Was steht über dem Denken jedes Einzelnen, über Demokratie und Rechtsstaat?
Sascha Tamm, 21.07.2011
Richtig: die Ethik. Jedenfalls glauben das viele Politiker und, was noch viel schlimmer ist, auch viele andere Menschen. Sie denken, wenn sie etwas „ethisch“ nennen, erübrigt sich weiteres Nachfragen und Nachdenken, ist Widerspruch nicht angebracht, geradezu unethisch.
Liebe Mitglieder von Ethikkommissionen und Autoren von Ethikrankings, liebe Berater für ethische Geldanlagen, eigentlich wollte ich mich nicht mit dem befassen, was sie da so treiben. Lange habe ich mich zurückgehalten, auch noch bei der Antiatomkraftproausstiegsethikkommission, oder wie immer diese hieß. Doch irgendwie hat mich heute die moralische Verpflichtung übermannt, ein paar Fragen zu stellen, als ich nacheinander etwas über ein Ethikranking von Urlaubsländern und eine neue Ethikkommission der Formel 1 las.
Haben sie sich schon einmal die Gedanken darüber gemacht, ob das, was sie da tun, zu rechtfertigen ist? Ist es zu rechtfertigen, dass sie vielen Menschen vorgaukeln, dass Ethik und alles, was sie mit diesem etwas „Gutes“ sei und alles, was mit ihm in Berührung kommt, besser mache?
Haben Sie sich schon mal darüber Gedanken macht, dass es bei der Ethik darum geht, über Begründungen für unser Handeln und über die Regeln, die es leiten, vernünftig zu diskutieren? Ethische Reflexion ist also das Gegenteil von dem was Sie tun – nämlich momentane Stimmungen, irrationale Ängste und vieles ändere als Vorwand zu nutzen, anderen ihre Vorlieben aufzudrücken. Eine ethische Debatte müsste genau das problematisieren. Ethik ist das Gegenteil von öffentlicher Erregung. Sie ist auch das Gegenteil von Marketing und modischem Geplapper. Jedenfalls sollte sie es sein.
Und liebe Ethikkommissionsmitglieder, Ihre Ethik ist nicht meine. Ich glaube z.B. nicht, dass ich nur in Länder reisen sollte, die ihre Umwelt schützen. Ich glaube auch nicht, dass es moralisch geboten ist, Atomkraftwerke, die sicher sind, abzuschalten. Was sagen Sie dazu? Ich kann jedenfalls einige der Grundlagen meines Handelns nennen: die Freiheit der anderen respektieren, Einhalten von Verträgen, Einhalten von Regeln, auf die man sich geeinigt hat – das sind nämlich die Voraussetzungen dafür, dass wir friedlich zusammenleben können. Ich glaube auch, dass ich Menschen, die mir nahe stehen, Solidarität und Hilfe schulde, wenn Sie diese brauchen. Und sicher gibt es da noch Einiges mehr, von dem ich mich leiten lasse.
Es würde mich freuen, mal von Ihnen zu hören, welche eigentlich die Prinzipien sind, die ihrem Handeln zugrundeliegen und wie man diese vernünftig begründen kann. Vernünftig heißt z.B. ohne Verwendung des Begriffes „gesellschaftlicher Konsens“.
Übrigens: Was bedeutet das, was sie da postulieren, eigentlich für die Politik und den Staat, also für Mechanismen, die Menschen zu bestimmten Handlungen zwingen können? Ist es ethisch vertretbar, Menschen zu „ethischem“ handeln zu zwingen? Ist es dann noch ethisch. Aber das versteht sich für Sie ja von selbst, denn Sie sind ja auf der richtigen Seite, ich meine auf der ethischen.
So, liebe Ethikerinnen und Ethiker, jetzt habe ich mich in ganz unvernünftiger Weise genug aufgeregt und höre folgerichtig damit auf. Zum Schluss noch eine Einladung an alle, die ethisch leben wollen – die ist zwar drei Jahre alt, aber zeitlos schön:
Die Hochschule für Philosophie setzt ihr Projekt, erste Bio-Hochschule Münchens zu werden, mit einem Vortrag von Karl Schweisfurth zum Thema “Ethisch Essen –Die Bedeutung der Ethik bei der Lebensmittelproduktion” fort. Im Anschluss an den Vortrag mit Diskussion gibt es ein Bio-Büffet, das von vivo, der jungen Marke von Villeroy & Boch, mit einer Geschirrausstattung unterstützt wird.
Aus gegebenem Anlass und um Missverständnisse zu vermeiden: Dieser Text vertritt in keiner Weise die Position meines Arbeitgebers, der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, sondern ganz allein meine eigene.
antibuerokratieteam.net





Genau.
Diese Ethik der Kommissionen hat Max Weber sehr treffend als Gesinnungsethik bezeichnet:
Ja, das mit der Ethik ist in der Tat ein Problem. Meiner Ansicht nach ist es der Versuch den Menschen die Anwendung der Moral zu nehmen, Ethik – wie sie heute verstanden wird – ist Anmaßung. Die “Ethiker” maßen sich an den Menschen erzählen zu können welche Werte “objektiv” erstrebenswert sind und welche nicht und damit eben auch welche Werte die Menschen zu verfolgen haben bzw. sollen.
Ich habe zwar schon einige Zeit drüber nachgedacht, bin aber noch zu keiner Lösung gekommen: Ich vermute aber, dass es “objektiv” ethische Werte gibt. Nur sind es sehr viel weniger als weite Teile der Gesellschaft heute meinen. Sie sind wohl auf naturwissenschaftliche Zusammenhänge zurückzuführen. Es gibt eben bestimmte Zusammenhänge, die tatsächlich universell gelten. Die Ausbreitung von Viren und Bakterien zum Beispiel. Bestimmte Verhaltensweisen sind daher ehtisch unabdinglich. Hier also Krankheitsvermeidung. Wie weit das dann geht, ist natürlich wieder guter Grund zu streiten. Oder die Versorgung der Kinder einer Gesellschaft, weil sie selbst nicht in der Lage sind sich zu versorgen. Kinderversorgung als Grenze der Individualität – des Kapitalismus -. Auch hier gilt: Über das Maß lässt sich streiten.
Ein Gutes hat die inflationäre Verwendung des Begriffes Ethik aber dennoch: Sie wird zunehmend wertlos. Der Begriff nutzt sich ab und man kann schnell für jeden beliebigen Zweck verwenden. Damit nähert man sich dem Nullwert an, was gar nicht so verkehrt ist.
Man mache sich nichts vor, die in der öffentlichen Diskussion benutzte “Ethik” ist zum Kampfmittel der Etatisten verkommen, allgemeiner formuiert, zum Wieselwort der Interessengruppen. Dagegen gibt es allerdings ein hochwirksames Antidot:
Die Ethik der Freiheit!
Echte Liberale denken Freiheit und Ethik immer gemeinsam. Das immunisiert uns gegen jene, die in Namen der “Ethik” immer neue Zumutungen ersinnen, aber auch gegen jene, die unter Freiheit lediglich die Erfüllung infantil-anarchistischer Vorstellungen verstehen wollen.
Ich bin allerdings noch immer geschockt von den beiden furchtbaren Terroranschlägen in Oslo. Das Buch des Attentäters, der als Fjordman in Blogs und Foren auftrat, “Defeating Eurabia” habe ich vor zwei Jahren gelesen. Da befand ich mich selbst noch stärker in der in der islamkritischen Schiene. Ich fand es damals trotz seiner nicht zu verleugnenden Einseitigkeit wirklich interessant. Und dann das. Ich bin aber zugleich auch etwas erleichtert darüber, daß ich mich von dieser Richtung mit ihren Wahnvisionen im wahrsten Sinne frei machen konnte. Das bringt mich auf zwei grundsätzliche Tugenden von Liberalen: Die Fähigkeit zur Skepsis. Und das unaufhörliche Fragen danach, ob eine Sache wirklich wahr, gut und der Freiheit dienlich ist.
Das halte ich für ein Gerücht. Hast Du nähere Informationen?
Im Übrigen können Geisteskranke durchaus einen “lucidum intervallum” haben. Das kann auch längere Zeit andauern. Auch ein Geisteskranker kann also lichte Momente haben und sich für die richtige politische Richtung entscheiden. Außerdem war Anhänger Churchills und einem dieser norwegischen Freiheitskämpfer.
Wenn man diesen Geisteskranken schon politisch zuordnen möchte, dann bitte richtig: Den *ähem* Antideutschen bzw. der Antifa.
:-)
Also ein Antifaschist? Das zu glauben fällt mir schwer. Aaron König hat es doch äußerst sorgfältig heraus gearbeitet, bei dem Amokläufer handelt sich um einen fanatischen Tempelritter! Ich weiß natürlich nicht genau, was dieser genau mit dem Fjordman zu tun hatte. Durchgeknallt sind jedenfalls beide, das gilt auch für den Fall, wenn es sich am Ende nur um die gleiche Person handeln sollte, wie das Charles Johnson sagt. Fjordman würde ich eine solche Tat jederzeit zutrauen. Ich halte ja nichts von Antifaschisten, aber die würden doch keine Kinder abknallen. Was meinst du?
Würden Antifaschisten keine Kinder abknallen? Mal kurz überlegen…
hmm. Stimmt. Das Problem: Christen und Antiislamisten aber auch nicht.
Also einigen wir uns auf Geisteskrank.
Nochmal: Hast Du Belege dafür, dass Breivik Fjordman ist? Bei PI behauptet man nämlich Fjordman persönlich zu kennen und versichert den Lesern, dass diese Personen nicht identisch sind. Dazu passt, dass die EDL jeden Kontakt zu ihm abstreitet und bislang von der norwegischen Polizei auch nichts gegenteiliges berichtet wird. Insbesondere hat niemand von der norwegischen Polizei jemals behauptet, dass Breivik Fjordman ist. Auf Grund der umfassenden Aufklärung dieses Tatverdächtigen ist aber nahezu ausgeschlossen, dass dies bislang nicht erkannt worden wäre. Immerhin sind jetzt schon einige Tage vergangen.
Irgendwo soll Fjordman auch schon eine Stellungnahme abgegeben haben, aber davon habe ich auch nur gerüchteweise gehört. Das Manifest des Breivik ist stilistisch jedenfalls deutlich schwächer als alles was man von Fjordman zu lesen bekam. Die sprachlichen Unterschiede sprechen eindeutig gegen eine Personenidentität. Daher lässt sich mit ziemlicher Sicherheit feststellen:
Breivik ist nicht Fjordman.
hier
Das ist genau der Kreis, dem ich Lebewohl gesagt habe. Fjordman hat hier ohnehin nur über Mittelsmänner agiert. War das jetzt das Statement von ihm oder seinen Mittelsmännern? Sitzt er in Norwegen im Gefängnis oder schreibt er gerade an seinem neuesten Essay? Keiner weiß das so genau. Für mich ist und bleibt Fjordman ein Killer. Wer jetzt unter seinem Namen weiter macht, interessiert mich nicht. Meinetwegen kann gleich der ganze Haufen wegen seinen Mordaufrufen verhaftet werden.
Mit “sitzt er in Norwegen im Gefängnis” kannst Du aber unmöglich Breivik als Fjordman meinen, oder? Du weißt, dass der Breivik in Isolationshaft sitzt?
Entschuldigung, aber das wird mir jetzt langsam wirklich zu dumm.
Und jetzt reicht es endgültig.
Ich schätze normalerweise deine Auffassungen, DSadO, aber du hast vermutlich nicht den Hauch einer Ahnung davon, um was für Leute es sich da handelt. Im Gegensatz zu dir; ich kenne diese Szene. Das sind nicht so harmlose niedliche Brüllaffen, wie sie bei PI herumlaufen.