Die geringen Mengen Cäsium die gemessen wurden sagten dem Personal das einer der Stäbe irgendwo nachgab. Plan A war es eines der regulären Kühlsysteme für den Kern wieder in Betrieb zu bekommen. Warum dies fehlschlug ist unklar. Eine plausible Erklärung ist, dass der Tsunami auch das saubere Wasser, das für die regulären Kühlsysteme gebraucht wird, verschmutzte oder wegzog.

Das Wasser das in diesen Kühlsystemen benutzt wird ist sehr reines, demineralisiertes (wie destilliertes) Wasser. Der Grund für die Verwendung von reinstem Wasser ist die weiter oben erwähnte Aktivierung durch Neutronen des Urans. Reines Wasser wird nur wenig aktiviert und bleibt daher praktisch frei von Radioaktivität. Schmutz oder Salz im Wasser absorbiert die Neutronen rascher und wird daher radioaktiver. Dies hat jedoch keinerlei Effekt auf den Kern – den kümmert es nicht wovon er gekühlt wird. Aber es macht das Leben für das Betriebspersonal und die Mechaniker schwerer wenn sie sich mit aktiviertem (d.h. Leicht radioaktivem) Wasser abgeben müssen.

Aber Plan A war gescheitert – Kühlsysteme ausgefallen oder zusätzliches reines Wasser nicht verfügbar – also trat Plan B in Kraft. Dies ist, wie es scheint, was geschah:

Um eine Kernschmelze zu verhindern, begann das Betriebspersonal Seewasser zu verwenden um den Kern zu kühlen. Ich bin nicht ganz sicher ob sie den Dampfkochtopf damit geflutet haben (die zweite Hülle, oder ob sie dies bei der dritten Hülle taten um den Dampfkochtopf einzutauchen. Aber dies ist nicht relevant für uns.

Der Punkt ist, das der nukleare Brennstoff abgekühlt wurde. Da die Kettenreaktion vor langer Zeit gestoppt wurde, wird jetzt nur noch sehr wenig Restwärme produziert. Die großen Mengen Kühlwasser die verwendet wurden reicht aus um die Wärme aufzunehmen. Zudem wurde Borsäure dem Salzwasser zugefügt. Borsäure ist flüssige Brennstabkontrolle. Wie viel Restaktivität auch immer noch ablaufen sollte, das Boron wird die Neutronen einfangen und die Geschwindigkeit der Kernabkühlung erhöhen.

Das Werk kam nahe an eine Kernschmelze heran. Hier ist das Worst-Case-Szenario, das verhindert wurde:

Wenn das Seewasser nicht als Behandlung hätte verwendet werden können. Hätte das Betriebspersonal weiter Druck aus dem Reaktor abgelassen um den Druckanstieg zu eliminieren. Die dritte Umhüllung wäre völlig versiegelt worden damit die Kernschmelze ohne Freisetzung radioaktiver Strahlung hätte ablaufen können. Nach der Kernschmelze, hätte es eine Wartezeit gegeben um den entstandenen Nebenprodukten zu erlauben ihre Radioaktivität zu verlieren und alle radioaktiven Partikel an sich der Oberfläche innerhalb der Hülle absetzen zu lassen. Das Kühlsystem wäre schließlich wieder repariert worden und der geschmolzene Kern wäre auf eine beherrschbare Temperatur zurück gebracht worden. Die Hülle wäre im inneren gereinigt worden. Dann hätte der schmutzige Job des Entfernens des geschmolzenen Kerns aus der Umhüllung begonnen, das Einpacken des (nun wieder festen) Brennstoffs Stück für Stück in Transportbehälter und das verschiffen zu einem Verarbeitungswerk. Abhängig vom Schaden würde der Block entweder instand gesetzt oder abgerissen.

Wo also stehen wir jetzt?

Das Werk ist sicher und wird sicher bleiben.

  • Japan sieht sich mit einem INES Level 4 Unfall konfrontiert: Nuklearer Unfall mit lokalen Folgen. Dies ist schlecht für das Unternehmen, dem das Werk gehört, aber für sonst niemanden.
  • Ein wenig Strahlung wurde frei als die Druckventile geöffnet wurden. Alle radioaktiven Isotope aus dem aktiven Dampf sind verschwunden (abgebaut) Eine sehr geringe Menge Cäsium und Jod wurde freigesetzt. Wenn Sie auf dem Schornstein des Werkes saßen als der Dampf abgelassen wurde, sollten Sie das Rauchen aufgeben um ihre vorherige Lebenserwartung wieder herzustellen.
  • Es entstand eingeschränkter Schaden an der ersten Hülle. Dies bedeutet, etwas radioaktives Cäsium und Jod wird in das Kühlwasser abgegeben werden aber kein Uran oder andere dreckigen Sachen (Uranoxid löst sich nicht in Wasser) Es gibt Einrichtungen um das Kühlwasser zu behandeln, dort wird man das radioaktive Cäsium und Jod entfernen und schließlich als radioaktiven Müll Endlagern.
  • Das Seewasser das als Kühlwasser verwendet wurde wird zu einem Grad aktiv sein. Da die Brennstäbe voll eingefahren sind findet keine Kettenreaktion statt Dies bedeutet die Haupt Atomreaktion findet nicht statt, und daher auch keine Erhöhung der Strahlung. Die Zwischenprodukte Cäsium und Jod sind auch praktisch verschwunden in dieser Phase. Der Uranzerfall wurde bereits vor langer Zeit gestoppt. Im Grunde bleibt etwa gering verstrahltes Seewasser das in Einrichtungen behandelt und entsorgt werden wird.
  • Der Reaktorkern wird abgewrackt und zu einer Verarbeitungseinrichtung gebracht werden, genau wie bei einem regulären Brennstoffwechsel.
  • Brennstäbe und das Gesamte Werk werden auf potentielle Schäden untersucht, Dies wird 4-5 Jahre dauern
  • Die Sicherheitssysteme aller japanischen Anlagen werden erneuert um einem Erdbeben mit Tsunami der Stärke 0 oder höher standzuhalten.
  • Das erheblichste Probleme wird wahrscheinlich eine längerfristige Energieunterversorgung sein. Etwa die Hälfte der japanischen Kernkraftwerke werden vermutlich inspiziert, was die Energiekapazität der Nation um ca. 15% reduzieren wird. Dies wird wahrscheinlich durch Gaskraftwerke kompensiert werden die normalerweise nur für Spitzenzeiten aktiviert werden. Dadurch werden die Energiepreise steigen und es kann zu Ausfällen in Spitzenzeiten kommen

Wenn Sie informiert bleiben möchten dann ignorieren Sie ihre gewohnten Nachrichtenquellen und konsultieren Sie die folgenden Websites

Battle to stabilise earthquake reactors (world nuclear news)

Discussion Thread – Japanese nuclear reactors and the 11 March 2011 earthquake (brave new climate)

Media updates on nuclear power stations in Japan (ANS Nuclear Cafe)