Unerfindlicherweise berufen sich allerhand liberale (bewusst kleingeschrieben) auf Friedrich Naumann. Der Namensgeber der Stiftung, die das »Für die Freiheit« inzwischen wohlweisslich größer schreibt, als ihren national-sozialen Namenspatron, war ein Imperialist, Nationalist, Sozialist, Rassist, Pfaffe und dabei eines nicht: liberal. Erfüllen wir unsere Chronistenpflicht und enthüllen den seit Jahrzehnten vor sich hin stinkenden Haufen unter der ihm zu Unrecht errichteten Statue. Im Gegensatz zu unserem Namenspatron war der Totengräber des deutschen Liberalismus nämlich auch dem Antisemitismus nicht abgeneigt.

Aber fragen wir den Nationalsozialimperialliberalen doch selbst, wie er’s mit dem Volk Israel hält. Er veröffentlichte praktischerweise einen Katechismus seiner national-sozialen Bewegung, eine Art FAQ des Protofaschismus, in der er sich in schmierigster PR-Tradition selbst interviewte. Auf Seite 18 (Vorsehung?) werden wir fündig.

»Einflußreiche Minorität«

Besteht eine Judenfrage?
Ja.

Worin besteht sie?
Darin, dasß die Israeliten ein anderer Stamm sind als die Deutschen.

Befinden sich in Deutschland noch andere nichtdeutsche Stämme?
Die Wenden, Litauer, Polen, Dänen, Franzosen.

Läßt sich ein Staat herstellen, der nur germanische Staatsbürger hat?
Das ist völlig unmöglich.

Läßt es sich erreichen, daß die Israeliten allein die Staatsbürgerrrechte verlieren?
Es läßt sich nicht erreichen, aber selbst, wenn es erreichbar wäre, würde es ein Unlück sein.

Inwiefern würde es ein Unglück sein?
Die geeinigte Kraft des Judentums würde dann staatsfeindlich werden. Es giebt nichts unklügeres, als eine einflußreiche Minorität in die Staatsfeindschaft zu treiben, ohne sie doch entkräften zu können.*

Naumann ging es also ausweislich seiner eigenen Einlassungen im National-sozialen Katechismus darum, die Juden bloß nicht zu verärgern, solange man sie nicht entkräften können. In der Brust dieser Sätze schlägt ein antisemitisches Herz, das sich das Judentum zu einem unbesiegbaren Gegner zurechthalluziniert, der nicht besiegt werden könne. In diesem Detail – es sei konzediert – unterscheidet er sich von den meisten Antisemiten. Und doch ist Naumann verhaftet im Rassedenken, das bei wirklichen Liberalen dieser Zeit bereits lang passé war.

Wie himmelweit ist der Unterschied zum Liberalen (großgeschrieben) Eugen Richter! Der war einer den Antisemitismus aus Prinzip aktiv und unermüdlich bekämpfte und in dessen Tradition stehen zu dürfen, die Autonome Brigade Eugen Richter ehrt. Solange Naumann ein Vorbild für deutsche liberale (kleingeschrieben) bleibt, solange reicht der sowieso über sie ausgekübelte Hohn nicht annähernd.

Die Autonome Brigade Eugen Richter (ABER), ein anonymer Zirkel verschiedener Governophobiker, bequemt sich gelegentlich für den Liberalismus zu streiten und den liberalen (kleingeschrieben) in die metaphorischen Hacken zu grätschen. Ohne Aussicht auf Erfolg, ohne Rücksicht auf  Verluste: 4Liberty&LULZ!

* Hervorhebungen durch die ABER