Ein Thema wird uns im Jahr 2013 nicht loslassen – die staatliche Regulierung von Banken. Die Parteien überbieten sich gegenseitig darin, Vorschläge zu machen. Die Bankenaufsicht soll auf europäischer Ebene angesiedelt werden, bei der EZB. Ein europäischer Abwicklungsfonds soll eingerichtet werden, die Geschäftsmodelle der Banken sollen genauer vorgeschrieben werden. Das alles soll, so die Politiker, passieren, damit Staaten nicht länger Banken retten müssen. Genauer gesagt, damit Staaten nicht mehr Banken retten müssen, denen es erfolgreich gelungen ist, ihre Systemrelevanz zu behaupten.

Dabei wäre alles ganz einfach, wenn man Banken wie gewöhnliche Unternehmen behandeln würde: Diejenigen, die falsche Entscheidungen getroffen haben, gehen pleite. Ihr Geschäft wird von anderen übernommen. Ende. Doch bei Banken, so wird dem zahlenden Publikum versichert, sei alles anders – neben der „Systemrelevanz“ ist noch wichtig, dass viele Kunden Einlagen bei Banken haben und diese im Falle einer Pleite verloren seien. Doch auch dafür sind private Lösungen denkbar.

Doch so einfach machen es sich weder Banken noch Politiker. So einfach können sie es sich nicht machen. Denn sie hängen an ein und derselben Nadel: Am billigen Geld der Zentralbanken, dass durch die Geschäftsbanken vermehrt und dann an die Staaten weitergereicht wird. Beide sind auf das aktuelle Papiergeldsystem angewiesen – die einen bekommen billiges Geld und können de facto selbst welches schöpfen, die anderen können es ausgeben, um Stimmen zu kaufen. Die Banken sind die Dealer, die selbst abhängig sind und zur Finanzierung ihrer Sucht die Süchtigen bedienen. Die Süchtigen fühlen sich wohl dabei. Billiges Geld hat hervorragende halluzinogene Wirkungen: Die Abhängigen halten ihr Geldausgeben für „Investitionen“. Sie halluzinieren Probleme, die sie dann mit diesem Geld lösen. Sie erkennen immer neue Wege, auf denen sie „Gutes“ tun können. Und das schöne ist: Sie können sich dabei völlig aus der Realität ausklinken.

Zugegeben, der Vergleich hinkt: Politiker sind keine gewöhnlichen Drogennutzer – sie können andere für ihre Sucht bezahlen lassen. Die Zentralbanken sind keine gewöhnlichen Produzenten von Suchtmitteln – sie haben ein staatlich garantiertes Monopol und praktisch keine Herstellungskosten. Und Geschäftsbanken sind keine gewöhnlichen Dealer – ihr Risiko wird von ihren Kunden an deren Wähler weitergereicht.

Für die Junkies war dieses Verfahren über lange Jahre praktisch risikolos – und so soll es bleiben. Die wesentliche Funktion von Zinsen, nämlich einen Maßstab für die Risikobewertung zu geben, soll weiter außer Kraft gesetzt bleiben – mit dem schönen Argument, dass die Refinanzierungskosten von Staaten nicht zu hoch werden dürfen.

Gewöhnlich sind sogenannte Sucht und freiwillige Nutzung von Substanzen irgendwelcher Art kein Problem. Jedenfalls keines, mit denen sich Staaten beschäftigen sollten. Zum Problem werden Süchte nur dann, wenn es die Möglichkeit gibt, andere für den eigenen Genuss bezahlen zu lassen. Und hier ist die Sucht nach billigem Geld mit Abstand die schlimmste Abhängigkeit.