Ich mag Olympische Spiele. Es ist ein netter Zeitvertreib, ihnen zuzuschauen. Doch das sollte nicht den Blick auf die gigantische staatliche Geldverschwendung verstellen, die damit verbunden ist. Sie ist interessant, weil zu ihrer Rechtfertigung viele der wohlklingenden Argumente und Verschleierungstaktiken verwendet werden, die Politiker so auf Lager haben.

Zunächst, wie bei fast allen staatlichen (und vielen privaten) Projekten, werden die Kosten zu niedrig angesetzt. Später kann man dann nicht mehr zurück. Seit 1960 wurden bei olympischen Spielen die Kosten durchschnittlich um 179% überschritten. London liegt da noch über dem Durchschnitt: Aus £ 2 400 000 000 wurden £ 9 300 000 000. In Sotschi werden die teuersten Winterspiele aller Zeiten folgen.

Die Wirtschaft, so wird behauptet, erhielte einen großen Wachstumsimpuls. Das ist zumindest zweifelhaft. In Großbritannien werden derzeit 0,2% des BIP als zusätzliches Wachstum ge-schätzt, doch im 4. Quartal ist der auch schon wieder verschwunden. Viele Effekte verschwinden bei näherer Betrachtung. So kommen natürlich tatsächlich Olympiabesucher in die Austragungsorte. Aber sehr viele Besucher bleiben auch weg, die sonst gekommen wären und andere Interessen haben.

Sehr beliebt ist außerdem, einen großen Nutzen für die Stadt und das Land zusammen zu phantasieren. Neue Straßen, Bahnlinien, Flughäfen etc. Stadtteile werden wiederbelebt, wie jetzt gerade in London. Doch hier stellt sich die Frage, warum sie, wenn sie denn notwendig sind, denn nicht ohnehin gebaut wurden. Dann wäre vielleicht auch die Chance etwas größer, dass sie bedarfsgerecht und nicht den Prunkgelüsten der Politiker entsprechend gebaut worden wären.

Für viele Sportstätten gibt es kaum ein Anschlussnutzung. Verharrend in der Logik staatlichen Denkens kann man fragen, ob das Geld nicht besser in mehr und günstigeren Sportstätten angelegt wäre, die dann von vielen Menschen genutzt werden könnten.

Verlässt man die Logik staatlichen Denkens, ist ein anderes Argument natürlich noch viel schlagender: Was hätten die Briten mit den fast zehn Milliarden Pfund anfangen können, wenn man sie ihnen gelassen hätte? Das sind immerhin fast 150 Pfund pro Nase.

Und schließlich etwas zu den „weichen“ Faktoren. Davon abgesehen, dass das gar nicht Aufgabe des Staates sein darf – Olympische Spiele machen die Menschen in den Austragungsländern nicht glücklicher. Das lässt sich in einer Studie nachlesen, auf die ich durch einen Artikel im Economist aufmerksam wurde: National Wellbeing and International Sports Events

Sie werden übrigens auch nicht sportlicher.

Würde weniger Verschwendung das Ende Olympischer Spiele bedeuten? Natürlich nicht. Es lassen sich private Finanzierungsquellen finden, und die Durchführungskosten ließen sich signifikant senken, wenn nicht mehr prunksüchtige Olympiabürokraten gemeinsam mit ausgabewütigen Politikern die Spiele kontrollieren.