Der FDP-Parteitag hat sich entschieden: Es gibt ein „weiter so“ … Die Ergebnisse des Parteitags spiegeln die tiefsitzende Neigung wieder, Funktionspartei zu sein. Die verantwortungsvollen Positionen wurden mit Leuten von gestern besetzt, deren inhaltliche Positionierung von merkelesker Beliebigkeit ist. Während im alten Parteivorstand noch profilierte Politiker wie Holger Zastrow und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger saßen, dürfen jetzt stromlinienförmige Politzombies Christian Lindner beim projektierten Wiederaufbau der Partei unterstützen, die eher aus Zufall in eine Partei geraten sind, die sich liberal nennt.

Um es ganz klar zu sagen: die Wahlergebnisse sind nicht zurückzuführen auf eine Verschwörung um Christian Lindner. Nein, der Parteitag hat sehr deutlich für diese FDP gestimmt, für die FDP des „weiter so“, für die FDP der Pöstchen statt Positionen, für die FDP, in der es „keine Flügel gibt“ (so Christian Lindner gestern in seiner Bewerbungsrede). Der Parteitag strafte die luziden und hilfreichen Parteireform-Vorschläge Götz Galubas, der sich auch für den Bundesvorsitz bewarb, mit arroganter Missachtung. Der Parteitag sprang am Ende der beiden Reden Christian Lindners von den Sitzen auf wie ein Mann und jubelperserte einem Mann zu, der sich in Habitus und Duktus kaum vom vielgeschmähten Guido Westerwelle unterschied. Dieser Parteitag wollte keine Erneuerung – dieser Parteitag wollte Nostalgie.

Mit dieser FDP ist kein Liberalismus zu machen.

Wer von liberalen Ideen überzeugt ist, wer sich wirklich dafür einsetzen will, dass Freiheit, Recht und Selbstverantwortung mehr und mehr das politische Handeln bestimmen, der kann in der FDP bleiben oder sie verlassen – es ist irrelevant.

Jetzt ist die Stunde der überzeugten Verteidiger der Freiheit. Jetzt ist die Stunde derer, die nicht ihre eigenen Vorteile, nicht Pöstchen, Geld und Huldigungen, der Freiheit vorziehen. Jetzt ist die Stunde der Idealisten. Lassen wir uns nicht ins Bockshorn jagen von denen, die aus vermeintlichem Pragmatismus und mit altväterlicher Herablassung auf uns blicken und uns als „Orthodoxe“, „Theoretiker“, „Träumer“ oder gar „Spinner“ verunglimpfen. Wer das tut, überschätzt einfach maßlos die Wirksamkeit von Politik, die kaum mehr ist als Getriebene gesellschaftlicher Strömungen, höchstens selten einmal die Plattform bietet, Ideen zu verbreiten.

Idealismus hat dazu geführt, dass die Sklaverei abgeschafft wurde. Idealismus hat dazu geführt, dass inzwischen ein allgemeines und freies Wahlrecht in Demokratien gang und gäbe ist. Idealismus hat dazu geführt, dass in unserer Gesellschaft Minderheiten respektiert werden. Idealismus hat diejenigen angetrieben, die wirklich einen Beitrag zum Fortschritt der Freiheit geleistet haben.

Die liberale Bewegung mag sich getrost verabschieden von der FDP. Wichtigere und erfolgversprechendere Aufgaben warten auf sie: Gehen wir hinaus auf die Straßen und begeistern wir andere Menschen für unsere Ideale. Trauen wir uns an Themen und Argumente, die außerhalb des mainstream liegen. Suchen wir das Gespräch mit unseren Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen. Schreiben wir für Zeitungen und Blogs. Engagieren wir uns für kleine Freiheitsinseln. Arbeiten wir alle gemeinsam daran, die Idee der Freiheit in unserem Umfeld zu verbreiten. Der organisierte Liberalismus ist tot – es lebe der individuelle Liberalismus!