Hier kann man sich so seine Gedanken machen – besonders wenn man im Urlaub ist und sich fest vorgenommen hat, das Trauerspiel der deutschen Politik für einige Zeit zu ignorieren.

Die Küste hier stand in der letzten Dekade zweimal im Zentrum des Medieninteresses: vor fast genau einem Jahr bei der Havarie der „Deepwater Horizon“ und im Jahr 2005 während „Katrina“. Auch viele der Artikel, die ich in den letzten Tagen gelesen haben, beschäftigen sich mit Katastrophen und ihren Folgen.

Inzwischen geht es, so wird berichtet, der Golfregion in den USA zwar noch nicht wieder gut, aber besser als die meisten vor einem oder fünf Jahren vorausgesagt haben. In vielen Städten gibt es mehr Arbeitsplätze als vor einem Jahr. Viele Unternehmer haben zu kämpfen, aber sie sehen wieder Land.

Weiter ist zu lesen: Hedge-Fonds in den USA haben wieder große Mittelzuflüsse. Die Staatsverschuldung steigt hier unaufhörlich, Ratingagenturen bewerten amerikanische Staatsschulden skeptischer. Niemand glaubt mehr, dass Griechenland seine Schulden vollständig zurückzahlen kann – außer vielleicht einigen Abgeordneten des deutschen Bundestages.

Was hat das alles miteinander zu tun? All diese Meldungen drehen sich um Katastrophen und ihre Folgen. Manche sind von Menschen gemacht, manche sind Naturkatastrophen. Die von Menschen verursachten kann man noch mal unterscheiden: In diejenigen, bei denen irgendjemand Fehler gemacht hat oder Technik versagt hat und in diejenigen, die ganz bewusst herbeigeführt werden..

Bei Naturkatastrophen oder solchen, die durch technische Probleme ausgelöst wurden, sprechen Medien und Politik von Katastrophen. Die Folgen werden oft massiv überschätzt. Politiker können sich als Retter positionieren, in manchen Fällen noch Schuldige ausmachen. Der Umgang mit den Folgen liegt vor allem bei den Betroffenen – und diese schaffen das oft sehr gut. Das gilt jedenfalls für die entwickelten Länder.

Bei den von Parlamenten und Regierungen ausgelösten Katastrophen spricht kaum jemand von Katastrophen. Die USA produzieren ungehemmt weiter Geld, die EU geht Verpflichtungen ein, die sie nie ohne Inflation und weitere Erhöhung der Verschuldung erfüllen kann. Doch das ja nicht so unmittelbar zu spüren, dass Verschuldung und ungehemmtes Gelddrucken die Grundlagen unseres Lebens unterhöhlen. Hier werden die Folgen grundsätzlich massiv unterschätzt. Und wenn es dann Finanzkrisen und Inflation gibt, ist der Kapitalismus schuld. Noch zur Klarstellung: Der Mittelzufluss in die Hedgefonds ist eine Symptom der Überflutung mit immer neuem Geld, nicht etwa selbst ein Problem. Die reale Schulden und die Geldpolitik dagegen sind selbst (schleichende) Katastrophen, deren Folgen die von Katrina und Oil Spill weit übertreffen.

Und so sind wir auch wieder beim Trauerspiel der deutschen Politik. Deutschland setzt dreistellige Milliardensummen seiner Steuerzahler aufs Spiel und unterstützt eine Zentralisierung der europäischen Politik – und was machen seine Politiker und leider auch seine Bürger: Sie beschäftigen sich mit lokalen Katastrophen in anderen Ländern. Aber daran wollte ich ja im Urlaub nicht denken. Deshalb jetzt ein Bad im Golf – mal sehen, ob ich mir danach das Sonnenöl sparen kann :-)