Der deutsche Bundestag hat am 29.9. mit großer Mehrheit einer Ausweitung des so genannten „Euro-Rettungsschirms“ zugestimmt. Nur 15 „Euro-Rebellen“ der Regierungskoalition haben es gewagt, sich dem Druck ihrer Fraktionsführer nicht zu beugen. Ihre politische Karriere dürfte damit nach den derzeitigen Machtverhältnissen beendet sein.

Die große Mehrheit der Deutschen hält die „Euro-Rettungspläne“ hingegen für unsinnig, ja gefährlich. Doch  nicht  nur „Otto Normalverbraucher“, auch viele Wirtschaftsexperten sind dagegen, dem deutschen Steuerzahler immer mehr Risiken aufzubürden und die hemmungslose Verschuldungspolitik der Regierenden weiter zu fördern.

 

Volksherrschaft statt Parteienstaat

Wenn die Meinungen der Bürger und ihrer gewählten Vertreter so krass auseinanderklaffen wie in der Euro-Frage, kann man eigentlich nicht mehr von „repräsentativer Demokratie“ sprechen. Die im Bundestag vertretenen Parteien haben sich von ihrem Souverän so weit entfernt, dass eine Reform unseres politischen Systems dringend notwendig erscheint.

Damit unsere Demokratie ihren Namen wirklich verdient, muss die Macht der Parteien gebrochen werden. Meiner Ansicht nach sollte das derzeitige, von Parteien dominierte System, durch eine Kombination aus Direktwahl und Volksentscheiden ersetzt werden, in dem Parteien keine wichtige Rolle mehr spielen. Abgeordnete werden nur noch direkt vom Bürger gewählt, nicht über von den Parteien aufgestellte Landeslisten. Alle politischen Entscheidungsträger, vom Bürgermeister bis zum Bundeskanzler, werden direkt vom Volk gewählt.

Gleichzeitig sind, wie in der Schweiz, Volksentscheide über die Entscheidungen des Parlaments zu stellen. In Grundsatzfragen – z.B. Änderungen des Grundgesetzes – sind Volksentscheide obligatorisch. In allen anderen Fragen können mit einer realistisch zu erlangenden Zahl von Unterstützer-Unterschriften (in der Schweiz sind es 100.000) verbindliche Volksentscheide erzwungen werden. So sind eigenmächtige Aktionen der „politischen Elite“ nicht mehr möglich.

 

Eine neue APO?

Um dies durchzusetzen, braucht es mehr als neue Parteien. Erstens dauert es ziemlich lang, bis die sich gegründet, organisiert und durchgesetzt haben; zweitens ist die Gefahr groß, dass sie zwar als „Anti-Parteien-Parteien“ starten, sich dann aber mehr und mehr vom System korrumpieren lassen, wie es die GRÜNEN vorgemacht haben.

Solange die Altparteien das politische Geschäft beherrschen, brauchen wir eine neue Außerparlamentarische Opposition, oder noch passender: eine Neuauflage der „Wir-sind-das-Volk“-Bewegung von 1989 für ganz Deutschland.

Die ersten zarten Anfänge einer solchen Demokratie-Bewegung sind da. Es gab schon an mehreren Orten Demonstrationen gegen die „Euro-Rettung“. Doch der Druck der Straße muss noch viel größer werden und vor allem: über die Medien wirken. Normale Demonstrationen beeindrucken bekanntlich erst ab einer gewissen Größenordnung: ein paar hundert Demonstranten kommen nicht ins Fernsehen (es sei denn, sie prügeln sich mit der Polizei).

 

Mit Sirtaki in die Medien

Da es aber gar nicht so einfach ist, Zehntausende auf die Straße zu bringen, habe ich gemeinsam mit ein paar Freunden eine Aktion ausgeheckt, die von diesem von Unbekannten produzierten Video inspiriert ist. Aus Solidarität mit Griechenland wollen wir am 22. Oktober in vielen deutschen Städten Sirtaki tanzen – gegen die Bevormundung Griechenlands durch die EU und gegen die für Deutsche wie für Griechen gefährlichen „Euro-Rettungspläne“.

Was wir uns dabei gedacht haben: Fünfhundert Demonstranten machen nicht viel her, fünfhundert sich die Arme um die Schultern legende Sirtakitänzer hingegen schon. Ein paar Tausend wären gigantisch! Doch selbst 20 Leute in einer kleinen Stadt, die Sirtaki tanzen, sich dabei filmen und das Video bei YouTube hochladen, können eine starke Medienwirkung erzielen, wenn sich solche „Sirtaki-Flashmobs“ an vielen Orten zum gleichen Zeitpunkt bilden und über das Internet miteinander vernetzen.

 

Echte Solidarität mit Griechenland

Diese Sirtaki-Aktion ist lustig, aber nicht satirisch. Alle Griechen, mit denen wir darüber gesprochen haben, verstehen, dass wir das mit der Solidarität wirklich ernst meinen: ein Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone wäre ein guter Schritt, würde seine Schuldenprobleme aber nicht lösen; ein Ausstieg Deutschlands aus dem Euro wäre hingegen das Ende der künstlichen Einheitswährung und könnte den Einstieg in ein neues, nachhaltiges Geldsystem ermöglichen.  Deutsche, Griechen und alle Europäer müssen jetzt zusammenhalten und gegen die Euro-Politik der Banken und Politiker aktiv werden.

Sehr erfreulich finde ich, dass sich bereits viele Griechen unserer Aktion angeschlossen haben. Die Qualität des Sirtaki-Tanzes dürfte das erhöhen. Aber auch weniger Tanzbegabte können gern mitmachen: Sirtaki ist schließlich erst 1964 für den Film Alexis Zorbas und seinen eher hüftsteifen Hauptdarsteller Anthony Quinn erfunden worden. Sirtaki ist also ein ebensolches Kunstprodukt wie der Euro!

Wer Lust hat mitzutanzen, kann sich auf der Website „Sirtaki gegen den Euro“ alle nötigen Informationen holen und dann einfach selbst aktiv werden. Wichtig ist es, alle Flashmob-Aktionen per Kamera zu dokumentieren und die Fotos und Videos auf unsere Flickr- und YouTube-Accounts hochzuladen. Denn eines ist klar: die europäische Revolution wird über das Internet laufen.

 

* Kurzform von Στην υγειά μας („Stin ijiá mas“) – griechisch für „Prost!“