Jedenfalls gilt das für alle Daten, oder besser Informationen, die ich irgendwo freiwillig preisgebe. Sie gehören übrigens ebenso wenig mir wie ein Blogbeitrag, den ich schreibe. Wenn ich also persönliche Daten eingebe, um irgendetwas zu kaufen, so unterliegt deren Verwendung den Geschäftsbedingungen des Anbieters und ist Vertragsbestandteil. Wenn der Anbieter dagegen verstößt und mir das wichtig ist, kann ich ihn verklagen. Es ist allerdings den meisten Menschen nicht wichtig – so what?

Wenn mir die Geschäftsbedingungen nicht passen, brauche ich kein Geschäft zu machen. Dann kann ich vielleicht bestimmte Dinge nicht kaufen oder bestimmte Dienstleistungen nicht in Anspruch nehmen. Wenn mir nicht passt, dass Anbieter Schlussfolgerungen aus meinem Verhalten ziehen und diese für ihre Geschäftsprozesse nutzen, dann darf ich diese Anbieter nicht nutzen. Dazu braucht niemand staatliche Regulierungen, wie sie bedeutende konservative und liberale und andere Denker unseres Landes fordern.

Wenn Google z.B. mein Suchverhalten analysiert und daraus auf der Basis spezieller Algorithmen Schlussfolgerungen zieht, die es zum Geldverdienen nutzt, so habe ich nichts anderes erwartet. Das Unternehmen stellt eine Dienstleistung zur Verfügung, die offenbar sehr viele Menschen freiwillig und intensiv nutzen. Sie werden dazu nicht gezwungen. Ich werde dazu nicht gezwungen. Ich mache es trotzdem. Google ist kein Monopolist. Es gibt alternative Suchmaschinen. Übrigens: Selbst wenn es diese nicht gäbe, wäre das kein Grund für staatliches Eingreifen, solange es niemandem verboten würde, eine neue Suchmaschine zu etablieren. Derartigen Zwang könnte nur ein Staat ausüben – aber der große Vorteil des Internets ist, dass ein Staat allein dort wenig verbieten kann.

Wenn ich mir bei amazon Bücher von Hayek oder Popper anschaue, werden mir dann, auf der Grundlage geheimnisvoller und freiheitsgefährdender Algorithmen, auch Bücher von FDP-Politikern angeboten. Die kann ich kaufen, muss es aber nicht. Ich fordere hier ausdrücklich kein staatliches Eingreifen, um mich davor zu schützen.

Die Kritik daran, dass Unternehmen versuchen, meine zukünftigen Handlungen zu antizipieren und darauf reagieren, betrifft kein neues Phänomen. Das versuchen Unternehmer seit dem Beginn des Wirtschaftslebens. Sie versuchen zu erahnen, was potentielle Kunden wollen und sie versuchen potentielle Kunden so zu beeinflussen, dass sie ihre Produkte kaufen. So betreibt z.B. die FAZ, deren Feuilleton ganz vorn dabei ist, wenn es um den Kampf gegen die große Verschwörung der privaten Datensammler geht, Abonnentenwerbung nicht erst seit es das Internet gibt. Und sie konzentriert sich auf bestimmte Zielgruppen, von denen sie annimmt, dass sie ihr Produkt kaufen. Nichts anderes tun Unternehmen heute, wenn versuchen, zielgruppengenau zu werben oder maßgeschneiderte Angebote zu machen.

Wenn Daten über mich gesammelt werden, die ich selbst ins Netz gestellt habe, ist das mein Problem. Wenn potentielle Arbeit- oder Kreditgeber diese nutzen, um sich ein Urteil über mich zu bilden, ist das ihr gutes Recht und aus Sicht der Unternehmenseigentümer sogar deren Pflicht. Was soll da staatlich geregelt werden?

Besonders absurd ist das Argument: Aber die Menschen wissen doch nicht, was sie tun. Wenn es ihnen wichtig ist, müssen sie sich informieren. Einer der Vorteile eines freien Marktes ist, dass das belohnt werden kann. Ebenso kann auch Ignoranz belohnt werden, wenn ich mich entscheide, mir über bestimmte Dinge keine Gedanken zu machen und meine Zeit anders einzusetzen. Einer der Nachteile des Staates ist, dass es mir gar nichts bringt, mich zu informieren. Ich kann mich z.B. genau über die Unsinnigkeit und fehlende wirtschaftliche Tragfähigkeit des staatlichen Rentensystems informieren – entfliehen kann ich ihm kaum. Das gilt auch für das staatliche Geldsystem. Oder die Zahlung für das staatliche Fernsehen. Doch es gibt auf vielen Gebieten Hoffnung – gerade weil es noch unregulierte Räume gibt, nicht weil mir staatliche Regulierungen Freiräume eröffnen würden. Doch diese unregulierten Räume wollen Staaten einschränken – dass das unter dem Banner des Schutzes der Freiheit und der Daten geschieht, ist eine besondere Pointe.

Staaten sind die größten Datensammler und hier haben wir kaum Entscheidungsmöglichkeiten. Das allerdings durch staatliche Maßnahmen verhindern zu wollen, ist fast schon paradox. Ein Weg könnte sein, die Eigentumsrechte der Betreiber von Netzen und der Anbieter von Diensten zu stärken, und nicht zu schwächen, wie es die Anhänger von staatlicher Regulierung wollen. So kann es vielleicht zu einem Verkaufsargument werden, dass bei einem Anbieter meine Daten sicherer sind als bei einem anderen.

Meine Daten gehören also nur so lange mir, wie ich sie bei mir behalte oder durch Verträge ihre weitere Nutzung einschränke. Wenn ich das nicht tue, ist es mein Problem – und nicht das des Staates. Der ist selbst der größte Datensammler – und er setzt diese Daten nicht ein, um mir ein Angebot zu machen oder mit mir ins Geschäft zu kommen oder Geschäfte mit mir zu vermeiden. Er fragt mich nicht, ob ich ihm Informationen über mich geben möchte. Und das betrifft nicht nur die NSA. Auch das interessiert übrigens gar nicht so viele Menschen, wie man hoffen möchte. Doch hier gibt es ein wirkliches politisches Problem – eines, dass die Politik nicht lösen will. Es bleiben nur die Verteidigungslinie des Einzelnen – Selbstverteidigung und für die Helden unter uns: Aufklärung.