Facebook Killed the Blogger Star. Punkt. Einige Zeit hatte ich den Satz so im Speicher, nicht so wie im Header dieses Posts. Es wäre ein Abschiedsbeitrag geworden:

Als ich vor ziemlich genau acht Jahren im Februar 2005 antibuerokratieteam.de startete, gab es Facebook gerade mal ein Jahr (in USA – hierzulande kannte das Startup kein Schwein). Ich war mit antibuerokratieteam einer der ersten liberalen, nicht-linken (aber ebenso: nicht-rechten) Blogger, die es wagten, die linke Meinungshoheit im Netz in Frage zu stellen und die real existierende FDP von liberal innen, nicht von links aussen, zu kritisieren.

Die Antwort kam postwendend: ein – etwas grosskotziger, aber manchmal durchaus amüsanter – Hausmeister aus München, der nicht weiss was er tun soll und ein linksextremes Arschloch („Chedingsbumszweitausendirgendwas“) aus dem Raum Göttingen starteten eine SEO-Kampagne gegen den „rechtsextremistischen Rand in der Bamberger FDP“. Es hat mich ja damals wirklich beeindruckt. Insbesondere auch die freundliche Mail aus der Ecke an meinen Arbeitgeber mit detaillierten Zeiten meiner Blogs und der besorgten Nachfrage „darf der das, während der Arbeitszeit!?“. Soviel zum Thema Meinungsfreiheit.

Alles verdaut inzwischen, auch die netten Anrufe auf doitschrabisch („killenwirdichsaudeinemudda“) an meine Privatrufnummer, nachdem wir 2006 als zweites deutsches Blog die Mohammed-Karikaturen veröffentlicht hatten. Kompromisslos für Meinungsfreiheit damals – und auch heute: Ihr Wixxa, Eure Mudda!

Oliver Marc Hartwich hatte ich an dem legendären „Hoppe-Seminar“ an der Stiftung für die Freiheit kennen gelernt, das eine Wegmarke einiger Libertärer – und leider auch des Projektes eigentümlich frei – ins antietatistisch-reaktionäre Nirwana markierte. Er empfand das als ebenso absurd wie ich. Mit seiner Team-Blog Kategorie London Calling war er der erste Co-Autor hier und mit seiner ebenso lebendigen wie bestimmten Schreibe – die ich noch immer vermisse – hob er dieses Projekt aus den, damals, vielen Blogs heraus. Und verschwand dann irgendwann Richtung Down Under, um möglichst weit entfernt von der EUdSR seine Vaterschaft langfristig vorzubereiten (Congrats, Sir).

Statler und Waldorf, mit denen wir nicht viel später fusionierten (deshalb das dot.net) hatten bald die Schnauze voll von libertäroiden Grabenkämpfen und waren auch sonst irgendwie im Real Life angekommen… but nothing could kill A’Team. Nothing? Facebook hätte es fast geschafft…

Nachdem ich vor zwei Jahren von allen Funktionen auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene in der sozialdemokratischen Partei, in der ich nun schon seit fast eineinhalb Jahrzehnten Mitglied bin, zurück trat, mein Co-gito sich auf Daseinssicherung konzentrieren wollte… schlief das hier unmerklich ein. Sascha Tamm warf Perlen vor viel zu wenige Säue, Aaron lieferte ein paar Crossposts ab, sehr, sehr selten was von Ranting Kraut, gelegentlich was von Acton’s Heir, unserem Fiat Economy Agnostic in der FDP oder ein guter Gastbeitrag, den ich akquirierte. Streit mit denen, die es verdienen, gab es nur noch selten. Dem einzigen, der hier noch… keinen Punk abgehen liess, der aber wenigstens rappte, war es dann auch zu öde. Die Relation ist: 2000 – 3000 daily Uniques damals, 200 – 300 Uniques heute.

Aber wir sind doch bei Facebook?! Auch ich! Warum das alles?

Facebook ist… schön, einfach, anspruchslos, unverbindlich, aber – auch wenn wir es allzuoft nicht (mehr) bemerken – eben kein tatsächlich öffentliches Medium. Wer was wann sieht, bestimmen Zuckie’s Entwickler mit ihren Algorithmen, nicht der suchende Anwender. Facebook ist als Vernetzungstool hervorragend geeignet, es fördert aber auch die Bildung politischer Monokulturen, anstatt wirklich „nach aussen“ zu wirken (wie nicht zuletzt manche Entwicklung in der libertären Szene zeigt). Ich denke, es ist politisch gefährlich, sich ausschliesslich auf zentralistische Strukturen dieser Art zu verlassen – heute löschen sie antisemitische Hass-Seiten und Tittenbildchen… und morgen… „Rechtsextremisten“ wie Roland Baader und Friedrich August von Hayek? Blog-Strukturen verunmöglichen derlei. Markt, Dezentralität, Transparenz mögen manchmal anstrengend(er) sein – aber sie sind Grundlage einer offenen Gesellschaft, wie wir sie verstehen.

Deshalb werden wir weiter machen. Und wir werden das tun, was wir können: uns neu erfinden. Mit neuen Autoren (lasst’s Euch überraschen…), einem neuen Theme (sobald ich die Zeit finde, es aufzusetzen), neuen Ideen wie man das ganze in Mainstream-Strukturen wie Facebook spiegeln kann… und: ja, wir suchen Streit!

In diesem Sinne: Stay tuned, Ladies and Gentlemen,
Achim „jo@chim“ Hecht