Jedenfalls nicht von Unternehmen. Diese können eine gewisse Zeit ein Produkt anbieten, das die Kunden in ihrer überwiegenden Mehrheit nutzen. Sie können auch ein Produkt verkaufen, das alle nutzen und zu dem keine Alternative mit ähnlichen Eigenschaften verfügbar ist. Doch damit „beherrschen“ sie den Markt nicht. Sie zwingen niemanden, ihr Angebot zu nutzen und sie hindern niemanden, mit ihnen in Konkurrenz zu treten.

Das gilt natürlich auch für Google. Zwar wurde jetzt in den USA das Kartellverfahren gegen das Unternehmen eingestellt. Doch allein die Vorwürfe, wegen derer ja auch in der EU Verfahren laufen, sind absurd und zeigen, wie stark inzwischen im Namen des Schutzes des Wettbewerbs in Eigentumsrechte und unternehmerische Entscheidungen eingegriffen wird. Das Unternehmen hat einen hohen Marktanteil. Ihm wird vorgeworfen, bei Suchergebnissen, die auf seiner Website angezeigt werden, Konkurrenten benachteiligt werden. Der Vorwurf ist dem gegen Microsoft nicht ganz unähnlich, der vor einigen Jahren erhoben wurde und wo es darum ging, dass auf deren Betriebssystem eigene Programme vorinstalliert sind bzw. bevorzugt behandelt werden. Das muss man in beiden Fällen nicht schön finden. Man kann es sogar ganz übel finden. Und das kann man dann auch öffentlich kundtun.

Doch wenn zum Beispiel viele Internet-Nutzer Google nicht mehr schätzen, haben sie die Möglichkeit, andere Suchmaschinen zu benutzen. Das ist umso einfacher, als Google (wie auch Microsoft) unter genauer Beobachtung von Medien aller Art in aller Welt stehen. All das, was ihnen vorgeworfen wird, ist also bekannt. Also es besteht also kein Problem. Es bestehen möglicherweise Interessengegensätze zwischen Google und anderen Unternehmen – doch das ist nicht außergewöhnliches. Dafür gibt es einen Weg: Verhandlungen. Dazu braucht man den Staat nicht. Der Staat ist nicht dazu da, irgendwelche Produkte zu promoten – weder von großen noch von kleinen Unternehmern. Interessanterweise gibt es beide Tendenzen: In „reifen“ Branchen werden die Großen vom Staat gehätschelt – z.B. in der Automobilindustrie etwa oder, noch drastischer, im Bankgewerbe. In innovativen Branchen mit sich immer wieder erneuernden Geschäftsmodellen spielt sich der Staat als Verteidiger der Kleinen gegen die Großen auf. Beides ist gleich unsinnig und in gleicher Weise ein Eingriff in unternehmerische Freiheit und Eigentumsrechte. Keine Unternehmensgröße ist besser als eine andere, kein Marktanteil ist ein Indiz für „Marktbeherrschung“ in einem vernünftigen Sinn von „Herrschaft“. Zwangsmittel stehen nur Staaten zur Verfügung – sie können Märkte „beherrschen“, in denen sie selbst oder mit ihnen eng verbundene Unternehmen jede Konkurrenz ausschließen.

Im Laufe der Jahre hat sich der Kampf gegen Monopole, vermeintliche Wettbewerbsverzerrungen und den Missbrauch „marktbeherrschender“ Stellungen zu einem Tummelplatz für Lobbyisten, interventionistische Beamte und Politiker entwickelt. Das ist besonders gefährlich, weil ihre Ziele so „liberal“ klingen: Sie wollen den Wettbewerb schützen und intensivieren, die Kunden vor marktbeherrschenden Unternehmen und deren Gier schützen. Doch der Wettbewerb braucht keinen Schutz – schon gar nicht von der Politik. Diejenigen, die den Schutz des Wettbewerbs auf ihre Fahnen geschrieben haben, wollen anderes: Sie wollen sich Konkurrenzvorteile verschaffen auf Kosten anderer verschaffen, sie wollen ihre Phantasien von „richtigen“, „innovativen“ oder „verbraucherfreundlichen“ Unternehmen und Produkten umsetzen, um ihre Zielgruppen zu bedienen.