Der Hamburger Bürgermeister Scholz (SPD) fordert „Deutschland-Anleihen“, die der Bund gemeinsam mit den Ländern auflegt und für die dann alle Zinsen in gleicher Höhe zahlen. Damit werden für alle Bundesländer die Zinsen geringer, und es gibt keine Zinsdifferenzen mehr zwischen ihnen. Die CDU/FDP-Landesregierung in Schleswig Holstein unterstützt das. Solche gefährlichen Dinge wie Risikoeinschätzungen durch Marktteilnehmer werden damit endlich abgeschafft. Aber die werden ja inzwischen nur noch von den absoluten Marktfetischisten vertreten.

Marktbasierte Risikoeinschätzungen sind ohnehin schon durch zwei Faktoren sehr geschwächt: Erstens durch die Geldschwemme der EZB, die für unsinnig niedrige Zinsen sorgt, und zweitens durch die Position Deutschlands als Einäugiger unter Blinden im europäischen Schuldentheater. Ein Land mit so hoher Verschuldung, in die die vielen impliziten Lasten überhaupt noch nicht eingerechnet sind, zahlt nur deshalb so geringe Zinsen, weil die europäischen Partner noch ein paar Schritte weiter auf dem Weg zur Staatspleite sind.

Doch aus der Sicht vieler Politiker in allen Parteien und Ländern ist vor allem eines gefährlich: Verantwortung für die eigene Politik. Das zeigt sich in Europa – Verantwortung dafür, wie viel Geld ausgegeben wird und wofür, Verantwortung dafür, Einnahmen und Ausgaben des Staates in Einklang zu bringen – das sind Ideen, die Europa unterhöhlen. Der Staatsbankrott als Folge von vollkommen unverantlicher Politik – wer das vertritt, ist ein Antieuropäer.

Und wer glaubt, dass es nicht gut ist, wenn jeder für jeden haftet, ist ohnehin ein Radikaler und anti–was auch immer.