so sollten die Steuern in Deutschland nach dem Plan der FDP sein. Hat nicht ganz geklappt. Dafür hat die FDP dieses Motto nun beim Wahlergebnis umgesetzt. Dahinter stehen einige Erfolgsgeheimnisse: Das erste ist das am wenigsten wichtige: die fehlenden 0,2 Prozent, die die Führungskader der Partei von den Ministerämtern trennen, wurden in der letzten Woche eingefahren. Wie kann man so , tschuldigung, dämlich sein, bei einer Wahl, bei der selbst den Dümmsten klar war, dass Merkel mit oder ohne FDP Kanzlerin bleibt, eine Kampagne fahren, die nur auf die Unterstützung von Merkel setzt – ohne jede Aussage, warum eine liberale Partei vielleicht gebraucht werden könnte. Doch das Fundament für das gerechte Wahlergebnis wurde nicht in der letzten Woche gelegt. Da steckt harte Arbeit in den letzten vier Jahren dahinter. Drei Erfolgsgeheimnisse wurden konsequent befolgt:

Erfolgsgeheimnis Nr. 1: Alles tun, um nicht aufzufallen und möglichst widerspruchslos jedes etatistische und staatsdirigistische Projekt umsetzen, das dem vermeintlichen Zeitgeist oder der Kanzlerin so gerade einfiel. Von der Energiewende bis zu den nächsten Schritten zum Europäischen Zentralstaat. Das wurde konsequent durchgehalten. Kein einziges Mal wurden öffentlich freiheitliche Positionen vertreten, wenn auch nur der geringste Konflikt mit Mutti zu befürchten war. Wähler verstehen, wenn eine Partei Kompromisse macht. Sie verstehen nicht, wenn sie ihre Positionen im vorauseilenden Gehorsam gleich an die Präferenzen einer anderen Partei anpasst. Jedes Mal, wenn im Ansatz etwas Liberales vertreten wurde, und Mutti oder der Finanzminister oder die „Öffentliche Meinung“ etwas dagegen hatte, wurde so schnell wie möglich zurückgerudert. Gegenwind hielten die Regierungskünstler gar nicht aus. Irgendwie ist ihnen aber nicht aufgefallen, dass das bedingungslose Mitmachen nicht für Respekt beim Koalitionspartner oder bei der „öffentlichen Meinung“ führte, sondern zum Gegenteil – zu Verachtung.

Erfolgsgeheimnis Nr. 2: Diejenigen, die nicht flexibel genug für Erfolgsgeheimnis Nr. 1 sind, kaltstellen und denunzieren, weil sie sich gegen die alternativlose Politik stellen. Es gibt sicher verschiedene Strömungen im sogenannten „politischen Liberalismus“. Es sind nicht alle Mitglieder und schon gar nicht alle Führungsmitglieder klassische Liberale, für die die Freiheit der einzelnen Menschen und ihr Eigentum der einzige Maßstab politischen Handelns sein können. Man kann auch verschiedene Strömungen integrieren und politisch nutzen. Doch die FDP wird nie wieder eine Chance haben, wenn sie Eigentum aus ihrem Wortschatz streicht und statt eines klaren Freiheitsbegriffes die Säuselfreiheit der Sozialdemokraten in allen Parteien verwendet.

Sie wird auch nie wieder eine Chance haben, wenn sie diejenigen, die aus innerer Überzeugung bestimmte Prinzipien vertreten, die zum Kern liberalen Denkens gehören, in übler Form verunglimpft und zu „Radikalen“ erklärt, die in der Partei nichts zu suchen haben. Gerade eine liberale Partei braucht neben all denen, die fügsam den Laden am Laufen halten, in welche Richtung auch immer, auch diejenigen, die Prinzipien vertreten.

Erfolgsgeheimnis Nr.3. Potentiell liberal gesinnte Wähler konsequent ignorieren. Leider – aus der Sicht der flexiblen Technokraten der Alternativlosigkeit – gibt es noch ein Potential jenseits der staatsgläubigen Parteien, die jetzt den Bundestag monopolisiert habe. Es gibt Menschen, die den Weg in die zentralisierte Verantwortungslosigkeit in Europa stoppen wollen. Es gibt Menschen, die nicht glauben, dass Energiesozialismus zukunftsfähig ist. Es gibt Wähler, denen das immer feinmaschigere Eingreifen des Staates in ihr Leben viel zu weit geht. Es gibt Menschen, die glauben, dass privates Eigentum nicht nur die Grundlage der Wirtschaft sein sollte, sondern auch die Grundlage jeder freiheitlichen Ordnung. Es gibt Menschen, die ihre Freiheit nicht durch Antidiskriminierungsgesetze, staatliche Überwachung und eine immer größeres Gestrüpp von Regelungen eingeschränkt sehen wollen. Es gibt Menschen, die sich in Freiheit und Verantwortung wohl fühlen – und nicht in der Wohlfühlatmosphäre des vormundschaftlichen Staates.

Die letztgenannte Gruppe ist sicher keine Mehrheit – aber es ist ein Potential für eine liberale Partei. Und, wie sich gezeigt hat, Etatismus können andere einfach besser. Meine Hoffnung ist nicht sehr groß, dass die FDP das kapiert. Aber ich werde es noch einige Zeit sagen und schreiben – auch wenn ich mich dabei in den Augen vieler lächerlich mache.