Auch in Norwegen hat beansprucht der Staat das Gewaltmonopol. Weil der Staat fehlbare, eifersüchtige, machtgeile, perverse (und bisweilen taugliche) Indivduen zu Trägern seiner Hoheitsrechte macht, dann können wir die Erwartung an eine einigermaßen tadellose Verwaltung des Gewaltmonopols aufgeben. Wenn wir den Zwang der hier und da notwendig wird, um Angriffe auf die (neuerdings als Modeerscheinung betonten) Freiheitsrechte der Bürger zu sanktionieren oder bestenfalls zu verhindern, kommt eine ganze Menge Gewalt zusammen. Diese Gewalt soll in die Hände einiger weniger gelegt werden, die sie dann verwalten und zum Besten der anderen einsetzen mögen. Soweit die graue Theorie des staatlichen Gewaltmonopols.

Das ganze hat aber auch seine Haken. Die Ausgestaltung in der Praxis ist Personen überlassen, die eher gewaltaffin sind. Ein Blick auf eine Postenkette der Bereitschaftspolizei bei einer Großdemonstration bestätigt das. Machtmissbrauch ist dem Gewaltmonopol systeminhärent. Das kann durch strukturelle und prozedurale Vorkehrungen im Staatsapparat, wie Beschwerdeverfahren und Dienstaufsicht,  begrenzt aber nicht auf ein akzeptabel niedriges Maß reduziert werden.

Außerdem lässt sich nur in der legalen Sphäre die Gewalt monopolisieren. Den Teleskopstock, das Pfefferspray, den Taser und die Schusswaffe können die gleicheren Tiere nur denen wegnehmen, von denen sie als Gleichere anerkannt werden. Der nicht unbeträchtliche Rest verfügt weiter über Mittel und Willen um Gewalt auszuüben und hat nur noch einen berechenbaren Akteur, den Staat, zu brücksichtigen. Die gewaltfreie Gesellschaft ist nur auf der einen Seite des Gesetzes zu verwirklichen.

Und dann sind da noch Spielverderber wie dieser Typ mit dem irren Blick und dem unerinnerbaren Namen (möge seiner nicht gedacht werden). Je konsequenter der Staat die legale Gewalt monopolisiert hat, desto leichteres Spiel haben Akteure, die vermeintlich gewaltfreie Räume für kurze Zeit dominieren und dort ungehindert wirken können. Das hatte für die Teilnehmer des Sommercamps fatale Folgen. Sie waren dem schreib- und schiesswütigen Evloutionsmüll ausgeliefert, weil dieser eine der vielen Lücken im bereits umfassenden Gewaltmonopol des Staates erkannt und genutzt hat.

Die gleicheren Tiere tendieren nach solchen Ereignissen gerne dazu ein Vorgehen zu intensivieren, das wie beschrieben, die Voraussetzungen mitgestaltet hat. Das Prinzip ist universell. Anstatt das Gewaltoligopol aus Staat und Verbrechen zu schwächen, indem den Bürgern ermöglicht wird zurückzudrohen, ist die vollständige „Entwaffnung der Gesellschaft“ (d.h.: Entwaffnung des rechtstreuen Teils der Gesellschaft) im Gespräch.

Eine gewaltfreie Gesellschaft ist so illusorisch wie ein Internet ohne Trolle. Waum sollten nicht alle legal an dem einzigen probaten Mittel „teilhaben“ dürfen, mit dem ein laufender aggressiver Akt aufgehalten werden kann?