Klassischer Liberalismus, Konsequenter Liberalismus, Libertarismus haben es schwer in einer Umgebung, die von den 68ern und deren Affinität zu Staat und Sozialingenieurswesen geprägt ist. Marginalisierung führt häufig dazu, dass sich diejenigen zusammentun, die darunter zu leiden haben, auch wenn sie nicht die gleichen Ziele teilen. Die Zeitschrift „eigentümlich frei“ schließt solche Allianzen immer fester. Man begibt sich vor allem mit den „politisch Unkorrekten“ in ein Boot – mit Unzufriedenen, Nörglern, mithin eingefleischten Konservativen.

Beispiele aus jüngster Zeit: Michael Klonovsky verbreitet Stereotypen, die einem definitionsgemäß antikollektivistischen Liberalen ein Graus sein sollten: „Ein schwarzer Schüler mit offensichtlichen Schwierigkeiten, seine Hormone unter Kontrolle zu halten, habe eine ‚bildhübsche‘ Russin so beharrlich und übergriffig angemacht, dass die moskowitische Maid ihm schließlich vor der gesamten Klasse schwungvoll in die Eier trat.“ Und Akif Pirincci macht sich mit unsäglicher Wortwahl über eine (wohlgemerkt nicht staatliche, sondern private!) Aktion gegen Homophobie lustig. Um zu verstehen, was das von ihm lächerlich gemachte Zeichen der Solidarität mit Homosexuellen bedeuten kann, sollte er sich mal das Video von Prison Break-Star Wentworth Miller anschauen, in dem dieser von seinen Selbstmordabsichten berichtet.

Vorbei die Zeiten, in denen „eigentümlich frei“ ein Medium war, dem es gelungen ist, libertäre Botschaften zu popularisieren. Heute punktet die Zeitschrift mit so relevanten Titeln wie „War Hitler schwul?“ Neben verdiente liberale Autoren wie Roland Baader, Erich Weede, Stefan Blankertz oder Frank Schäffler treten jetzt ein Prolet wie Pirincci, ein dezidiert Rechtskonservativer wie Klonovsky oder Christa Meves, deren Verklärung frühbundesrepublikanischer Muffigkeit mit Freiheit einfach mal gar nichts zu tun hat. Neben seriöse Artikel treten jetzt rechtswutbürgerliche Populismen.

Es ist noch kein Qualitätsmerkmal, geschweige denn ein Ausweis von freiheitlicher Gesinnung, wenn jemand von links kritisiert wird. Oft ist sogar das Gegenteil der Fall. Viele der Fragen, die Linke stellen, sind sehr legitim und sehr richtig – gerade auch aus liberaler Perspektive. Das Problem entsteht in der Regel erst bei den Lösungsvorschlägen. Ob es um Drogenpolitik, Macht- und Herrschaftsproblematik, Migrationspolitik oder auch Bankenhaftung geht – überall sind Linke bei der Problemanalyse nicht weit weg von dem was Libertäre denken. Sie wären oft die besseren Verbündeten.

„Eigentümlich frei“ hat früher wichtige Beiträge dazu geleistet, freiheitlichen Ideen und Debattenbeiträgen ein Forum zu bieten. Diese äußerst hörenswerten Stimmen gehen inzwischen unter im Gebrüll derer, die sich in politisch unkorrekter Dauerprovokation gefallen und auch erschöpfen. Das ist ein wirklicher Verlust.

Friedrich August von Hayeks fasst in seinem phänomenalen Beitrag „Why I am not a conservative“ sehr gut zusammen, warum ein Bündnis zwischen Liberalen und Konservativen eigentlich nur auf Zufälligkeiten beruhen kann. Ein solches Bündnis ist so wenig möglich wie eines mit Sozialisten:

 „In einer Zeit, da die meisten fortschrittlich genannten Bewegungen mehr Eingriffe in die individuelle Freiheit befürworten, sind jene, die die Freiheit schätzen, leicht versucht, ihre Kräfte im Widerspruch zu erschöpfen. Darin finden sie sich meistens auf der Seite jener, die immer gegen Veränderung Widerstand leisten.“

„Wie von konservativen Schriftstellern oft bestätigt wurde, ist einer der Grundzüge der konservativen Einstellung eine Furcht vor Veränderungen, ein ängstliches Misstrauen gegen das Neue als solches, während der liberale Standpunkt auf Mut und Zuversicht beruht, auf einer Bereitschaft, der Veränderung ihren Lauf zu lassen, auch wenn wir nicht voraussagen können, wohin sie führen wird.“

„Der Liberale unterscheidet sich vom Konservativen durch seine Bereitschaft, […] Unwissenheit hinzunehmen und zuzugeben, wie wenig wir wissen […]. Es muss zugegegeben werden, dass in mancher Hinsicht der Liberale im Grunde ein Skeptiker ist – aber es scheint einen gewissen Grad an Zurückhaltung zu erfordern, um andere in ihrer eigenen Weise glücklich werden zu lassen und an jener Toleranz konsequent festzuhalten, die ein wesentlicher Zug des Liberalismus ist.“