Bernhard Lassahns Einlassungen zum Punk anläßlich der Verurteilung von Pussy Riot sind bezeichnend. In ein Medium, das einst selbst im besten Sinne Punk gegen den Einheitsbrei der veröffentlichten Meinung war, erbricht er sein kenntnisfreies Ressentiment, das en detail keine Würdigung verdient. Die Aneinanderreihung von spekulativen Gemeinplätzen über den Punk und seinen Gehalt wird in einem älteren Beitrag über den Gitarristen Johnny Ramone  in Richard Herzingers Freie Welt quasi präventiv abgefertigt. Und das fachgerecht.

Die “Ramones” waren damit der perfekte Soundtrack gerade auch für linkssozialisierte Leute, die Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger Jahre die Nase davon voll hatten, sich mit allem, was sie tun oder unterließen, dauernd vor dem utopischen Weltgewissen dafür verantworten zu müssen, ob es auch ja dem hehren Ziel der Veränderung der Welt diene. Denn dies war längst zum “fortschrittlichen” Konformitätszwang geworden, zur Untewerfungsgeste unter eine denunziatorische Gesinnungs- und Verhaltenskontrolle. Musik wie die der Ramones half, den Kopf frei zu bekommen von den Ansprüchen dieses verinnerlichten Gedankentribunals und wieder zu lernen, für eine paar ganz kurze Minuten (und ganz kurz – und sehr laut! – mussten echte Punk-Songs unbedingt sein,) ganz einfach den Augenblick zu genießen. Um tolle Musik aber (mit dem Wort “geil” haben wir nach meiner Erinnerung damals noch nicht so exzessiv um uns geworfen) und um nichts anderes als tolle Musik ging es, jenseits alles gesellschaftsanalytischen Blablas, beim Punk an erster und an letzter Stelle.

Eben dies gilt auch für Pusssy Riot’s Aufbegehren gegen Normen von Putins Gnaden. Und da schließt Lassahn mit einem Satz, der so falsch wie entlarvend ist:

Denn das nehme ich dem Punk übel: sie respektierten nicht mal die Musik.

Das also war des Pudels Kern. Ein grantelnder Scholast, der von The KKK took my Baby away offensichtlich nie einen Akkord gehört hat. Einer der seinen Unwillen über das Laute, Unverständliche in die Welt posaunt und nur einen Aufhänger braucht. Einer der findet, dass Punk „schon 1977 daneben“ gewesen sei. Genauso wie die Punks von Pussy Riot heute daneben sein sollen. Liebe Achsisten, nun habt Ihr es geschafft. Seit an Seit, Schulter an Schulter mit Jürgen Elsässer verteidigt Ihr den Tschekisten Vladimir gegen die Zumutung einer unbequemen Jugendkultur. Gratulation! Nach dem massiven Verfall des Diskussionsniveaus in der Beschneidungsdebatte überrascht das auch nicht mehr.