antibuerokratieteam.net

Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Frauenquoten – Quotenfrauen

Stephan Pfaffenzeller, 31.03.2012

Die diesjährige Frühjahrsoffensive für die Frauenquote scheint Deutschland- und europaweiten Gesetzesinitiativen vorauszugehen. Gegner der Quotenwirtschaft sollten sich also auf eine langwierige Grundsatzdiskussion einstellen.

Ein relativ frisches Buch zum Thema ist Gerhard Amendts “Frauenquoten Quotenfrauen“. Amendt argumentiert vor allem auf kultureller und psychologischer Ebene. Er stellt dabei die a priori Annahme weitreichender Diskriminierung gegen Frauen in Frage und erinnert daran, das Quoten indirekt auch Nachteile für die unmittelbar bevorzugte Gruppe haben können.
Amendt argumentiert, das die mangelnde Arbeitsmarktpräsenz gerade Deutscher Frauen kulturell eng mit deren Idealisierung in einer traditionellen Mutterrolle verbunden ist. Er betont weiterhin, das Quoten das Leistungsprinzip aushebeln und Quotenfrauen sich nicht als motivierende Vorbilder eignen, weil ihnen es an der praktischen Erfahrung selbst erbrachter Leistung fehlt, und sie sich dessen bewusst sein werden. Letztlich könne die biologistisch definierte Abhängigkeit der Frau durch Quoten noch gefestigt werden, da der Quotenplatz letztendlich ein Privileg ist das nicht erarbeitet sondern von oben herab zugestanden wird.

Kulturpsychologisch fundierte Argumente sind ein wichtiger Bestandteil der Gleichstellungsdiskussion. Trotzdem sollte man vor Allem die langfristigen ökonomischen und machtpolitischen Implikationen von Quotenregelungen betonen. Schließlich ähnelt die betriebswirtschaftliche Position der Quotenfrau in vieler Hinsicht der makroökonomischen Situation nicht wettbewerbsfähiger Unternehmen im Rahmen einer importsubstitutionsorientierten Industrialisierungsstrategie. Diese Strategie wurde vor allem in den 1960er und 70er Jahren von zahlreichen lateinamerikanischen Ländern verfolgt und führte letztendlich dazu, das diese ökonomisch stagnierten während exportorientierte asiatische Staaten nachhaltig erfolgreich waren.
Die theoretische Motivation der Importsubstitutionsstrategie schien auf den ersten Blick stichhaltig: die Unternehmen in diesen Entwicklungsländern waren international nicht wettbewerbsfähig. Mit mehr Erfahrung und realisierter Massenproduktion könnten sie dies aber werden. Durch hohe Importzölle sollte der einheimische Markt also für einheimische Produzenten reserviert werden -vorübergehend. Sobald die geschützten Industrien Weltniveau erreicht hatten, könnten Schutzzölle abgebaut werden.
Soweit die Theorie. In der Praxis wurden die so geschützten Unternehmen natürlich nicht wettbewerbsfähig, weil es für sie keinen Wettbewerb gab. Auch ist es wahrscheinlich das politische Lobbyisten-Tätigkeit lohnender ist als industrielle Innovation, wenn die Infrastruktur für staatliche Schutzmaßnahmen erst einmal etabliert ist.
Bei Quotenfrauen ist eine ähnliche Entwicklung zu erwarten. Wer eine berufliche Position zugeteilt bekommt, ohne den normalen Anforderungen gerecht zu werden, wird die fehlenden Fähigkeiten wahrscheinlich nie erwerben, wenn sie nie gefordert werden. Quoten als “zeitlich beschränkte Einzelförderung” (Amendt S.38) lassen sich so von vorn herein Ausschließen wenn sie sich als Regulativ des Arbeitsmarktes etablieren.
Entscheidend sollte deshalb sein, wie weit sich Quoten als bürokratisches Zuteilungsprinzip ausbreiten. Großunternehmen werden sich wohl ein paar Quotenfrauen in pesudo-Positionen leisten können, ohne das volkswirtschaftlich relevante Kosten anfallen. Problematisch wird es, wenn die Frauenquote kein Randphänomen bleibt, sondern auf andere Bereiche ausgedehnt wird. Wenn es Frauenquoten für Führungspositionen gibt, warum nicht auch für Neuzugänge? Wenn Frauenquoten zur Regel in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst werden, dann wird sich irgendwann die Frage stellen, warum es Quoten nur für Frauen geben soll. Warum keine Quoten für Schwule, SHRIMPs und Ostfriesen? Warum kein allgemein definiertes Durchmischungsgesetz? Je mehr Personalentscheidungen durch arbiträr priorisierte demographische Kriterien diktiert werden, um so mehr tritt das Kriterium der beruflichen Eignung in den Hintergrund.
Die abnehmende Relevanz der beruflichen Eignung wird darüber hinaus politische Konsequenzen haben. Je stärker die Diskrepanz zwischen beruflichen Anforderungen und tatsächlichen Fähigkeiten, um so wichtiger wird die Quote für die eigene Laufbahn und um so stärker die Loyalität zu politischen Kräften und Ideologien, die die Quote verteidigen. Langfristig dürften weitverbreitete Quotenvorgaben also nicht nur zur Vernachlässigung des Leistungsprinzips sondern auch zur Stärkung der Klientelpolitik führen.
Eigentlich sollte es ausreichen, darauf hinzuweisen, das eine Quote für Frauen immer auch Diskriminierend gegen Männer ist und allein deshalb nicht gerecht sein kann. Wer sich dafür nicht interessiert, sollte zumindest bedenken, welche weiteren Konsequenzen ausufernde Quotenregeln haben können.



Einen Kommentar schreiben

Copyright © 2013 by: antibuerokratieteam.net • Template by: BlogPimp • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.