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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Keine Macht den Drogen

Aaron Koenig, 21.10.2012

Markus “Alios” Barenhoff, der stellvertretende Bundesvorsitzende der Piratenpartei, wurde kürzlich Opfer einer polizeistaatlichen Hausdurchsuchung, bei der u.a. ein Joint, einige Gramm Marihuana und einige Cannabis-Pflanzen enteignet wurden. Neben der Verwunderung darüber, was eine solche für den Steuerzahler sicher nicht billige Aktion nützt, stellt sich die Frage: Darf ein deutscher Politiker Drogen konsumieren, die “illegal” sind? Die Piratenpartei tritt dafür ein, den Drogenkonsum zu entkriminalisieren, insofern lebt ihr Vorstand nur konsequent das, was er fordert.

 

 

Legalise it?

Viele der Befürworter einer Legalisierung so genannter “weicher Drogen” – und ich schätze, dass die Drogenpolitiker der Piratenpartei dazu gehören – haben vor allem das Ziel, ihren eigenen Drogenkonsum zu legalisieren. Sie argumentieren mit einem “Recht auf Sucht” und damit, dass Haschisch angeblich weniger schädlich sei als die legale Droge Alkohol. Doch die Diskussion, welche Drogen wie schädlich sind und vom Staat verboten oder erlaubt werden sollen, halte ich für völlig falsch. Wir müssen uns eher die Frage stellen: was geht es staatliche Stellen überhaupt an, welche Stoffe ich meinem Körper zuführe?

Ich persönlich halte jede Art von Drogen für schädlich (auch Alkohol und Nikotin), konsumiere (bis auf Alkohol in geringen Mengen) selbst keine, würde jedem davon abraten und es meinen Kindern strikt verbieten. Aber: das ist meine eigene Entscheidung – dafür brauche ich keinen Staat und kein “Betäubungsmittelgesetz”.

 

Die Tücken der Prohibition

Wenn der Staat überhaupt eine Rolle spielen darf (worüber man diskutieren kann), dann doch höchstens die, Menschen davon abzuhalten, anderen Menschen Schaden an Leib und Leben und an ihrem Eigentum zuzufügen. Doch mit welcher Berechtigung maßt es sich der Staat an, einem Individuum vorzuschreiben, wie es mit seinem Körper umzugehen hat, der einzig ihm allein und niemandem sonst gehört? Ich sehe keine.

Staatliche Verbote von Konsumgütern führen immer zu einem Schwarzmarkt, denn die Menschen konsumieren diese natürlich weiterhin. Sie sind dann eben bereit, höhere Preise zu zahlen, die durch die künstlich erhöhten Markteintrittsbarrieren zustande kommen. Die Alkoholprohibition in den USA von 1919 bis 1933 hat lediglich dazu geführt, dass die organisierte Kriminalität zunahm und wurde daher wieder abgeschafft.

Ähnliche Phänomene sind überall dort zu beobachten, wo Drogen verboten sind. Politiker, die weiterhin ein Verbot von Drogen propagieren, spielen lediglich der Drogenmafia in die Hände. Es bleibt nur die Frage, ob sie dies gezielt tun und dafür bezahlt werden, oder ob sie zu dumm oder verblendet sind, diesen Zusammenhang zu erkennen, und mit ihrem Tun ungewollt zu nützlichen Idioten der Drogenmafia werden.

 

Probleme des Schwarzmarkts

Aber was ist so schlimm an einem Schwarzmarkt? Sicher nicht, dass er ohne Steuern und Sozialabgaben auskommt. Das Problem ist, dass einige Mechanismen, die ein Markt braucht, um für alle Teilnehmer gut zu funktionieren, bei einem Schwarzmarkt außer Kraft gesetzt sind. So kann ein Nutzer nicht auf die Einhaltung eines Vertrages klagen. Er hat auch keinerlei Haftungsansprüche gegen den Lieferanten einer fehlerhafter Ware. Das widerrechtliche “Strecken” von Drogen, bei dem oft die Streckstoffe schädlicher sind als die eigentliche Droge, kann daher nicht geahndet werden, zumindestens nicht auf gerichtlichem Wege.

Ich bin daher für die sofortige, ersatzlose Streichung des Betäubungsmittelgesetzes – nicht, um ungestört Drogen konsumieren zu können, sondern weil der Staat sich auf seine Kernaufgaben zu beschränken und nicht in das Privatleben der Menschen einzumischen hat.

 

 

 

 



11 Kommentare zu “Keine Macht den Drogen”

  1. F.R.

    Vielen Dank für diesen Beitrag, ich stimme in vollem Umfang mit Ihnen überein. Wenn man sich vor Augen führt auf welchen Grundlagen unsere repressive Drogenpolitik fußt, und das ist hinreichend in verschiedenster Literatur belegt, wird klar, dass von Anfang an wirtschaftliche Interessen hinter dieser Entscheidung standen. Unter anderem deutschlands Export des Medikaments Heroin der Firma Bayer spielte bei Opiumkonferenz im Jahr 1912 eine bedeutende Rolle.

    Cannabis wurde bis zum 1. Weltkrieg in den Tabbakläden unseres Landes als “starker Tobak” verkauft. Unvorstellbar das heutzutage Hausdurchsuchungen durchgeführt, Steuergeld verschwendet und Polizeistatistiken damit geschönt werden.

  2. Florian

    (Tendenziell) stimme ich Ihnen im Ergebnis zu.

    Allerdings 2 Anmerkungen zu Ihrem Politiker-Bild:

    “Politiker, die weiterhin ein Verbot von Drogen propagieren, spielen lediglich der Drogenmafia in die Hände. Es bleibt nur die Frage, ob sie dies gezielt tun und dafür bezahlt werden, oder ob sie zu dumm oder verblendet sind, diesen Zusammenhang zu erkennen, und mit ihrem Tun ungewollt zu nützlichen Idioten der Drogenmafia werden.”

    Nicht jeder, der mit Ihnen nicht übereinstimmt, ist dumm oder von Verbrechern gekauft.
    Speziell die durch keine Fakten untermauerte Insinuierung, die deutschen Politiker wären womöglich von der Drogenmafia ist ekelhafte Dreckschleuderei.

    “Darf ein deutscher Politiker Drogen konsumieren, die “illegal” sind? Die Piratenpartei tritt dafür ein, den Drogenkonsum zu entkriminalisieren, insofern lebt ihr Vorstand nur konsequent das, was er fordert. ”

    Das sehe ich nicht so.
    Jeder Politiker erwartet, dass von ihm geforderte Gesetzesänderungen auch eingehalten werden. Auch und gerade von jenen Leuten, die diesen Gesetzen nicht zustimmen.
    Es ist deshalb in höchstem Maße unkonsequent, wenn sich ein Politiker nicht an Gesetze hält (bzw. nur an solche Gesetze, die ihm persönlich halt gerade gefallen).

  3. L. Kamberlein

    Aldous Huxley beschreibt in `Brave New World´ die Droge `Soma´ als existentiellen Teil der Herrschaftsapparatur des übermächtigen Staates. Die Aussicht auf legales `Opium für´s Volk´ (im Wortsinne) sollte freiheitsliebende Menschen m.E. eher abschrecken.

  4. Falk

    Na ja, das BTMG abzuschaffen, hätte schon ein paar komische Konsequenzen.

    Wieso sollte man Morphin und Konsorten frei kaufen können, wo doch schon Ibuprofen als 600mg-Tablette verschreibungspflichtig ist?

    So einfach ist es nicht.

    Die ganze Geschichte steckt voller Dilemmas.

  5. Erling Plaethe

    Ob diese Geschichte für ein Boardwalk Empire ausreicht oder die Visa-Affäre solch Potential hatte, ist Spekulation:
    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/mafia-in-deutschland-im-schlaraffenland-1604753.html
    Mit der Freigabe von Drogen ist die Mafia jedenfalls nicht zu bekämpfen. Auch nach der Freigabe von Cannabis-Produkten in den Niederlanden hat sich dort nichts Grundlegendes geändert, soviel ich weiß.
    Die organisierte Kriminalität beschränkt sich ja nicht auf Produkte die der Prohibition unterliegen.

  6. Wilhelm Kalteis

    Nichts Neues hier aus dem liberalen Elfenbeinturm der Kifferversteher. Ist doch nur 19. Jahrhundert mit dem Stirner`schen Ansatz “Mir geht nichts über mich” und “Ich genieße Mich nach meinem Wohlgefallen. Ich bange nicht mehr um`s Leben, sondern vertue es.”

    Schön. Alter Hut!

    Ich staune, als zwangsbeglückter gesetzlich Versicherter, über soviel Gedankenlosigkeit hier. Da wäre ich doch bei Koenig, wenn er individuellen Lebensgenuss über eine individuelle Krankenpolice definieren würde. Geht aber leider in diesem System nicht. Als Normalo ohne ausgeprägter Suchtstruktur sehe ich hilflos und zahlend zu wie Individuen sich Stoffe (Gifte) privat und dann auch noch staatlich geschützt einwerfen.

    Machen wir es radikal: Bin ich als Individuum automatisch für den Lebenserhalt oder die
    Therapie von Drogenabhängigen zahlungspflichtig?

    Der Staat schützt mit Prävention, Prophylaxe und mit allen strafrechtlichen Mitteln
    vor Drogenmißbrauch und Drogenkriminalität. Ja, das ist eine staatliche Kernaufgabe!

    Der Ladendetektiv wird auch nicht abgeschafft, weil sowieso geklaut wird.

  7. Dr. Kojak

    ‘Legalize it!’ ist cooler.

    Aber schön, dass nach einem Monat mal wieder ein Post hier kam…

  8. groooveman85

    Ein völlig richtiger Artikel. Das BtmG muss ersatzlos gestrichen werden, denn es ist kontraproduktiv.

    Ich mache hier mal auf ein paar Organisationen aufmerksam, die man unterstützen kann um sich gegen diese unsinnige Prohibition einzusetzen.

    akzept e.v.
    Deutscher Hanfverband
    Grüne Hilfe e.v.
    Verband der akzeptierenden Eltern

  9. Erling Plaethe

    Seinen Drogenkonsum im Griff zu haben, sein Alkohollimit zu kennen und Rauschmitteln nicht zu gestatten die eigene Persönlichkeit zu verändern, benötigt mehr Eigenverantwortung als die Staatsgläubigen der deutschen Wohlfahrtsoase sich überhaupt nur vorstellen können. Wer sich schon bei simplen Marktmechanismen einen Raubtierkapitalismus herbeihaluziniert, ist oben beschriebenen Herausforderungen kaum gewachsen.
    Die Streichung des BtmG ist wie das BGE – klingt im ersten Moment nicht schlecht, fehlte es nicht an der für echte Freiheit dringend benötigten Eigenverantwortung.
    Bei all diesen Diskussionen werden völlig die armen Schweine ausgeblendet, derer es mehr gibt als sich die Drogenapologeten einzugestehen bereit sind, welche an dieser Verantwortung scheitern und sich dieses Handicap hätten niemals leisten sollen, weil klar war, dass es sie überfordert.
    Warum sind es eigentlich vor allem die Sozialingenieure welche sich für eine Freigabe einsetzen, frag ich mich.

  10. Pit

    Dies ist ein wirklich geistig flacher Artikel, der zuviele Aspekte nicht berücksichtigt. Ein wenig Historie wäre wünschenswert. Bis Anfang der 70iger Jahre konnte Heroin von Bayer frei in Apotheken vertrieben werden. Bis heute werden Soldaten im Einsatz auch zwangsweise mit Drogen versorgt(Speed). Die Geschichte der Menschheit ist ohne Drogen nicht denkbar. Ein Großteil unser Politiker sind Alkoholiker, Tablettenabhängig…. Man denke mal an Brandt, Kohl und Fischer. Oder an besoffene Politiker, die vor dem Bundestag ihre Rede lallen.
    Ferner wäre der Aspekt der Menschenrechte wert berücksichtigt zu werden. Muss man unsere süchtigen Frauen in die Prostitution zwingen bevor sie wenn überhaupt Hilfe bekommen?
    Welche Auswirkungen hätten legalisierte Drogen im Arbeitsprozess und im Straßenverkehr?
    Ein Junky auf Turkey am Switchbord eine Atomkraftwerkes, als Pilot eines A380 oder im Cockpit eines ICE oder Chemikalientranporters….
    Wenn schon , dann bitte etwas mehr Tiefgang bei solchen Themen – profundes 1/4 Wissen nervt

  11. Die Stimme aus dem Off

    Die Legalisierung von Rauschgiften ist ein Ding der sozialmedizinischen Unmöglichkeit. Schon jetzt gibt es “Dank” synthetischer Rauschgifte auf unseren Straßen eine Menge an vollkommen irrational handelnden, mehr oder weniger ständig in Drogenpsychosen befindliche, Menschen, die zu spontanen Gewaltausbrüchen neigen und dabei auch vor Frauen und Kindern kein Halt machen.

    Dies wird in nächster Zeit noch stark zunehmen, denn es gibt immer mehr von diesen Rauschgiften.

    Nein, das Verbot von Rauschgiften ist richtig. Der Konsum von Rauschgiften hat auch nur wenig mit “Freiheit” zu tun, jedenfalls nicht mit einem ernstzunehmenden Freiheitsbegriff. Man lässt ja auch nicht zu, dass sich der Psychotiker in einem Anfall selbst tötet, sondern hindert ihn daran diese “Freiheit” auszuüben.

    Genauso verhält es sich mit Rauschgiftkranken. Sie brauchen Hilfe und starke und führende Hände, die ihnen den Weg in ein selbstbestimmtes – und frei von Rauschgiften – erfülltes Leben aufzeigen.

    Im Übrigen ist es schon ein Drama mitanzusehen, wie sich “Liberale” für den “freien” Konsum gesundheitsschädlicher Giftstoffe einsetzen und das auch noch als “liberale” Politik verkaufen wollen. Aus was für einem sozialen Millieu muss man eigentlich kommen, um Rauschgiftkonsum normal und damit nicht krank – was es medizinisch/wissenschaftlich ist – zu finden? Und was muss man dann über die potentiellen Wähler einer solchen Partei denken? Inwieweit will man damit eigentlich Wähler begeistern können, die Familie und damit charakterlich erst noch zu prägende Kinder haben? Soll man als Familienvater jemanden wählen, dessen Gehirn durch zu vermutenden Rauschgiftkonsum schon derart geschädigt ist, dass es wissenschaftliche Zusammenhänge nicht mehr erfassen kann und dessen Charakter in Folge derartiger Veränderungen ein Wesen angenommen hat, das es ihm “erlaubt” pathologische Charakteränderungen als gesellschaftlich hinnehmbar darzustellen?

    Wohl kaum. Mit einer Rauschgiftlegalisierungskampagne macht man sich doch nur lächerlich. Meines Erachtens ist das gleichzusetzen mit dem Homöopathie-Schwachsinn.

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