Mit dem Slogan „Bleiben Sie anspruchsvoll!“ wirbt der Süddeutsche Verlag etwas hölzern um den Abverkauf seiner ebenso benamsten Zeitung.

Peter Blechschmidt, sicher kein FDP-Sympathisant, rätselt, was Christian Lindner wohl antreibe, sich als Spitzenkandidat zur NRW-Wahl zurückzumelden.

Was ist denn daran rätselhaft?  Was sonst außer persönlichen Gründen, persönlichen Interessen, was sonst außer ganz eigenen Motiven sollte Lindner bewegen? Dabei ist es so einfach:

Lindners persönliche Situation vor dem aktuellen politischen und parteipersonellen Hintergrund führt sein Motiv klar vor Augen. Sein Bundestagsmandat ist vorläufig gültig bis höchstens September 2013 – nur noch anderthalb Jahre – vorausgesetzt, die schwarzgelbe Koalition hält bis dahin, was durchaus fraglich ist. Selbst wenn es die FDP wieder in den Bundestag schafft, ein ähnliches Ergebnis wie 2009 wird sie kaum erzielen. Mit dem Rücktritt des jetzt 32jährigen als Generalsekretär vor drei Monaten und einem mageren Kreisvorsitz im Landesverband minderten sich seine Chancen auf eine weitere Runde im warmen blauen Plenarsaal- Sessel drastisch.

Eine neue Legislaturperiode im nordrhein-westfälischen Landtag hingegen würde im günstigen Falle bis 2018 dauern, Lindner sicherte sich auf fünf Jahre den Fraktionsvorsitz. Und in fünf Jahren kann viel passieren. Verdammt viel. Da braucht man noch nicht einmal über das ebenso simple Binnenverhältnis, etwa zu Rösler, zu spekulieren. Mit Rösler ging es nicht, also eben gegen ihn, und „am Ende des Tages“ mit großer Wahrscheinlichkeit ohnehin ganz ohne den hannoverschen Parteifreund mit dem Frosch im Kochtopf. Lindner tut es, weil er es kann.

Lieber Herr Blechschmidt: Die Frage, die Sie sich glauben vorlegen zu müssen, sagt viel über Sie, Ihr Blatt und schließlich die Leser aus, die Sie adressieren.

Sie glauben immer noch an den Osterhasen? Dass ausgerechnet Politiker irgendeine Art „hehrer Agenda“ hätten, die sie antreibt oder auch nur antreiben sollte, gleichsam selbstlos „ihrem Volk zu dienen“? Ihr Stockholm-Syndrom zeigt, wo die Süddeutsche liegt: Im großen Silo jenes obrigkeitsverliebten Mainstream, der den Götzen vom „aufrechten Politiker“ anbetet, anstatt, was liberal wäre, zur Dekonstruktion eines notorischen Politikverständnis in Deutschland beizutragen, in dessen Schoß der rechtslinke Keim liegt, irgendein „Führer“ werde „es richten“, und sei er noch so klein.