Der Dresdener Himmel ist größtenteils wolkenverhangen, während die FDP-Fraktion im sächsischen Landtag ihre „Alternative Öko-Konferenz“ im Rahmen der „Fortschrittsoffensive“ abhält. Das Wetter, das so gar nicht dem „Wonnemonat“ Mai gerecht werden will, ist den Rednern oft genug willkommener Anlass für einen Seitenhieb auf die Klimaforschung. „Haben sie je so im Mai gefroren“, fragt spöttisch der Fraktions- und stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Holger Zastrow in seiner Eröffnungsrede mit Blick auf die kürzlich erschienene Broschüre des Umweltamtes mit dem Titel „Und sie erwärmt sich doch“.

„Themen, die von den meisten etablierten Medien leider nicht wahrgenommen werden“, spreche man an. Der Politiker ist sich bewusst, dass die Thesen im politischen Betrieb keineswegs mehrheitsfähig sind. „Wir sächsische Liberale gelten als Exoten“, gesteht Zastrow, „viel zu viele auch in unserer eigenen Partei laufen einer finanzstarken grünen Lobby hinterher“.

Holger Krahmer, der im EU-Parlament für die FDP im Umweltausschuss sitzt, pflichtet Zastrow bei und ergänzt: „Mann muss auch gegen den Mainstream anrennen und Debatten verlieren können.“ Aber er beobachte, wie die Zweifel an der Offiziellen Linie zu Umwelt- und Klimaschutzfragen immer weiter zunehmen. Die Zweifel würden immer größer. Bei seinen vielen Vorträgen im ganzen Land „sind die Menschen erleichtert, dass endlich jemand den Mund aufmacht“. Dem könnten auch Politik und Medien sich letztlich nicht entziehen. „Wir werden zunehmend wahr- und ernstgenommen.“Der Erfolg ermutige ihn, weiter zu machen, „weil das Querdenken immer weitere Kreise zieht“.

Zu diesen Kreisen gehört auch Frau Schöne. Sie ist zur Konferenz angereist, weil sie sich fragt, dass die populären politischen Maßnahmen tatsächlich etwas erreichen. „Ob zum Beispiel die Mülltrennung wirklich effektiv ist…“, fragt sie sich und fährt nach einer kurzen Pause fort: „Also mir bleiben da Zweifel“.

Es ist keine Klimakonferenz, betonen die Redner immer wieder, obwohl das Thema unvermeidlich prominent vorkommt. Ein Konflikt zwischen Klima- und Umweltschutz, treibt auch die Aussteller im Vorraum des Veranstaltungsaales um. Nikolai Ziegler von der Initiative Vernunftkraft nennt den aus der EEG-Umlage geförderten Solaranlagen- und Windrad-Bau „eine extreme Fehlentwicklung, bei der Energieträger mit nur 0,8% und 1,2% Anteil an der Gesamterzeugung 20 Milliarden Euro Fördermittel verschlingen.“ Gerade die Windräder seien „Ausdruck eines Goldrausches, bei dem sogar ökologisch wertvolle Waldgebiete mit Beton für Windradfundamente vollgepumpt werden“. Auch Michael Eilenberger von der Initiative Gegenwind Sachsen engagiert sich gegen die „Verspargelung“ Sachsens. Er will „Gesundheit, Landschaft und Naturschutz gegen die Belastung durch die Energiewende verteidigen“.

Im Saal trägt der Blogger Peter Heller derweil vor, welche Irrtümer die „Ökologisten“ verbreiteten. Sein Beispiel: Die Ressourcenknappheit. In Wahrheit, sagt Heller, seien Erdöl, Kupfer und viele andere Bodenschätze in einem so großen Umfang vorhanden, dass die Menschheit sie beim jetzigen Tempo erst in Hunderttausenden von Jahren verbrauchen könne, wenn nicht Millionen. Die Vorkommen seien gigantisch, zum Beispiel kämen 1.000.000.000.000.000 Tonnen Erdöl un der Erdkruste vor. Nur ein geringer Prozentsatz dieses „Vorkommens“ sei technisch überhaupt erschließbar, als eine „Ressource“. „“Es hängt von der Technologie ab, was wir gewinnen können“, sagt Heller. Der Bruchteil der „Ressourcen“, deren Nutzung überhaupt wirtschaftlich in Frage kommt, seien die berühmten „Reserven“ mit einer Reichweite von 50 Jahren beim Erdöl. Doch der ständige technische Fortschritt vergrößere die zugänglichen Ressourcen und der wachsende Wohlstand die lohnenden Reserven. So sei auch zu erklären, dass heute noch Erdöl-Reserven für 50 Jahre geschätzt werden, obwohl die Schätzung vor 50 Jahren vorhersagte, dass es heute kein Öl mehr geben dürfte. Das sei eine Folge der „unglaublichen Effizienzsteigerung“.

Heller geht noch einen Schritt weiter. Die theoretisch begrenzten Bodenschätze seien sogar nachhaltiger nutzbar als „nachwachsende Ressourcen“. Sein Bespiel: Wal-Öl. Der Beginn des Erdöl-Booms im 19. Jahrhundert habe den Bedarf der Menschen nach Brennstoffen viel besser decken können als der Walfang. So gut, dass Heller zuspitzt: „Früher hat man ‚Co2-neutral‘ und ‚erneuerbar‘ Wale gefangen, um Öl zu gewinnen. Dann kam John D. Rockefeller, hat den Markt aufgerollt und damit die Wale gerettet, nicht Greenpeace.“

Der Spiegel-Redakteur Alexander Neubacher setzt dem Publikum auseinander, wie Anspruch und Realität ökologisch bewegter Menschen auseinanderklafften. Anhand verschiedener Anekdoten legt er dar, wie häufig das Gutgemeinte zu schlechten Ergebnissen führe. Das Publikum quittiert die Pointen mit Gelächter und Applaus. „Die gute Absicht des Umweltschützers immunisiert ihn gegen jede Kritik“, sagt Neubacher. Er resümiert: „Wir tun nicht zu wenig um die Welt zu retten, sondern vom Falschen zu viel.“

Václav Klaus, ehemaliger tschechischer Staatspräsident, ist der prominenteste Redner des Tages. Der streitbare Volkswirt ist seit seinem Buch „Blauer Planet in Grünen Fesseln“ das Aushängeschild einer immer größer werdenden Bewegung, die sich gegen Umweltschutz um jeden Preis ausspricht. Er wirft seinen Gegnern vor, der ganzen Welt eine Askese aufzwingen zu wollen. „Sichtbare und laute Gruppen wollen auf die Prosperität der Menschheit verzichten, aber nicht auf die eigene“, so Klaus.

Auf die Frage, wie ein breiter Stimmungswandel organisiert werden könne, antwortet Václav Klaus: „Ich habe leider kein einfaches Rezept. Man muss hunderte von solchen Konferenzen weltweit organisieren. Das kann man nicht von oben organisieren.“

„Es ist alles zum Verzweifeln“, bewertet Volker Zastrow die Situation in seinem Schlußwort, um dann trotzig anzufügen: „Aber wir verzweifeln nicht.“


Diese Reportage wurde zuerst im AchGut-Artikel „Bye, Bye, Hysterie“ verarbeitet.