antibuerokratieteam.net

Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Das Gewaltoligopol der Politiker und Verbrecher

Daniel Fallenstein, 03.08.2011

Auch in Norwegen hat beansprucht der Staat das Gewaltmonopol. Weil der Staat fehlbare, eifersüchtige, machtgeile, perverse (und bisweilen taugliche) Indivduen zu Trägern seiner Hoheitsrechte macht, dann können wir die Erwartung an eine einigermaßen tadellose Verwaltung des Gewaltmonopols aufgeben. Wenn wir den Zwang der hier und da notwendig wird, um Angriffe auf die (neuerdings als Modeerscheinung betonten) Freiheitsrechte der Bürger zu sanktionieren oder bestenfalls zu verhindern, kommt eine ganze Menge Gewalt zusammen. Diese Gewalt soll in die Hände einiger weniger gelegt werden, die sie dann verwalten und zum Besten der anderen einsetzen mögen. Soweit die graue Theorie des staatlichen Gewaltmonopols.

Das ganze hat aber auch seine Haken. Die Ausgestaltung in der Praxis ist Personen überlassen, die eher gewaltaffin sind. Ein Blick auf eine Postenkette der Bereitschaftspolizei bei einer Großdemonstration bestätigt das. Machtmissbrauch ist dem Gewaltmonopol systeminhärent. Das kann durch strukturelle und prozedurale Vorkehrungen im Staatsapparat, wie Beschwerdeverfahren und Dienstaufsicht,  begrenzt aber nicht auf ein akzeptabel niedriges Maß reduziert werden.

Außerdem lässt sich nur in der legalen Sphäre die Gewalt monopolisieren. Den Teleskopstock, das Pfefferspray, den Taser und die Schusswaffe können die gleicheren Tiere nur denen wegnehmen, von denen sie als Gleichere anerkannt werden. Der nicht unbeträchtliche Rest verfügt weiter über Mittel und Willen um Gewalt auszuüben und hat nur noch einen berechenbaren Akteur, den Staat, zu brücksichtigen. Die gewaltfreie Gesellschaft ist nur auf der einen Seite des Gesetzes zu verwirklichen.

Und dann sind da noch Spielverderber wie dieser Typ mit dem irren Blick und dem unerinnerbaren Namen (möge seiner nicht gedacht werden). Je konsequenter der Staat die legale Gewalt monopolisiert hat, desto leichteres Spiel haben Akteure, die vermeintlich gewaltfreie Räume für kurze Zeit dominieren und dort ungehindert wirken können. Das hatte für die Teilnehmer des Sommercamps fatale Folgen. Sie waren dem schreib- und schiesswütigen Evloutionsmüll ausgeliefert, weil dieser eine der vielen Lücken im bereits umfassenden Gewaltmonopol des Staates erkannt und genutzt hat.

Die gleicheren Tiere tendieren nach solchen Ereignissen gerne dazu ein Vorgehen zu intensivieren, das wie beschrieben, die Voraussetzungen mitgestaltet hat. Das Prinzip ist universell. Anstatt das Gewaltoligopol aus Staat und Verbrechen zu schwächen, indem den Bürgern ermöglicht wird zurückzudrohen, ist die vollständige “Entwaffnung der Gesellschaft” (d.h.: Entwaffnung des rechtstreuen Teils der Gesellschaft) im Gespräch.

Eine gewaltfreie Gesellschaft ist so illusorisch wie ein Internet ohne Trolle. Waum sollten nicht alle legal an dem einzigen probaten Mittel “teilhaben” dürfen, mit dem ein laufender aggressiver Akt aufgehalten werden kann?



16 Kommentare zu “Das Gewaltoligopol der Politiker und Verbrecher”

  1. anonym

    Interessante Idee. Punkt.
    Der Text strotzt übrigens vor Schreibfehlern.

  2. Daniel Fallenstein

    Kein Spellchecker. Sorry.

  3. foster

    Waum sollten nicht alle legal an dem einzigen probaten Mittel “teilhaben” dürfen, mit dem ein laufender aggressiver Akt aufgehalten werden kann?

    Zum Beispiel deshalb, weil es selbst bei ordentlich ausgebildeten Soldaten ein Problem namens Friendly Fire gibt. Was irgendwelche selbsternannte Helden in so einer Situation wie auf Utoya oder bei irgendeinem x-beliebigen “School Shooting” anrichten, mag ich mir lieber nicht ausmalen.
    (Nebenbei: so offensichtlich bestens vorbereitet wie es der Norweger mit “dem unerinnerbaren Namen” leider war, bezweifle ich sehr, dass er an die Möglichkeit von Waffen auf der Insel nicht gedacht hat.)

  4. jo@chim

    @Deltafoxtrot: Jetpack Spellchecker?

  5. Daniel Fallenstein

    der firefox hier ist nicht aktuell genug

  6. benpal

    Wenn man dem Bürger jegliche Möglichkeit nimmt, sich mit Gewalt gegen (“legale oder illegale”) Gewalt, die sein Leben bedroht, zu wehren, haben Amokläufer und Kriminelle freie Hand und können sich nach Belieben selbst bedienen.
    Wir wurden soweit als dressiert, dass wir in bedrohlichen Situationen als wohlerzogene Staatsbürger eher auf die Hilfe der Staatsorgane hoffen und warten, als selbst zu handeln. Selbst handeln kann aber nur, wer auch die Mittel dazu hat. Jeder Mensch hat nur ein Leben, wer es nicht verteidigen kann, hat es verspielt.

  7. FG

    In den USA gab es 2006 etwa 10.000 Morde mit Schusswaffen, in Deutschland etwa 100. Bei aller Unvollkommenheit des Gewaltmonopols weiß ich für mich ziemlich eindeutig, welche Situation mir die angenehmere ist.

  8. Stefan Franzpeter

    Brillanter Text! Denn wenn zum Beispiel alle Kinder und Schüler mit leicht bedienbaren automatischen Waffen ausgestattet sind, dann gibt es ganz bestimmt keine Amokläufe in den Schulen mehr. Das beweist, wie ruchlos das staatliche Gewaltmonopol wirkt. Es zeigt sich ja auch im Alltag. Während in den USA dank freien Waffenbesitz die Gewaltkriminalität so gut wie keine Chance hat, sind die Bürger in unserem Land jeder Drohung ungeschützt ausgesetzt.

    Ich bin mir allerdings nicht mehr so ganz sicher, ob ich mein Kind in eine Schule schicken möchte, in der alle Mitschüler scharfe Waffen tragen. Es gibt es humanere Methoden gegen die Überbevölkerung. Vielleicht könnte man sogar die Meinung vertreten, daß freier Waffenbesitz eine wesentliche Voraussetzung für bürgerkriegsartige Zustände in scheiternden Staaten ist. Andererseits, wiederum, ist der Fall des Staates ja eigentlich eine gute Sache. Vielleicht müssen wir Bürgerkriege für eine Übergangsphase hin zu einem staatsfreien Gemeinwesen einfach hin nehmen.

  9. Stefan Franzpeter

    Ich bin mir auch nicht sicher, wie toll ich es fände, wenn in einem Ausbildungslager für marxistische Jugendliche, wo diese Aktionen gegen Israel trainieren, alle Jugendliche scharfe Maschinengewehre tragen. Die kommen bewaffnet bestimmt auf dumme Ideen.

  10. Martin Meyer

    Erinnere ich daran, gestern ne Doku über Oslo im Öffentlich-Rechtlichen gesehen zu sehen. Endete mit einem Psychologen und der Hoffnung, derartige Gewalttäter “im Vorfeld” herausfiltern zu können. Die EU arbeite schon an einem “europaweiten Netz” zur Prävention.

  11. FDominicus

    @Martin Meyer.
    Ups das wird dann wohl per “Internetüberwachung” gehen. Sehr “sinnig”…

  12. Marco

    FG,

    In den USA gab es 2006 etwa 10.000 Morde mit Schusswaffen, in Deutschland etwa 100.

    Kommt für 2006 wohl hin (die Zahl für Deutschland hat sich allerdings seitdem mehr als verdoppelt, in den USA ist sie gesunken). Und in Südafrika gibt’s rund 30.0000 Morde mit Schußwaffen p.a., in einem Land, dessen Waffengesetze sogar noch schärfer sind als in der BRD. Demgegenüber hat die Schweiz ungefähr die selbe Mordrate (also Morde mit Schußwaffen pro Kopf) wie Deutschland, trotz(?) der Tatsache, dass dort jeder ein Sturmgewehr zu Hause hat. Fakt ist, dass sie die Zahl der Morde (auch der Morde mit Schusswaffen) nicht allein durch die jeweiligen Waffengesetze erklären lässt. In den USA dürfte sehr stark der völlig durchgeknallte “war on drugs” zu der hohen Mordrate beitragen. Wenn der “drug-related” Anteil nur annähernd so hoch ist, wie an der Gefägnispopulation, dann tendiert er so gegen 90%. Und außerdem ist es ohnehin unseriös, den Vergleich BRD-USA aufzumachen, wenn man die Statistik anahnd des Waffenrechts untersuchen will. In den USA gibt es kein einheitliches Waffenrecht; dies ist Sache der Bundesstaaten. Ein Vergleich zwischen diesen zeigt hingegen, dass die Bundesstaaten mit dem freiheitlicheren Waffenrecht in der Regel auch weniger Morde (mit Waffen) und weniger Kriminalität allgemein aufweisen. Wenn man also die Statistik mit Blick auf das Waffenrecht untersuchen will, dann muss man die jeweiligen Jurisdiktionen miteinander vergleichen. Ein Vergleich USA-BRD macht also in diesem Fall so viel oder wenig Sinn wie ein Vergleich BRD-Afrika oder BRD-Asien oder dergleichen.

  13. Marco

    Nachtrag I: Bei den Zahlen handelt es sich natürlich nie um “Morde”, sondern Tötungen. Denn natürlich fließen in solche Statistiken auch Tötungen ein, die als gesetzlich zulässig gelten (Notwehr). Die sind dann ja keine Morde.

    Nachtrag II: Interessant ist auch, dass der Anteil der Tötungen mit Schusswaffe an der Gesamtzahl der Tötungen höher in der BRD höher ist als in der Schweiz (40% vs. 37%).

  14. Muhammar

    ay, und hier in der schwiz haben wir eine der höchsten waffendichten, alleine in meinem haushalt hat es 1 sturmgewehr (meins, mein vater hat seins abgegeben), den karabiner des grossvaters, 2 pistolen und ein revolver. ach ja, bin nicht kriminell, spiele aber killerspiele wie zum beispiel Call of Duty, welche einem beibringen, unschuldige umzubringen. ich würde deshalb aufpassen, vielleicht bin ich auch ein potentieller amokläufer

  15. Hilger Greve

    Freie Gedanken zum Waffenrecht:

    Rocker und Cowboys gegen Politiker und andere Banditen

  16. antibuerokratieteam.net » Das Gewaltoligopol jenseits des Gesetzes

    [...] Es gibt, wie  in einem früheren Post dargelegt, kein Gewaltmonopol des Staates in einer Gesellschaft, sondern ein Gewaltoligopol in dem [...]

Einen Kommentar schreiben

Copyright © 2014 by: antibuerokratieteam.net • Template by: BlogPimp • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.